Das Bitcoin-Handbuch

Das Bitcoin-Handbuch – Tutorial zur digitalen Währung: Wie macht man ein Bitcoin Wallet? Teil I: Desktop Wallets

Das-Bitcoin-Handbuch
geschrieben von Felix

In “Das Bitcoin-Handbuch: Tutorial zur digitalen Währung” machen sich die Autoren Tobias und Felix auf, alles rund um die digitale Währung Bitcoin zu verstehen. Als Anfänger wollen sie sich dabei langsam vortasten und andere Einsteiger mitnehmen sowie Wissende einladen, an der Reise teilzuhaben und wichtige Punkte zu ergänzen. In Kapitel 8 geht es um die Frage, welche Desktop-Wallets es gibt, worin sie sich voneinander unterscheiden und wie man sich eines anlegt.

Desktop Wallets

Klassischer Weise erstellt man Bitcoin-Wallets auf dem Rechner – egal ob Standrechner oder Notebook. An der Beliebtheit dieser Wallets hat sich offenbar wenig geändert. Sucht man hier Bestenlisten, so stehen diese Desktop-Wallets immer ganz weit oben.

Da wundert es, dass die bei Bitcoin.org aufgeführten allesamt für eine „angreifbare Umgebung“ kritisiert werden. In der Regel bezieht sich das aber vor allem darauf, dass der Rechner überhaupt online ist und sich grundsätzlich der Gefahr von Schädlingen aussetzt. Man muss dementsprechend eben auf Sicherungsmechanismen und Backups achten.

Bitcoin Core

Bitcoin Core, ehemals auch bekannt unter dem Namen BitcoinQT, ist gewissermaßen die Mutter aller Bitcoin-Wallets. Es handelt sich um den ersten Bitcoin-Client, der ursprünglich vom Gründer Satoshi Nakamoto entwickelt wurde. Auch aktuell wird der Client von einer aktiven Szene betreut und weiterentwickelt. Die Gefahr von Sicherheitslücken gilt dementsprechend als gering.

Der Client ist eigentlich kein Bitcoin Wallet, er bietet aber eines im Programmumfang. Eigentlich ist Bitcoin Core ein vollständiger Knoten im Bitcoin-Netz, der, wie in den vorherigen Kapiteln beschrieben, Transaktionen validiert. Selbst minen kann man aber nicht mit ihm.

Trotzdem erfordert dies, dass nach der Installation des Clients auch die gesamte Blockchain lokal auf den Rechner heruntergeladen werden muss. Mit Stand März 2015 ist die Blockchain bereits über 30 GB groß. Das Herunterladen nimmt also viel Zeit in Anspruch.

Auf einem Windows-PC speichert das Programm Wallet und Blockchain standardmäßig in folgendem Verzeichnis: C:\Users\…\AppData\Roaming\Bitcoin. Man kann das natürlich ändern.

Ein sinnvoller erster Schritt ist, sein neues Wallet unter den Einstellungen mit einem Passwort zu versehen. Der Funktionsumfang ist klein und selbsterklärend.

Bitcoin Core

Armory

Auf allen Bestenlisten die mir begegnen, wird Armory immer wieder als Spitzenreiter in Sachen funktionsumfang und vor allem Sicherheit gehandelt. In der Tat bietet es spezielle Sicherheitsfeatures wie ein graphisches Keyboard, oder die Möglichkeit, das eigene Wallet einfach als Sicherheitskopie auszudrucken.

Als besonders sinnvoll wird vor allem die Möglichkeit für sogenannte Offline-Transaktionen erachtet. Die Idee: das eigentliche Wallet befindet sich offline. Transaktionen von oder zu diesem Wallet werden stets auf einem anderen (Online) Computer in einer „watch only“ Version des Wallets ausgeführt. Im Offline-Wallet wird die Transaktion dann signiert.

Um das auszuprobieren installiert man eine Version von Armory auf einem Rechner mit Internetanschluss und auf einem ohne. Offline erstellt man ein Wallet und fertigt eine watch only Kopie an. Diese überträgt man anschließend auf den Online Rechner (z.B. per USB-Stick), erstellt dann eine Transaktion, signiert diese Transaktion mit dem Offline-Rechner und versendet (broadcasted) sie dann mit dem Online-Rechner.

Dieses Verfahren erfordert zwar mehrfaches hin- und herübertagen der Wallet-Kopie zwischen den verschiedenen Rechnern, erhöht die Sicherheit aber immens. Seit Mitte 2014 bietet Armory mit seinen Lockbox-Dienst auch Multi-Signature Transaktionen.

In Sachen Sicherheit macht man dem Dienst also nichts vor. Der naheliegende Preis dafür ist die mangelnde Benutzerfreundlichkeit. Aus der macht das Unternehmen auch gar keinen Hehl. Das Programm wird nach eigenen Angaben nicht an Neulinge vermarktet und richtet sich an Nutzer, die aktiv nach einer sicheren Lösung suchen und sich dementsprechend damit auseinandersetzen wollen.

Schwerfällig ist das Programm zudem, denn es benötigt den Bitcoin Core, mitsamt der Blockchain. Sonst sind keine Transaktionen möglich.

Hive

Wer nach einer besonders schlanken Lösung sucht, der ist bei Hive genau richtig. Mit wenigen Klicks hat man hier ein Bitcoin Konto erstellt. Man bekommt ein deterministisches Wallet mit Passphrase, also mit einem konfusen Satz, den man unbedingt speichern muss. Dann sucht man sich einen vierstelligen Pin aus und schon ist man in seinem aufgeräumten und übersichtlichen Konto.

Die Passphrase, so erfahre ich im FAQ, ist zudem nicht einfach ein wirrer Satz, sondern die für Menschen lesbare Variante des Master Private Key für mein Wallet (deterministisches Wallet). Um diesen langen Key, bzw. diese lange Phrase nicht immer neu eingeben zu müssen, gibt es den Pin. Erst wenn man den fünf Mal falsch eingibt ist die Master-Phrase nötig.

Hive ist also schlank und schnell, die Blockchain muss hier nicht erst runtergeladen werden und die Desktop-Anwendung gibt es auch als App für Android und iOS. Mit entsprechendem Backend bietet es dem Anonymität suchenden Nutzer auch Tor-Support. Kritik erntet das Programm jedoch für die fehlende 2-Faktor-Authentifikation.

Hive

Multibit

Wie auch Hive gehört Multibit in die Kategorie „Lightweight Clients“, d.h. es ist schnell und ressourcensparend. Auch hier muss man nicht gesamte Blockchain herunterladen, lediglich einen 20MB großen Auszug davon.

Dem ungeübten Nutzer macht Multibit die Einrichtung mehrerer Wallets recht einfach. Standardmäßig ist das Wallet auch nicht passwortgeschützt, das muss man noch selbsterledigen. Ebenso das Sichern der dazugehörigen Dateien. Beachten muss man nur, dass das Wallet nicht in der üblichen Wallet.dat liegt, sondern standardmäßig in der Datei multibit.wallet. Erhältlich ist das Programm für Windows, Mac und Linux.

Als Kritikpunkt stößt jedoch die vermeintliche Fehleranfälligkeit des Programms auf und natürlich der Backup-Stress. Außerdem lässt sich der Client nur an einem Computer verwenden.

MultiBit

Electrum

Electrum wird ein wenig als der große Bruder von MultiBit gehandelt. Ähnlich wie MultiBit muss auch dieser Client nicht die gesamte Blockchain herunterladen. Electrum hat dieses Problem elegant gelöst indem sich ein Servernetzwerk um die Blockchain kümmert (Client-Server Protokoll).

Wie bei Hive bekommt man auch bei Electrum ein deterministisches Wallet, also eines mit einer Passphrase die man sich merken muss und mit der man im Notfall das Wallet wiederherstellen kann.

Electrum ermöglich aber noch mehr: die Private Keys sind exportierbar und auch von anderen Konten importierbar. Wie Armory bietet Electrum zudem die Möglichkeit für Offline-Transaktionen und kann Nachrichten signieren und überprüfen. Über einen sogenannten root public key kann man anderen Programmen sogar erlauben, im Lesemodus auf das Konto zuzugreifen.

Leider sind all diese erweiterten Funktionen den eher fortgeschrittenen Anwendern vorbehalten, denn man muss sie über Python-Programmzeile ausführen. Zum einfachen versenden und empfangen gibt es aber eine leicht bedientbare Oberfläche. Electrum ist für Windows, Mac, Linux und Android erhältlich.

Electrum

Dark Wallet

Als die anarchistische Version der Wallets hat sich Dark Wallet einen Namen gemacht. Anonymität steht dabei im Fokus. Die Gruppe „unSYSTEM“ hat das Projekt 2013 mit einer Indiegogo-Kampagne finanziert, seit Mitte 2014 ist die Beta-Version verfügbar, jedoch nur als Chrome-Plugin.

In den Medien wurde das Projekt regelmäßig als Rebell in der Szene gesehen, vor allem weil es vermeintlich zur Geldwäsche einlädt. Das Prinzip von Dark Wallet ist in der Tat clever, die Entwickler haben es nämlich geschafft, im Bitcoin System selbst einen neuen Weg der anonymen Zahlungen zu beschreiten.

Mit allem was wir mittlerweile über die (für alle öffentliche) Blockchain wissen ist klar: der Bitcoin ist nicht anonym. Zwar erkennt man nicht unmittelbar, wer da was gezahlt hat, mit ein wenig Mühe kann man es aber zurückverfolgen. Das Prinzip von Dark Wallet ist es deshalb, mehrere Zahlungen, die zu einer ähnlichen Zeit stattfinden, zu bündeln. Nach Möglichkeit mehrfach. Wenn also Nutzer Eins bei Zalando Schuhe bestellt und Nutzer Zwei Drogen bei Shiny Flakes, dann erscheint die Zahlung in der Blockchain als eine einzige. Beim mehrfachen bündeln kann man so schnell nicht mehr sagen, wo eine Zahlung herkommt. Aktuell testet man in Spanien sogar eine Möglichkeit, Geld aus dem Geldautomaten zu bekommen.

Leider ist das Projekt insgesamt eher noch im Experimentierstadium. Auf der Seite selbst steht noch der Hinweis, dass man vorsichtig sein sollte, wirkliches Geld zu benutzen, schließlich sei alles noch eine Beta-Version.

Das Bitcoin-Handbuch gibt es als E-Book für 3,49 Euro bei Amazon, im iBookstore oder DRM-frei bei XinXii. Zudem bieten wir es als Taschenbuch für nur 12,95 Euro an bei Amazon, im JMB-Verlag oder bestellbar in jeder Buchhandlung.

Bilder: Screenshots


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Über den Autor

Felix

Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.

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