Meinung Software

Windows 10 im Selbstversuch: Ein Windows-System, so gut wie lange nicht

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geschrieben von Michael Müller

Microsoft bringt mit Windows 10 ein neues Multi-Plattform-Betriebssystem, welches das Beste aus den so ähnlichen wie auch verschiedenen Welten von Windows 7 und Windows 8/8.1 vereinen soll. Dies geht einher mit einer strategisch-konzeptionellen Rückbesinnung: Die verschmähte, weil nicht wirklich sinnvolle Startseite verschwindet und die oft nur halbgaren Windows-Apps wandern direkt in die Wiederfleischwerdung der Startleiste. Zudem sollen Android-Apps bald nativ auch in Windows laufen und der neue Edge-Browser begräbt den Internet Explorer. Doch reicht das alles aus, um auch alteingesessene Win7-Jünger zum Umstieg zu bewegen? Ich wage als langjähriger Windows-Nutzer den Selbstversuch und treffe auf ein Windows-System, so gut wie lange nicht. // von Michael Müller

Seit ich in Bits und Bytes denken kann, setze ich bei meinen privaten Computern auf Microsoft Windows. Immer wieder überlegte ich den Wechsel in den Apple-Kosmos, konnte dann jedoch keine starken Argumente für mich finden. Stets überwogen die Vorteile des Microsoft-Systems gegenüber anderen Plattformen – und das über Generationen hinweg. Ob Treiber-Unterstützung, insbesondere für Grafikkarten und Gaming, schier endlose Erweiterbarkeit, Kompatibilität oder nahtlose Office-Integration: Windows war und ist mein präferiertes Arbeitstier.

An vorderster Umsteiger-Front

So gehöre ich zu den Mutigen, die seit Windows 98 mit jedem Windows-System intensiv in Verbindung traten und auch voller Zufriedenheit nie vor einem direkten Umstieg auf das neuere System zurückschreckten. Diese offene Haltung ging lange gut – bis Microsoft mit Windows 8 einen großen Fehler machte. Hier zeigten sich an vielen Ecken starke konzeptionelle Schnitzer, unlogische Neuausrichtungen und sinnlose Brüche mit Bewährtem. Mensch, was fluchte ich auf dieses unfertige Stück Software.

Nicht nur, weil das System an sich total unlogisch war und verschachtelte Wege gegangen werden mussten, bis man an zuvor sehr viel einfacher zugänglichen Zielen war. Sondern auch, weil diese Unlogik zu Verstimmungen bei den Nutzern führte, die ich bei meiner damaligen studentischen Tätigkeit im Rechenzentrum meiner Universität betreute. Das Problem: Weniger versierte Anwender innerhalb der Domäne, die mit Windows 8 in Kontakt kamen, verzweifelten an diesem System.

Das daraus resultierende viel größere Problem: Aussichtslose, nicht selbst lösbare IT-Probleme bedeuten bei den geschulten Helfern der Support-Hotlines noch viel größere Depression, als beim hilflosen Anwender selbst – weil zusätzlicher Erklärungsbedarf nötig ist, der zusätzliche Arbeit und sehr viel Zeit erforderlich macht. Etliche Anwender resignierten, zahlreiche Rechner mussten zurück auf Windows 7 portiert werden. Doppelte Arbeit, Verstimmungen an breiter Front. Fortschritt geht anders.

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Windows 8.1: Es werde Licht

Entsprechend verhalten war der Ausblick auf Windows 8.1 – und siehe da, ein Lichtblick. Zwar bin ich einer der Wenigen in meinem direkten Umfeld, der dem System uneingeschränkt positiv gegenüber steht, jedoch konnte ich hier an etlichen Ecken sinnvolle Verbesserungen und Rückbesinnungen von Microsoft erkennen, die das Arbeiten damit enorm erleichterten. In meinem Selbstversuch von Oktober 2013 schrieb ich im Fazit:

Ob die nahtlose SkyDrive-Implementierung, die endlich logische Navgiation, die Schnelligkeit, die eigenständige SSD-Optimierung oder aber die vielen weiteren neuen (teils alten) Features: Windows 8.1 macht Spaß und ist so, wie Windows 8 von Anfang an hätte sein sollen. Als überzeugter, langjähriger und vor allem zufriedener Windows-7-Nutzer vermisse ich nichts. Im Gegenteil: Ich will Windows 8.1 nach wenigen Tagen schon nicht mehr missen.

Anders gesagt: Windows 8.1 war für mich kein großer Wurf, aber eine konsequente Verbesserung von Windows 7, die Windows 8 umso sinnfreier erscheinen lässt. Ein „Versöhnungs-Windows“, wie Christian es damals bei seinem Blick auf die Preview schon sehr treffend bezeichnete.

Blicke ich zurück, verrichtete Windows 8.1 bis heute durchweg treu seine Dienste auf meinem Arbeitsrechner, stabil und unauffällig, so wie es sein muss. Wirkliche Kritikpunkte habe ich auch nach langer Nutzung nicht, dennoch finde ich den App-Kosmos von Windows dürftig und weiterhin wenig sinnstiftend.

Dies schließt Microsoft-eigene Apps ein, beispielsweise die Kalender- oder Mail-App, die zwar ganz gut mit dem Live-Konto samt Exchange-Protokoll synchronisieren, aber vom Nutzererlebnis her enttäuschen. Immer wieder frage ich mich, ob diese Apps nun für Touch- oder Mauseingabe optimiert sind? Wer hat dieses unlogische Look & Feel konzipiert? Egal wie man es dreht, das Konzept ist inkonsistent, unpraktisch, hakelig. Immerhin: das lässt Raum für Verbesserungen und befeuert die Vorfreude auf Windows 10.

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Das große Verlocken

Interessant ist die Upgrade- und Verlockungs-Strategie von Microsoft: Der Software-Riese erlaubt im ersten Jahr ein kostenloses Upgrade ab Windows 7 und neuer. Das gab es in dieser Form noch bei keiner vorhergehenden Windows-Version. Einzig der Umstieg von Windows 8 auf 8.1 war kostenfrei möglich, von Umstiegs-Optionen beim Hardware-Kauf kurz vor dem Start neuer Windows-Versionen abgesehen.

Das sind deutliche Indizien dafür, welch große Stücke Microsoft auf sein neues Windows hält, vergleichbar mit einer Wette. Windows 10 muss gut, ausgewogen und logisch genug sein, um endlich auch große Domänen jenseits von Forschung und Lehre zum Umstieg vom ewig aktuellen (weil „zu ausgereiften“) Win7 zu locken. Nur so fließen wichtige Lizenzgebühren für Software, die eng mit Windows verwoben ist, beispielsweise Microsoft Server, Exchange Server oder Office.

Microsoft fixt Privatnutzer durch die kostenfreie Umstiegsmöglichkeit an, fördert die schnelle Verbreitung und Akzeptanz der Software und macht den Selbstversuch an breiter Front schmackhaft. Bei gleichbleibendem Verzicht auf neue Investitionen in Privatlizenzen. Ein Verlustgeschäft, das sich auf kurze bis mittlere Frist dann im Business-Bereich und im OEM-Geschäft lohnen soll. Riskant, aber ausgefuchst.

Windows 10: Das ist neu

Jetzt ist Windows 10 also da und wird seit dem 29. Juli an all jene verteilt, die sich zuvor für diese Option registrierten. Bevor das Upgrade startet, noch ein kompakter Blick auf die Verbesserungen und Neuerungen:

  • Modernes Design: Das Design des Systems wurde an vielen Stellen verbessert und modernisiert. Zwar sind die UI-Verbesserungen weniger spürbar, als beim Sprung von Win7 auf Win8.1, jedoch verwöhnt das System das Auge mit flachen, modernen Elementen.
  • Symbiose aller Plattformen: Mit Windows 10 verabschiedet sich Microsoft vom Plattform-Gedanken und bietet ein System für alle.
  • Neues altes Startmenü: Das altbekannte Startmenü ist zurück. Vorbei die Zeiten der Start-Vorwahl-Seite mit der App-Übersicht. Microsoft verschmelzt dabei beide Welten und implementiert die App-Kacheln kurzerhand in das Startmenü – ein logischer Schritt, wie ich finde, der die Nutzbarkeit in Verbindung mit ausgereiften Apps und dynamischen Live-Kacheln auf einen Blick tatsächlich deutlich steigern dürfte.
  • Task-Ansicht: Was bei mobilen Plattformen schon lange Standard ist, findet jetzt auch seine Umsetzung in Windows. Mit einem Klick (oder einem 3-Finger-Wisch bei Touch-Steuerung) zeigt Windows 10 alle geöffneten Programme nebeneinander an, erlaubt das einfache Schließen und Hin-und-Her-Springen zwischen den Anwendungen.
  • Funktionen per Update: Neue Windows-Funktionen und Erweiterungen wandern nun über Windows Update in das System. Will heißen: Wo früher ein Service Pack oder eine Neuinstallation fällig war, spielt Microsoft die Neuigkeiten nun über die Update-Funktion ein. „Windows as a Service“ nennt sich diese Idee, angelehnt an den IT-Trend von „Software as a Service“ (SaaS).
  • Neuer Edge-Browser, Internet Explorer adé: Microsoft begräbt die gescholtene Marke „Internet Explorer“ und geht mit seinem neuen Edge-Browser auf Marktanteile-Jagd gegen Chrome, Firefox und Co. – wie sich der Browser im Alltag schlägt, muss sich zeigen.

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  • Android-Apps im Windows Store: Mit dem Projekt „Astoria“ will Microsoft Android-Apps ganz einfach auf Windows portieren und schafft damit eine Brücke zwischen beiden Systemen, die sich letztlich für den Windows-Nutzer lohnen könnte.
  • Sprachassistentin Cortana: Die Microsoft-Siri, die schon ein fester Bestandteil von Windows Phone ist, bietet ihre Hilfe nun auch auf Computern an.
  • DirectX 12: Die Grafikschnittstelle für moderne Videospiele ist exklusiv in Windows 10 implementiert. Eine Strategie, die Microsoft schon in alten Versionen des Betriebssystems verfolgte.
  • Xbox Streaming: Mit einer in Windows 10 integrierten Xbox-App können Inhalte von der Spielekonsole auf andere Plattformen, beispielsweise den PC, gestreamt werden.
  • Virtuelle Desktops: Mit einem einfachen Klick können virtuelle Desktops ad hoc eingerichtet werden.
  • Entsperren per Gesichtserkennung mit „Windows Hello“: Rechner lassen sich mit Hilfe der Gesichtserkennung entsperren. Ob das auch zuverlässig nach gängigen Standards funktioniert, muss sich noch zeigen. Immerhin: um das Austricksen der Technologie mit Fotos oder Attrappen zu umgehen, werden Infrarot-Kameras zur Messung der Körperwärme vorausgesetzt.

Der Umstieg von Windows 8.1: Erste Schritte

win10_update1Nach dem Rollout des globalen Updates bedankte sich Microsoft erneut für die Reservierung des kostenlosen Updates. Im Anschluss dauerte es mehrere Stunden, bis sich überhaupt etwas tat. Zunächst hatte ich Zweifel, ob das Update auch wirklich im Hintergrund heruntergeladen wurde, zeigte sich doch nirgends irgendeine Status-Anzeige des Downloads.

Ein kurzer Blick in die versteckten Ordner auf dem Systemlaufwerk zeigten mir dann aber, dass offensichtlich alles seinen Gang geht. So übte ich mich in Geduld und wartete, bis Windows mir die Verfügbarkeit des Upgrades kommunizierte. Nachdem sich bis zum Wochenende nichts tat, entschied ich mich, die Installation manuell anzustoßen. Dies ermöglicht das kostenfreie „Windows Media Creation Tool“ entweder in 32- oder 64-Bit – nach zwei Klicks startet der Download der Windows 10-Systemdateien, offenbar erneut, zeigte mein Systemlaufwerk doch schon die notwendigen Dateien an.

Lizenz-Wirrwarr – saubere Neuinstallation nur nach erfolgreichem Upgrade

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Neben dem Download der Systemdateien ist das Tool auch dazu in der Lage, ISO-Images bereitzustellen und auf DVDs zu brennen. Damit lassen sich Windows 10-DVDs erstellen, die im Anschluss eine „saubere“ Neuinstallation ohne Upgrade erlauben. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass alte Win7- und Win8/8.1-Keys erst mit einem Upgrade Win10-fähig gemacht werden müssen. Anders fomuliert: Windows-Product-Keys von älteren Windows-Versionen als Windows 10 ermöglichen keine Neuinstallation. Dem ist nur so, wenn ein vorinstallierter Rechner mit einer solchen älteren Windows-Version bereits per Upgrade auf Windows 10 portiert wurde.

Dies gilt dauerhaft für OEM- und Systembuilder-Lizenzen, ebenso wie für Windows-Vollversionen und DreamSpark Premium-Lizenzen (ehemals MSDN AA für Forschung und Lehre), wenn das Upgrade auf Windows 10 innerhalb der kostenlosen einjährigen Umstiegsphase in Anspruch genommen wird. Nicht aber gilt dies für Recovery-Lizenzen, die beispielsweise beim Kauf von Notebooks gerne mitgeliefert werden, wie caschy auf Nachfrage bei Microsoft erfuhr – der Grund dafür: diese Lizenz ist an genau diese Hardware gebunden und nicht auf andere Rechner übertragbar. Weitere Fragen und Antworten rund um das Upgrade gibt Microsoft in seinen FAQs.

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Der Umstieg von Windows 8.1: EXEcution

Nachdem das Update-Tool innerhalb weniger Minuten die erforderlichen Installationsdateien auf meinen PC heruntergeladen hatte, sollte ich angeben, was genau ich behalten wolle. Nach der Suche nach Updates prüfte das Tool die Installationsbereitschaft. Der gesamte Prozess dauerte auf meinem System (AMD Phenom II X4 955 mit 3,2 GHz, 4 GB RAM und OCZ Vertex 460 SSD) knapp 5 Minuten. Im Anschluss startete endlich das Upgrade.

Windows 10: Erstkontakt & erster Eindruck

Knapp über 25 Minuten nach dem Klick auf „Installieren“ und einigen wenigen Neustarts war es so weit: Nachdem die Apps eingerichtet und einige wenige Klicks für letzte Voreinstellungen vorgenommen wurden, zeigte sich mir erstmals der neue Desktop. Trotz des neuen dunklen Designs und zahlreicher neuer Icons, fühlte ich mich direkt zuhause. Ein Blick in die Gerätesteuerung zeigte keine Unauffälligkeiten, offenbar hatte das Upgrade-Tool alle Treiber übernommen oder ohne mein Zutun aktualisiert.

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Auf den zweiten Blick ist dem aber leider nicht so. Der AMD-Grafiktreiber ist zwar laut Gerätesteuerung installiert, zeigt jedoch auffällige Verzögerungen beim Betrachten des dynamischen Startmenüs. Also schnell den neuesten Win10-Treiber von der AMD-Seite geladen und installiert, schwupps, alles gut. Umsteiger sollten folglich einen Blick auf die wichtigsten PC-Komponenten werfen, insbesondere Chipsatz, Grafik- und Soundkarte sowie alle weiteren Erweiterungskarten.

Hallo, Cortana!

Ins Auge fällt die neue Suchleiste in der linken unteren Bildschirmecke. Hier hat Microsoft seinen neuen Suchassistenten Cortana sehr prominent platziert. Daran wirklich positiv: Neben den neuen, recht umfangreichen Features von Cortana, handelt es sich dabei auch um die altbekannte Suchfunktion – heißt, man kann über die Suchleiste sowohl nach Windows Apps, Dateien, Anwendungen, Spielen oder Einstellungen suchen und wird sehr schnell (beinahe in Echtzeit) und unkompliziert bedient.

win10_startmenueAuch legt sich, oh Wunder, die aus Windows 8.1 bekannte Startseite nicht mehr über den Desktop. Vielmehr zeigt sich das altbekannte und mit Windows Apps und dynamischen Kacheln erweiterte Startmenü. Anfangs ungewohnt, aber sehr schnell akzeptiert und für gut befunden.

An vielen Ecken zeigt sich die enge Verwandtschaft mit Windows 8.1, so auch beispielsweise dann, wenn man sich fragt, wie man das System herunterfahren oder neustarten kann. Die Vorgehensweise ist hier identisch wie beim Vorgänger-System: Rechtsklick auf das Windows-Zeichen links unten, Option wählen, glücklich sein. Ein nützlicher Tipp für alle Umsteiger von Windows 7, denen der „Ein/Aus“-Button im Startmenü zu wenige Optionen bietet. Hierbei durchdacht: ein Rechtsklich auf genau diesen Button, bringt alle Energieoptionen ans Tageslicht und erlaubt auch den Energiesparmodus oder einen Neustart.

Windows 10 agiert ein bisschen dreist

Ein wenig nervig ist, dass Windows meine Standard-Apps im Rahmen der Installation angepasst hat. So ist beispielsweise Opera nicht mehr Standard-Browser, sondern Edge. Das ist im Endeffekt zwar mein Verschulden, da ich bei den letzten Schritten der Installation kein Auge auf diese Werte geworfen habe, gefällt mir aber trotzdem nicht. Ein Umstieg auf ein neues System sollte so wenige Eingriffe beim Nutzer erforderlich machen, wie nötig. Dazu zähle ich auch, dass zuvor gesetzte Optionen und Standards beibehalten werden. Hier agiert Windows 10 für meinen Geschmack ein wenig dreist, um möglichst viele (bequeme) Nutzer auf die eigenen Microsoft-Anwendungen zu ziehen. Dislike.win10_standard_apps

An dieser Stelle offenbart sich ein weiteres Ärgernis. So ist es aus der Anwendung heraus nicht möglich, diese wieder als Standard-App zu definieren. Stets ist ein Blick in die recht versteckten Einstellungen notwendig. Damit ihr euch nicht (wie ich) in der Systemsteuerung madig sucht: im Startmenü auf „Einstellungen“ klicken, dort dann auf „System“ und „Standard-Apps“. Fertig.

Das Startmenü: Anpassbar, logisch, dynamisch

Dass ich schon immer ein Fan des Konzepts der dynamischen Live-Tiles in Windows 8 und Windows Phone bin, dürfte der ein oder andere treue Leser spätestens nach dem einwöchigen Selbstversuch mit dem Nokia Lumia 925 wissen. Zu schade, dass mich diese dynamischen Kacheln jedoch bei meiner täglichen Nutzung von Windows 8.1 kaum unterstützten, fühlte sich die Startseite doch immer wie ein Fremdkörper im System an, dem ich kaum Beachtung schenkte.

Mit Windows 10 dürfte sich das jetzt ändern, wandern die Live-Tiles doch direkt in das Startmenü. Umso besser daran: Die Kacheln lassen sich völlig frei anordnen, bei frei definierbarer Höhe und Breite des Startmenüs. Das sieht bei mir nach einigen Tagen Nutzung mittlerweile so aus, und bereitet mir zunehmend Freude:

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Ziemlich schick ist auch die neue Taskansicht, die sich direkt rechts neben der Cortana-Suchleiste befindet. Mit dieser können alle offenen Tasks nebeneinander dargestellt werden – zwar keine wirkliche Innovation, gibt es diese Darstellung doch schon lange bei anderen Systemen (Bild links). Und doch eine deutliche Weiterentwicklung zur verspielten, alten 3D-Aero-Taskansicht, die im alltäglichen Betrieb kaum sinnvoll nutzbar war. Blieb das Wechseln zwischen mehreren offenen Tasks über die Kurzwahl ALT+TAB – diese existiert immer noch, jetzt jedoch optisch aufgebohrt und schön (Bild rechts).

Blick auf neue Windows Kalender & Mail App

Die Mail-App von Windows 8/8.1 war für meine Begriffe kaum benutzbar. Wer im beruflichen Mail-Verkehr ein ausgewachsenes Outlook in Verbindung mit einem Exchange Server gewöhnt ist, schlägt hier die Hände über dem Kopf zusammen und resigniert. Natürlich ist das in Windows integrierte Mailprogramm nicht für den professionellen Anwender gedacht, lässt sich Outlook bei Bedarf doch ganz einfach nachinstallieren. Das muss aber nicht heißen, dass all das, was in Outlook gut ist, in Windows Mail verkompliziert und außer Acht gelassen wird. Entsprechend groß waren meine Erwartungen, was die überarbeitete Mail-App angeht. Und siehe da: Bei ersten Tests kann die App endlich weitgehend überzeugen.

Ich selbst fügte mein Gmail-Konto mit Hilfe des integrierten Anmelde-Assistenten inklusive Zwei-Faktor-Authentifizierung erfolgreich und in wenigen Schritten der Anwendung hinzu. Anfänger-freundlich ohne irgendwelche notwendigen Optionen, Feinjustierungen oder Einstellungen. Sofort synchronisierte die Mail-App mit meinem Google-Konto – sowohl Mails als auch Kalendereinträge, wie ein Blick in die Kalender-App zeigte.

Mail-App mit Microsoft-Konto

Beim Abgleich über den Browser zeigte sich, dass die Mail-App die Änderungen, wenn auch mit Zeitverzögerung, synchronisiert. Eine direkte Synchronisation (also bspw. gelesener Mails) kann jedoch stets direkt über das entsprechende Symbol angestoßen werden. Grund hierfür ist die fehlende Unterstützung von ActiveSync / Exchange, die Änderungen per Push erlaubt. Da Google dieser aber schon vor Jahren „Lebe wohl“ sagte, muss der Windows-Nutzer hier leider auf Bequemlichkeit verzichten.

Ganz anders sieht es aus, wenn die Windows 10 Mail-App in Verbindung mit einem Microsoft-Konto genutzt wird. Hier kommen Nutzer in den Genuss von Push-E-Mails, direkt in den Mail-Client. Das macht wirklich Freude und wertet die private Mail-Nutzung deutlich auf, wie ich finde. Einen Haken hat die Sache aber: die Push-Option ist nicht standardmäßig aktiviert. Nach zwei Klicks auf Einstellungen → Konten sind folgende Schritte nötig:

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Im Anschluss funktioniert Push-E-Mail in Verbindung mit einem Live-Konto einwandfrei. Beim Google-Konto nicht, was auf Grund des Sync-Protokolles aber auch wenig verwundert.

Ähnlich positiv überraschte mich die Kalender-App von Windows 10. Keine versteckten Standard-Optionen mehr, alles auf einen Blick beim Erstellen neuer Einträge (Bild links). Endlich wirkt der Kalender auch wirklich wie für das System gemacht. In älteren Windows-Versionen war dem nicht wirklich so. In der Monatsansicht erfreuen zudem Wetterdaten für die kommenden Tage den Nutzer.

Muss sich noch beweisen: Edge-Browser

Edge, der Nachfolger des Internet Explorer, möchte alte Zöpfe abschneiden und die Nutzer endlich zufriedenstellen. Ehrlich gesagt habe ich mich seit der Installation nur wenige Minuten mit dem Browser auseinander gesetzt, da ich ohnehin stets Opera nutze. Edge macht konzeptionell auf mich einen guten, minimalistischen und zeitgemäßen Eindruck. Was die Darstellung von Websites und Kompatibilitäten angeht, so wird die Erfahrung der Nutzer zeigen, ob Edge auch wirklich etwas taugt und die IE-Altlasten abwerfen kann. Erste ausführlichere Tests des Browsers bescheinigen ihm immerhin einen positiven Grundtenor, bleiben aber ähnlich zurückhaltend, wie ich es bin.

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Wo Licht ist…

Auch, wenn dieser Selbstversuch das Nutzererlebnis in den Vordergrund stellt, möchte ich auf die neuen Datenschutzbestimmungen von Windows 10 eingehen. So bezeichnete „heise“ das neue Windows als „Datensammelstelle“. Wer also auf Windows 10 umsteigt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Microsoft eine Vielzahl an Daten erhebt, die Vorgängerversionen noch nicht interessierten. Immerhin gibt Microsoft den Nutzern auch Werkzeuge an die Hand, selbst zu entscheiden, welche Daten erhoben und geteilt werden dürfen.

Hauptgründe für die neue Sammel-Leidenschaft des Betriebssystems sind die lernfähigen integrierten Merkmale, beispielsweise Cortana, die immer wieder nach Redmond funken, um dynamische Verbesserungen einzupflegen. Meiner Ansicht nach ein logischer und kaum abwendbarer Schritt in einer modernen Welt, allerdings gleichsam eine Gefahr für sensible persönliche Daten. Kein neues Phänomen, blickt man auf Apple (Siri, Apple Music etc.) oder Google (Search, Ads, Now, Android etc.). Bleibt ein fader Beigeschmack, der bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger ausgeprägt ist.

Fazit: Windows 10 ist ein Gewinn für die Nutzer

Nach mehreren Tagen mit Windows 10 will ich es nicht mehr missen. Okay, für mich ist der Umstieg von Windows 8.1 kommend kein wirklich großer Schritt oder Einschnitt. Die Veränderungen sind logisch, sinnvoll, erleichtern mir das Arbeiten und sehen zudem noch sehr sexy aus. Ein wenig anders verhält es sich für all jene Millionen treuen Win7-Jünger da draußen: Die müssen sich an einigen Stellen umgewöhnen, drohen bei geringer Computer-Affinität zu verzweifeln, gewinnen beim Verständnis des Konzeptes aus meiner Sicht jedoch sehr viele Vorzüge hinzu. Beginnend bei der Sicherheit durch Patches und Updates, die beim Umstieg auf Windows 10 auf lange Frist gewährleistet wird.

Doch dem nicht genug: Die dynamischen Kacheln zeigen dem Anwender in der Startleiste auf einen Blick all das, was interessiert. In meinem Fall sind das neue E-Mails, Kalender-Erinnerungen, das abendliche Trash-TV-Programm, aktuelle Schlagzeilen oder das morgige Wetter. Für mich persönlich ein großer Zugewinn, der Windows 7 aus vielerlei Aspekten richtig alt aussehen lässt.

Kurz und knapp: Stärken und Schwächen im Überblick

+ Das gefällt bisher an Windows 10

  • das moderne, flache Design, die Optik
  • der Preis (es ist für beinahe alle privaten Windows-Bestandskunden kostenlos!)
  • die Geschwindigkeit beim Booten – unter 5 Sekunden beim Testsystem bis zur Anmeldeseite
  • das reibungslose Upgrade mit nur einem veralteten Treiber
  • das neue (alte) Startmenü und die Integration der dynamischen Live-Kacheln
  • die neue Taskansicht
  • die schon von Windows 8.1 gewohnte, unerschütterliche Stabilität
  • stark verbesserte, integrierte Mail- und Kalender-Apps
  • die Abkehr vom Internet Explorer – die Karten im Browser-Markt werden mit Edge neu gemischt

Das gefällt bisher nicht an Windows 10

  • dass Microsoft-Apps alte Standard-Apps beim Upgrade übergehen, wenn Standardeinstellungen akzeptiert werden
  • die komplizierte Änderung der Standard-Apps
  • das Einstellungs-Wirrwarr, das Eingewöhnung erfordert
  • dass alte Lizenzen erst durch ein Upgrade zu „echten“ Windows 10-Lizenzen werden – unnötig
  • dass einige für den Nutzer positive Voreinstellungen standardmäßig deaktiviert sind (bspw. Push-Mail beim Live-Konto)
  • dass das OS immer wieder im Hintergrund Daten erhebt und mit Microsoft teilt


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Über den Autor

Michael Müller

Michael tritt seit 2012 in über 140 Beiträgen den Beweis an, trotz seines Allerweltnamens real existent zu sein. Seit Abschluss seines Wirtschaftsstudiums arbeitet er als Kommunikationsberater für namhafte Technologie-Firmen, kann und möchte das Schreiben aber nicht sein lassen.

28 Kommentare

  • Ich werde lieber mal mit dem Update bis zum Jahres mit dem Update warten bis die übelsten Bugs die sich erst im Betrieb ergeben raus sind.

  • Sicherlich bringt Windows 10 viele schöne Neuerungen mit, was ich aber vermisse bei vielen Berichten ist das Datenschutzfiasko welches Microsoft sich hier leistet. Siehe hier zum Beispiel.

    • Hallo Marcel,

      guter Punkt, allerdings befinden sich hier alle dynamischen, lernfähigen Technologien in einer Zwickmühle (einerseits Daten sammeln und austauschen, um Mehrwert zu bieten, andererseits möglichst wenige personalisierte Daten erheben, um ein möglichst hohes Datenschutz-Level zu wahren). Letztlich muss die Zeit zeigen, wie gut Microsoft mit den sensiblen Daten umgeht. Der Konzern ist wie alle anderen Tech-Konzerne in der Pflicht, hier äußerst vorsichtig zu agieren. Das weiß sicherlich auch MS, ich hoffe auf entsprechende Sorgfalt.

      Habe dennoch einen neuen Absatz hinzugefügt („Wo Licht ist..“), der auch auf diesen Punkt eingeht.

      • Also gerade von euch „Experten“ hätte ich weniger Naivität erwartet.
        Von einem auf Gewinn ausgerichteten Konzern, der auf den „mehr Daten bringen gezielte Werbung und damit Profit, Profit, Profit!!!“-Zug aufspringt, erwartet ihr „entsprechende Sorgfalt“ beim Umgang mit den Daten?
        Sorry, wenn ich da laut lache. Ebenso wie Google und JEDE andere Firma wird auch Microsoft diese Daten verkaufen und versuchen, möglichst genaue Profile zu erstellen um „zielgerichtetere Werbung“ zu ermöglichen. Denn bessere Profile lassen sich auch teurer verkaufen.

        • Meiner Ansicht nach hat das nichts mit Naivität zu tun. Es ist doch so, dass Microsoft auch weiterhin ein Monopolist ist, wenn man den Markt von Betriebssystemen betrachtet. Zwei OS-Konkurrenten, Apple und Google, sammeln in ähnlich hohem Maße Daten über die Benutzer, wie Microsoft es nun tut. Und woher kommt das? Wie du sagst, weil alle Unternehmen gewinnorientiert wirtschaften und ihre Technologien entsprechend am Markt ausrichten müssen. Klar zählt dazu auch möglichst zielgerichtete Werbung, die mit steigender Kenntnis des Werbezieles (= des Users) effizienter wird. In meinen Augen ist daran nichts Verwerfliches, profitiert am Ende doch das Individuum, da die plumpe „Beschallungswerbung“ nachlässt und moderne Werbeformen womöglich einen echten Mehrwert bieten (sei es ortzbezogen, interessenbezogen etc.).

          All jene Aktivitäten und Datenerhebungen müssen jedoch mit äußerster Sorgfalt erfolgen, ganz ähnlich mit der Sicherung der privaten Daten in der Cloud. Dadurch, dass die Konkurrenzsituation unter den Großkonzernen derart ausgeprägt ist (jeder wirbt, jeder bietet Cloud-Speicher) und um jedes Prozent Marktanteil gekämpft wird, sind Nachlässigkeiten im Datenschutz schlicht das Todesurteil eines Players. Deshalb erwarte ich entsprechende Sorgfalt, ja. Das ist nicht naiv, sondern ein in heutiger Zeit notwendiges Vertrauen, um von neuen Technologien und Diensten profitieren zu können (siehe auch Siri oder Cortana, die eben durch Eingaben dazulernen, Daten erheben, aber so eben Mehrwert für den Nutzer bieten). Wer dieses Vertrauen nicht mitbringt, der muss konsequent auf alternative oder quelloffene Suchmaschinen, Betriebssysteme und konsequente Verschlüsselung setzen.

          • Ich weiß, das wird jetzt OffTopic. Zumindest zum Teil.

            „Wer das nicht will, muss auf Verschlüsselung etc. setzen“ – ich denke, das machen immer mehr User auch. Ich zähle da auch Werbeblocker und Tools wie Ghostery hinzu. User wehren sich gegen Spionage und Werbung.

            Microsoft hebelt das aus – sämtliche Kennwörter werden erstmal bei denen auf den Server kopiert. Eine Unterstellung, ich weiß. Aber wär wirklich jemand bereit zu wetten, dass diese Daten „sicher“ sind? Und ich rede nicht mal von offizieller Spionage durch NSA und Co – die haben eh Zugriff auf alles. Ich meine nur die Personalisierung der Werbung. Zielgerichteter.
            Sie nennen es Mehrwert. Ich nenne es Blödsinn.
            Denn a) funktioniert das eh nicht (da könnt ich endlose Beispiele anbringen, da ich lange genug eine Köderadresse hatte, um den Handel damit und personalisierte Werbung zu beobachten) und b) werden da Millionen an Euro und Dollar verschoben, die am Ende irgendwer bezahlen muss – nach Möglichkeit der gläserne udn personalisierte User. Wenn nicht, dann eben ein Konkurrent, dem man die Daten weiter verkauft.
            Natürlich sind die Daten so „gewaschen,“ dass sie dem nächsten Händler was wert sind. Ein User, den man von vorn bis hinten durchleuchtet hat und dann fest stellt, dass er von der Werbung endlos genervt ist, nichts kaufen will und die meisten Firmen ablehnt, ist einfach nichts wert – der bringt nicht genug Profite, um die Ausgaben für die Spionage wieder rein zu bekommen.
            Also wird der Teil abgeschnitten udn das Profil weiter verkauft.

            Ich denke, der Fehler ist die Sichtweise – Sie gehen davon aus, dass personalisierte Werbung und Assistenten wie Cortana und Siri notwendig sind, also denken Sie darüber nach, wie man das umsetzen kann.
            Ich halte beides für sinnlose Spielereien. Also denke ich darüber nach, wie ichs los werden kann, wenn man mir das als „neu, must have, hype, SUPER!!!!“ aufzwingen will 🙂
            Wer Recht hat? Jeder für sich.
            Cortana ist toll. Man kann damit Probleme lösen, die man ohne nicht hätte und sogar Kalendertermine diktieren.
            Ich bin noch fähig, Maus und Tastatur zu benutzen und wenn ich in der UBahn stehe, sage ich meinem Handy und allen anderen Fahrgästen nicht „schicke eine SMS an Mutti, ich komme am Freitag vorbei“ :).
            Ich schreibe das – für mich, für Muddern, für Microsoft udn für die NSA. Aber die anderen Fahrgäste hats doch nicht zu interessieren ;).

            Fortschritt lehne ich nicht ab. Aber ich möchte einen Mehrwert sehen.
            Dieser „Mehrwert“ ist hier offenbar Werbung, die mich zu interessieren hat.
            Mich.
            Interessiert.
            Werbung.
            Nicht.

            Mehrwert ist personalisierte Werbung. Nicht mehr diese plumpe Beschallungswerbung, sondern direkt auf mich zugeschnitten.
            Mich.
            Interessiert.
            Werbung.
            Nicht.

            Aber der Mehrwert!!

            Na, fällt was auf? 😛
            Ja, Werbung mag gut sein. Aber Microsoft ist kein Werbeunternehmen, sondern die stellen Betriebssysteme her. Also was werden sie wohl mit Daten machen, die sie ausspionieren?
            Microsoft wird mir kein Brot verkaufen, wenn ich welches haben will. Aber sie können meine Daten an den nächsten Bäcker verkaufen.
            Aber was, wenn ich Cortana keine Daten von mir gebe, weil ich auch Brot kaufen kann, ohne Windows 10 einen Termin dafür zu diktieren?

            Kurzer Blick zur Schufa: hat die keine Daten über einen, weil man bisher keinen Kredit brauchte und schuldenfrei ist, wird aus Wohnort und Statistiken ein Profil zusammen geraten. Und plötzlich wird einem der Handyvertrag verweigert, weil man angeblich nicht zahlungsfähig ist.

            Wie weit können wir gehen mit unserem Vertrauen, dass Firmen, die nur auf die Profite schauen, auf eben diese verzichten, da Vertrauen auch Geld kostet?
            Microsoft erhebt die Daten – und wird sie weiter verkaufen. An jeden, der dafür bezahlt.

          • Wer Recht hat? Jeder für sich.

            Ich denke, das fasst es sehr gut zusammen 😉

            Wie weit können wir gehen mit unserem Vertrauen, dass Firmen, die nur auf die Profite schauen, auf eben diese verzichten, da Vertrauen auch Geld kostet?

            Tja, das muss wohl jeder für sich kären. Ansonsten wird die Zukunft zeigen, welche profitgetriebenen US-Tech-Konzerne es wirklich stets ernst meinten mit dem Vertrauen der eigenen Kunden.

            Microsoft erhebt die Daten – und wird sie weiter verkaufen. An jeden, der dafür bezahlt.

            Das ist eine These, mehr nicht.

            Versteh mich nicht, falsch – auch ich stehe dem Thema Datenschutz sehr kritisch gegenüber und beobachte den Datensammel- und Spionage-Trend mit äußerster Skepsis. Allerdings müssen dynamische, lernfähige Technologien schlichtweg Daten erheben, um sich mit der Zeit besser auf den Nutzer einzustellen. Wer an solcherlei Technologien kein Interesse hat, der hat stets die Möglichkeit zum Opt-out.

  • Der Artikel bewegt mich jetzt nicht unbedingt zum Umstieg. Die Optik ist Geschmacksache, die Kacheln sehen weiterhin nach Vorschule aus. Der Mix aus Apps und Programmen auf einem Desktop-Betriebssystem finde ich immer noch unmöglich, zumindest wenn man kein Windows-Phone hat.
    Cortana brauche und will ich nicht. Überhaupt funkt Win 10 per Default viel zu viel nach Hause. Heise hat das gut aufgelistet. Edge interessiert mich auch nicht wirklich, da ich mit Firefox, bzw. den dafür erhältlichen Anti-Spionagetools voll zufrieden bin.
    Eine X-Box habe ich nicht und bis DX12-Spiele Standard sind, vergeht noch einige Zeit.
    Im ersten Augenblick fand ich die Möglichkeit Android-Apps auf dem PC nutzen zu können verlockend. Im zweiten Moment fragte ich mich: Wozu?

    Wenn ich meinen PC irgendwann mal wieder neu aufsetze, werde ich es ausprobieren. Bis dahin vermisse ich bei Win 7 nichts.

    • Hallo Ben,

      am Ende muss natürlich jeder Nutzer entscheiden, ob die neuen Kenndaten ausreichende Argumente für einen Umstieg liefern. Ich gebe dir recht, wenn viele neuen Features auf den ersten Blick wenig Mehrwert bieten (bspw. ein neuer IE mit anderem Namen, wenn man doch eh einen alternativen Browser nutzt). Jedoch sollte man insbesondere den Informationsgehalt der Live-Kacheln und auch Cortana nicht unterschätzen – echt eine gelungene Implementierung. Auch sehe ich den Security-Aspekt als sehr wichtig an, gewährleistet Microsoft hier doch auf lange Frist Updates und Patches.

      Datenschutz ist immer ein sensibles Thema bei modernen, lernfähigen Systemen, ganz gleich ob bei Apple (Siri, Apple Music etc.), Google (Search, Ads, Android etc.) oder eben Microsoft (Bing, Win10, Cortana etc.). Der neue Absatz („Wo Licht ist..“) geht nun aber auch auf dieses Thema ein.

  • Hey, echt guter Artikel zu Windows 10! Für mich als kleinen „Microsoft-Fanboy“ war Windows 8 zwar nicht soo schlimm wie du es beschrieben hast, aber im Großen und Ganzen konnte ich deiner Meinung zustimmen.

    Einzig eine Sache passte bei mir nicht. Vielleicht meinst du aber auch etwas anderes. In Windows 8.1 gab es schon diese Ansicht der offenen Tasks. Es gab zwar keinen eigenen Button, aber die drei-Finger-Geste auf dem Touchpad funktionierten schon bei Win 8.1 …

    Grüße
    Rathes

  • Hallo Michael,

    bei MS auf Sorgfalt hoffen? Ich traue irgendwie keinem der Unternehmen mehr über den Weg. Deswegen habe ich meine Mails bei einem kleinem deutschen Provider und die Daten aus der Cloud sind umgezogen auf eine private Cloud Lösung.

  • Windows 10 ist toll. Hab ja auf einem meiner Rechner auch schon die Preview drauf gehabt. Was mich allerdings maßlos ärgert (und das auch schon seit den letzten 2 Preview Builds) ist ein wirklich nervtötender Fehler im Startmenü. Ich spreche nicht von der Begrenzung auf 512 Einträge. Nahezu jedes Mal nach dem Logon, kommt ein „Schwerwiegender Fehler“, das Menü „Start“ und Cortana funktionieren nicht mehr. Der Fehler taucht sowohl mit der Final Preview auf, als auch nach einem Update von 8.1 auf Windows 10. Ich habe bereits alle möglichen PowerShell Scripte laufen lassen, das Menü neu initialisiert, Apps neu installiert usw. Aber der Fehler kommt nahezu mit jedem Logon. Selbst ein zu Testzwecken neu erstelltes Windows Profil hilft nicht. Ich brauch Cortana ja nicht unbedingt und würde sie auch abschalten, allerdings geht dann auch die Suche generell nicht mehr. Und selbst das schafft scheinbar keine Abhilfe. Wenn wer Ideen hat, immer her damit.

      • Hmmm die Lösung von PhilippSchürmann hilft leider nur bedingt. Nach nun 4 erfolgreichen Logins, tritt das Problem erneut auf.

  • „Das daraus resultierende viel größere Problem: Aussichtslose, nicht selbst lösbare IT-Probleme bedeuten bei den geschulten Helfern der Support-Hotlines noch viel größere Depression, als beim hilflosen Anwender selbst[…]“

    Dieser Satz Made my Day. Auch wenn ich am Anfang ein paar Probleme mit meinem NVidia-Grafikkartentreiber hatte, läuft Windows 10 nun bisher auch in spielen flüssig wie bisher. Cortana finde ich bisher noch ziemlich nutzlos – so erzeugt z.B. der Satz „Erinnere mich an den Geburtstag von am “ eine Erinnerung „Geburtstag von am „, worauf mich Cortana beim nächsten Gespräch mit erinnern will…

    Ansonsten sind v.a. die mehreren Desktops definitiv lohnenswert und ich kann die Einschätzung, dass Windows 10 klasse ist nur teilen 🙂

    Beste Grüße
    Marcel

  • Also ich bin fertig mit Windows. Ich hab einfach keine Lust mehr auf die ständigen Sicherheitslücken und Updates und das rumgepatche, etc… Und bis ein neu aufgesetztes System eingestellt ist vergeht auch gerne mal 1 ganzer Tag, der einfach nur lästig ist.

    Die 10er Version bringt mich nun endgültig zum Umstieg auf Ubuntu: http://www.ubuntu.com/download/desktop

  • Ich bin ein totaler Windows Fan, bin mir aber noch sehr unsicher ob ich mir schon Windows 10 Kaufen soll, da ich mich gerade an Windows 8 gewöhnt hab.

  • Wie jeder Artikel, der in den letzten Wochen gestreut wurde, ist auch dieser hier sehr gut. Ich schätze mal, da nimmt Microsoft ne Menge Geld in die Hand.
    Egal ob Heise, Golem, hier oder wo auch immer – man wird förmlich erschlagen von Berichten udn Artikeln, wie toll doch das neue Windows 10 ist und dass man unbedingt umsteigen müsse.

    Ich habe einen meiner Computer bereits umgestellt und ausgiebig getestet. Also zuerst einmal – was in den endlosen Jubelartikeln leider unter geht – muss man sehr viele „Neuerungen“ wieder deaktivieren, da Windows 10 wirklich ALLES nach hause telefoniert. Kennwörter, Verschlüsselungen, private Dateien, alles bekommt ein „Backup“ in der „Cloud“ – also auf den Firmenservern von Microsoft. Und dass Cortana jedes gesprochene Wort analysiert um dem User zu „helfen,“ muss man da nur noch am Rande erwähnen.

    Abschalten, abschalten, abschalten … und was bleibt dann übrig? Ein Windows, das sich von Windows 7 nur darin unterscheidet, dass man keinen klassischen Desktop mehr einstellen kann, sondern das Klickibunti-Design ertragen muss.

    Updates zieht Windows, wann immer es will – und wenn man es abschaltet, werden diese vorher über andere User geroutet. Man selber trägt natürlich auch zu diesem Update-P2P-Netzwerk bei, was sich nicht nur in endlosem Traffic äußert. Also mir ist nicht wohl bei dem gedanken, dass zwischen Microsoft und meinem Computer noch irgendwelche anderen Rechner sitzen – irgendwo auf der Welt.
    Dass man die Updates nicht verzögern kann, schließt jegliche Nutzung auf meinem Laptop aus. Ich hab echt keine Lust darauf, dass mir Microsoft ungefragt den eh schon knappen Traffic verschwendet.
    Und kommt mir nicht mit „nur im Netzwerk“ – Wenn ich mein Smartphone als Hotspot benutze, ist mein Laptop im Netzwerk ;).

    Sicher, Windows 10 bringt auch Vorteile – so wie jede neue Windowsversion. Aber so wie jede neue Windowsversion bringt es auch Nachteile und diese überwiegen meiner Meinung nach.
    Ich möchte meine Daten nicht irgendwo in die „Coud“ kopiert haben udn meine Kennwörter erst Recht nicht.
    Eine Synchronisierung zwischen meinen Computern klingt ja toll, aber ich möchte nicht sämtliche PRIVATEN Dateien via Internet auf mein Laptop kopiert bekommen. Die Dateien liegen zu Hause, weil sie privat sind.
    Genauso das Design – ich nutze auf dem verhältnismäßig kleinen Laptop andere Programme als an den großen Monitoren zu Hause. Was bringt es da, wenn Windows mir anbietet, die Icons auf beiden geräten gleich anzuordnen?

    Ja, man kann alles abschalten – und ich denke mal, nicht Wenige werden das auch tun. Und dann?
    Microsoft hat an endlosen „Neuerungen“ gesessen, die kaum einer nutzen will, weil sie nur Nachteile bringen.
    Aber wichtige Dinge blieben dafür auf der Strecke.
    Windows 10 ist ein kleiner Schritt voran, aber legt einem viele neue Steine in den Weg.
    Ob ich meinen HAuptrechner udn besonders das LAptop umstelle, weiß ich noch nicht. Wenn nicht zeitnah große Updates mit entscheidenden Verbesserungen kommen, bleibe ich lieber bei Windows 7 (Hauptrechner) und 8.1 mit Classic Shell (Laptop)

    • Vielen Dank für deine detaillierte Rückmeldung und Meinung zu diesem Thema. Deine Kritikpunkte an Windows 10 sind durchaus berechtigt – am Ende muss jeder Nutzer abwägen, inwieweit Pro und Contra sich zueinander verhalten.

  • „Hauptgründe für die neue Sammel-Leidenschaft des Betriebssystems sind die lernfähigen integrierten Merkmale, beispielsweise Cortana, die immer wieder nach Redmond funken, um dynamische Verbesserungen einzupflegen. “ -> Da ist aber jemand sehr gutgläubig. Vielleicht wirfst du mal einen Blick in die Datenschutzbestimmungen, wo zum Beispiel ausdrücklich gesagt wird, dass persönliche Daten (=alles, was der User auf dem Rechner macht) auch für personalisierte Werbung erhoben und weitergegeben werden.

    • Ich glaube eben an das Gute im Menschen 😉 Spaß beiseite: Habe in den übrigen Kommentaren ja schon detaillierter aufgezeigt, wie ich zu diesem Thema stehe und welche Sicht auf die Dinge ich habe.

  • Bin seit meinen Einstieg in die Computerwelt (2004 auf „Windows XP“) begeisterter User von Microsoft (würde niemals irgendwas vom „amerikanischen Obstkonzern“ Apple verwenden) und habe auch seither alle OS-Versionen gehabt. Am meisten Troubles gab es sicher mit dem unbeliebten „Vista“, denn das war sehr „hardwarefordernd“ und bei vielen Usern mit einen Neukauf eines Computers verbunden. Mit „Windows 7“ war ich ganz zufrieden, nur aus jetziger Sicht ein bisschen zu bunt und verspielt noch, danach der Umstieg auf „Windows 8.1“ mit dem ich sehr zufrieden war. Seit dem 31.07. dann das Upgrade auf „Windows 10“, (Upgrade mit „Media Creation Tool“ erzwungen, da mir der Direktdownload von Microsoft zu lange gedauert hat). War von Anfang an begeistert davon, nur in den ersten paar Tagen gab es mit dem Update von einigen „Kumulativen Updates“ Probleme, aber die „Superhirne in Redmond“ haben das inzwischen gelöst. Bin also „Windows 10-User“ von Anfang an und kann dieses OS nur jeden empfehlen. Ich hoffe dass es dabei bleibt und diese Version die Letze ist und nur mehr immer wieder mit Updates aktualisiert wird.

  • Welchen Mehrwert dieser Artikel dem Leser geben soll, erschließt sich erst nach dem Lesen der Kommentare. Da wird das einzige Betriebssystem welches der Verfasser kennt über den Klee gelobt und erst als einige anderen Fragen stellen, Kritik üben, wird nachgedacht und der Artikel entsprechend geändert.

    Man hätte sich auch das ganze Geplapperer sparen können, es geht um ein System zum Betrieb eines Computers, mehr nicht und alles was im Jahr 2015 nicht von sich aus funktioniert ist schlicht Mist. Und das ist nun die große Leistung von Microsoft es sieht zwar Kacke aus, stürzt aber unter sich selber nicht ab. Grandios. Und jetzt warten wir gespannt, ob einer sich hinsetzt und wir die schrecklichen Farben ändern können.

    Leider kommt die Reflektion seines Werkes zu spät. Wenn er sich schon am Anfang als ein Monogamist outed, dann hätte dort auch noch stehen müssen, dass für ihn der Primus auch immer voll vertrauenswürdig ist. Dann kann der Leser an der Stelle weiterlesen oder einfach mal bei der Computer-Bild vorbeischauen, was die so an tollen „Das Betriebssystem läuft! Ein Wunder!“-Artikel am Start haben.

    Dem weit wichtigeren Problem dieser Wanze wird nicht genug Rechnung getragen, dort ist defaco die ganze Zeit das Mikrofon an und analysiert, was um den Rechner herum gesagt und getan wird. Zusätzlich werden standardmäßig Einstellungen, Passwörter, Standort usw. nach Redmond übertragen.

    Die Verteidigung ist dann: Das machen die anderen auch so. Ersten stimmt das nicht, bei irgendeinem Linux-Derivat oder *-BSD ist das nicht der Fall und genau das ist der Vorteil dieser Systeme und eben nicht deren Nachteil, dass sie ein alles abschnorchelndes Virtua-Girl installiert haben. Und zweitens wird es nicht richtiger wenn es andere auch machen.

  • @Tilo: Du verdrehst da in deiner Einleitung einiges. Ich habe viele Jahre im 2nd Level Support gearbeitet, deshalb sind mir andere Betriebssysteme wie OS X oder Linux keineswegs fremd – allerdings war stets Windows die erste Wahl für mein alltägliches Arbeiten. Mir zu unterstellen, ich kenne nur Windows, ist daher nicht zutreffend.

    Dass Aspekte in einem Artikel ergänzt werden – wenn klar gekennzeichnet – halte ich weiterhin für legitim. Ja, der Security- und Privacy-Aspekt fehlte in der ersten Version des Textes, wurde dank zahlreicher Leser-Hinweise unmittelbar ergänzt. Ist doch ein tolles Beispiel für fruchtbaren Leser-Dialog? Was ist daran falsch?

    Zu deinem letzten Punkt: Mainstream-Betriebssysteme mit Linux/BSD zu vergleichen ist alleine deshalb schon fraglich, weil sie stets daran scheiterten trotz kostenlosem Zugang die breite Masse zu erreichen. Ich behaupte, das liegt im Kern an der mangelnden Nutzerfreundlichkeit. Scheinbar punkten hier die „Wanzen“ Windows und Mac OS und erreichen dadurch die Massen. Nicht falsch verstehen, man muss die Sicherheitsbedenken der Nutzer absolut ernst nehmen und muss kritisieren, damit es bei den Mithörern nicht in Sammelwut ausartet und Daten erhoben werden, die nicht sinnstiftend sind. Immerhin bleibt den Nutzern der Opt-out und die freie Wahl, welche Dienste aktiviert sein sollen.

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