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Aufgaben, Fähigkeiten, Alltag: Was macht ein Creative Coder?

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geschrieben von Christian Erxleben

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt von Grund auf. Deshalb entstehen neue Berufsbilder. Doch was versteckt sich hinter den Bezeichnungen? Das möchten wir in „Und was machst du so?“ greifbar machen. Heute: André Presser und der Beruf des Creative Coder.

Der Start in den Tag als Creative Coder

André, du arbeitest als Creative Coder bei der Digital-Agentur i22. Beschreibe uns doch einmal in vier Sätzen, wie du deinen Beruf neuen Freunden erklärst.

Meine Hauptaufgabe besteht darin, Webseiten, interaktive Applikationen und digitale Produkte mit zu entwickeln und dann auch in die Praxis umzusetzen.

Dabei greife ich zum einen auf meine Fähigkeiten als Programmierer zurück. Zum anderen nutze ich in diesem Prozess alles, was digitale Technologie dafür bereitstellt. Das sind dann beispielsweise Algorithmen oder verschiedene Programmiersprachen.

Meine Arbeit vereint Technologie mit kreativen Ansätzen, die mir dabei helfen, Lösungen für bestehende Probleme zu finden, aber auch ganz neue Wege zu gehen, um etwas zu entwickeln.

Dabei begleite ich den ganzen Weg des Produkts – von der Konzeption bis es in den Händen des Endnutzers ist. Währenddessen bringe ich mich in jeder Phase ein.

Wie sieht ein normaler Tag in deinem Beruf aus?

Das ist von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. In freien Projekten – also solchen, bei denen die Möglichkeit besteht, sich kreativ auszutoben – bedeutet das für mich zwar viel Kreativarbeit, aber auch ebenso viel Recherche.

Wenn ein bestimmter visueller Effekt entwickelt werden soll, zum Beispiel ein Web-GL-Filter, dann recherchiere ich erstmal, ob es diesen Effekt schon gibt. Wenn es ihn nicht gibt oder nicht in der Variation, in der ich ihn brauche, fange ich selbst an zu designen und Code zu schreiben.

In den meisten Fällen gibt es in solchen Situationen keine genaue Vorlage, sodass ich dann in enger Abstimmung mit dem Designer im Projekt verschiedene Versionen ausprobiere.

In Projekten, bei denen es um User Experience geht, fange ich zum Beispiel morgens einfach mal an, einen Prototyp zu schreiben, der ein bestimmtes Problem lösen soll. Das kann dann manchmal dazu führen, dass weitere Probleme des aktuellen Designs beziehungsweise Layouts offenbart werden.

Ich bin dann über den Tag mehrmals im Austausch mit dem verantwortlichen Designer und mache Vorschläge, wie man zu einer Lösung kommen könnte. Wenn es gut läuft, haben wir diese dann am Ende des Tages auch gefunden.

Insgesamt arbeite ich sehr agil. Deshalb habe ich keinen typischen Tagesverlauf. Meine Tätigkeiten richten sich im Grunde nach den Projekten und Menschen, mit denen ich zusammenarbeite.

Und womit startest du in den Tag?

Kaffee. Wenn ich dann noch Zeit habe, lese ich Artikel auf Medium, Dev.to oder Dribbble.com. Dort suche ich nach Inspiration und schaue, was sich da draußen so Neues tut.

André Presser, i22, Creative Coder

André Presser, Creative Coder bei i22.

Die Aufgaben als Creative Coder

Welche Aufgaben fallen in deinen Bereich?

Ich kümmere mich um das Motion-Design im Web-Kontext. Das ist also alles, was sich auf Webseiten oder in Apps bewegt. Zum Beispiel sind das Echtzeit-Visualisierungen in Web-GL, Micro-Animations und klassische Frontend-Entwicklung.

Es umfasst im Grunde alles, was Besucher auf Webseiten sehen. Ergänzend dazu bin ich außerdem Ansprechpartner sowie Support im Bereich Motion-Design und Web-Animation – sowohl für die Designer als auch für die Entwickler.

Wie definierst und interpretierst du deinen Job als Creative Coder persönlich?

Ich bin sozusagen das verbindende Element zwischen Konzeption, Design und Entwicklung. Wenn wir an einem Produkt arbeiten, helfe ich dabei, die Vision der Konzeption und der Designer zu transportieren. Mein Fokus liegt aber nicht alleine auf der Umsetzung.

In der Anfangsphase eines Projekts unterstütze ich die Konzeption und das Design mit Know-how im Bereich UX und Animation. Dafür liefere ich Ideen, Inspiration und Verbesserungsvorschläge.

Wenn zum Beispiel auffällt, dass ein Konzept-Entwurf Verbesserungspotenzial hat – egal ob durch Animationselemente oder andere Möglichkeiten –, dann bespreche ich das mit dem Design-Team und wir erarbeiten zusammen eine Lösung.

Wie ist deine Stelle in die Unternehmensstruktur eingegliedert? Das heißt: An wen berichtest du und mit wem arbeitest du zusammen?

Wem ich berichte und mit wem ich zusammenarbeite, hängt stark vom aktuellen Projekt ab. Im Grunde arbeite ich in erster Linie mit Designern sowie anderen Entwicklern zusammen und berichte an den jeweiligen Projektleiter.

Wir organisieren uns grundsätzlich projektabhängig in Teams, die sich in der Regel nach Kompetenz und Spezialisierung zusammensetzen.

Spaß und Dankbarkeit in deinem Beruf

Selbstverständlich wird die Rolle eines Creative Coder in jedem Unternehmen unterschiedlich ausgelegt. Welche Perspektiven kommen bei dir zu kurz, die grundsätzlich zum Berufsbild gehören?

Ich habe ein ziemlich breites Aufgabenfeld, das von kreativer Code-Arbeit bis zur klassischen Frontend-Entwicklung reicht. Die Mischung aus beidem mag ich.

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?

Zum einen die Zusammenarbeit mit fähigen Designern, der Austausch und das gemeinsame Bestreben etwas Cooles und Innovatives auf die Beine zu stellen. Zum anderen stellt sich bei mir nie wirklich eine Routine ein. Das macht meine Arbeit für mich immer wieder aufs Neue interessant.

Wofür bist du besonders dankbar?

Für die Art und Weise, wie mir meine Agentur i22 diesen Werdegang ermöglicht hat.

Ich hatte immer einen relativ großen Entwicklungsspielraum und konnte mich oft für Projekte und Tätigkeiten entscheiden, auf die ich auch wirklich Lust hatte. Das gab mir die Möglichkeit, mich entsprechend zu entfalten und mich auch auszuprobieren.


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Und wie wird man jetzt ein Creative Coder?

Insbesondere in der Digital-Branche gibt es häufig nicht mehr die klassische Ausbildung. Wie bist du zu deiner Stelle gekommen?

Ich bin tatsächlich mit einer klassischen Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print gestartet und habe mich dabei aber schon früh für Motion-Design und 3D-Visualisierung interessiert.

Nebenbei habe ich auch immer gerne programmiert. Damals noch in Flash mit Action Script. Ich war begeistert von den Möglichkeiten, die es gab, meine Ideen eigenständig umsetzen zu können.

Während meiner Ausbildung habe ich mich intensiv in diesen Bereichen weitergebildet und konnte, dank toller Kollegen, denen mein Interesse und Können aufgefallen war, das Wissen dann auch in Projekten einsetzen. Ich wurde dann auch entsprechend gefördert.

Über die Jahre habe ich weiter Expertise im Bereich Motion-Design aufgebaut und bin eigentlich von der klassischen Ausbildung stark abgerückt. Letztendlich war ich dann froh, die Ausbildung hinter mir zu lassen und als Motion-Designer bei i22 anfangen zu dürfen.

Ich habe viele Videos und 3D-Animationen für Webseiten und andere Marketing-Zwecke erstellt. Aber ebenso habe ich Flash-Applikationen animiert.

Irgendwann wurde Flash dann obsolet und ich konzentrierte mich mehr auf die klassische Web-Entwicklung und überlegte mir, wie ich dort mehr Interaktivität und Animation reinbringen könnte. So bewegte ich mich immer mehr in Richtung Frontend-Entwicklung und gab das klassische Motion-Design dafür auf.

Welchen Tipp würdest du einem Neueinsteiger oder interessierten Quereinsteiger geben, der auch Creative Coder werden will?

Creative Coder ist kein ganz klar definierter oder geschützter Beruf.

Im Prinzip heißt es, dass man als Entwickler auch kreativ arbeitet und nicht nur vorgefertigte Layouts umsetzt. Meiner Meinung nach kann jeder Entwickler, der kreativer unterwegs ist und eine Leidenschaft für gutes Design hat, auch als Creative Coder arbeiten.

Grundsätzlich würde ich aber Neueinsteigern raten, erstmal mit klassischer Web-Entwicklung anzufangen. Man benötigt dafür einfach ein gutes Fundament an Wissen. Es bringt nichts, der Kreativste zu sein, wenn man am Ende dann nicht weiß, wie man es auch umsetzen kann.

Hinzu kommt, dass Creative Coder immer noch Programmierer sind. Dementsprechend sollte die kreative Auslegung der Arbeit keine Entschuldigung für schlechten Code sein.

Ist ein gutes Basiswissen vorhanden, kann man sich mit den Basics von Design, UX und Animation beschäftigen. Gerade im Bereich Animation sind heutzutage noch viele Designer einfach nicht ausgebildet. Hier können Creative Coder unterstützen und inspirieren.

Am Ende ist es wichtig, dass man eine Leidenschaft für gutes Design und Animation mitbringt. Der Rest kommt dann meistens von selbst.

Vielen Dank, André!


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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

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