Wirtschaft

Warum Gründer lernen müssen, auf sich selbst zu achten

Gründer, Selbstachtung
Auch Gründer sollten sich vernünftig um sich selbst kümmern. (Foto: Pixabay.com / Pexels)
geschrieben von Carsten Lexa

Das neue Jahr ist da – was wird es bringen? Hoffentlich viel Gutes und Erfolg, das wünscht man sich ja immer gegenseitig. Doch was bedeutet das für Gründer, welche Vorsätze sollten sie treffen? Wie wäre es einmal mit mehr Selbstachtung.

Gründer sind Jongleure

Ein Gründer muss viele Bälle gleichzeitig jonglieren, viele Themen gleichzeitig bearbeiten. Auf Dauer sind das ganz ordentliche Belastungen.

Wir müssen die Finanzen im Blick behalten und die nächsten Marketingaktionen planen. Wir müssen unsere Teammitglieder anleiten, versorgen und motivieren. Und dann gibt es auch noch Investoren, Geschäftspartner und Kunden, die sich mit Fragen, Wünschen und Kritik bei uns melden.

Aber auch Gründer haben ein Privatleben. Vielleicht gibt es noch einen Partner oder eine Partnerin, möglicherweise sogar eine ganze Familie, die nach Feierabend wartet und gemeinsam Zeit verbringen möchte.

Mangelnde Selbstachtung: Gründer vernachlässigen sich oft selbst

Mit der Zeit kommt es dann dazu, dass Gründer immer weniger Zeit für sich haben und sich selbst vernachlässigen. Aus meinen eigenen Beobachtungen kann ich noch hinzufügen, dass diese Entwicklung sehr tückisch abläuft.

Denn sie entfaltet sich normalerweise nicht mit einem großen Knall, sondern kommt schleichend. Vielleicht nimmt man sich von Tag zu Tag weniger Zeit für den Partner oder die Partnerin, man vernachlässigt nach und nach seine sportlichen Aktivitäten – und zu Veranstaltungen von Freunden kommt man immer später, weil man ja noch „etwas im Büro zu tun hatte“.

Kurz gesagt, vernachlässigen Gründer dann ihre Selbstachtung – und damit auch ihren Erfolg und ihre Gesundheit.

Auf Warnsignale hören

Irgendwann merkt man dann an ersten Anzeichen, dass etwas nicht stimmt. Man fühlt sich nicht mehr so fit wie früher, ist abgehetzt und vielleicht hört man von Freunden, der Familie oder auch dem Partner oder der Partnerin, dass man gereizt und „müde“ wirkt.

Spannend ist nun, wie man in so einer Situation reagiert. Auf der einen Seite sagen einem Gründer diejenigen Personen, die ihm wichtig sind, dass sich etwas negativ entwickelt hat.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch noch so viel im Start-up zu erledigen. Für was sollte man sich entscheiden?

Selbstachtung: Sich mehr um sich selbst kümmern

Die Antwort ist ganz einfach: Wie alle anderen Menschen sollte auch ein Gründer auf sich selbst achtenDenn was einen Gründer in die Knie zwingen kann, ist zu viel Stress über einen zu langen Zeitraum.

Stress ist ungesund und macht krank. Die Zahl an Erkrankungen wie Burnout, Depressionen und Ähnlichem hat in den vergangenen Jahren rapide zugenommen – und die Tendenz ist weiter steigend.

Das ist aber noch nicht alles. Stress kann darüber hinaus andere Krankheiten wie beispielsweise Herz- und Kreislaufbeschwerden, Magen- und Verdauungsprobleme, Angstzustände und Schlafstörungen auslösen.

Wie kann nun ein Gründer darauf reagieren? Er sollte versuchen, die eigenen emotionalen und körperlichen Bedürfnisse zu erkennen und zu verstehen sowie versuchen, mit diesen Bedürfnissen umzugehen. Man sollte ihnen Priorität einzuräumen und sich um deren Erfüllung kümmern.

Gründer schieben die eigenen Bedürfnisse oft und gerne zur Seite, wollen davon nichts wissen, verleugnen oder überhören sie. Vielen fehlt schon der Zugang zu den eigenen Bedürfnissen. Andere kennen sie zwar, wollen sie sich aber möglicherweise aus Angst, Schüchternheit oder mangelnder Selbstakzeptanz nicht eingestehen.

Und dann gibt es noch die, die es sich besonders einfach machen und anmerken, dass sie keine Zeit haben, sich mit Selbstpflege zu beschäftigen. Ihre Ausrede: Sie bekommen ja schon die alltäglichen privaten und beruflichen Dinge nicht auf die Reihe.

Für mehr, insbesondere für Selbstpflege, fehlt ihnen einfach die Zeit und die Kraft.

Konkrete Schritte gehen

Natürlich klingt das Vorstehende sehr theoretisch. Wer es es jedoch lieber etwas konkreter mag, für den habe ich ein paar genauere Tipps:

Für die Gesundheit ist zum einen seelisches Wohlbefinden wichtig. Wie heißt es schon bei Juvenal, dem römischen Dichter: „Orandum est ut sit mens sana in corpore sano!“ 

Übersetzt heißt das ungefähr: „Beten sollte man darum, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei.“

Erreichen können Gründer dies, indem sie beispielsweise ihr Stresslevel durch Zeitmanagement oder Aufgabendelegation reduzieren. Auch ausreichend Kontakt zu Freunden und der Familie zu halten und durch Freizeitaktivitäten Spaß und Freunde in ihr Leben bringen, kann ihnen helfen.

Natürlich ist körperliches Wohlbefinden ebenfalls wichtig. Dies erreicht man beispielsweise durch die Erhaltung eines gewissen Fitnesslevels sowie dadurch, auf die körperlichen Signale im Hinblick auf Erschöpfung, Schlafmangel und Krankheit zu hören.

Im Grunde selbstverständliche Dinge wie regelmäßiges, bewusster Essen und Trinken spielen ebenfalls eine elementar wichtige Rolle.

Noch eine Warnung

Mir ist wie immer klar, dass diese Ausführungen kurz sind – gefährlich kurz für so ein komplexes Thema. Aber vielleicht wird der Eine oder die Andere durch meine Worte zumindest ermutigt, sich überhaupt einmal mit diesem Thema zu beschäftigen.

Dann wäre schon etwas erreicht! Für alles weitere gibt es dann Profis, die man um Rat fragen kann.

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

2 Kommentare

  • Das ist ein wichtiges Thema, das so viele betrifft. Mangelnde Selbstliebe hat auch mit unserer Neigung zur Selbstoptimierung zu tun, die allzu oft daneben zielt. Sie ist in zu vielen Fällen nur auf Produktivität ausgerichtet, statt auf Gesundheit und Lebensfreude.

    Dabei bieten Gesundheit und Lebensfreude auf Dauer die besseren Chancen richtig gute Produktivität zu erreichen.

    Die Kunst liegt darin bei sich selbst zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Das bewahrt vor falschen Entwicklungen. Den hier aufgeführten, sehr wichtigen Punkten möchte ich daher noch einen hinzu fügen: Achtsamkeit.

    Wer Achtsamkeit praktiziert, erkennt wesentlich leichter, worauf es wirklich ankommt. Weil man sich der eigenen, unbewussten Prozesse bewusst wird. Das gibt auch die Chance Selbstblockaden zu erkennen. Und zu beseitigen.

    Stärkung und Entwicklung von mehr Achtsamkeit ist in der heutigen Zeit eine unserer wichtigsten Aufgaben. Denn im Zuge der Selbstoptimierung, der Informationsüberflutung und politischen Veränderungen kommen wir schnell an unsere Grenzen.

    Danke für den guten Beitrag
    Mahashakti Uta Engeln

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