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So wirbt Facebook erstmals in Deutschland auf Plakaten, in Zeitungen und im TV um neue Nutzer

Facebook Mache Facebook zu deinem Facebook Werbung
Bilder: Facebook
geschrieben von Tobias Gillen

Da gruselt es die Datenschützer zu Halloween: Ab heute wirbt Facebook in Deutschland erstmals mit einer eigenen Werbekampagne. Was Facebook damit erreichen will und wie „Mache Facebook zu deinem Facebook“ aussieht.

Facebook hat hierzulande ein mittelgroßes Problem: Die Datenschutz-Skeptiker, die sich Facebook bislang verweigern. Bei 30 Millionen aktiven Nutzern in Deutschland ist das sicherlich Jammern auf hohem Niveau, betrachtet man das immer langsamere Wachstum, macht die Kampagne aber trotzdem Sinn. Schließlich ist Facebook mit aktuell über 1,7 Milliarden aktiven Nutzern weltweit langsam an einem Punkt, an dem man tiefer kratzen muss.

Facebook Werbekampagne Mache Facebook zu deinem Facebook

So will Facebook Nicht-Nutzer überzeugen (Bild: Facebook)

Das geht einerseits über diverse Maßnahmen, um die Entwicklungsländer kostengünstig ans Netz zu bringen („connecting the world“) und andererseits natürlich damit, die Skeptiker doch noch zu überzeugen. Den ersten Punkt geht Facebook seit einigen Jahren schon mit Projekten wie Internet.org an, den zweiten nun mit der Werbekampagne „Mache Facebook zu deinem Facebook“. Zielgruppe sind ganz klar diejenigen, die Bedenken haben und möglicherweise nicht alle Funktionen kennen. Beispielsweise, dass man pro Post einstellen kann, wer ihn denn sehen kann (Klick aufs Bild zum Vergrößern).

„Mache Facebook zu deinem Facebook“ will Bedenken nehmen

Entwickelt wurde die Kampagne von der Agentur Wieden + Kennedy aus Amsterdam und basiert auf Gesprächen mit Nutzern und Nicht-Nutzern aus dem DACH-Raum. Insgesamt wird es acht Motive wie das Beispiel oben geben, die Facebook in deutschen Großstädten aufhängen möchte. Und weil das nicht reichen dürfte, haut man die Kampagne auch den Print-Lesern von Spiegel, Stern, Bild und Co. um die Ohren, zeigt sie auf sämtlichen Fernsehsendern (in zwei Wochen) und natürlich auch auf der Plattform selbst.

Facebook Werbekampagne Mache Facebook zu deinem Facebook

Ob man den Nutzern das Löschen von Party-Fotos erklären muss? (Bild: Facebook)

Von der Optik her finde ich die Kampagne persönlich schwierig. Die Erklärungen sind zu lang und klein, um sie bei der Vorbeifahrt im Auto wirklich wahrzunehmen. Hängen bleibt erstmal der große Spruch oben. Nun bin ich aber kein Marketing-Experte – die Macher von Wieden + Kennedy werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Vermutlich, dass der negative Satz oben den Betrachter so neugierig macht, dass er die Erklärung dann erst recht liest – ich bleibe skeptisch.

There’s more to come: Facebook will weiter werben

Überraschend ist, dass Facebook damit hierzulande erstmals zum Werbetreibenden wird und nicht nur selbst Werbung verkauft. Das Budget dürfte dabei deutlich im Millionenbereich liegen. Mitte Dezember soll dann nach dem ersten Flight noch nicht Schluss sein, wie Horizont berichtet. Auch 2017 soll es weitergehen, dann mit härteren Themen wie Hate Speech oder Rassismus.

Ich bin sehr gespannt, was die Kampagne erreicht, bin aber wie gesagt skeptisch, ob sie a) die gewünschte Botschaft richtig transportiert und b) ob sie Hardcore-Skeptiker überzeugen kann. Wenn sie aber immerhin dazu beiträgt, dass noch mehr Menschen die grundlegenden Funktionen kennenlernen, ist ja schon viel geholfen.

Auch interessant: Friss oder stirb: Über den Unsinn des AGB-Widerspruchs auf Facebook


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

9 Kommentare

  • Ich bin Vater, Facebook-passiv-Nutzer und fühle mich daher angesprochen. Die Werbung finde ich interessant, wird mich aber nicht überzeugen irgendetwas auf Facebook zu posten.
    Ich weiß dass ich einstellen kann, wer das Bild sehen darf und wer nicht. Was ich aber niemals einstellen kann, ist was Facebook mit meinen Bildern macht bzw. bleibt da trotz aller Bekundungen immer ein Zweifel an den Absichten von Facebook. Letztendlich müssen die Kohle verdienen.
    Hinzu kommt, dass man zwar mit einem Großteil der Familie vielleicht auf Facebook vernetzt ist, diese aber auch keine Inhalte teilen. Da ist in den Köpfen drin dass Facebook Evil Corp ist. Und das wird sich auch nur schwer ändern lassen.

    Es tut mir leid Facebook, aber ich denke die Absichten waren vielleicht gut. Bei einem Großteil der Bevölkerung hast Du aber verkackt.

    PS. Mein soziales Netzwerk zum Teilen von privaten Fotos lautet übrigens Signal.

  • Ich werd‘ nach wie vor die Finger davon lassen. Die Gründe sind nicht allein Datenschutzbedenken. Diese sind natürlich weiterhin vorhanden und werden durch irgendwelche Einstellmöglichkeiten nicht ausgeräumt. Eine gewinnorientierte Firma verfolgt einzig und allein ihre eigenen Interessen. Im Moment mag das drohende Abwandern von Kunden ein Argument sein, wenigstens ansatzweise die Interessen der Kunden zu vertreten. Aber das kann sich jederzeit ändern.

    Dazu kommt, dass ich es sehr bedenklich finde (gelinde gesagt), wenn eine einzige Firma hier ein Ersatz-Internet aufbaut. Monopolisierungen haben mich schon immer misstrauisch gemacht. Wir machen uns hier gerade abhängig vom Gewinnstreben einer einzelnen Person. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. So lange eine Firma klein ist, ihre Reichweite gering und Konkurrenz signifikant, so lange ist der potentielle Schaden, den eine solche Firma anrichten kann, eher marginal. Bei einem Monopol, wie das, was sich hier gerade entwickelt, sieht das anders aus.

    Wenn Basicthinking irgendwann in Zukunft nur noch eine Facebook-Seite sein wird, dann ohne mich.

    • „Wenn Basicthinking irgendwann in Zukunft nur noch eine Facebook-Seite sein wird, dann ohne mich.“

      – Nicht solange ich lebe und/oder verantwortlich für BASIC thinking bin, da gebe ich dir die Hand drauf!

    • Ich hätte gerne folgendes von Facebook:
      Hochprofessioneller Psychotest über mehrere Stunden, damit FB ein sehr detailliertes Profil des Nutzers erhält. Scherz? Nein, Ich will die Vorteile nutzen.
      Ich betreibe keine Suche nach Kopulationspartnern wie die „Hinternschnüffler“ (die „normalen“ Menschen, ja ein Hundevergleich), aber so könnten Nutzer z.B. Interessen-Gleiche Menschen suchen.
      Für bestimmte soziale, gesellschaftliche Staatskritische… Vorhaben oder nur zur Freizeitgestaltung (wobei das Vorgenannte ja auch Freizeitgestaltung ist), für alles.

      Desweiteren:
      * Ebay-Konkurrenz, aber kostenlos. Ebay könnte große Verluste erleiden.
      ~10% an Ebay als Gebühr ist eine Menge…
      * My-Hammer-Konkurrenz. Auch wenn MH dann ruiniert ist, kein Verlust…
      Denn eigentlich sollte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales so etwas betreiben… Kostenlose Arbeitsvermittlung.
      Aber daran hat der Staat kein Interesse. Die wollen dass Arbeit von Betrieben gemacht wird, die 60, 80, 100… die Stunde verlangen, Menschen Arbeit geben (*) und damit mehr Steuern und auch Umsatzsteuer zahlen. Nicht von §19-Einzelpersonen, die evtl. sogar so wenig verdienen, dass sie nicht nur keine Umsatzsteuer generieren, sondern auch keine Einkommenssteuer zahlen…

      *)
      Nein, das ist NICHT automatisch „gut“, Ich finde es z.B. gut, wenn Foxxconn für Apple in den USA vollautomatisch ohne Arbeiter iPhones herstellen wird! Keine Arbeitsplätze für die Red-Necks, aber auch keine Trumpschen Strafzölle etc. möglich. Und Ich finde es GUT, wenn Amazon an der Vollautomatisierung forscht.

      Wer Arbeitsplätze erhalten will, ist widerlicher ekelhafter menschenverachtender *Selbstzensur*…

  • Ihr könnt Sorgen haben. Ich bin vom Fach und ihr habt gestern im Supermarkt eine Schachtel Zigaretten gekauft. Was dann für eine Datenmenge los getreten wird, unglaublich. Am besten noch mit Karte bezahlt. Da braucht ihr gar nicht ins Internet zu gehen, das ist wie GPS im Hintern…

  • Ich habe auch mal so ein Plakat designt. Ging um Alkohol / Prävention. Das funktioniert schon. Man sieht ein Bild, kleine Schrift, schaut genauer hin. Das wurde auch mal schön verwendet bei einer Kampagne gegen häusliche Gewalt. „Schau genauer hin!“ Sehr gut. Hier aber werden jene angesprochen, die die AGB gelesen und sich daraufhin von FB abgewandt haben. Die „Kleingedruckten-Leser“. Raffiniert. Wird bei einigen funktionieren. Ich wünschte das würde sie nicht.

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