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Das Smartphone als Herzstück des Fahrassistenzsystems – eine Demo

geschrieben von Nicole Scott

Ein Auto, dessen Selbstfahrsoftware durch eine Smartphone-Kamera mit Daten versorgt wird – das erlebt man nicht alle Tage. VIA Technology demonstrierte während einer Tech-Demo von VIA-AI, wie sich autonomes Fahren der Stufe 2 durch eine Smartphone-Kamera möglich machen lässt. Während der Live-Demo war das Fahrzeug in der Lage, sowohl die Spur als auch ausreichenden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu halten.

Ich habe schon viele Vorführungen von selbstfahrenden Autos miterlebt, aber als ich begriff, dass mich das Fahrzeug nur mithilfe einer einzelnen Smartphone-Kamera von A nach B bringen wird, wurde mir etwas mulmig. Bei den meisten Demos wird gezeigt, wie das Auto die Daten verschiedener Kameras und Radar- bzw. Lidar-Sensoren verarbeitet, um im Straßenverkehrt Entscheidungen zu treffen – bei dieser Vorführung fiel es mir deshalb nicht leicht, stillzusitzen.

Der Fahrassistent war zum Glück nur auf der Autobahn eingeschaltet, sonst wäre ich wohl auf den Fahrersitz gehüpft und hätte das Steuer selbst in die Hand genommen! Auf der Autobahn gibt es schließlich weniger Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt – es gibt dort nämlich keine Radfahrer, Fußgänger oder spiegelnde Gebäudefassaden. Selbstfahrende Autos sind meiner Meinung nach noch nicht bereit für den Stadtverkehr.

Nur um eines klarzustellen, VIC möchte nicht, dass sich autonome Fahrzeuge in Zukunft nur auf eine Smartphone-Kamera verlassen. Die Demo diente dazu, VIA-AI vorstellen – eine quelloffene Fahrassistenzsoftware, die Adaptive Cruise Control (ACC, oder Abstandsregeltempomat), ein Lane Keeping Assist System (LKAS, Spurhalteassistent) und Funktionen zur CAN-Bus-Integration bietet. Letzteres finde ich besonders cool, ich wollte mich nämlich schon immer mal in den CAN-Bus hacken. Was ich damit machen würde? Keine Ahnung. Der Reiz liegt wohl darin, dass es eines der sichersten Fahrzeugkomponenten ist. Schließlich möchten Hersteller dafür sorgen, dass nicht jeder einfach die Kontrolle über euer Auto übernehmen kann.

VIA-AI verfügt außerdem über ein Advanced Driver Assistance System (ADAS, Fahrassistenzsystem), das in den VIA Mobile360-Kamerasystemen eingesetzt wird. Die Integration von Daten aus Multi-Kamerasystemen ist etwas, was VIA schon seit den Anfangszeiten dieser Technologie macht. Die Erfahrung in Sachen integrierter Systemplattformen hat dazu geführt, dass das Unternehmen nun im Bereich der selbstfahrenden Autos aktiv ist.

Selbstfahrende Fahrzeuge der Stufe 3 sind derzeit fast ausschließlich in mit Geofencing abgesteckten Bereichen unterwegs. Dabei werden die Routen und Orte im Voraus kartiert, um das Fahrzeug zu trainieren und mit detaillierten Informationen über seine Umgebung zu versorgen. Diese Technologie könnte beispielsweise bei Busrouten zum Einsatz kommen, die immer gleich sind und jeden Tag hunderte Mal abgefahren werden – so muss das Fahrzeug nicht alles selbst berechnen. Der erste kommerzielle Einsatz von Selbstfahrtechnologie könnten deshalb bei LKWs mit eigener Fahrspur oder bei Bergbauausrüstung erfolgen.

VIA-AI richtet sich nicht an Hobbybastler, die ihr Auto mit dem Smartphone steuern möchten, sondern an Firmen, die an Lösungen für autonome Fahrzeuge arbeiten. VIA ist dabei nicht das einzige Unternehmen, dass auf Smartphones setzt. Comma.ai bietet eine Lösung für Verbraucher an, bei der das Smartphone die Assistenzfunktionen des Autos verbessern soll. Wie bereits erwähnt, ist der CAN-Bus stark geschützt, weshalb die Unternehmen, die diese Unterstützung anbieten, bei der Entwicklung ihrer Plattform für Selbstfahrfunktionen weiter zurückliegen.

Wayye ist ein weiterer Anbieter, der einerseits die im Fahrzeug verbauten Kameras, aber auch die GPS-Daten eures Smartphones verwendet, um das autonome Fahren zu ermöglichen. Auch diese Demo hätte mich wohl ziemlich nervös gemacht, denn das Auto fuhr über ganz normale Straßen, die ihm vollkommen unbekannt waren. Außerdem kamen nur 20 Stunden Trainingsdaten zum Einsatz.

Mit weniger mehr erreichen – dies scheint in Sachen autonomer Fahrzeuge immer mehr zum Trend zu werden. Was meint ihr? Würdet ihr euch von eurer Smartphone-Kamera vom Flughafen in die Stadt fahren lassen?

Mehr zu diesem Thema erfahrt ihr auf VIA Technology

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Nicole Scott

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