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Würdet ihr euer Gehirn in der Cloud speichern lassen?

geschrieben von Nicole Scott

Nectome wurde im Jahr 2016 von zwei KI-Wissenschaftlern des MIT gegründet. Die Gründer hoffen darauf, die Vitrifixation bald kommerziell einsetzen zu können, um menschliche Gehirne durch sogenannte „Aldehyd-stabilisierte Kryokonservierung“ zu präservieren. Den Begriff „Vitrifixation“ hat sich das Unternehmen selbst ausgedacht, er stammt vom englischen Wort für „Verglasung“ ab. Der Vorgang scheint sehr vielversprechend. Dieses Jahr gelang es den Wissenschaftlern, das Gehirn eines Schweins zu konservieren und bereits 2016 führten sie die Prozedur erfolgreich an einem Hasen durch. Für ihre Forschung wurden ihnen zwei Preise der Brain Preservation Foundation verliehen.

Gehirne in der Cloud zu speichern ist so gut wie keine Zukunftsmusik mehr.

Durch die „digitale Einbalsamierung“ werden selbst die kleinsten Details des Gehirns festgehalten und können Jahrhunderte lang gespeichert werden. Die Idee dahinter ist, dass eines Tages die Wissenschaft dazu in der Lage sein wird, den menschlichen Verstand innerhalb eines Computers zu rekonstruieren und möglicherweise in die Cloud zu laden.

Im folgenden Video könnt ihr sehen, wie die Zellschichten und Synapsen eines konservierten Schweinegehirns unter dem Elektronenmikroskop aussehen. Manche Wissenschaftler glauben, dass sich mithilfe einer solchen Kartographie des Gehirns, die auch als „Konnektom“ bezeichnet wird, die Erinnerungen eines Menschen wiederherstellen lassen könnten.

Video Source Technology Review

Es gibt jedoch einen Haken an der Sache – der Tod des Patienten darf erst kurz vor der Prozedur eintreten. Oder besser gesagt: Der Vorgang muss gleichzeitig die Todesursache sein. Um sicherzustellen, dass durch die Vitrifixation das Gehirn ausreichend konserviert wird, um wiederum die Rekonstruktion und Speicherung des Verstands und der Erinnerungen zu ermöglichen, muss die Prozedur exakt zum Zeitpunkt des Todes durchgeführt werden. Der Blutstrom wird unterbrochen und es werden spezielle Chemikalien ins Gehirn geleitet, welche die neuronale Struktur des Gehirns konservieren und den Patienten töten.

Nectome glaubt, dass diese Prozedur in US-Bundesstaaten mit soliden Sterbehilfegesetzen legal sein wird. Dazu soll auch Kalifornien zählen, wo bereits seit zwei Jahren die so genannten „Death with Dignity“-Gesetze gelten. Schätzungsweise soll der Service aber erst 2021 verfügbar sein.

Der nächste Haken an der Sache ist, dass es bisher keine Methode zur Wiederbelebung oder Rekonstruktion des Gehirns gibt, nachdem es konserviert und eingelagert wurde.

Aber selbst wenn dies eines Tages möglich sein sollte, stellt sich einem am Ende die folgende Frage:

Wenn der eigene Verstand nach dem Tod in die Cloud übertragen wurde, bin ich dann immer noch ich?

Die Netflix-Serie Altered Carbon möchte der Frage, was es bedeutet ein Mensch zu sein, auf den Grund gehen und wir haben einen genaueren Blick auf den wohl menschlichsten Charakter der Serie geworfen: ein KI-Hotel.

Zum Schluss möchte ich euch noch den Kurzfilm „The Final Moments of Karl Brant“ mit Paul Reubens (Pee-wee Herman) empfehlen, der ebenfalls das Thema „Mind Uploading“ behandelt.

Für 10.000 US-Dollar könnt ihr euch übrigens auf einer Warteliste eintragen lassen, um euer Gehirn von Nectome konservieren zu lassen. Zum Zeitpunkt dieses Artikels stehen bereits 25 Menschen auf dieser Liste.

Würdet ihr euer Gehirn konservieren lassen, um möglicherweise in der Zukunft digital weiterleben zu können?

Quelle: LinkedinTechnology Review

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Über den Autor

Nicole Scott

10 Kommentare

    • Das war auch mein Gedanke. Ich würde hier jetzt nicht Versuschskaninchen spielen wollen. Vielei Philosophische Ansätze (und natürlich alle Religionen) gehen davon aus, dass wir mehr sind alls die Summe unserer Gedanken. Wissenschaftlich lies sich sowas wie eine Seele aber bissher nicht finden. Aber es stellt sich auch die Frage in wiefern sich z.b ein Charakter im reinen Verstand wiederspiegeln wird. Wenn man diese Tests wirklich durchführt, wird man endlich eine Antwort auf all diese Fragen haben. Aber ich möchte jetzt nicht der sein, bei dem es ausprobiert wird…..

  • Was mich hier wundert, daß sich hier keiner aufregt, daß hier der Proband getötet werden soll, zum konservieren das Gehirns. Dies ist doch Sterbehilfe, Tötung auf Verlangen bzw. Mord. Für mich ist dies ethnisch und glaubenmässig nicht zulässig. Aber alle berichten hierüber und alle bleiben ruhig. Dies macht mich nervös. Opfern wir unser Gewissen der Wissenschaft? Wie will man denn nachweisen, daß der Proband zuletzt wirklich sterben will. Wehret den Anfängen.

    • Du tust gerade so, als würde man jetzt massenweise Leute umbringen und irgendwo hochladen. Ganz ruhig. Es wird sicherlich niemand dazu gezwungen und Leute mit anderen Vorstellungen als du haben eben kein Problem damit. Sterbehilfe wird auch nur dem gewährt, der es ausdrücklich und zweifelsfrei will (in entsprechenden Staaten). Das ist klar reglementiert. Also wo ist das Problem?

  • Meine Gedankenwelt ist weder : Gesellschaftstauglich, noch Jugendfrei, noch Liebe und Bunt und daher sollte ich es besser sein lassen mein Hirn in die Cloud zu übertragen 🙂

  • Zu viele Fragezeichen und gruselig obendrein. Ich finde Elon Musks Neuralink Projekt viel interessanter. Es soll eine Schnittstelle zwischen Computer und Gehirn geschaffen werden. Das könnte im medizinischen Bereich einen Durchbruch wie die Entdeckung des Penizillins darstellen.

  • Das wäre dann bestenfalls ein digitaler Zwilling, der weiter existiert.
    Oder ein seelenloser digitaler Zombie. Ich hätte nichts davon. Also wozu?

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