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Kommentar: Jetzt wird Twitter zum Spammer-Paradies

Christian Erxleben
Das neue Twitter-Feature Threads. (Pixabay.com / StockSnap)

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Twitter entfernt sich immer weiter von einem Kurznachrichtendienst. Nach der Erhöhung des Zeichenlimits können nun mit den Twitter Threads bis zu 25 Tweets gebündelt werden – eine Horrorvorstellung für mich. Ein Kurzkommentar.

Bei Twitter hat es Historie, dass Entwicklungen aus der Community übernommen werden. Die prominentesten Beispiele dafür sind der Retweet, das Markieren von anderen Nutzern über das @-Symbol und der Hashtag.

Seit gestern reiht sich ein neues Feature in diese Liste ein: die Twitter Threads. Wie Product Manager Sasank Reddy in einem Blog-Post mitteilt, können Nutzer durch das neue Feature bequem mehrere Posts zusammengefügen.

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Dadurch soll es Nutzern ermöglicht werden, ausführlichere Geschichten zusammenhängend zu erzählen. Eine Möglichkeit, die aufgrund der Begebenheiten von Twitter bislang nicht vollumfänglich möglich war.

Die Twitter Threads werden mit Sicherheit viele Anhänger finden. Das möchte ich gar nicht bestreiten. Trotzdem verliert das Netzwerk durch dieses Produkt meiner Meinung nach einen Großteil seines Charmes.

Zeichenlimit – wer braucht das?

Wodurch Twitter über die Jahre groß und bekannt geworden ist, war die Kürze der verbreiteten Nachrichten. Als man in San Francisco feststellte, dass das Konzept von Facebook offenbar mehr Menschen interessiert, hat Twitter nach und nach eigene Charakterzüge aufgegeben und Facebook kopiert.

Erst zählten Verlinkungen nicht mehr mit ins Zeichenlimit, anschließend erweiterte man die Antwort-Länge und schließlich das gesamte Limit auf 280 Zeichen. Und jetzt also noch die Twitter Threads.

Bis zu 25 Tweets können Nutzer damit ohne zeitliche Begrenzung ergänzen. 25 mal 280: Das wären dann 7.000 Zeichen. Nur die ersten drei Tweets eines Threads erscheinen in der Timeline. Wer mehr sehen möchte, muss klicken.

Wodurch sich Twitter ausgezeichnet hatte

Doch auch schon drei Tweets genügen, um mehr als den Smartphone-Bildschirm zu bedecken. Drei Tweets, die mich gegebenenfalls nicht interessieren. Das ist nicht nur bei den neuen Threads der Fall, sondern auch dann, wenn mir Twitter unaufgefordert Antworten auf Tweets anzeigt. Wenn mich Reaktionen auf einen Beitrag interessieren, klicke ich ihn an.

Die neue Funktion führt in meinen Augen nur dazu, dass immer mehr Beiträge nicht kurz zusammengefasst werden, sondern in epischer Erzählform ausgerollt werden und damit den Feed unbrauchbar machen. Es gibt sinnvolle Anwendungsfelder – das sehe auch ich – allerdings wird es dabei nicht bleiben.

Ich habe Twitter vor Jahren als Kommunikations-Tool lieben gelernt, weil es mir als Journalist in wenigen Sekunden die Möglichkeit gegeben hat, kurz und übersichtlich neue Themen zu entdecken. Maximal 140 Zeichen, vielleicht ein Link oder Bild und das war es.

Mit jeder Neuerung werden die Nachrichten länger und das Scannen schwieriger. Der Recherche-Aufwand wird durch zahlreiche Beiträge, die teilweise in Spamming ausarten, ungleich größer. Einer der größten Vorteile verschwindet.

Aus professioneller Sicht kann ich diesen Schritt nicht nachvollziehen. Ich bedaure ihn sogar. Aber vielleicht goutiert es die Community und Twitter erlebt seinen dritten Frühling.

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Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.