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20 Jahre Google: Zum Geburtstag blicken wir zurück und nach vorn

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Am 27. September 1998 ging die Suchmaschine von Google online. (Foto: pixaby.com / geralt)
geschrieben von Philip Bolognesi

20 Jahre Google. 20 Jahre Veränderung. War das Auffinden von Informationen innerhalb von Sekunden Ende der 90er noch eine Neuheit, haben wir uns inzwischen daran gewöhnt. Zum 20-jährigen Jubiläum blicken wir zurück und analysieren, mit welchen Problemen Google inzwischen konfrontiert ist.

Google feiert eigentlich drei Geburtstage: Offiziell gegründet wurde das Unternehmen am 4. September 1998. Elf Tage später registrierten die beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin die Domain Google.com. Am 27. September ging dann ihre Suchmaschine ans Netz.

All das möglich gemacht hat unter anderem Sun-Microsystems-Mitgründer Andreas von Bechtolsheim. Er war vom Konzept so sehr überzeugt war, dass er den Gründern spontan mit einem Startkapital von 100.000 US-Dollar unter die Arme griff.

Das Konzept von Google: Informationen aus aller Welt sortieren, kategorisieren und für alle Nutzer anschaulich aufbereiten. Flankiert wurden und werden die Suchtreffer seit Beginn von kleinen Werbeanzeigen, die thematisch relevant zur Intention des Nutzers passen.

Die beste Position der Anzeige wird dabei bestimmt durch ein automatisches Auktionsverfahren. Der Advertiser bezahlt in der Regel nur, wenn der Nutzer die Anzeige anklickt. So konnten Page und Brin schnell hohe Gewinne erzielen und ihre Garage im Silicon Valley verlassen.

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20 Jahre Google: die Wissenschaft als Vorbild

Google – angelehnt an die mathematische Bezeichnung „Googol“ (eine Eins mit 100 Nullen) – steht mittlerweile als Synonym für die Suche im Netz. Suchmaschinen gab es zwar schon vor Google. Jedoch weilen Altavista, MSN Search, Infoseek oder Lycos schon lange nicht mehr unter uns.

Das geniale Meisterstück des Gründergespanns war es, die Relevanz einzelner Webseiten durch die Häufigkeit ihrer Verlinkung zu bewerten. Möglich gemacht hat das der „Page-Rank-Algorithmus“ – vollautomatisiert, ohne dass Menschen einzelne Webseiten bewerteten.

Page und Brin bedienten sich dabei dem Prinzip der Bewertung wissenschaftlicher Artikel und ihrer Autoren. Denn im wissenschaftlichen Feld werden Relevanz und Renommee dadurch bestimmt, wie oft der Autor von anderen Wissenschaftlern zitiert wird.

Dieses Prinzip adaptierten die beiden Gründer, mit dem Ziel, die wichtigsten und relevantesten Webseiten zu sortieren.

Die einfache Suche reicht Google nicht

Schon kurz nach dem Start der Suchmaschine wuchsen die Ambitionen der beiden Gründer. Entsprechend ihrem Motto, sämtliche Informationen der Welt aufzulisten, scannte Google im großen Umfang Bücher ein. Doch dieses Unterfangen sorgte zum ersten Mal für Empörung.

Autoren und Verlage sahen ihre Rechte durch Google immer mehr verletzt. Der eigenen Maxime „Don’t be evil“ konnten die Gründer nicht gerecht werden, da „Google Books“ das Geschäft der anderen Seite bedrohte. Etliche Gerichtsverfahren folgten.

Auch Medien beschuldigten Page und Brin immer häufiger, mit der freien Verbreitung von Nachrichten ihr Geschäft zu ruinieren und Verlage obsolet zu machen. Ebenso empfanden Bewertungs-Websites oder Preissuchmaschinen die Dienste von Google immer häufiger als Gefahr für die eigene Existenz.

2017 verdonnerte die EU Google für den Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche zu einer Strafe von 2,4 Milliarden Euro. Im Juli dieses Jahres flatterte die Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro herein.

Vorwurf: Google verlangt von Smartphone-Herstellern, für das eigene mobile Android-Betriebssystem auch eigene Apps wie die Google-Suche oder den Webbrowser Chrome vorzuinstallieren.

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Alphabet, KI und der Datenschutz

Mit der Gründung der Holding „Alphabet“ gliederten Page und Brin Google als eigenständiges, untergeordnetes Unternehmen aus.

Im letzten Quartal generierte Alphabet insgesamt einen Umsatz von 32,6 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 28 Milliarden auf die Werbeerlöse von Google. Die Such-Anzeigen stellen nach wie vor die Basis des Google-Geschäfts dar.

Angesichts dieser Zahlen ist es nicht verwunderlich, wenn Google die Strafgelder mit einer gewissen Unbeschwertheit aufnimmt. Nicht auf die leichte Schulter sollte Google aber die Sorgen viele Datenschützer und Nutzer nehmen.

20 Jahre Google: Ein Blick in die Zukunft

Es wäre falsch, nur die positiven Seiten von Google zu betrachten. Deshalb dürfen auch einige kritische Fragen nicht fehlen. Schließlich kann sich auch Google nicht seiner gesellschaftlichen Verantwortung entziehen.

  • Was hat Google mit Künstlicher Intelligenz vor? Der Assistent „Duplex“ führte im Frühjahr bereits Anrufe bei Läden durch, ohne, dass die Menschen am anderen Ende der Leitung erahnt hätten, dass kein Mensch mit ihnen spricht?
  • Wie wird Google künftig die Entwicklungen der Bio-Technologie beeinflussen? Welchen Einfluss haben die Technologien von Google auf unsere Gesundheit – Stichwort Digital Wellbeing?
  • Wird Google Verlagen und Medienunternehmen ihre Geschäftsgrundlage komplett entziehen?

Zuletzt muss noch die wichtigste Frage gestellt werden: Was weiß Google über dich und mich? Und: Was fängt es mit diesen Daten an? Die Sorgen der Kritiker sind durchaus berechtigt. Schließlich scheiterte Google Glass daran, dass User befürchteten, Google könne ohne Einwilligung jederzeit und unbemerkt mitfilmen.

Der Informationshunger nimmt kein Ende: In immer mehr Services und Lösungen versucht Google aus Daten Kapital zu schlagen. Der sprechende „Google Assistant“ entfaltet sein Repertoire an Funktionen erst dann, wenn der User ihn mit relevanten Informationen füttert.

Abschließend lässt sich festhalten: Googles Wettbewerbsvorsprung ist zugleich atemraubend wie einschüchternd. Mit Künstlicher Intelligenz und wegweisenden Entwicklungen will der Milliardenkonzern bei vielen Zukunftstechnologien die Richtung vorgeben.

Um Missbrauch jeglicher Art vorzubeugen, ist es Aufgabe von Politik und Wirtschaft, weiterhin ein kritisches Auge darauf zu werfen.

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Über den Autor

Philip Bolognesi

Philip Bolognesi arbeitet seit Anfang September in der Redaktion von BASIC thinking. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover. Er ist begeisterter Tischtennisspieler, Fitness-Fan, Typ-1-Diabetiker und permanent auf der Suche nach interessanten Themen aus den Bereichen Social Media, Marketing und Ernährung.

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