CEBIT 2018, Hannover Messer

Wenn alte auf neue Welt trifft: Ein Fazit zur CEBIT 2018

Stephanie Tönjes
Auf der Außenfläche der CEBIT 2018 kam durchaus Festival-Stimmung auf. (Foto: Stephanie Tönjes)

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Der Neustart der CEBIT ist nur teilweise gelungen. Vor allem die Vereinigung der unterschiedlichen Besuchergruppen stellte in diesem Jahr ein großes Problem dar. Doch es gab auch ein paar Lichtblicke, die Hoffnung für die Zukunft machen.

„Die CEBIT ist tot“, hörte ich die Menschen munkeln, als sie letzte Woche durch die teils leeren Messehallen schlenderten. Und tatsächlich verzeichnete das neue Business-Festival mit rund 120.000 Menschen deutlich weniger Besucher als im vergangenen Jahr. Damals waren es noch 200.000.

Dennoch dürfen wir die alte CEBIT nicht mit der neuen vergleichen. Man spürt einen Wandel. Man spürt den Willen, einer angestaubten Messe neuen Wind einzuhauchen und man spürt, dass dies mit der ein oder anderen Nachjustierung in den kommenden Jahren tatsächlich gelingen kann.

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Gute Ansätze der CEBIT 2018

Als Symbol des Neuen vollzog die CEBIT bereits in ihrem Online-Auftritt einen ansprechenden Wandel. Ein neues Logo machte neugierig auf das, was einen in Hannover erwarten sollte. Es wirkt frisch, jung und modern.

Und diesen Wandel erlebte man vor Ort am deutlichsten in der Ausgestaltung der neuen Außenfläche, welche geprägt wurde durch Riesenrad, Bällebad und zahlreiche Streetfood-Trucks. Bei Sonnenschein und Live-Musik kam Festival-Stimmung auf, die am Abend mit hochkarätigen Konzerten von Mando Diao und Jan Delay gekrönt wurde.

Hier spürte man den Puls des neuen Digital-Events am stärksten. Zwischen Falafel, Egg-Waffles und Cappuccino wurde genetzwerkt, gelacht und über das Geschäft diskutiert.

Zwei Welten prallen aufeinander

Und dennoch erweckte es den Eindruck, als würden zwei Welten aufeinanderprallen, die in diesem Jahr noch stark nebenher lebten. In den Messehallen spürte man den Wandel kaum.

Versprach das neue Logo und auch die Außenfläche einen neuen und jüngeren Angang, so herrschte in den weitläufigen Hallen noch der altbekannte Messe-Charme aus früheren Tagen. Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf den riesigen Flächen erlebte man teilweise gähnende Leere.

Von Messe-Trubel und geschäftigem Treiben spürte ich nichts. Redner standen auf den Expert- und Centerstages und sprachen vor lediglich einer Hand voll Menschen. Der Funke schien einfach nicht überzuspringen.

Die bestbesuchtesten Vorträge waren jene, welche von herausragenden oder bekannten Persönlichkeiten gehalten wurden. Dazu zählt beispielsweise der von Sascha Pallenberg, Head of Digital Content bei der Daimler AG, zum Thema „Customer Experience in der digitalen Welt“.

Hier ging es eben nicht darum, sich mit aller Macht als „Ihr Partner für die Digitale Transformation“ zu positionieren, sondern sich auf Augenhöhe mit dem Publikum über ein Thema auszutauschen.

Mein persönliches Fazit

Genau diese Beobachtungen ließen mich doch etwas ratlos zurück. Sie warfen die Frage auf, an wen sich dieses neue Event-Format eigentlich richtet. Wer ist die Zielgruppe der neuen CEBIT?

Im Moment zeichnet sich das Publikum durch eine bunte Mischung aus Krawatten, Anzügen, T-Shirts und Sneakers aus. Geht es hier darum, bei Frozen Yogurt im Bällebad Leads zu generieren, oder sollte der neue Fokus nicht vielmehr auf Netzwerken, Wissenstransfer und Dialog liegen?

Möchte die CEBIT einen Platz finden zwischen Dmexco, Re:Publica und Online Marketing Rockstars, muss sich der Fokus von B2B auf P2P – People 2 People – verschieben.

Denn so sehr es am Ende auch um’s knallharte Geschäft geht, wurde auch auf diesem Event deutlich: Menschen sprechen mit Menschen, Menschen vertrauen Menschen! Wo ist die Nische, in der die CEBIT als selbsternanntes Business-Festival, ihren Platz finden kann?

Meinen Beobachtungen nach sollte es weg von den zahlreichen Keynote-Vorträgen und Paneltalks gehen, hin zu Break-Out-Sessions, kleineren Workshops und Deep-Dives.

Der ADAC hat es vorgemacht: Unter dem Motto „Future Mobility“ wurde in diversen Kleingruppen locker diskutiert – nicht informiert! Dabei wurden die Ergebnisse per Live-Visualisierung festgehalten. Ein sympathischer und bodenständiger Angang.

Trotz rückläufiger Besucherzahlen dürfen wir nicht der Versuchung erliegen, die CEBIT als tot zu erklären. Wir alle wissen: Totgesagte leben länger! Vielmehr gilt es nun, aus den neuen Erfahrungen zu lernen und die entsprechenden Kenntnisse auf die kommenden Jahre zu transferieren.

Wir sprechen täglich davon, dass Digitalisierung uns Chancen und Freiheit bietet, wir aus Fehlern lernen müssen und Scheitern immer auch eine Option ist. Genau dieses Kredo gilt es auch auf die CEBIT zu überführen.

In einer Zeit, in der sich eine Messe neu erfinden will, haben wir alle die Chance, dem Business-Festival ein Gesicht zu geben, sie zu prägen und mitzugestalten.

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Stephanie Tönjes ist Kommunikationsmanagerin und seit mehr als zehn Jahren in der Unternehmenskommunikation der Deutschen Telekom tätig. Ihre große Leidenschaft ist die Digitalisierung und alles was mit ihr einhergeht. Neue Kanäle, neue Medien: Sie war schon immer ein Early-Adopter und probiert sie alle aus!