Facebook, Facepalm, 2FA

Facebook: Ein soziales Netzwerk, das keines mehr ist

Philip Bolognesi
Mittlerweile ist man nur noch fassungslos über das, was sich das selbst ernannte "social network" Facebook über die Jahre erlaubt. (Foto: pixaby.com / mintchipdesigns)

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In einer gefühlten Regelmäßigkeit schafft es Facebook, seine Nutzer zu vergrätzen. Nachdem bekannt wurde, dass Telefonnummern aus der Zwei-Faktor-Authentifizierung für Werbung genutzt und Facebook Daten von anderen Android-Apps abgreift, kündigt Mark Zuckerberg mal wieder radikale Schritte an. Ein Kommentar.

Wenn du ein Kind aus den 1980er Jahren bist, kannst du dich wahrscheinlich an die TV-Werbung für die Schoko-Bonbons erinnern.

Ein niedlicher, kleiner Junge mit runder Brille kauft seine liebgewonnenen Süßigkeiten im Tante-Emma-Laden um die Ecke ein. Voller Vorfreude und mit leuchtenden Augen verspeist er dann das erste Bonbon gleich direkt an der Theke.

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Dieses Bild hat sich bei mir eingebrannt. Es erinnert mich irgendwie an einen unbedarften Studenten der Harvard University: Mark Zuckerberg. Doch dieser Junge und mittlerweile Milliarden-schwere Unternehmer fragt nicht mehr nach seinen Bonbons. Nein, er schnappt sich gleich die ganze Tüte und bezahlt auch nicht.

Eine Assoziation, die ich so schnell nicht mehr los werde. Denn mittlerweile fragt man sich doch, wann man diesem Mann und seinem Netzwerk endlich einen Riegel vorschiebt.

2FA und Android-Apps: Die nächsten Lügen, die nächsten Ausreden

In den letzten Wochen deckten Nutzer und Experten weitere Verfehlungen von Seiten des sozialen Netzwerks auf. Und das, obwohl das Unternehmen von Mark Zuckerberg bereits 2018 fortlaufend neue Fehler und Versäumnisse eingestehen musste.

Was lange vermutet wurde, ist, dass die Plattform die für die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) hinterlegte Mobilnummer ungefragt für das Werbe-Targeting nutzt und sie an Werbekunden weiterleitet.

Doch damit nicht genug. Offenbar ging Facebook sogar einen Schritt weiter. Wie Emoji-Guru Jeremy Burge entdeckte, können Nutzer über ihre 2FA-Mobilnummer von anderen über die Facebook-Suche gefunden werden. Diese Option ist selbst dann standardmäßig aktiv, wenn Nutzer ihre Nummern im Profil verbergen.

https://twitter.com/jeremyburge/status/1101402001907372032

Dass das Unternehmen aus Menlo Park die Telefonnummer auch anderweitig verwertet, gab es selbst im September 2018 zu. Die Nutzer werden darüber in ihren persönlichen Einstellungen informiert. Doch wer liest das? Im Klartext bedeutet das: Facebook macht es irgendwann trotzdem so, wie es beliebt.

Ein weiterer Betrug in einer langen Reihe von Täuschungen und Skandalen: Android-Apps senden auch dann persönliche Daten an das Netzwerk, wenn Nutzer dort gar nicht registriert sind. Möglich macht dies das Software Development Kit (SDK) des sozialen Netzwerks.

Eine Studie von Privacy International ergab, dass mindestens 61 Prozent aller getesteten Apps Nutzerdaten direkt an Facebook übertragen, sobald der Nutzer die jeweilige App öffnet.

Die selbe Schnittstelle wurde übrigens auch von Entwicklern einiger Gesundheits-Apps genutzt, um ohne Erlaubnis der Nutzer Daten an Facebook weiterzureichen.

Zwar haben einige Apps ihre Einstellungen angepasst. Doch noch immer geben sieben Applikationen mit zum Teil Millionen Nutzern sensible Daten an das Netzwerk weiter.

Darunter sind die Jobsuche-App von Indeed, das Bewertungsportal Yelp, die Sprachlern-App Duolingo, die King-James-Bible-App sowie zwei muslimische Gebets-Apps – Qibla Connect und Muslim Pro.

Facebook will sozial werden – auf einmal

Will man Konzern-Chef Zuckerberg Glauben schenken – und dazu bedarf es einer gehörigen Portion an Überwindung – ist er bestrebt, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Er möchte die Menschen näher zusammen bringen. Dafür soll sein soziales Netzwerk dienen.

Dass er dieses Credo in den letzten Jahren – sagen wir mal – vernachlässigt hat, scheint Zuckerberg vergessen zu haben. Anders lässt sich seine Ankündigung, dass sein Fokus nicht mehr dem Feed gelte, sondern dem privaten Austausch zwischen Freunden und – bitte festhalten – dem Datenschutz, nicht interpretieren.

https://www.facebook.com/notes/mark-zuckerberg/a-privacy-focused-vision-for-social-networking/10156700570096634/

Zwar bedeutet dieser Schritt von Facebook einen radikalen Umbruch in seiner Ausrichtung als soziales Netzwerk. Denn eigentlich wollte Zuckerberg die Welt zu mehr Öffentlichkeit bewegen. Schließlich sollen Nutzer auf seinem Netzwerk private Einblicke mit Freunden teilen.

Doch nun soll die Privatsphäre im Vordergrund stehen. Nach WhatsApp sollen weitere Dienste eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erhalten. Sogar Dienstleistungen, E-Commerce-Angebote und Videochats sollen auf dieser geschützten Basis fußen.

Dabei müssen wir bedenken: Eine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat auch kommerzielle Vorteile für Facebook.

Die Welt besser machen? Option: Das Netz einfach verlassen

Ob Zuckerberg mit seinem Team diesen Schritt tatsächlich umsetzt, ist angesichts der etlichen Skandale und Enthüllungen wohl eine Frage der eigenen persönlichen Fantasie. Fakt ist, dass das Netzwerk das Sicherheitsbedürfnis der Nutzer mehrfach willentlich missbraucht hat.

Wahrscheinlich bin ich nicht der einzige Nutzer, der viele Jahre auf dieser Plattform Freunde und neue Kontakte gewonnen, interessante Informationen entdeckt hat und sich insgesamt wunderbar unterhalten fühlte.

Doch mittlerweile ist das Vertrauensverhältnis zwischen sozialem Netzwerk und Nutzer nachhaltig gestört. Offenbar wollen Zuckerberg und sein Unternehmen nicht transparent handeln. Oder können es einfach nicht.

Für viele Nutzer gehört diese Eigenschaft zum sozialen Verhalten eines Netzwerks dazu, dass die Welt ein wenig besser machen möchte. Denn ungefragt Mobilnummern und persönliche Informationen für eigene Zwecke zu verwenden, hat weder etwas mit Transparenz noch mit ehrlichem Interesse am Wohlergehen seiner Nutzer zu tun.

Ein soziales Netzwerk, das nicht sozial ist? Es ist Zeit, zu gehen.

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Philip Bolognesi war von 2018 bis 2020 in der Redaktion von BASIC thinking tätig. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover.