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Standpunkt: Wer gewinnt die Streaming Wars?

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geschrieben von Christian Erxleben

Kein Streit, keine Auseinandersetzung und alle sind immer der gleichen Meinung? Dieser Wunsch nach Harmonie ist verständlich, aber unrealistisch. Deswegen gibt es jetzt den Standpunkt bei BASIC thinking. Darin setzen sich zwei Redakteure mit unterschiedlichen Meinungen mit einem Thema auseinander. Heute: Wer gewinnt die Streaming Wars?

Eigentlich ist die Streaming-Branche an sich ja bereits ein disruptiver Sektor. Denn weder die Musik- noch die Film-Industrie hat bislang eine Antwort auf die digitale Konkurrenz um Netflix, Amazon Prime*, Apple, Spotify und Co. gefunden.

Wer gewinnt die Streaming Wars?

Doch es scheint, als könnten die alten Größen profitieren. Schließlich beginnen derzeit die sogenannten Streaming Wars. Was sich dahinter verbirgt? Lange Zeit war Netflix der unangefochtene Spitzenreiter im Bereich des Video-Streamings. Doch die Zeiten ändern sich.


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Mit Apple TV Plus und Disney Plus sind die ersten Konkurrenten bereits zum Teil am Start. Spätestens 2020 sollen weitere Dienste von Warner und HBO folgen – zum Teil auch schon in Deutschland.

Und was passiert dann mit Netflix? Kann sich der aktuelle Platzhirsch behaupten oder wird er am Ende der Streaming Wars nur noch ein Schatten seiner selbst sein?

Mit genau dieser Frage wollen wir uns im ersten Teil der BASIC-thinking-Serie „Standpunkt“ beschäftigen. Darin äußern zwei Redakteure regelmäßig ihre – konträren – Meinungen in Kommentar-Form zu einem aktuellen Thema.

Interessant dabei: Die Autoren wissen vorher nicht, welche Meinung der Gegenüber vertritt. Deshalb schreibt ein neutrales, drittes Redaktionsmitglied die Meinungen zusammen. Los geht’s!

Standpunkt Tobias Gillen: „Netflix wird gegen Apple und Amazon untergehen“

Die Streaming-Wars sind in vollem Gange und Netflix wird in diesem Kampf keine Chance haben. Dafür sprechen für mich einige Punkte, die ich in meinem Standpunkt darlegen werde.

Erstens: Netflix hat einen Haufen Schulden. Jüngst waren es über zwölf Milliarden US-Dollar. Das sind Gelder, die Netflix in neue Produktionen investieren muss. Die Breite an hochqualitativen Serien und Filmen ist auf Netflix entsprechend beeindruckend, aber trotzdem weitgehend fremdfinanziert.

Diese Rechnung mag bisher aufgehen, weil Netflix die Preismacht über den Streaming-Markt hatte und sich den Markt nur mit Amazon aufgeteilt hat. Amazon spielt aber ohnehin in einer anderen Liga, weil das Streaming-Geschäft Teil des Prime-Pakets ist.

Jetzt aber dürfte Netflix zunehmend Probleme bekommen. Apple TV Plus, Disney Plus, HBO Max – riesige Player strömen in den Markt und können ohne Finanzdruck ihre Angebote ausbauen.

Apple ist jüngst sogar mit einem Kampfpreis von fünf Euro gestartet.

Netflix mag seine Preise von aktuell acht bis 16 Euro vielleicht noch mit dem hohen Angebot an Produktionen rechtfertigen können. Wenn Apple aber ernst macht, könnten wichtige Kunden bald abwandern.

Die Streaming-Wars werden über zwei Punkte entschieden: Inhalte und Ökosystem. Das Ökosystem hat Apple. Die Inhalte – noch – Netflix. Aber Apple hat schon mehrfach in der Vergangenheit gezeigt, dass sie selten die ersten auf einer Party sind. Sind sie aber einmal da, bestimmen sie recht schnell, welche Musik gespielt wird.

Netflix sollte sich hüten vor Apple. Auch wenn Apple aktuell noch harmlos aussieht. Eine verrückte Prognose: Was wäre, wenn Apple den Markt zunehmend mit seinen Kampfpreisen schwächt, auf ein Straucheln des Konkurrenten wartet und diesen dann schluckt?

Netflix ist aktuell circa 125 Milliarden US-Dollar wert. Apple hat Zugriff auf über 200 Milliarden US-Dollar.

Unmöglich wäre das nicht.

Standpunkt Christian Erxleben: „Es gibt nur einen Sieger in den Streaming Wars – und das ist Netflix“

Das Ende von Netflix wird schon oft und gerne heraufbeschworen. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass der älteste und größte Streaming-Dienst der Welt sich quasi bereits auf dem Weg ins Grab befindet.

Die Streaming Wars gewinnen? Das trauen nur die Wenigsten dem Unternehmen aus dem kalifornischen Los Gatos zu. Und dabei macht es keinen Unterschied, ob du nun mit Medienschaffenden redest oder ob du dich in den unzähligen Facebook-Gruppen umhörst.

Dabei ist Netflix für mich eigentlich der legitime und logische Gewinner der Streaming Wars. Der Grund dafür: Kein Konkurrent kann Netflix entscheidend schlagen.

Beginnen wir mit Apple TV Plus: Für mich kein wirklicher Konkurrent. Der Grund: Alleine schon die primäre Fokussierung auf die Zielgruppe der Apple-Nutzer. Wer nicht im Universum unterwegs ist, wird sich für einen Streaming-Dienst nicht einarbeiten. Und das bisher präsentierte Angebot ist auch äußerst schwach.

Konkurrent zwei: Disney. Viele sehen in Disney einen ernsthaften Konkurrenten für Netflix. Auch dem widerspreche ich. Warum? Das Angebot von Disney ist größtenteils bekannt. Die Film-Klassiker und die Superhelden-Filme haben viele Fans. Trotzdem handelt es sich in beiden Fällen um eine spitze Zielgruppe.

Auch wenn es Marvel-Fans nicht gerne hören: Die Welt dreht sich für viele Menschen auch ohne Superhelden weiter. Und die Filmklassiker – die haben wir alle schon fast einmal gesehen. Für ein dauerhaftes, monatliches Abonnement genügen sie alleine nicht.

Disney Plus tut Netflix sogar einen Gefallen. Schließlich muss Netflix jetzt nicht mehr Milliarden für Filmrechte ausgeben, sondern kann sich auf die Eigenproduktionen konzentrieren.

Bleibt zum Schluss noch Amazon. Das ist in meinen Augen der größte Konkurrent für Netflix, weil das Imperium von Jeff Bezos unfassbar stark und vor allem wirtschaftlich lukrativ ist.

Doch genau das ist auch die größte Schwäche: Amazon Prime will nicht der beste Streaming-Dienst sein – ein solider zweiter Platz genügt auch, weil es eben nicht das Hauptaugenmerk von Amazon ist. Ob Amazon Prime Video nun 50, 100 oder 200 Millionen Abonnenten hat ist zweitrangig.

Zusammengefasst: Netflix gewinnt die Streaming Wars, weil sich die aufkommende Konkurrenz gegenseitig kannibalisiert, auf Dauer zu teuer ist und Netflix sogar noch Kosten spart. Im Kampf der reinen Streaming-Dienste hat niemand eine Chance das 160-Millionen-Abonnenten-Werk von Reed Hastings zu besiegen.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

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