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Warum Musical.ly aus den App Stores verschwinden musste

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Lisa und Lena auf YouTube. (Foto: Musical.ly YouTube / Screenshot)
geschrieben von Stephanie Kowalski

Nicht jeder konnte etwas mit der Social-Video-App Musical.ly anfangen. Das macht aber nichts, denn am 2. August 2018 wurde die Marke eingestampft. Nutzer werden nun auf die von Bytedance gegründete Video-App Tik Tok weitergeleitet. Doch warum musste Musical.ly überhaupt sterben?

Ohne die Social-Video-App würde niemand Lisa und Lena kennen. Seit den Anfängen von Musical.ly veröffentlichten die Zwillinge regelmäßig kurze Videos, in denen sie Hits von Stars und Sternchen nachsingen.

Doch jetzt müssen sich die „Muser“ – so nannten sich die Fans der Social-Video-App – einen neuen Spitznamen geben. Denn seit vergangenem Donnerstag gibt es Musical.ly nicht mehr. Wer die Website aufruft, wird automatisch zum asiatischen Pendant Tik Tok weitergeleitet.

Wer die Website von Musical.ly aufruft, landet auf einer 404 Fehlerseite.

Wer die Website von Musical.ly aufruft, landet auf einer 404-Fehlerseite. (Foto: Tiktok.com / Screenshot)

Musical.ly ist damit Teil der chinesischen Video-App geworden und steht in dessen Liste der Anwendungen. Die chinesische Mutterfirma Bytedance entschied sich dafür, den Markenamen Musical.ly komplett verschwinden zu lassen. Alle 200 Millionen Nutzer wurden – ohne Vorwarnung – auf Tik Tok transferiert.

Der Anfang und Aufstieg von Musical.ly

Musical.ly wurde von den beiden Chinesen Louis Yang und Alex Zhu entwickelt. Die Applikation war seit Mitte 2015 in den App Stores von Apple, Google und Co. zum Download verfügbar. Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.

Die Social-Video-App schlug ein wie eine Bombe ein: Im Jahr 2017 zählte die Anwendung weltweit 200 Millionen Nutzer. 8,5 Millionen Nutzer kamen alleine aus Deutschland. Ein Bereich, in dem sich auch andere soziale Netzwerke wie Instagram, Snapchat und Pinterest bewegen.

Musical.ly lernte von den bekannten sozialen Netzwerken und kombinierte die Video-Elemente von Snapchat mit den grafischen Bearbeitungsmöglichkeiten von Instagram.

Die Muser konnten Kurz-Videos, die nicht länger als 15 Sekunden waren, aufnehmen und anschließend auf dem eigenen Profil oder anderen Netzwerken teilen. Für die Videos konnten die Nutzer auf eine Vielzahl von Liedern zurückgreifen und sie in ihrem Video in Lip-Sync-Manier nachsingen.

Kauf durch Bytedance und gute Gründe für das Aus von Musical.ly

Musical.ly wurde von Influencern wie Gary Vaynerchuck in den höchsten Tönen gelobt. Klar, dass das Interesse auch von Investoren stieg. Im Jahr 2017 lag die Bewertung bei rund 700 Millionen US-Dollar.

Auch die Übernahme ließ nicht lange auf sich warten. Im November 2017 kaufte der chinesische Internetriese Bytedance Musical.ly für rund eine Milliarde US-Dollar.

Doch dann machte Musical.ly negative Schlagzeilen. Die Social-Video-App hatte mit inaktiven Nutzern zu kämpfen: Zuletzt wurden nur noch 60 Millionen aktive Nutzer gezählt.

Und nicht nur das. Auch Jugendschützer kritisierten die Anwendung. Angeblich verleiteten erwachsene, anonyme Nutzer junge Mädchen dazu, in ihren Videos viel zu knappe Bekleidung zu tragen. Unter diversen Hashtags sammelte sich Material, das nah an Pädophilie grenzte.

Gute Gründe also Musical.ly den Stecker zu ziehen. Und genau das tat Bytedance Anfang August. Doch die chinesische Mutterfirma investiert auch weiterhin in Tik Tok. Das Unternehmen will die App sicherer machen.

Für die Zukunft ist ein Safe Center geplant. Nutzer sollen leichter einstellen können, wer ihre Inhalte sehen darf und wer nicht. Eltern, die schnell den Überblick über die Internetaktivitäten ihrer Kinder verlieren, bekommen Tipps, auf welchen Plattformen sich ihre Kinder tummeln.

Weg von der Social-Video-App: Tik Tok entwickelt sich weiter

Bytedance entwickelt Tik Tok und seine Anwendungsmöglichkeiten weiter. Videos haben eine maximale Länge von bis zu fünf Minuten. Außer Musik gibt es weitere Kategorien, wie Beauty, Reise oder Sport, um weitere Interessenten anzulocken.

Durch die Verschmelzung von Musical.ly und Tik Tok hat sich die Zahl der Nutzer verdoppelt. Es bleibt offen, ob das Wachstum weiter anhält und die neuen Funktionen für die Zielgruppe interessant genug sein werden.

Ein Umstand, an den vielleicht wenige Nutzer denken: Mit dem Verkauf an ein chinesisches Unternehmen kommt die Frage auf, wie sich der Umgang mit den Nutzerdaten gestaltet und ob Bytedance die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und die entsprechenden EU-Richtlinien einhält.

Zuletzt machte die chinesische Regierung mit seinem Social-Scoring-System Schlagzeilen. Es ist daher fraglich, ob sich das chinesische Unternehmen tatsächlich um den Datenschutz seiner Nutzer bemüht oder doch zu einer Datenkrake mutiert.

Nutzt ihr Tik Tok noch? Wie sind eure Erfahrungen mit der neuen App? Habt ihr Bedenken, was den Datenschutz angeht?

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Über den Autor

Stephanie Kowalski

Stephanie Kowalski ist Bloggerin und unterstützt als freiberufliche PRlerin kleine und mittelständische Unternehmen bei ihrer Kommunikation. In ihrem Blog Online PR Guide erklärt sie, wie man mithilfe bewährter PR-Strategien und moderner Online-Kanäle erfolgreich digital kommuniziert.

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