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Huawei-Verbot: Was kommt und wer darunter leidet

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Das Huawei-Verbot wirkt sich nicht nur auf das Unternehmen und seine Kunden aus. Auch die USA muss mit Folgen rechnen. (Foto: Pexels.com / Alex Fu)
geschrieben von Vivien Stellmach

Die Situation bei Huawei spitzt sich zu – und das schneller als erwartet. Beinahe stündlich gibt es neue Gerüchte, Aussagen und Informationen. Wir ordnen für dich alle Fakten und die Folgen rund um ein drohendes Huawei-Verbot ein.

Das Wichtigste zuerst: Bestehende und bereits ausgelieferte Huawei-Smartphones sollen nach wie vor bis zum 19. August 2019 mit Android-Updates versorgt werden. Dann läuft die 90-tägige Gnadenfrist der USA aus.

Eine Woche nach dem angekündigten Huawei-Verbot geht darüber hinaus aber jetzt einiges schneller als vielleicht erwartet.

Huawei-Verbot lässt Mate X und P30 Pro verschwinden

Google hat nämlich schon zwei Huawei-Modelle von seiner Webseite genommen. Auf der Android-Webseite, auf der rund 24.000 Android-Handys gelistet sind, hat das Unternehmen das Huawei Mate X und das Huawei P30 Pro gestrichen.

Der Blog 9to5google berichtet, dass die beiden Smartphone-Modelle schon seit einigen Tagen nicht mehr gelistet sind.

Das faltbare Huawei Mate X war ursprünglich bei den 5G-fähigen Smartphones zu finden. Es sollte also die nächste Mobilfunk-Generation unterstützen und schon im Juni erscheinen. Jetzt könnte sich der Marktstart auf unbestimmte Zeit verschieben.

Das Huawei P30 Pro war bei den Android-Smartphones mit den besten Kameras gelistet.

Eigenes Betriebssystem könnte noch 2019 erscheinen

Das Huawei-Verbot übt massiven Druck auf den chinesischen Telekommunikationskonzern aus. Doch scheinbar lässt das Unternehmen sich zumindest öffentlich nicht aus der Ruhe bringen.

Huawei will nämlich mit einem eigenem Betriebssystem und eigenem App-Store kontern – und das soll 60 Prozent schneller laufen als Android.

Die Android-Alternative könnte noch 2019 erscheinen. Das sagte Huawei-Manager Richard Yu vergangene Woche dem US-Sender CNBC. Wenn Huawei das Google-Betriebssystem nicht mehr verwenden kann, „wird Huawei Plan B angehen und ein eigenes Betriebssystem nutzen“, so Yu.

Demnach könnte das Betriebssystem Ende des Jahres in China auf den Markt kommen. International einsatzbereit soll es dann im Frühjahr 2020 sein.

Android-Alternative kommt nicht im Juni

Im Internet kursierten zuletzt mehrere Gerüchte. So berichtete Techradar, dass Huawei die Android-Alternative schon im Juni 2019 veröffentlichen will.

Die Online-Seite berief sich dabei auf Alaa Elshimy: „Wir wollten unser Betriebssystem erst nicht auf den Markt bringen, da wir eine starke Beziehung zu Google und anderen hatten und die Beziehung nicht ruinieren wollten“, sagte der Geschäftsleiter und Vizepräsident der Huawei Enterprise Business Group Middle East.

„Jetzt bringen wir es nächsten Monat auf den Markt.“

Demnach sollte das Betriebssystem auch schon seit Januar 2018 fertig sein. „Huawei wusste, dass es irgendwann passieren würde und bereitete sich darauf vor. Das Betriebssystem war unser Plan B.“

Das ist eine falsche Information, wie Huawei dem CNBC-Journalisten Arjun Kharpal sofort nach Aufflammen der Gerüchte in einem Interview erklärte.

Es soll sich bei der Aussage um einen „Scherz“ gehandelt haben. Huawei forderte die Medien auf, die falsche Nachricht nicht länger zu verbreiten.

Das Huawei-Verbot: Jetzt kommen „Hong Meng OS“ und „Ark OS“

Elshimy ließ gegenüber TechRadar aber auch den chinesischen Code-Namen „Hong Meng OS“ für das neue Betriebssystem fallen. Wie jetzt auch das Online-Magazin Android Headlines berichtet, soll das System global unter dem Namen „Ark OS“ erscheinen.

Huawei soll den Namen bereits beim europäischen Patentamt schützen haben lassen. Der deutsche Blogger Carsten Knobloch berichtet auf seinem Blog, dass „Ark OS“ auch schon beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) registriert worden ist. Er habe die Information von einem Leser erhalten.

Die Information scheint zu stimmen: Im online kostenlos zugänglichen Register für Patente ist zu sehen, dass die Anmeldung für die Wortmarke „Ark OS“ am 24. Mai 2019 erfolgte. Seitdem ist auch die vollständige Wortmarke „Huawei Ark OS“ registriert.

Erste Screenshots im DPMA-Register aufgetaucht

Der Patent-Eintrag bedeutet nicht, dass Huawei den Name „Ark OS“ später auch wirklich benutzen wird. Aber er zeigt, dass der chinesische Konzern sich sicher genug ist, ihn zu schützen.

Besonders interessant: Ende März hatte Huawei auch schon Anspruch auf einen Schutz des Menü-Designs beim DPMA erhoben. Zum Antrag selbst hat das Unternehmen erste Screenshots von installierten Apps hochgeladen. Sie zeigen die Menü-Führung von „Ark OS“, die sich klar an Android und iOS orientiert.

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So könnte das neue Huawei-Betriebssystem aussehen. (Screenshot / DPMA)

Viel mehr ist über das neue Betriebssystem noch nicht bekannt. Auf Knoblochs Blog kursieren aber noch weitere Screenshots, auf denen die Erwähnung „Android Green Alliance“ zu sehen ist.

Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Huawei und einigen chinesischen Internet-Konzernen wie Tencent und Alibaba. Die Vereinigung will Standards für die Qualität von Android-Apps etablieren.

Das sagt uns aber nicht, ob wir eine angepasste Open-Source-Version von Android (AOSP) oder eine eigene Neuentwicklung von Huawei sehen, die Android-Apps mehr oder weniger unterstützt.

Das Huawei-Verbot und seine Folgen

Wenn der Handelsstreit zwischen China und den USA nicht in der 90-tägigen Schonfrist beigelegt werden kann, würden Huawei-Nutzer keine Android-Sicherheitsupdates mehr erhalten und keine Google-Apps mehr nutzen dürfen. Soviel ist klar.

Es gibt aber noch viel weitreichendere Folgen, die der Huawei-Bann nach sich ziehen könnte. Der chinesische Konzern gilt nämlich als Vorreiter bei der Netzwerktechnik für die nächste Mobilfunkgeneration 5G. Ohne ihn würde sich der Ausbau von 5G weltweit verzögern.

Das würde auch die Entwicklung von selbstfahrenden Autos, neuen medizinischen Methoden und Smartphone-Generationen nach hinten schieben. Und deren Hersteller kommen oft aus den USA.

Schießt Donald Trump sich also ins eigene Knie? Ohne den chinesischen Telekom-Riesen sollen die ersten Netze zwar trotzdem in den USA laufen. Aber ein flächendeckender Support wird ohne Huawei in naher Zukunft schwierig.

Klar ist: Ohne 5G macht es wenig Sinn, sich auch ein 5G-Smartphone zu kaufen. Das betrifft gerade das Reich der Mitte. Die Chinesen sind in Sachen Digitalisierung und Technik schließlich viel weiter als Europa und die USA.

Trump muss also das Risiko in Erwägung ziehen, dass Huawei möglicherweise seine eigenen 5G-Chips entwickelt. Dann würde China keine Tech-Produkte mehr aus den USA brauchen.

Huawei geht vor Gericht

Inzwischen hat Huawei auch einen Antrag bei einem Gericht im Bundesstaat Texas gestellt. Demnach wollen die Chinesen schnell prüfen lassen, ob ein gegen das Unternehmen gerichtetes US-Sicherheitsgesetz gegen die Verfassung verstößt.

Das erklärte Huawei-Chefjurist Song Liuping auf einer Medienkonferenz im südchinesischen Shenzhen.

Liuping warnte die US-Regierung auch davor, Huawei auf der schwarzen Liste zu belassen. Dies würde 1.200 US-amerikanischen Unternehmen schaden und sich auf tausende Jobs negativ auswirken. Außerdem würde der Boykott drei Milliarden Konsumenten in 170 Ländern schaden.

Huawei hatte die USA erstmalig im März 2019 verklagt, weil US-Regierungsbehörden keine Ausrüstung des Konzerns kaufen dürfen. Eine Anhörung ist nun für den 19. September 2019 angesetzt.

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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin bei BASIC thinking. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

2 Kommentare

  • Danke für diesen tollen Blog. Doch glaubt die USA wirklich, dass mit der Sperre von Huawei wirklich etwas erreich. die größten Spionagenetzwerke Google und Facebook haben ihren Sitz in den Usa. Warum erhalten diese Zugang zu den Smartphones?

    • Hallo Maria,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Eine Vermutung, warum mit Google, Facebook und Co. anders umgegangen wird, könnte darin liegen, dass es sich dabei um US-amerikanische Unternehmen mit vielen Mitarbeitern handelt und sich die USA selbst natürlich nicht schaden möchte.

      Liebe Grüße
      Christian

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