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Was Googles Mobile-First-Index für Seitenbetreiber bedeutet

Daniel Furch, Searchmetrics, Mobile-First-Index
Daniel Furch, Director Marketing EMA bei Searchmetrics, erklärt die Auswirkungen des Mobile-First-Index. (Foto: Unternehmen)
geschrieben von Christian Erxleben

Mit dem offiziellen Beginn des Roll-outs des Mobile-First-Index läutet Google endgültig das mobile Zeitalter ein. Doch was bedeutet der Mobile-First-Index für Seitenbetreiber und Online-Shops? Wir liefern Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Spätestens seit mehr als die Hälfte des Traffics auf Websites von mobilen Endgeräten kommt, sollten auch die letzten Seitenbetreiber die Bedeutung mobil-optimierter Websites erkannt haben.

Mit dem Startschuss des Mobile-First-Index Ende März 2018 stellt Google die Weichen deutlich auf Mobile. Doch welche Konsequenzen hat der Mobile-First-Index? Auf welche Faktoren achtet Google? Und: Wie hängen mobile Suche und Desktop-Suche zusammen?

Antworten auf diese Fragen liefert Daniel Furch. Er arbeitet als Director Marketing EMEA beim Suchmaschinen-Spezialisten Searchmetrics.

BASIC thinking: Seit dem 27. März 2018 rollt Google nun seinen Mobile-First-Index aus. Was bedeutet das für Seitenbetreiber konkret?

Daniel Furch: Der sogenannte Mobile-First-Index bedeutet zunächst einmal grundsätzlich, dass die Evaluation der Relevanz von Webseiten und die darauf basierende Festlegung von Rankings durch Google nicht mehr (nur) anhand der Desktop-Variante einer Seite, sondern (auch) über die mobile Version erfolgen.

Es ist zwar nicht so, dass es einen vom bisherigen (Desktop-)Index vollständig getrennten mobilen Index geben wird, allerdings wird für die Hierarchisierung der Suchergebisse auf mobilen Endgeräten die Mobilfreundlichkeit der entsprechenden Seite stärker gewichtet als bisher.

Ein meines Erachtens anhand der steigenden Nutzung mobiler Endgeräte folgerichtiger Schritt. Im Fokus von Google steht laut eigenen Angaben dabei nicht die Abstrafung von Seiten, die nicht mobiloptimiert sind. Es geht vielmehr um die Bevorzugung mobilfreundlicher Seiten. Für Seitenbetreiber bedeutet das demzufolge konkret zwar nicht, dass ihre eventuell nicht-mobilfreundliche Seite per sé abgestraft wird.

Allerdings werden demgegenüber mobilfreundlichere Seiten potenziell mit besseren Google-Platzierungen belohnt. Dadurch müssen erstere durchaus mit daraus resultierenden passiven Ranking-Berlusten rechnen.

Noch einmal kurz zusammengefasst?

Es ist von heute auf morgen keine Panik angesagt. Nicht mobil-optimierte Seiten werden wohl auch weiterhin prinzipiell in den mobilen Suchergebnissen erscheinen.

Aber nicht nur für Google, sondern vielmehr für ihre Nutzer, die schon heute zum Großteil mit Smartphones im Netz unterwegs sind, sollten Seitenbetreiber, die eben diese Nutzer auch erreichen wollen, eine für mobile Endgeräte optimierte Nutzererfahrung bereitstellen, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein.

Da nun mobile Webseiten eine große Bedeutung im Ranking einnehmen, stellt sich die Frage: Auf welche Faktoren achtet Google bei mobilen Websites?

Google macht zwar prinzipiell ein ziemliches Geheimnis aus den dem Ranking-Algorithmus zu Grunde liegenden Ranking-Faktoren – wie wir sie nennen – kommuniziert allerdings hinsichtlich Mobilfreundlichkeit relativ offen relevante Maßnahmen. Eine schnelle Seitenladezeit und Responsivität beziehungsweise Individualisierung der Inhalte und des Layouts je nach Mobilgerät spielen hierbei technisch gewiss eine übergeordnete Rolle.

Zudem sollte man sich über Structured Markups Gedanken machen. Auch die interne Verlinkung sowie die richtige Verwendung von Canonicals im Zusammenspiel von Mobil- und Desktop-Variante einer Seite sind genauso technische Herausforderungen, die Rankings beeinflussen können wie der richtige Einsatz von Javascript-Bibliotheken und Bildern, die in unterschiedlichen Größen hinterlegt werden oder dynamische Font-Größen.

Worauf muss ich darüber hinaus achten? 

Darüber hinaus muss man sich eigentlich nur einmal selbst in die Perspektive eines Nutzers der eigenen Seite versetzen. Das ist jedoch manchmal anhand der eigenen Domain nicht so einfach ist.

Inhalte werden je nach Bildschirmgröße einfach anders konsumiert. Auf dem Desktop lassen sich etwa viel mehr Content-Elemente unterbringen als auf dem Smartphone. Hier kann es für die Zugänglichkeit von Informationen sinnvoll sein, bestimmte Inhalte optional anzubieten. Das heißt, dass sich diese erst per Klick öffnen – etwa mittels Accordion oder Layer.

Es gibt Content-Elemente, die mobil vielleicht nicht benötigt werden – oder erst in einer bestimmten Stufe der Customer Journey – und deshalb auch nicht so präsent sein müssen. Letztendlich sind auch die mobilen Ranking-Faktoren abgesehen von einigen grundsätzlichen Voraussetzungen je nach Inhalt und Nutzerintention unterschiedlich.

Für Publisher kann der Einsatz von AMP (Accelerated Mobile Pages) nützlich sein, wohingegen Shop-Betreiber sicherstellen sollten, dass sie auch auf mobilen Endgeräten den Informations- und Kaufprozess für ihre Nutzer optimal abbilden können.

Welche Rolle spielt im Detail die Seitenladegeschwindigkeit?

Die Seitenladezeit spielt hinsichtlich des Mobile-First-Ansatzes im Vergleich zu Desktop angesichts mobil limitierterer Datenübertragungsraten sicherlich eine noch wichtigere Rolle. Aber auch hier kommt es aber auf den Inhalt an. Wenn der Nutzer mit ausführlichen Inhalten oder Bildern rechnet, nimmt er auch längere Ladezeiten in Kauf.

Prinzipiell sollten Optimierungen im Mobilbereich jedoch stets mit der minimal möglichen Ladezeit angegangen werden. Man stelle sich den User an der Bushaltestelle beim Einsteigen vor, der schnell eine bestimmte Information suchen möchte. Er wird Seiten verlassen, die lange laden.

Sitzt er jedoch im Bus auf einer längeren Fahrt, wird er eventuell aus Langeweile längere Inhalte konsumieren wollen. Auf diese wartet er auch zwei bis drei Sekunden länger und schaut dabei einfach aus dem Fenster. Hier spielt also der richtige Mix unter – ja, dennoch – größerem Fokus auf die Ladezeit eine entscheidende Rolle, da mobile Nutzer tendenziell schneller abspringen, wenn die Seite zu langsam lädt.

Gibt es einen groben Wert zur Ladezeit, anhand dessen man festlegen kann, ob die eigene Seite schnell oder langsam lädt?

Jein. Wir haben in unseren Ranking-Faktoren-Studien, die wir mittlerweile seit vielen Jahren – auch für mobile Suchergebnisse – durchführen, gesehen, dass grundsätzlich die durchschnittliche mobile Ladezeit in den Top 20 unter einer Sekunde beträgt. Besser positionierte Websites laden tendenziell etwas schneller.

Allerdings variieren diese Daten sehr stark mit dem Keyword-Set, das als Grundlage verwendet wird und ist folglich je nach Nische etwas unterschiedlich.

Sollte im mobilen Bereich ein größerer Fokus auf einer Ladezeitoptimierung liegen?

Ja! Aber nicht um den Preis der Vernachlässigung relevanten Contents. Wobei Content in diesem Fall auch Bilder und Videos sein können. Wenn ich nun trotzdem pauschalisieren müsste, sind für mich als Nutzer mobilen Contents Inhalte, die unter einer Sekunde laden, „normal“, so um die zwei Sekunden „etwas nervig“. Bei allen Inhalten mit einer Ladezeit von über drei Sekunden überlege ich mir, ob ich URLs dieser Domain beim nächsten Mal überhaupt wieder anklicke.

Kann ich meine eigene Seite mit Hilfe von Tools überprüfen?

Erster Anlaufpunkt für die Überprüfung und Verwaltung der eigenen Seite hinsichtlich Mobilfreundlichkeit sind sicherlich die Google Search Console sowie der neuere Google-Mobile-Test. Mit unserer Software, der Searchmetrics Suite, ermöglichen wir es unseren Kunden darüber hinaus unter anderem, ihre mobile SEO Visibility in den Google-Suchergebnissen im Vergleich zu ihrer Desktop SEO Visibility im Auge behalten zu können und darauf basierend Maßnahmen zu ergreifen.

Inwiefern haben Werbemittel eine negative Auswirkung auf die Performance?

Prinzipiell haben wir im Zuge unserer regelmäßigen Analysen festgestellt, dass eine negative Korrelation zwischen Rankings und „viel“ oder „mehr“ Werbung besteht. Das heißt nicht, dass Werbung prinzipiell schlecht ist, aber sehr wohl, dass besser platzierte Seiten tendenziell weniger Werbung auf der Seite schalten.

Nun heißt Korrelation nicht gleich Kausalzusammenhang. Fakt ist: Wenn ich Inhalte auf meiner Seite nicht klar von Werbung trenne, und / oder mit Werbung zu stark überlagere, leidet die User Experience. Damit leidet auch die Relevanz der gesamten Seite, was potenziell in Rankingverlusten resultiert. Da auf mobilen Bildschirmen noch weniger Platz ist als am Desktop, spielt ein ausgeglicheneres Verhältnis hier eine noch größere Rolle.

Gilt der Mobile-First-Ansatz auch für die Desktop-Suche?

Ausnahmsweise eine kurze Antwort: Nein.

Was passiert mit Seiten, die über keine mobile Website verfügen?

Dann sollten die Besitzer dieser Seiten, so sie denn Nutzer mobiler Endgeräte erreichen wollen, darüber nachdenken, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Langfristig werden die Inhalte dieser Seiten in den Suchergebnissen wohl von Wettbewerbern überholt werden.

Sorgt der Mobile-First-Index dafür, dass Inhalte von Seiten negativ beeinflusst werden? Oder handelt es sich lediglich um einen positiven Effekt für mobil-optimierte Seiten?

Zweiteres.

Vielen Dank für das Gespräch, Daniel!

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.