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Cognitive Business – IBM und die Zukunft des Internet of Things

geschrieben von Nicole Scott

Artificial Intelligence bzw. künstliche Intelligenz ist ein Begriff, der in letzter Zeit häufig genutzt wird – nicht selten im Zusammenhang mit einem apokalyptischen Endzeitszenario, in welchem sich die Maschinen bei erster Gelegenheit gegen die Menschheit erheben und die Kontrolle übernehmen.

Heute in Taipeh wohnte ich dem IBM Global Electronics Forum 2016 bei. Kernthema der Veranstaltung war nicht künstliche Intelligenz, sondern “Cognitive Business”. Im Laufe des Tages lernte ich, dass die Maschinen gar keine Zeit haben, sich zu erheben und die Menschheit zu beherrschen. Sie sind nämlich viel zu beschäftigt damit, für uns zu arbeiten und die Unternehmen von morgen smarter zu machen.

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[mg_blockquote cite=“IBM“]Cognitive Systems is a category of technologies that uses natural language processing and machine learning to enable people and machines to interact more naturally to extend and magnify human expertise and cognition.[/mg_blockquote]

Wenn jetzt euer erster Gedanke ist: “Ich kann doch jetzt schon mit Google oder Siri sprechen und Fragen stellen, auf die ich wirklich passende Antworten erhalte” – dann stimmt das natürlich grundsätzlich. Aber mal ganz ehrlich … die hellsten sind die beiden nicht gerade und man muss sich als Nutzer oft Mühe geben, Dinge besonders einfach oder verständlich zu formulieren. Laut IBM jedoch stehen wir am Beginn einer Ära, in der wir Seite an Seite mit Maschinen arbeiten werden, um ganz neue Level der Produktivität zu erreichen.

Das Internet erobert alle Bereiche des Lebens und die bevorstehenden Auswirkungen sind ja wirklich real: 25 Milliarden IoT-Geräte aktuell und 3,6 Billionen, die bis zum Jahr 2020 hergestellt werden. Unsere ganze Lebenswirklichkeit wird vom Internet durchzogen sein und uns den Alltag vereinfachen. Klar ist es komfortabel, wenn der Kühlschrank selbst erkennt, dass die Milch alle ist. Vielleicht werden wir dem Kühlschrank sogar sagen können, dass wir morgen ein Chili con Carne für 6 Personen machen wollen und die Zutaten werden automatisch geordert.

Einen noch größeren Mehrwert stellen das Internet of Things und Cognitive Systems aber für Unternehmen dar. Mitdenkende Maschinen werden Produktionsprozesse und Arbeitsabläufe optimieren und der Produktivität von Angestellten zu neuen Höhenflügen verhelfen. Hier muss die Industrie am Ball bleiben, um wettbewerbsfähig bleiben zu können.

Im Prinzip geht es aktuell um die Frage, wer die kognitive Vormachtstellung übernimmt. Wer entwickelt die smartesten Systeme und setzt sie in einem eigenen Ökosystem ein? Ich spreche bewusst vom Einsetzen. Das Entwickeln ist die eine Geschichte, aber dafür zu sorgen, dass Systeme auch tatsächlich genutzt werden – das ist der große Sport.

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Beim IBM Electronics Global Leadership Forum hat Tracey Tsai – VP für Personal Technologies bei Gartner – in ihrem Vortrag “Entering the Era of Digital Business” Unternehmen gewarnt: Das Ökosystem bildet sich erst langsam und ist noch stark fragmentiert. Es wird zunächst keine riesigen Aufträge für IoT-Systeme geben und Firmen müssen aktuell mit kleineren Aufträgen leben.

Schaut man aber ein wenig weiter ins Jahr 2018, werden aus diesen kleinen Aufträgen große werden, die sich vom Volumen nicht von heutigen Großaufträgen unterscheiden. Unternehmen, die diese Entwicklung nicht mitmachen, werden innerhalb der nächsten Jahre den Anschluss verlieren.

Wenn wir schon über Gartner reden, können wir an dieser Stelle gerne noch die Top Ten der Gartner-Vorhersagen für die nahe Zukunft bringen. Die Analysten haben diese Top Ten bereits Ende 2015 veröffentlicht, aber das ist natürlich kein Grund, sie euch jetzt hier vorzuenthalten.

  1. 2018 werden 20% der Inhalte (Analysen etc.) in Unternehmen von Maschinen verfasst.
  2. Ebenfalls 2018 werden 6 Milliarden Connected Devices Supportanfragen stellen.
  3. Bis 2020 wird autonome Software ohne menschliche Aufsicht für 5 Prozent aller Transaktionen verantwortlich sein.
  4. Bis 2018 werden mehr als 3 Millionen Arbeitnehmer eine KI als “Vorgesetzten” haben.
  5. Ende 2018 werden 20% aller “Smart Buildings” digitalem Vandalismus zum Opfer gefallen sein.
  6. Bis 2018 werden 45% der am schnellsten wachsenden Unternehmen mehr Smarte Maschinen als menschliche Arbeitnehmer beschäftigen.
  7. Ende 2018 werden digitale Assistenten uns – unternehmensübergreifend – an unserem Gesicht und unserer Stimme identifizieren können.
  8. Bis 2018 werden 2 Millionen Arbeitnehmer Gesundheits- oder Fitnesstracker tragen müssen.
  9. Bis 2020 werden smarte Dienstprogramme (wie Siri, eben nur viel besser) für 40% aller mobilen Interaktionen genutzt werden: Apps werden langsam abgelöst werden.
  10. Bis 2020 werden Nutzer selbst für 95% der Securityvorfälle in Cloud-Technologien verantwortlich sein.

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Heute schon tippen Leute mehr direkt auf dem Bildschirm von Smartphones oder Tablets herum als die gute alte Tastatur & Maus-Kombo zu nutzen. Das ist wahrscheinlich nicht das Ende der Entwicklung. Erinnert sich jemand an den Film “Her”, in dem sich Joaquin Phoenix in sein Betriebssystem verliebt? Die meiste Zeit hat er nur einen Knopf im Ohr und interagiert darüber mit dem (genau: kognitiven) System.

[mg_blockquote]We have been working towards people becoming more computer literate but it seems that the computers are finally people literate.[/mg_blockquote]

Was hinter dem Screen – oder welchem Eingabesystem auch immer – passiert, ist aber viel entscheidender. Gutes “Behind the Screen”-Design macht die Interaktion zwischen Mensch und Maschine flüssig, einfach und intuitiv. So können Mensch und Maschine gemeinsam mehr erreichen. Das setzt eine solide, kognitive Infrastruktur voraus.

IBMs “Watson” macht aktuell große Schritte in diese Richtung und ist deshalb auch in aller Munde. Anwaltskanzleien setzen den auf Watson aufbauenden “elektronische Anwalt” Ross ein, der Zika-Virus wird bekämpft und Watson versucht sich als Editor eines Magazins.

Das war mein erstes Event bei IBM. Was mich am meisten beeindruckt hat: Es gab keine ellenlangen Vorträge zu vorgefertigten Lösungen. Stattdessen wurden die Teilnehmer gefragt, vor welchen Problemen ihre Unternehmen stehen. Im Gespräch mit mehreren Anwesenden haben diese mir alle eins bestätigt: Sie sind gekommen, weil IBM maßgeschneiderte, lösungsorientierte Systeme entwickelt.

Wie eingangs schon erwähnt: Immer wieder hat man bei Artificial Intelligence Science-Fiction-Filme im Kopf und Bilder von Maschinen, die sich gegen die Menschheit erheben und die Menschen unterjochen oder ausrotten. In der Tat ist es atemberaubend, wie schnell sich künstliche Intelligenz verbessert und wie lernfähig Maschinen schon heute sind.

Die Frage ist, ob es da nicht deutlich realistischer ist, dass wir weiterhin und in zunehmendem Maße an der Seite von Rechnern und Roboter arbeiten, und alle unsere Aufgaben künftig auf diese Weise deutlich effizienter erledigen können, als das ohne diese maschinelle Hilfe der Fall wäre. Ich glaube daran, dass es eher so sein wird und die hellen Köpfe in den Forschungslabors sicher auch im Blick haben, wie intelligent ihre Systeme sind und ab wann es in der Tat brenzlig werden könnte.

Wie ist eure Meinung dazu? Seht ihr eher den Mehrwert, der durch AI und Cognitive Business auf uns zurauscht? Oder gehört ihr eher zu der Fraktion derer, denen angesichts intelligenter Maschinen Angst und Bange wird?

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Über den Autor

Nicole Scott

3 Kommentare

  • Zitat: Im Laufe des Tages lernte ich, dass die Maschinen gar keine Zeit haben, sich zu erhebe…!
    Na, dann ist ja alles in Butter und wir erwarten die neue Technologie mit Spannung. So wie uns, immer und immer wieder, die Macher und zuletzt die Nutznießer der selbigen immer wieder einreden wollen dass alles nur und einzig zum Besten für alle ist.
    Also wie immer…!

  • Spannendes Thema, das gleichermaßen Begeisterung und Bedenken weckt. Natürlich können viele Abläufe mittels KI optimiert bzw. vollautomatisiert werden. Das beeinflusst uns aber auch, so dass man auch die Frage stellen könnte: „Muss sich KI über uns erheben oder unterwerfen wir uns freiwillig?“
    Natürlich ist es angenehm, wenn der Ofen erkennt, was ich zubereiten möchte und dementsprechend die Temperatur und Zeit vorgibt. Ich hätte aber ein echtes Problem damit, wenn der Herd auch meine Gesundheit berücksichtigt und mir hellbraune, acrylamidhaltige Kekse verbieten würde.
    Andererseits darf ein digitaler Assistent mich darauf hinweisen, wenn ich mich ungesund ernähre. Daraus sollte aber keine Abhängigkeit entstehen, nach dem Motto: „Ich muss mich nicht mit Ernährung auseinandersetzen, mein Assistent weiß, was ich brauche.“
    Gerade in dem Bereich muss noch viel entwickelt werden, damit nicht lehrreiche Selbsterfahrungen vermieden werden. Eine Lösung wäre eine „empathische“ KI, die feststellt, wenn sich der Nutzer mit Hilfe der KI in seinen Fähigkeiten einschränkt.
    Im Grunde genommen sind wir doch längst Sklaven der Technik. Wie kompliziert wäre unser Leben, ohne Datenverarbeitungsmaschinen? Wir hätten wieder handgeschriebene Telefonbücher, Bargeld und entsprechend überfüllte Banken und viel weniger Zeit.
    Wichtig ist doch, wie wir KI nutzen. Solange sie das Leben leichter macht ohne zum peitschenden Sklaventreiber zu werden, können wir nur davon profitieren. Gefahren gibt’s überall und die menschlichen Schwächen sind beim jetzigen Stand der Technik die größere.

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