Matchplan

Innovationen im Profisport: Diese Start-ups mischen Fans und Vereine auf

Innovationen im Profisport
geschrieben von Philipp Ostsieker

Die Begeisterung für Sport ist ungebrochen. Doch die Aufmerksamkeit von Fans und Sponsoren beschränkt sich längst nicht mehr nur auf das Ereignis oder den Spieltag selbst. E-Gaming, Start-up-Investitionen oder virale Vermarktungskampagnen – Philipp Ostsieker führt in seiner Kolumne Matchplan durch die innovativen Ideen der Sportbranche. Diesmal: die Start-up-Landschaft im deutschen Fußball.

Trotz Diskussionen um Olympia in Hamburg, die FIFA-WM-Vergabe oder Doping-Enthüllungen in der Leichtathletik: Sport ist ein wichtiger Teil unserer Kultur, und sein Einfluss und seine Reichweite sind nicht zu leugnen. Während die professionelle Sportbranche bislang oft den Ruf einer eher geschlossenen Gesellschaft genossen hat, könnte sich dies im Zuge wachsender technologischer und medialer Innovationen zukünftig ändern. In der Tat gibt es bereits spannende Möglichkeiten für innovative Start-ups, ihren Wert unter Beweis zu stellen und die etablierten Verbände, Vereine und Vermarkter zu beeinflussen. Wie dies funktionieren kann, wollen wir an einigen Beispielen zeigen.

Innovationen im Profisport: Das hohe Involvement

Sportfans sind leidenschaftlich. Wer als etablierte Marke im Sport beispielsweise eine App entwickelt und veröffentlicht, bringt meist schon eine eingebaute Nutzerbasis mit. Das ist für Branchen-Neulinge naturgemäß natürlich etwas schwieriger. Nichtsdestotrotz sprechen z.B. Lösungen wie WhatsCoach oder Trainerstar Nutzer an, die sich langfristig und in hoher Frequenz mit den Angeboten beschäftigen, was letztlich von einem großen Interesse und Engagement zeugt. Die fehlende Markenbekanntheit soll bei den genannte Beispielen von Sport-Testimonials wie Jürgen Klopp oder Lothar Matthäus kompensiert werden.

Sportliebhaber begeistern sich für Statistiken. Wer hat die meisten Assists gegeben? Wer hat die beste Freiwurfquote? Zahlen und Fakten genießen eine hohe Aufmerksamkeit. Fans und “Besserwisser” nehmen an Manager-Simulationen teil oder wetten sogar auf bestimmte (zahlenbasierte) Ereignisse. Das Startup Couchsport beispielsweise will mit der Sportwetten-App tippn laut Macher Axel Napetsching eine “spannende, unkomplizierte und bequeme Form des Tippens” bieten. So können iPhone-Nutzer über tippn im Prinzip mit einem Finger-Wisch wetten. Von Vorteil ist hier die Zusammenarbeit mit dem Sportwettenanbieter Tipico, da schon auf einem bewährten Geschäftsmodell aufgebaut werden kann.

Spannender, komfortabler und bequemer

Aber nicht nur das Interesse der Fans ist hoch. Auch die Verantwortlichen der Sportbranche versuchen kontinuierlich noch wertvollere Erkenntnisse für ihr Team zu gewinnen. Während detaillierte Analysen bei den großen Klubs und Verbänden ohnehin mittlerweile etabliert sind, bieten Unternehmen wie Fubalytics oder FieldWiz hierzulande auch Analyse-Lösungen für den Nachwuchs- und Amateurbereich. FieldWiz bietet neben Fußballklubs wie dem FC Zürich auch Klubs mit geringem Budget seine „Quantified Self“-Technologie.

Das Tool besteht aus einem etwa 45 Gramm schweren Messgerät. Dieses wird in einer Weste am Rücken des Spielers getragen und beinhaltet einen präzisen GPS-Sender sowie einen Beschleunigungsmesser. Ob Fan oder Profi – wer sinnvolle Wege findet, Sportdaten zu ermitteln und in einem relevanten Kontext auszuwerten, hat die Chance auf eine Gruppe engagierter und interaktiver Nutzer.

Der Spieltag als Höhepunkt

Zwar zieht sich die Sport-Berichterstattung durch das gesamte Jahr, die Spieltage bieten logischerweise den, meist wöchentlichen, Höhepunkt. Darüber hinaus gibt es zudem je nach Sportart saisonale Höhepunkte. Jeder Sportfan weiß z.B., wann das Champions-League-Finale stattfindet oder an welchem Sonntag der nächste Super Bowl ausgetragen wird. Auch für Start-ups können aus diesen Großereignissen Chancen entstehen – z.B. spezielle Angebote oder Wettbewerbe. Natürlich müssen für jede Sportart die jeweiligen Besonderheiten berücksichtigt werden.

Wie so oft ist der US-Sport einer der großen Vorreiter. Das Startup SeatGeek ist im Bereich Event-Ticketing aktiv und hat bislang über 100 Millionen US-Dollar von Investoren eingesammelt. SeatGeek nutzte in diesem Jahr den Hype um das jährliche “Home Run Derby” der Major League Baseball und veröffentliche eine Infografik, welche die Sitzplätze der Fans hervorhob, die eine sehr wahrscheinliche Chance hatten, einen Baseball zu fangen. Auf Basis dieser Ergebnisse konnten die Fans per direktem Klick auf die Infografik Ihre Tickets kaufen – ein innovativer Ansatz für den Ticketverkauf.

Wie innovationsfreundlich sind die etablierten Player?

Die Digital-Experten von Verbänden, Vereinen und Vermarktern werden zukünftig noch genauer hinhören, was vor allem die jüngere Fangemeinde sehen möchte – ein spannenderes, schnelleres und ansprechenderes Erlebnis. Und es wird sich lohnen: Denn die meisten Sportarten sind keine Modeerscheinung – und Ihre Fans sind für gewöhnlich ein Leben lang eng mit Sport und Verein verbunden.

Es gibt viele spannende Anknüpfungspunkte für Sport und innovative Start-ups, soviel steht fest. Die bekannten Investment-Aktivitäten in Deutschland gehen aktuell interessanterweise eher von einzelnen Sportlern oder Funktionären wie Robert Lewandowski, Jens Lehmann oder Jürgen Klopp aus. Die etablierten Player scheinen hierzulande aktuell etwas vorsichtiger zu agieren. Sobald aber z.B. ein mutiger Klub ein erfolgreiches Pilot-Projekt startet, könnte dies einen Domino-Effekt hervorrufen. Denn anders als in vielen Branchen ist es im Profisport deutlich einfacher eine funktionierende Lösung an einen zweiten oder dritten Kunden zu verkaufen. Vor allem die Vereine ziehen auch abseits des Platzes ungerne den Kürzeren gegenüber ihren Wettbewerbern und möchten mit Ihren Anhängern plattformuanbhängig interagieren. Für das ein oder andere Start-up könnte dies eine große Chance sein.

Welche Chancen siehst du für neue Innovationen im Sport? In welchen Bereichen siehst du großen Bedarf, in welchem nicht? Kennst du ein wirklich spannendes Startup innerhalb der Sportbranche? Schreib mir hier in den Kommentaren oder auf Twitter (@PhOstsieker) mit #matchplan.


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Über den Autor

Philipp Ostsieker

Philipp Ostsieker ist Medienmanager und Digitalstratege aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.

2 Kommentare

  • Der Sport und seine Vielfalt gehört zur Menschen dazu. Ein Leben ohne Sport wäre nicht denkbar. Allerdings überschattet das Geld und die Politik die guten Seiten. Das Finanzielle hat oft mehr Priorität als die sportlichen Leistungen

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