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Messenger-Merger bei Facebook: Die Konsequenzen für Nutzer und Werber

Social Media, soziale Netzwerke, Facebook Messenger, WhatsApp, Instagram
WhatsApp, Instagram und der Facebook Messenger könnten bald vereint sein. (Foto: Pexels.com / Tracy Le Blanc)
geschrieben von Christian Erxleben

Facebook arbeitet offenbar daran, den Facebook Messenger, Instagram und WhatsApp technisch auf die gleiche Infrastruktur zu setzen und die Plattformen somit zu vereinen. Doch welche Folgen hätte ein solcher Zusammenschluss für Nutzer und Werbungtreibende?

Große Konzerne haben seit jeher ein ausgesprochenes Gespür für die Publikation von Informationen. Gerne werden kritische oder auch hoch interessante Informationen kurz vor dem Wochenende oder vor Feiertagen kommuniziert.

Das macht es für Journalisten einerseits schwerer, schnell an Informationen zu gelangen. Andererseits vergehen so zumeist ein paar Tage, in denen man sich auf den Ansturm vorbereiten kann. Es ist also nicht unbedingt verwunderlich, dass es ein Freitag war, an dem die jüngsten Pläne von Facebook publik gemacht worden sind.


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Facebook vereint seine Messenger – zumindest technisch

Doch worum geht es eigentlich? Die New York Times hatte am Freitag einen Artikel veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass Facebook daran arbeitet, den Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram miteinander zu vereinen.

Zwar sollen die drei Anwendungen auch in Zukunft als eigenständige Apps zur Verfügung stehen. Allerdings ist es das Ziel von Facebook, dass ab Anfang 2020 die drei Dienste auf der technisch gleichen Infrastruktur aufsetzen.

Bislang setzt beispielsweise nur WhatsApp auf die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Im Instagram-Chat ist dieses Feature noch nicht implementiert. Deshalb ist es technisch noch nicht möglich, dass ein Instagram-Nutzer einem WhatsApp-Nutzer eine Nachricht schreibt. Sobald die drei Plattform auf der gleichen Infrastruktur laufen, wäre eben dieses Beispiel kein Problem mehr.

Welche Vorteile entstehen für Facebook?

Durch den Zusammenschluss von WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger erhält Facebook die Möglichkeit, plattformübergreifend vollständige Nutzer-Profile zu erstellen. Das ist aktuell noch nicht möglich – und rechtlich in manchen Ländern auch überhaupt nicht gestattet.

So reicht für die Registrierung bei WhatsApp beispielsweise ein Name und eine Handynummer. Für Instagram benötigt der Nutzer einen Namen und eine E-Mail-Adresse. Da jedoch in beiden Fällen nicht zwingend Klarnamen verwendet werden müssen, kann Facebook nicht vollkommen sicherstellen, dass zwei Profile von der gleichen Person stammen.

Wenn jedoch alle Messenger auf der gleichen technischen Plattform aufsetzen, ist es für Facebook leicht, konsistente Nutzer-Profile zu erstellen.

Wie verändert sich dadurch das Werbegeschäft im Messenger?

Eine einheitliche Nutzer-ID ist für das Geschäftsmodell von Facebook sehr wertvoll. Denn durch einen Zusammenschluss kann jeder Nutzer auf jeder Plattform klar identifiziert werden. Das wiederum ist für Werbungtreibende enorm wichtig.

Sobald der Messenger-Merger vollzogen ist, können die Daten der Nutzer gebündelt und allen Werbungtreibenden zur Verfügung gestellt werden. Das heißt: Über den Facebook Business Manager können Unternehmen dann gezielt Nutzer auf Facebook, WhatsApp, Instagram und im Facebook Messenger ansprechen.

Daraus entsteht auch gleich eine weitere Konsequenz: Es dürfte nicht lange dauern, bis in den Chats bei Instagram und WhatsApp Anzeigen auftauchen. Dabei sind mehrere Modelle denkbar.

Am einfachsten lässt sich das Modell des Facebook Messengers umsetzen. Das heißt: Zwischen einzelnen Chats platziert Facebook gezielt Anzeigen. Ebenso verfügen alle drei Plattformen über Story-Formate, in denen Unterbrecher-Werbung eingespielt werden kann.

Welche Vorteile ergeben sich für Nutzer?

Selbstverständlich ergeben sich durch einen möglichen Zusammenschluss auch für die Nutzer ein paar Vorteile. Diese sind jedoch im Vergleich zu Facebook natürlich gering.

Der größte Vorteil besteht darin, dass Nutzer über verschiedene Plattformen hinweg mit Freunden und Familie in Kontakt zu treten. Wer privat nur WhatsApp nutzt, muss sich nicht mehr zusätzlich den Facebook Messenger oder Instagram herunterladen, um sich austauschen zu können.

Ebenfalls ist es natürlich grundsätzlich erstrebenswert, dass alle Chats in jedem Messenger dann über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verfügen.

Welche Nachteile entstehen durch den Zusammenschluss?

Durch die technische Vereinigung der drei Messenger entstehen für Facebook praktisch keine Nachteile. Im Gegenteil: Dieser Zusammenschluss stärkt das Konstrukt weiter. An- und Eingriffe durch aufkommende Unternehmen oder die Politik werden dadurch eher erschwert.

Die Nutzer hingegen müssen sich endgültig von der Illusion verabschieden, dass Facebook nicht weiß, wer hinter einem Account steckt. Wer in Zukunft nicht möchte, dass Facebook Daten sammelt, darf keinen der drei Messenger und auch Facebook selbst nicht nutzen. Die einzige Alternative sind andere Dienste wie der Messenger Threema.

Ob sich jedoch tatsächlich Nutzer plötzlich für ihre eigenen Daten interessieren, darf stark bezweifelt werden. Natürlich wird das Facebook-Imperium durch diesen Zusammenschluss ein paar Millionen Nutzer verlieren. Diese jedoch kann Facebook ohne Probleme verkraften.

Außerdem hat uns die Vergangenheit gelehrt, dass der Aufschrei zwar zu Beginn groß ist. Letztendlich möchte dann doch kaum ein Nutzer auf die Vorzüge von WhatsApp oder Instagram verzichten. Die Datensammlung wird stillschweigend akzeptiert.

Im Falle einer Sicherheitslücke oder eines Datendiebstahls sind durch den Zusammenschluss viel mehr und zudem auch detaillierte Daten zu erbeuten. Doch selbst hier hat das letzte Jahr gezeigt: Kaum ein Nutzer zieht ernsthafte Konsequenzen und verabschiedet sich von Mark Zuckerberg.

Fazit

Die geplante Messenger-Fusion hat für Facebook fast ausschließlich Vorteile, während sie für Nutzer fast nur Nachteile hat. Aus der Perspektive von Facebook ist dieser Schritt folgerichtig und erwartbar.

Wenn der Zusammenschluss vollzogen ist, ist das Monopol von Facebook noch stärker als es sowieso schon ist. Um die eigenen Bürger zu schützen, sollten sich die Regierungen und Kartellämter frühzeitig mit der Thematik auseinandersetzen. Nur so kann ein gigantisches Datenmonopol womöglich noch unterbunden werden.

Zuletzt stellt sich noch die Frage, wie und ob Facebook seinen Zusammenschluss rechtskonform durchführen möchte. Denn dass alle Nutzer dafür ihre Zustimmung via Opt-In erteilen, darf trotz aller Naivität angezweifelt werden.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

1 Kommentar

  • Ein werbe- und trackingfreier Messenger – made in Germany – von den GMX Gründern gegründet:
    ginlo!

    Eine perfekte alternative zu Whatsapp, die auch in Zukunft deutlich mehr können wird!

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