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Warum Japan verrückt nach Robotern ist

geschrieben von Nicole Scott

Ein von Robotern betriebenes Hotel, tanzende Roboter oder sogar eine Roboter-Freundin – regelmäßig erreichen uns neue Roboter-Storys aus Japan. Eines ist sicher: In Japan herrscht der Roboterhype und sie integrieren sich immer stärker in Japans Gesellschaft. Aber das ist nicht bloß ein flüchtiger Trend, es gibt einen guten Grund für diese Entwicklung. Und dieser lautet schlicht und einfach, dass es in Japan nicht genügend Arbeitskräfte gibt.

Um dem steigenden Arbeitskräftemangel entgegen zu wirken, stieg die Nachfrage nach Robotern im letzten Jahr stark an. Gleichzeitig schrieben die mittelständischen Unternehmen Japans im Jahr 2017 ganze 1,1 Millionen neue Stellen aus. Der Arbeitskräftemangel begann bereits Ende 1995. Damals erreichte die Anzahl der Arbeitskräfte mit 85 Millionen Menschen ihren Höchststand. Seitdem sinkt diese Zahl immer weiter und in diesem Jahr soll sie mit 76 Millionen Menschen einen neuen Tiefpunkt erreichen.

Niemand in Japan hat Angst davor, seinen Job wegen eines Roboters zu verlieren.

Die Roboter erfüllen in Japan einen ganz bestimmten Zweck und Automation wird von der Bevölkerung nicht als Bedrohung angesehen – es ist vielmehr eine Überlebensmaßnahme für die japanische Wirtschaft. Im Jahr 2014 stellte Premierminister Shinzo Abe neue Reformen vor, mit deren Hilfe der Markt für Roboter bis zum Jahr 2020 die Grenze von 21 Billionen Dollar erreichen soll.

Japan strebt danach, die automatisierteste Industrienation der Welt zu werden.

Roboter sind für Japan die perfekte Lösung, denn der Dienstleistungssektor dort ist für 70% der Wirtschaftsleistung verantwortlich. Service-Roboter eignen sich nämlich perfekt für simple und repetitive Aufgaben. Japans Arbeitsproduktivität ist jedoch 40% geringer als die der Vereinigten Staaten. Dieser Kontrast belastet die Industrie des Landes sehr und immer mehr Unternehmen wie beispielsweise McDonald’s eröffnen weniger 24-Stunden-Restaurants und kürzen ihre Öffnungszeiten.

Roboter sind scheinbar essentiell für das Wirtschaftswachstum Japans.

Auf meinen Reisen nach Japan habe ich viele Unternehmen besucht – beispielsweise auch Fujitsu – und es war offensichtlich, dass die Optimierung ihrer Arbeitskräfte für alle Unternehmen ein großer Schwerpunkt ist. Eine simple Lösung für den Arbeitskräftemangel wäre aber, mehr Immigranten ins Land zu lassen.

Im Jahr 2005 schlug die Regierung vor, in einem Zeitraum von 50 Jahren insgesamt 10 Millionen Menschen ins Land zu lassen. Der Plan erhielt jedoch kaum Zuspruch und wurde letztendlich nicht umgesetzt.

Kein anderes Land der Welt hat einen solch starken Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen wie Japan. Das Land verkauft mehr Erwachsenenwindeln als Babywindeln und je geringer die Anzahl der jungen Menschen ist, die durch ihre Arbeit die alternde Bevölkerung unterstützen, desto geringer ist in der Regel auch das Wirtschaftswachstum.

„Japan betreibt keine Einwanderungspolitik – eine Tatsache, die von vielen Politikern kritisiert wird“, sagte Chris Burgess, Immigrationsforscher und Dozent für Japanologie an der Tsuda Juku Universität in Tokyo gegenüber des US-Senders CNN.

„Viele Japaner glauben, dass der Frieden und die Harmonie des Landes auf einer homogenen Bevölkerung mit möglichst wenigen Ausländern abhängt“, so Burgess. „Diese Denkweise durchdringt viele Bereiche der japanischen Gesellschaft aus und ist auch der Grund für Japans fehlende Einwanderungspolitik“.

In der Vergangenheit benötigte das Land keine Einwanderer.

Japan ist ein Land, welches noch immer von Einflüssen aus dem Ausland abgeschottet ist und während der „Abschließung Japans“ zwischen 1641 und 1853 ließ Japan nur Handelsleute aus China und den Niederlanden ins Land. Gleichzeitig durfte die örtliche Bevölkerung das Land nicht verlassen.

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Auch während des Wirtschaftsbooms zwischen 1955–1973 verließ man sich in Japan nicht auf ausländische Arbeitskräfte. Erst in den 80ern zog man in Betracht, ob man auch Arbeitern aus dem Ausland die Einwanderung erlauben sollte.

In den 90ern begann Japan damit, hoch qualifizierte Arbeitskräfte anzuwerben und man versuchte die „Nikkeijin“ – japanische Auswanderer – zurück nach Japan zu locken. Nur 2% der Bevölkerung Japans wurde im Ausland geboren. In den USA sind es dagegen ganze 12%. Weniger qualifizierte Arbeitskräfte sind auch nach wie vor nicht willkommen. An diesem Punkt schließt sich der Kreis und es wird deutlich, weshalb Japan so verrückt nach Robotern ist.

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Nicole Scott

1 Kommentar

  • Die Japaner sind nicht einfach nur technikverrückt, sie glauben dass Gegenstände eine Seele haben. Das erklärt warum technische Dinge dort einen so hohen Stellenwert haben. Also gehen sie den Weg der Automatisierung, anstatt Bullshitjobs zu schaffen, die ohnehin keiner machen will.

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