Social Media

Social Bots und Algorithmen: Sind Facebook und Twitter Schuld am Wahlsieg von Donald Trump?

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geschrieben von Fabian Mirau

Algorithmen wiegen scheinbar schwerer als echte Argumente. Der Wahlsieg des Donald Trump ist unter anderem den sozialen Medien Facebook und Twitter zuzuschreiben. 

Entgegen aller Erwartungen wurde Donald Trump vor wenigen Tagen zum nächsten Präsidenten der USA gewählt. Der Wahl ging ein überaus hässlicher, aber spektakulärer Wahlkampf voraus. Und er fand zu einem Großteil in den etablierten sozialen Medien, auf Twitter und Facebook, statt. Wie konnte das passieren? Wie konnte Trump so deutlich gegen Hillary Clinton gewinnen, obwohl sich doch Pressestimmen und Umfrageinstitute so sicher eines Sieges der Demokraten waren?

Mögliche Antworten auf diese Frage gibt es viele. So war Clinton sicher nicht die beliebteste Kontrahentin, viele Amerikaner verlangten offenbar einen deutlicheren Politikwechsel und die E-Mail-Affäre holte die Demokratin immer wieder ein. Doch eine weitere Antwort liegt in den Tiefen der Algorithmen von Facebook und Twitter verborgen. Die beiden sozialen Netzwerke tragen, auch wenn sie es mit Verweis auf ihre prinzipielle Neutralität nicht wahrhaben wollen, eine Mitschuld an dem überraschenden Wahlausgang.

Social Bots sind eine Gefahr für die Demokratie

Vor einigen Wochen habe ich hier über Social Bots und ihre Gefahren geschrieben. Dass sie zum Beispiel öffentliche Debatten durch das Verfälschen von Trends beispielsweise auf Twitter anders abbilden können, als es in der Realität der Fall ist. Sie können durch eine unglaublich große Anzahl an Retweets und Likes falsche Meinungsbilder erzeugen. So scheint Unwahres schnell wahr, öffentliche Debatten verlieren sich plötzlich in postfaktischen Scheindebatten.

Social Bots untergraben jede Form von offener Diskussionskultur, durch ihre Masse untergraben sie andere Meinungen in sozialen Medien. Algorithmen wiegen scheinbar schwerer als Argumente. Social Bots sind eine Gefahr für die Demokratie. Sie verzerren nicht nur Debatten, sondern polarisieren ins Extreme, schaufeln die ohnehin bereits tiefen Gräben, die durch die Gesellschaft gehen, noch tiefer und verbreiten massenhaft Falschmeldungen, Gerüchte und Verschwörungstheorien.

400.000 Bots zur US-Wahl, 75 Prozent pro Donald Trump

Eine kurz vor der Wahl veröffentlichte Studie von Alessandro Bessi und Emilio Ferrara von der University of Southern California unterstreicht nun die Vermutung, dass Social Bots einen erheblichen Einfluss auf das Wahlergebnis ausgeübt hatten. Zwischen dem 16. September und dem 21. Oktober beobachteten sie die Aktivitäten auf Twitter im Zusammenhang mit dem Wahlkampf. Dabei fiel auf, dass sich insgesamt knapp 400.000 Bots in die Präsidentschaftsdebatte auf Twitter eingemischt haben. Knapp 3,8 Millionen Tweets haben sie abgegeben, ca. 20 Prozent der gesamten Twitter-Kommunikation im Kontext der Wahl. Dabei fielen 75 Prozent der Tweets von Bots positiv für Trump aus, 25 Prozent für Clinton.

Der falsche Trend, den sie dabei entstehen lassen, ist aus dem selben Grund bedenklich, aus dem beispielsweise das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap 10 Tage vor einer Wahl in Deutschland grundsätzlich keine Prognosen mehr veröffentlicht: Menschen lassen sich von ihnen beeinflussen, lassen sich von der Masse leiten und entscheiden sich für die Wahlalternative, die von der Mehrheit die meiste Zustimmung erhält. Entsteht der Eindruck, Trump hätte alle TV-Debatten deutlich gewonnen, kann das Wähler durchaus beeinflussen.

Facebooks Algorithmen sind der Steigbügelhalter des Populismus

Eine weitere Ursache: Facebooks zum Teil miserabler Umgang mit seinen Inhalten. Auch hier scheinen faktenbasierte Informationen kein Maßstab für Qualität zu sein. Schuld daran sind die Algorithmen, die das soziale Netzwerk organisieren. Sie bilden und fördern Filterblasen, befeuern Falschmeldungen und belohnen vor allem  Beiträge mit hoher Reichweite. Aussortiert wird nicht.

Selbst die irrsinnigsten Links zu angeblichen Nachrichtenseiten etwa über die angebliche Ermordung des FBI-Ermittlers, der Hillary Clintons E-Mail-Affäre aufklären sollte oder das Märchen vom Papst, der sich für Trump aussprach, werden nicht gelöscht. Im Gegenteil: Sie werden wegen ihres enorm hohen Aufmerksamkeitspotenzials weiter befeuert. Facebook bringt alles in unsere Timeline, was geteilt wird, ohne den Inhalt zu prüfen. Ähnlich wie Social Bots multiplizieren diese Algorithmen Emotionen. Und Populismus lebt von Emotionen.

Kein Phänomen allein in den USA

Sicher, Facebook und Twitter haben nicht allein Donald Trump zum Präsidenten gemacht. Social Bots und Algorithmen trugen jedoch einen Großteil zum Wahlausgang bei. Genauso dramatisch ist allerdings die Tatsache, dass Twitter-Trends und weit verbreitete Falschmeldung offenbar kaum hinterfragt wurden. Im Gegenteil: Das Gerücht beispielsweise über den ermordeten FBI-Agenten hielt sich bis zum Ende, wurde für viele Trump-Anhänger zum Wahlkampfthema. Problematisch dabei ist weniger, dass sie von Falschmeldungen getäuscht wurden, sondern dass sie diese vermutlich auch glauben wollten.

Ein US-Amerikanisches Phänomen ist das nicht. Vergleichbar ist die Verbreitung von Falschmeldungen in Deutschland und Europa mit Berichten über Straftaten von Geflüchteten. Und anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl sorgte die AfD kurz für Aufsehen, indem sie erst ankündigte, Social Bots vielleicht im Wahlkampf einsetzen zu wollen und kurz danach wieder zurückruderte. Aber genau wie im US-Wahlkampf gilt: Die Urheber von Social Bots, die Puppenspieler, wie sie Emilio Ferrara und Alessandro Bessi nennen, sind unbekannt.

Auch interessant: Wie uns Social Bots beeinflussen und warum sie so gefährlich sind und Macht uns das Internet demokratischer? Was wir von der Piratenpartei noch lernen können


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Über den Autor

Fabian Mirau

Fabian ist Politik-Student und arbeitet in Berlin für ein Redaktions- und Medienproduktionsbüro. Für BASIC thinking schreibt er beinah wöchentlich über Netzpolitik, Social Media und den digitalen Wandel. Also eigentlich über fast alles, was mit diesem Internet zu tun hat.

10 Kommentare

  • Hallo Fabian, das Thema hatten wir ja schon vor paar Wochen von Dir.
    Auch da hatte ich schon geschrieben dass es auch einfach sein kann, dass bei den Socialen Medien einfach die wirkliche Meinung der Benutzer verstärkt zur Tage kommt.
    Es ist schon überraschend, dass laut der Umfragen in den grossen Medien, der Ausgang der Wahlen immer wieder ganz anders dargestellt wird. Aber dann bei der tatsaechlichen Wahl es doch anders aussieht.

    Das haben wir jetzt sowohl bei der Brexit-Wahl wie nun auch bei der US-Wahl erlebt.
    Ich denke daraus sollte man vielleicht lernen, dass die Mehrheit der Wähler evtl. doch einfach eine andere Meinung haben und man auch solche Wähler ernst nehmen sollte.
    Und eben nicht die Wahlergebnisse auf Ursachen zurueckfuehrt, welche kaum nachvollziehbar sind. Denn warum sollen die Trump Anhänger die Möglichkeit haben und nutzen solche sozialen Bots zu entwickeln.
    Aber die Clinton-Anhänger, zu welchen auch fast alle IT-Unternehmen zaehlten, diese Möglichkeit nicht haben bzw. nicht nutzen?

    • Dass die meisten Umfragen und Medienberichte im Vorfeld der Wahl falsch lagen, liegt ja vor allem an den schlechten, veralteten Erhebungsmethoden (oft zufällige Telefonumfragen).
      Auch für Clinton hatten Social Bots Stimmung gemacht. Nur eben nicht so viele wie für Trump. Es ist doch nicht demokratisch, wenn der Kandidat, der die meisten Bots hinter sich weiß, eine Wahl entscheidend lenken kann. Ähnliches gilt für Falschmeldungen.

  • Was sind das den für eine Verschwörungs- Theorie?
    Das Volk hat Trump gewählt und nicht Facebook oder Twitter!

    Man sollte mal überlegen warum die Leute Trump gewählt haben das wird aber immer außer Acht gelassen.

    • Nope, darum ging es im Text nur einfach nicht. Es geht um den Einfluss von Social Bots und Algorithmen, die übrigens keine „Theorie“ sind und schon gar keine „Verschwörungstheorie“, sondern wissenschaftlich erhoben.

      Und nein: Das Volk hat Trump nicht gewählt, das Volk hat Clinton gewählt. Das Volk hat durch das System in den USA die Wahlmänner mehrheitlich für Trump gewählt. Wichtiger Unterschied.

  • Ist dieser Content nicht auch eine Art von Populismus – im Sinne einer groben Vereinfachung von Problemen und zurechnen des Problems auf einzelne Ausprägungen / Verstärker?

  • […] unser Autor Fabian Mirau hat sich in dieser Woche die Bedeutung von Social Bots auf den Ausgang der US-Wahl angesehen. Einer Studie zufolge gab es 400.000 Social Bots im Einsatz, die rund 3,8 Mio. Tweets abgesetzt haben. Das wiederum entspricht ca. 20 Prozent der gesamten Kommunikation die Wahl betreffend. Das Verhältnis von Trump- zu Clinton-Bots: 75 Prozent zu 25 Prozent. Mehr dazu in unserem Text. […]

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