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Die seltsamen Nebenjobs der Gig-Economy in den USA

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In ihrer Kolumne beschäftigt sich Marinela mit Entwicklungen in den USA.
geschrieben von Marinela Potor

Die USA sind eine der größten Tech-Nationen dieser Welt. Doch wie stehen eigentlich die Amerikaner selbst zu all dem? Welche Trends begeistern sie, welche gehen völlig an ihnen vorbei? Genau darüber berichtet Marinela Potor – direkt aus den USA – in regelmäßigen Abständen im BASIC thinking US-Update. Diesmal: die seltsamen Nebenjobs, die die Gig-Economy in den USA hervorgebracht hat.

Was machst du so nach Feierabend? Mit Freunden treffen, zum Sport gehen oder einfach zu Hause entspannen? Während wir in Deutschland unsere Freizeit meist zum Ausspannen nutzen, ist in den USA für viele Menschen der Feierabend nach dem Hauptberuf die Zeit vor dem Nebenjob.

Wenn du jetzt aber an typische Nebenbeschäftigungen wie Kellnern denkst – das war mal! Vor allem jüngere Menschen finden ihre Jobs immer häufiger über Apps. Und das mit Arbeiten, die von spannend über skurril bis hin zu fragwürdig reichen.


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Das sage allerdings nur ich als Außenstehende. Denn für die Amerikaner sind diese merkwürdigen Nebenjobs das Normalste der Welt.

Ausbeutung? In den USA ist man stolz

Ein Beispiel dafür sind die „Juicer“ oder „Charger“. Gemeint sind damit die Menschen, die für Anbieter von E-Scooter-Sharing wie etwa Bird oder Lime regelmäßig die E-Scooter einsammeln und bei sich zu Hause wieder aufladen.

Vor Kurzem habe ich dazu einige ziemlich aufgebrachte Artikel in deutschen Medien gelesen. Diese Mikrojobs wurden hier als „Missbrauch“ oder „fragwürdig“ bezeichnet.

Nun mag es durchaus sein, dass die „Lime-Juicer“ oder „Bird-Charger“ unter miesen Bedingungen arbeiten. In den USA kenne ich aber mehrere „Bird-Charger“, die das trotz allem als willkommene Nebeneinkunft sehen.

Für die meisten Auflader, mit denen ich gesprochen habe, ist das sogar ein Traum-Nebenjob. Sie können so oft oder so selten wie sie wollen arbeiten und sie bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten.

Sie müssen ebenfalls keinen der in den USA sehr aufwendigen Bewerbungsprozesse durchlaufen, sondern bewerben sich einfach per App in wenigen Minuten. Alles, was sie dann noch brauchen, ist ihr Auto, etwas Platz für die Scooter und natürlich Strom.

Während man sich hierzulande über niedrige Stundenlöhne und anstrengende Arbeitszeiten der Juicer moniert und diese Nebenbeschäftigung wahrscheinlich auch nie als „richtigen“ Beruf bezeichnen würde, sind solche Gig-Economy-Jobs in den USA nicht nur sehr geläufig.

Viele Amis sind sogar sehr stolz auf ihre App-Nebenjobs. Dazu gehört auch einer der wohl bekanntesten Gig-Economy-Jobs: Uber-Fahrer.

„Ich habe in meinem ersten Jahr als Uber-Fahrer 30.000 US-Dollar verdient“, erzählte mir ein Fahrer neulich. Damit könne er einige Schulden abbezahlen und sich einen netten Urlaub mit seiner Familie leisten.

Doch neben bekannten Jobs über Apps wie Uber oder Bird tragen die Berufsangebote der Gig-Economy auch einige sehr merkwürdigere Früchte.

Hunde-Kita im eigenen Haus

Beispiel „Rover“. Nein, damit ist nicht die Automarke gemeint. Vielmehr ist Rover eine App für Hunde-Sitting.

Hierbei finden Hundebesitzer und Hunde-Sitter über die App zueinander. Auf der einen Seite ist also beispielsweise ein Hundebesitzer, der keine Zeit hat, seinen Hund regelmäßig Gassi zu führen. Auf der anderen Seite sind die Sitter, die diese Arbeiten übernehmen.

Ich hatte ehrlich gesagt noch nie etwas von dieser App gehört, bis mir neulich ein Freund davon berichtete. Er und seine Freundin haben selbst einen Hund. Irgendwann stolperten sie über die App und dachten sich: „Eigentlich haben wir doch Zeit auf andere Hunde aufzupassen.“

Warum also damit nicht ein nettes Taschengeld verdienen?

Das lief so gut, dass die beiden das mittlerweile hauptberuflich machen. Sie gehen dabei nicht nur mit Hunden spazieren. Regelmäßig betreiben sie tatsächlich „Dogsitting“. Das bedeutet, dass Hunde bei ihnen übernachten – etwa wenn die Herrchen und Frauchen im Urlaub sind.

Manchmal haben sie so mehrere Hunde gleichzeitig im Haus. „Vier ist aber das Maximum“, sagen sie. „Sonst artet das Ganze im Chaos aus – vor allem, wenn sich einige der Hunde nicht verstehen.“

Das mag schon merkwürdig klingen, doch einer der skurrilsten App-Jobs, die ich jemals gesehen habe, ist der professionelle Ansteher, der „Line Sitter“.

Gig-Economy: Kein Job zu lächerlich

Auch diese Jobs werden über Apps mit Namen wie „In Line 4 You“ oder „Line Angel“ vermittelt. Die Arbeit ist genau so, wie der Name es vermuten lässt.

Sagen wir mal, du willst ein Ticket für eine beliebte Veranstaltung, wie etwa ein Broadway-Musical, hast aber keine Lust oder keine Zeit, dafür stundenlang in der Schlange zu stehen. Stattdessen heuerst du über eine dieser Apps einen Line Sitter an – der für dich ansteht.

Immerhin: Bei diesen Nebenjobs bekommen die Ansteher einen Aufschlag für extremes Wetter, wie Temperaturen über 38 Grad, Regen oder Schnee.


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Noch ein Beispiel gefällig? Ein Nachbar verdient sich ein Zubrot über die Nachbarschafts-App „Nextdoor“. Hier posten Nutzer regelmäßig Anfragen für kleine Hilfen im Haushalt.

Mal muss ein Rasenmäher repariert werden, dann ist der Babysitter ausgefallen oder jemand braucht ein größeres Auto, um Möbel zum Sperrmüll zu fahren. Unser Nachbar hat flexible Arbeitszeiten und übernimmt daher regelmäßig solche Arbeiten über die App.

Er findet das weder unter seiner Würde, noch meckert er, dass er damit nicht sehr viel verdiene. Vielmehr freut er sich darüber, so viele nette Nachbarn kennenzulernen und – hin und wieder – ein gutes Trinkgeld für seinen Einsatz zu bekommen.

Das ist auch das, was mich an diesen Nebenjobs immer wieder überrascht: Nichts scheint den Amerikanern zu extrem, zu seltsam oder zu lächerlich zu sein. Eine solche Einstellung hat Vor- und Nachteile. Ich aber bin auf jeden Fall gespannt, welche seltsamen Berufe die Gig-Economy hier noch hervorbringen wird.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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