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USA: Warum WhatsApp im eigenen Land so unbeliebt ist

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geschrieben von Marinela Potor

Ihr habt es, eure Nachbarn haben es und eure Omas haben es wahrscheinlich auch: WhatsApp. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gehört der Messenger-Service zu den beliebtesten Smartphone-Applikationen überhaupt. Nur im Heimatland von WhatsApp, den USA, scheint keiner die App zu nutzen. Warum eigentlich?

Mehr als die Hälfte aller Deutschen nutzt WhatsApp. Egal, ob zum Texten mit Freunden oder für Werbezwecke, die Messenger-App aus dem Silicion Valley hat Deutschland im Sturm erobert. Nach einer Erhebung von Statista ist Deutschland nach Malaysia das Land in dem der Service weltweit am meisten genutzt wird.

WhatsApp USA Länder

Auf dem letzten Rang, nach dieser Erhebung, liegt jedoch ausgerechnet die USA. Wieso nutzen eigentlich im Heimatland von WhatsApp prozentual weniger Menschen den Service?

Wer ist eigentlich dieser WhatsApp?

Als Facebook im Jahr 2014 WhatsApp kaufte, fragten viele Medien verwirrt: Wer oder was ist WhatsApp? Und warum investiert der Social Media Gigant 19 Milliarden US-Dollar in den Nachrichtendienst?

WhatsApp USA Growth

Denn während WhatsApp in Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz die SMS quasi über Nacht ersetzt hatte, haben die meisten US-Amerikaner WhatsApp nicht installiert oder im Gebrauch. Auch wenn die Anzahl der WhatsApp-Nutzer in den USA ansteigt, wirklich bekannt oder gar beliebt ist der Service nur bei wenigen. Warum eigentlich? Wieso ist WhatsApp gerade im eigenen Land so unbekannt?

WhatsApp vs. SMS: Kein Grund zu wechseln

Wer in den USA ein Handy hat, hat damit auch in den meisten Fällen einen Handyvertrag. Da der Handymarkt ein sehr umkämpfter ist, sind die Angebote für Nutzer sehr attraktiv. Bei fast jedem Anbieter sind Flatrates für SMS, Freiminuten inbegriffen. Und das schon seit vielen Jahren.

Anders als in Deutschland, waren Prepaid-Optionen nie beliebt oder attraktiv und so zahlt kaum ein Handynutzer in den USA separat für jede SMS. So gibt es also schon lange einen sehr guten und günstigen Messenger-Service in den USA, das eigene Handy.

Hinzu kommt, dass die Datenpakete in den USA teuer sind. Es ist also tatsächlich günstiger, eine SMS zu schicken, als WhatsApp zu nutzen. Warum also wechseln?

Facebook-Messenger hat US-Markt fest im Griff

Nun ist es natürlich nicht so, dass US-Amerikaner gar keine Messenger-Services nutzen. Neben der klassischen SMS schicken die Menschen auch gerne Nachrichten per App, dann allerdings mehrheitlich über einen anderen Dienst, dem Facebook-Messenger.

Mit der Kombination aus Facebook-Messenger und SMS kann man in den USA so ziemlich jeden erreichen, den man per Textnachricht erreichen möchte.

Wer also schon den Facebook Messenger und den eigenen Handyanbieter zum Texten hat, und damit mit all seinen Freunden und Bekannten kommunizieren kann, wer braucht dann noch einen dritten Service, der nichts besser oder anders macht?

US-User sind App-müde

Hinzu kommt, dass Nutzer so langsam aber sicher appmüde werden. Die Smartphone-Screens sind schon völlig überladen mit Apps. User werden selektiver, wenn es darum geht, eine neue App herunterzuladen.

Der Kampf um einen Platz auf dem Smartphone ist also härter geworden und wenn eine Applikation weder etwas Neues noch einen besseren oder günstigeren Service bietet, wie im Fall von WhatsApp in den USA, sehen wenige einen Grund, sie herunterzuladen.

Wer in den USA Alternativen sucht, landet nicht bei WhatsApp

Die Einzigen, die in den USA tatsächlich den Nutzen in WhatsApp sehen, sind User, die Familie oder Freunde im Ausland haben.

Denn die Handy-Verträge in den USA haben immerhin hier WhatsApp noch eine Marktlücke gelassen. SMS ins Ausland schicken oder außerhalb der USA zu telefonieren ist ohne spezielle Tarife sehr teuer.

So sind die meisten US-Amerikaner, die WhatsApp nutzen, höchstwahrscheinlich über Familie oder Freunde im Ausland auf den Service gekommen, selten aber aus Eigeninitiative.

Apropos Initiative. Es gibt selbstverständlich auch in den USA Nutzer, die sich über Datenschutz Gedanken machen und sicherere Alternative zu Facebook, Skype oder der klassischen SMS suchen. Diese landen dann aber nicht beim immer wieder in Sachen Sicherheit hinterfragten Service von WhatsApp, sondern bei Messenger-Apps wie Telegram oder Signal.

Während WhatsApp also im Rest der Welt extrem beliebt ist, muss der Service auf den Durchbruch im eigenen Land wohl noch weiter warten.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

2 Kommentare

  • Was soll man da kommentieren? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mr. Zuckerberg außerhalb der USA sehr viel Druck auf Medien ausüben muss. Wie lässt es sich sonst erklären, dass ihr Broadcast über Telegram nicht mehr bedient wird.
    Früher wurden links zu besseren Messengers von Facebook und Co ja auch gestört.
    Also bleibt ehrlich und nicht scheinheilig.

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