Technologie

Robocalls: Die wohl nervigste Abzocke in den USA

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In ihrer Kolumne beschäftigt sich Marinela mit Entwicklungen in den USA.
geschrieben von Marinela Potor

Es gibt eine Abzock-Masche, um die kein Mensch mit einem Telefon in den USA herumkommt: Robocalls. Sie sind nervig, dahinter stecken Betrüger und das Schlimmste ist: Man kann wenig dagegen tun.

Es ist Samstagnachmittag. Ich sitze gerade entspannt auf der Couch. Neben mir liegt mein Handy. Es klingelt. Ich schaue kurz auf die Nummer und ignoriere den Anruf.

Mein Freund ist verwirrt: „Wieso gehst du nicht ran?“ „Weil das einer von diesen Roboter-Anrufen ist“, sage ich. „Das glaube ich nicht“, widerspricht er, „Das ist doch eine Cincinnati-Vorwahl. Das ist bestimmt jemand, den wir kennen!“

Ich zucke mit den Schultern, deute auf das Handy und er geht ran. Zehn Sekunden später drückt er den Anrufer weg. „Du hattest recht. Da hat jemand behauptet, du hättest deine Steuererklärung nicht abgegeben.“

Da ich weder in den USA arbeite noch dort Steuern zahle, war das offenbar eine Lüge.

Solche Anrufe sind keine Seltenheit. Wenn ich in den USA bin, erhalte ich auf meine US-Nummer täglich drei bis fünf Spam-Anrufe und so geht es natürlich nicht nur mir.

26 Milliarden Robo-Anrufe im Jahr

Nach einer Schätzung von Hiya, einem Unternehmen, das eine App zur Erkennung von Roboter-Anrufen entwickelt hat, bekamen US-Amerikaner im vergangenen Jahr 26 Milliarden Roboter-Anrufe. Einzige Ausnahme ist wahrscheinlich mein Freund, der keine eigene Handy-Nummer hat.

Roboter-Anrufe oder Robocalls, wie sie in den USA genannt werden, ist dabei ein nettes Wort für Telefon-Abzocke.

Denn die Absichten der Anrufer sind meist alles andere als harmlos. Im besten Fall ist es einfach nur ein Handelsvertreter, der dir ein Produkt oder eine Dienstleistung andrehen möchte.

Doch oft geht es darum, den Angerufenen für unlautere Zwecke ihre persönlichen Informationen, wie Bankdaten, Steuernummer oder Adressdaten zu entlocken oder ihnen auf sonstige Art und Weise Geld aus der Tasche ziehen.

10.000 US-Dollar auf einem Parkplatz zahlen

Der Anruf vom „Finanzamt“, den ich bekommen habe, ist dabei ein Klassiker. Angeblich ruft jemand vom Finanzamt an und behauptet, es gebe Probleme mit der Steuererklärung. Das kann man recht schnell glauben, denn die Steuererklärung in den USA ist genauso verwirrend wie in Deutschland.

Am Ende überweisen Gutgläubige den angeblichen Finanzbeamten eine ausstehende Steuerzahlung. Das US-Finanzamt, der Internal Revenue Service (IRS), hat deshalb eine spezielle Warnung gegen diese Robocalls auf seiner Website.

Eine Nachbarin wiederum erzählte mal von einem Fall, bei dem sie einen Anruf von „Microsoft“ bekam. Angeblich hatte sie einen Virus auf ihrem Computer, der sowohl all ihre Daten löschen als auch den Laptop zerstören würde.

Um das so schnell wie möglich zu stoppen, sollte sie für die technische Hilfe eine Summe auf ein fremdes Konto überweisen.

Doch es gibt auch noch kreativere Robocalls. Wir bekamen einmal einen Anruf von einer „Lotterie-Gesellschaft“. Angeblich hatten wir eine Million US-Dollar gewonnen. Weil wir neugierig waren, was es mit dieser betrügerischen Masche auf sich hatte, spielten wir zunächst mit und taten so, als würden wir das Ganze glauben.

Nach mehreren Anrufen kam schließlich Folgendes heraus: Wir sollten einen Vertreter des Unternehmens auf einem Supermarkt-Parkplatz (!) treffen und als Anzahlung 10.000 US-Dollar (!!) mitbringen. Das sei nötig, um anschließend den gesamten Gewinn erhalten zu können.

Klar, das ist extrem unglaubwürdig und wer macht das schon? Leider zu viele! Möglicherweise glauben nicht so viele an die Masche mit dem Lottogewinn. Doch eine ältere Person, die einen Anruf von Microsoft bekommt, hat nicht immer das nötige Internet-Wissen, um das direkt als Betrug zu erkennen und überweist vielleicht das Geld aus Angst und Unwissen.

Telefonanbieter tun wenig, um Robocalls zu filtern

Es gibt zahllose andere Beispiele aus meinem Alltag. Die Betrüger werden dabei immer geschickter und ihre Nummern sind schwer zu blockieren. Kaum hat man eine Nummer geblockt, rufen sie schon mit einer neuen an.

Die großen Telefonanbieter tun auch nicht besonders viel, um diese Nummern zu filtern. Dazu müssten sie ihre Technologie verbessern, was natürlich ein Kostenfaktor ist.

Da sie gesetzlich auch nicht dazu verpflichtet sind, tun die meisten von ihnen es auch nicht. Genau deshalb gibt es zum Beispiel Apps wie Hiya.

Neues Gesetz soll Bürger schützen

Das soll sich nun aber ändern. Der US-Kongress stimmt gerade über einen Gesetzesvorschlag zum Schutz der Bürger gegen die Robo-Anrufe ab. Der Senat hat dem Ganzen schon zugestimmt, aktuell liegt der Entwurf im Repräsentantenhaus – und wird wahrscheinlich auch durchgewunken werden.

Denn bei diesem Thema scheinen sich Demokraten und Republikaner erstaunlich einig. Die Robo-Anrufe nerven offenbar ganz Amerika.

Mit dem TRACED-Act sollen Telekommunikationsanbieter verpflichtet werden, die Robocalls mit entsprechender Technologie zu filtern. Auch soll es leichter werden, die Betrüger hinter diesen Anrufen zu verfolgen – bislang ein schwieriges Unterfangen.

Doch selbst wenn das Gesetz in Kraft tritt: Die Anrufe werden nicht schlagartig aufhören. Von daher werde ich erstmal bei meiner bewährten Strategie bleiben: Wenn ich die Nummer nicht kenne, gehe ich grundsätzlich nicht ran.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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