Verlauf Autobahn 3 A3

Alptraum A3 – Die Abgründe einer unverbesserlichen Betonpiste

Ekki Kern
von Ekki Kern
Verlauf Autobahn 3 A3

Sie fahren auch öfter mal die A3 entlang? Mein Beileid! Sollte es einmal eine Zeit gegeben haben, in der es Spaß machte, auf dieser unerbittlichen Betonpiste zu fahren, ich durfte sie nie erleben. Und die Chancen stehen gut, dass das so bleiben wird.

Die ewig lange, mäandernde Autobahn, die sich vom Süden Bayerns über Franken, Hessen, das Ruhrgebiet bis an die holländische Grenze zieht, ist die meiste Zeit nur eines: eine Zumutung. Sie ist nach der A7 die zweitlängste deutsche Autobahn und irgendwie auch der Prototyp der Straße, die niemals fertig war und niemals fertig sein wird. Ein Flickenteppich ist sie, ein Betonmoloch ohne nennenswerte bauliche Höhepunkte. Und für den Autofahrer ist sie Quell innerer Unruhe und in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung, nicht zuletzt nervlich.

A3: Im Verkehrsfunk die Schlimmste

Wer den Verkehrsfunk regelmäßig verfolgt, wird feststellen: Die A3 ist die schlimmste aller Autobahnen, von Stau oder doch zumindest kilometerlangem zähflüssigen Verkehr gezeichnet.

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Als ich das hessische Teilstück von Aschaffenburg, das noch in Bayern liegt, über Frankfurt und Montabaur bis nach Nordrhein-Westfalen entlangfahre, muss ich an mein altes „Was ist Was“-Buch denken, in dem ich als Kind gerne blätterte und las. Auf einer Seite, daran kann ich mich ziemlich gut erinnern, waren Fahrzeuge abgebildet, die die Zukunft des Automobils repräsentieren sollten. Autos, die sich in die Leitplanke eingeklinkt im Takt mit dem übrigen Verkehr bewegen.

Nur fürs Überholmanöver wird der Fahrer, so heißt es im Buch, kurz noch selbst die Kontrolle übernehmen müssen. Alles andere, wie auch das Abstandhalten zum nächsten Auto, passiert vollautomatisch. Verkehr als entspannter Fluss mit tiefenentspannten Fahrzeuginsassen also.

Für mich war dieses Auto der Zukunft damals extrem faszinierend, natürlich auch dank der liebevollen Illustrationen. Der Fahrer, so zeigte es die Abbildung, kann seinen Sitz um 180 Grad drehen und mit seinen Kindern, die auf der Rückbank sitzen, Karten spielen. Ein Wunschtraum aller, die gerne entspannt reisen und trotzdem nicht auf den Luxus eines eigenen Fahrzeugs verzichten möchten.

Spritschleudern statt Entspannung

Ein solches Auto ist heute, 25 Jahre nach meinem „Was ist Was“-Schlüsselerlebnis, auf der A3 nirgendwo zu sehen, ich habe mich genau umgesehen. Stattdessen fahren wir noch immer mit unseren mehr oder weniger „effizienten“ Spritschleudern durch die Gegend, lavieren uns mit Tempo 60 durch unzählige Baustellen und haben ständig Panik davor, geblitzt oder sonstwie bedrängt zu werden.

Es scheint, als ginge es längst nicht mehr darum, die Verkehrsteilnehmer zu erziehen, sondern darum, sie zu malträtieren. Auffällig angebrachte „Radar“-Schilder suggerieren dem Autofahrer: Du wirst überwacht, überall. Und gerade dort, wo du nicht damit rechnest. Oft dürfte es die hieraus resultierende Anspannung vieler Autofahrer sein, die Unfälle überhaupt erst entstehen lässt.

Nach kilometerlangen Achtzigerzonen, in denen ausnahmslos alle 107 km/h fahren und die mitunter mit kindischen Smileys versehen sind, fehlt das Aufhebungsschild, irgendjemand hat es wohl vergessen aufzustellen. Wer sich jetzt nicht an anderen Verkehrsteilnehmern orientiert und wieder beschleunigt, kann weiterhin im Schneckentempo fahren. Immerhin: Weit ist es nicht bis zur nächsten Achtzigerzone auf der A3.

Nein, das Autofahren macht heute oft schlicht keinen Spaß mehr, auf dieser Autobahn schon gar nicht. Vielmehr ist es zur Nervenprobe verkommen, die das entspannte Miteinander auf den anonymen Verkehrsadern der Republik gezielt zu verhindern weiß. Unsere kaputten Trassen werden von einer diffusen Masse in Stahl und Blech isolierter Indviduen besetzt gehalten, die mit Tunnelblick ihren Gedanken nachhängen und in melancholischer Stimmung auf ein Zeichen hoffen. Irgendeines. Und die Bauarbeiter? Die müssen dort Flickschusterei betreiben, wo längst die Abrissbirne hantieren müsste.

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Deutschland ist in Sachen Straßen wieder auf dem Weg zum Entwicklungsland. Wer das verstehen möchte, muss A3 fahren. Das ist keine Straße, sondern ein Gefühl. Und bestimmt kein gutes.

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Ekki ist Medienjournalist und probiert Technologien gerne aus, entdeckt dabei aber nicht selten die Vorzüge des Analogen. Diskutieren über das alles kann man mit ihm ganz hervorragend, für die Zeitung schreibt er über Medien und Verbraucherthemen, privat für seinen Watchblog Radiowatcher.