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Aggressives Wachstum: „Spotify Family“ will der Familie mehr Abos verkaufen

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geschrieben von Ekki Kern

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Spotify möchte im Moment nur eines: wachsen. Der Musik-Streaming-Dienst führt hierzu bald auch in Deutschland das neue Abo-Modell „Spotify Family“ ein. Ein Nutzer zahlt dann den vollen Abo-Preis, die weiteren Familienmitglieder die Hälfte. 

Für die einen ist Spotify ein praktischer Service, der die MP3-Sammlung überflüssig macht. Die anderen machen den Streamingdienst dafür verantwortlich, dass nicht weniger als ein Stück Kultur verloren geht, wenn Musik quasi virtuell und sowieso überall verfügbar wird. Das haptische Erlebnis geht verloren, das Herausnehmen einer CD aus seiner Hülle und das Einlegen der Platte in den Player.

Während viele Menschen noch immer über das Für und Wider der neuen Musikrezeption diskutieren, schafft Spotify längst Fakten. Es geht um Wachstum. Und Spotify möchte wachsen. Und verfolgt seine Ziele hier ziemlich aggressiv. Der Massenmarkt Musik duldet keine Fehler, die Konkurrenz hat sich längst formiert. Der Kauf von Musik funktioniert zum Beispiel per iTunes, das Streamen auch mit Deezer oder Wimp. Wer in diesem Wettkampf um die Gunst der Nutzer gewinnen möchte, muss sich mit seinem Angebot abgrenzen oder mit den guten Ideen einfach schneller sein als die Anderen.

Neues Abomodell

Nun möchte Spotify das Abomodell „Spotify Family“ einführen. Die Idee dahinter: Obwohl jedes der Familienmitglieder weiterhin seinen persönlichen Login verwenden und somit seine eigenen Playlists und favorisierten Songs beibehalten kann, zahlt nur eine Person das monatlich knapp 10 Euro teure Abo „Spotify Premium“.

Die anderen, maximal vier Personen erhalten 50 Prozent Rabatt, zahlen also effektiv nur 5 Euro pro Monat. Das ist ein fairer Preis, bedenkt man, dass tatsächlich eine beachtliche Menge an Musik verfügbar ist, die sich während der Laufzeit des Abos zudem noch offline speichern lässt.

Spotify wird sich erhoffen, durch sein neues Angebot für Familien weitere Nutzer von seinem kostenpflichtigen Abo zu überzeugen. Schon deshalb, weil viele bislang noch die kostenlose Variante nutzen dürften. Diese ist werbefinanziert, auf dem Smartphone können Songs zudem nur nach dem Zufallsprinzip wiedergegeben werden. Das kann man für skurril bis absurd halten, es ist so.

Offline-Hören möglich

Möglicherweise fühlen sich nun von „Spotify Family“ auch Familien angesprochen, bei denen die gemeinsame Nutzung eines Accounts zu ziemlicher Unordnung in den Playlists geführt hat. Nutzbar sind die kostenpflichtigen Abos – wie bei „Premium“ üblich – auf allen Endgeräten, also auf Computer und Smartphone.

Ken Parks, beim Unternehmen für die musikalischen Inhalte zuständig, sagt, dass ein solches Abo-Modell von vielen Nutzern gewünscht worden sei. Nach den USA will Spotify es in den kommenden Wochen in weiteren Ländern, darunter auch Deutschland, offiziell einführen. Hat sich der Markt erst einmal bereinigt, dürften auf die Kunden dann wieder höhere Preise warten. Und man wird sich möglicherweise wieder an jene Zeiten erinnern, in denen man Musik einmal gekauft und dann ein Leben lang besessen hat.

Wie konsumiert ihr Musik? „Klassisch“ per MP3? Oder streamt ihr schon?


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Über den Autor

Ekki Kern

Ekki ist Medienjournalist und probiert Technologien gerne aus, entdeckt dabei aber nicht selten die Vorzüge des Analogen. Diskutieren über das alles kann man mit ihm ganz hervorragend, für die Zeitung schreibt er über Medien und Verbraucherthemen, privat für seinen Watchblog Radiowatcher.

2 Kommentare

  • Warum ist es aggressiv, wenn ein Diensteanbieter einen lukrativen Tarif für Familien schafft? Ich finde das eigentlich ziemlich begrüßenswert.
    Und zum Thema verlorene Kultur: Ich habe noch nie so viel unterschiedliche und neue Musik gehört wie seit dem Abschluss des Spotify-Abos. Ich würde das eher als kulturellen Gewinn sehen, wenn man nicht mehr jeden Albenkauf abwägen muss.

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