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Tabletop Tablets: Die eine Marketing-Taktik, die selbst den Amerikanern zu weit geht

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In ihrer neuen Kolumne beschäftigt sich Marinela mit Entwicklungen in den USA.
geschrieben von Marinela Potor

Die USA sind eine der größten Tech-Nationen dieser Welt. Doch wie stehen eigentlich die Amerikaner selbst zu all dem? Welche Trends begeistern sie, welche gehen völlig an ihnen vorbei? Genau darüber berichtet Marinela Potor – direkt aus den USA – ab sofort in regelmäßigen Abständen im BASIC thinking US-Update. Diesmal: Tabletop Tablets – die eine Marketing-Taktik, die selbst Amerikaner nervt.

Eines muss ich den Amerikanern ja lassen. Sie können Marketing.

Neulich machte ein neues Fitness-Studio in der Nachbarschaft auf. Es bot unter den ersten 2.000 Besuchern fünf lebenslange Gratis-Mitgliedschaften an. Was glaubt ihr, wie das Studio in der ersten Zeit gebrummt hat?

Und dann ist da noch die lokale Fast-Food-Kette um die Ecke. Das Restaurant hatte einen örtlichen Baseball-Star eingeladen und bot zehn Prozent Rabatt für Kinder bis 13 Jahren. Der Parkplatz war rappelvoll – an einem Mittwochnachmittag.

Das funktioniert natürlich nur, weil die Amerikaner sich gerne von neuen Ideen und guten Deals begeistern lassen. Ich bin nicht sicher, ob das Erziehung oder das Ergebnis von jahrzehntelangem Konsum-Marketing ist. Doch die Masche ist immer gleich. Ein Rabatt? Kaufen! Etwas Neues? Ausprobieren!

Doch einige Marketing-Ansätze scheinen selbst bei den sonst so toleranten Amerikanern nach hinten loszugehen.

Neueste Marketing-Taktik: Tabletop Tablets

Vor einiger Zeit begannen einige Restaurants damit, kleine Touch-Bildschirme (Tabletop Tablets) auf die Tische zu stellen. Mir ist es zum ersten Mal bei Olive Garden aufgefallen. Mittlerweile sind sie aber auch in anderen Restaurants aufgetaucht.

Auf den Tablets kann man sich das Menü anschauen, Vorspeisen und Getränke bestellen und sogar bezahlen. Damit soll „die Speiseerfahrung der Gäste verbessert werden“, heißt es von dem Unternehmen Ziosk, das diese Tablets im Fall von Olive Garden aufgestellt hat.

Ziosk Tabletop Tablet

Tabletop Tablets wie dieses finden sich in immer mehr Restaurants in den USA. (Foto: Ziosk)

Darüber hinaus schafft die Technologie angeblich „Zeiteinsparungen, die es der Bedienung erlauben, sich mehr auf die Gäste zu konzentrieren und so unvergessliche Speiserfahrungen zu schaffen.“

Theoretisch ist das eine gute Idee. Man muss nicht mehr auf den Kellner oder die Kellnerin warten, wenn man noch eine Cola oder die Rechnung möchte. Nicht, dass man jemals in einem US-Restaurant lange auf die Bedienung warten muss. Doch es entlastet tatsächlich die Angestellten.

Praktisch jedoch sind die Tabletop Tablets eine Katastrophe – und das nicht nur bei Olive Garden. Denn sie haben dummerweise zwei Features, die mittlerweile selbst viele ansonsten sehr Marketing-freundliche Amerikaner nervt: ein nerviges Display und Spiele!

Man kann nicht wegschauen

Nerviges Display heißt, dass ständig eine Art Bildergalerie mit den Menü-Optionen das Tablet durchläuft. Das ist wie der Fernseher im Hintergrund, auf den man automatisch schaut, egal ob man will oder nicht.

Zum Teil fühlt es sich so an, als würde die andere Person permanent am Smartphone hängen, während man eigentlich das Essen gemeinsam genießen möchte. Kurz, es ist extrem störend!

Und irgendwie auch ironisch, wenn die Bildschirme einen davon ablenken, die „verbesserte Speiseerfahrung für unvergessliche Momente“ zu haben, die sie ja eigentlich schaffen sollen.

Offenbar bin ich nicht die einzige, die das so empfindet. Mir ist schon öfter aufgefallen, wie Restaurant-Gäste die Tablets so drehen, dass man den flackernden Bildschirm nicht mehr sieht. Das gilt insbesondere für Familien mit Kindern.

Doch das hat – neben den ablenkenden Bildern – noch einen weiteren Grund: die Spiele.

Achtung, versteckte Spiel-Gebühr!

Denn ein ganz schlauer Mensch hat sich überlegt, bei den Tabletop Tablets auch noch verschiedene Spiele einzubauen. Damit soll man sich die Zeit vertreiben können, bis das Essen kommt. Natürlich muss man seine persönlichen Daten eintragen, wenn man spielen möchte.

Das allein würde aber noch keinen Amerikaner stören. Was die Restaurants den Gästen aber nicht sagen: In einigen Fällen sind die Spiele kostenpflichtig. Das erfährt man aber erst beim Zahlen.

So saßen wir also im besagten Olive Garden und ein Bekannter hatte sein Wissen in einem Quizspiel auf dem Tablet getestet. Als die Rechnung kam, mussten wir plötzlich eine „Spiel-Steuer“ zahlen. Auf Nachfrage wurde uns erklärt, dass die Spielfunktionen nicht gratis sind.

Wie bitte?

Bei einem Erwachsenen, der ein paar Minuten ein Quiz macht, geht das ja noch. Doch bei einer Familie mit zwei Kindern? Wenn man da nicht aufpasst, zahlt man am Ende mehr für die Spiele als für das Essen.

Okay, das ist etwas übertrieben. Doch wir waren alles andere als amused. Vor allem, weil wir das vorher nicht wussten. Denn als die Bedienung uns die Funktionen des Tablets erklärt hatte, hatte sie dummerweise „vergessen“, das zu erwähnen.

Auf unsere Beschwerde hin mussten wir die Spielgebühr am Ende nicht zahlen. Doch ich habe das Gefühl, dass andere nicht so viel Glück hatten.

So beobachte ich immer öfter folgende Szene: Eine Gruppe kommt in ein Restaurant, bekommt einen Tisch zugewiesen und in der Sekunde, in der der Tischanweiser ihnen den Rücken dreht, wird der Bildschirm weeeeeit weggestellt – am besten auf einen anderen Tisch.

Zahlen fürs Spielen? Das geht dann selbst den Amis zu weit!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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