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Ein Programmierer erklärt: Darum lernen meine Kinder nicht das Programmieren

Laptop, Computer, Code, Programmieren
Sollten Kinder lieber keine Programmiersprachen lernen? (Foto: Pixabay.com / AlfredMuller)
geschrieben von Marinela Potor

Sollte man Kindern das Programmieren beibringen? Ein Programmierer behauptet: nicht in Form von Programmiersprachen! Damit bringe man Kindern die falschen Grundlagen bei.

Java, Python, C++: Wer programmieren kann, spricht diese Sprachen. Während Programmiersprachen lange als seltsame Beschäftigung für Computerfreaks galten, haben viele im „Zeitalter der Geeks“ erkannt: Sie sind wichtig, zukunftsorientiert und sogar hip.

Kein Wunder, dass viele Eltern darum ihren Kindern das Code-Schreiben beibringen wollen – und das so früh wie möglich. Programmierstunde statt Märchenstunde, Code-Syntax statt ABC lernen – so wollen Eltern ihren Kindern sozusagen das Programmieren mit in die Wiege legen.

Doch Programmierer und Vater Joe Morgan sieht das skeptisch. Er sagt: „Ich bin Programmierer und bringe meinen Kindern das Programmieren nicht bei.“

Programmieren: Kreativität statt auswendig lernen

Seiner Meinung nach ist es verständlich, warum Eltern auf Programmiersprachen setzen. Wenn schon künftig alles automatisiert wird und Künstliche Intelligenz unser Leben steuert, warum sollte dann nicht das eigene Kind wissen, wie man all das programmiert?

Gleichzeitig findet Morgan das Mantra „Programmieren ist die neue Alphabetisierung“ auch „lächerlich“. Und zwar nicht deshalb, weil Programmieren nicht wichtig sei, sondern weil Eltern ihren Kindern das Konzept nicht richtig beibringen.

Denn Programmiersprachen sind zwar die Syntax fürs Codieren. Gleichzeitig lernen Kinder damit aber nicht die wahren Grundlagen, die man wirklich fürs Programmieren braucht, sagt Joe Morgan.

Das Schreiben von Codes habe wenig mit Auswendiglernen und viel mit Kreativität, Erfindergeist und Neugierde zu tun. Denn wer Software entwickelt, schreibt nicht einfach nur ein Programm, das dann sofort perfekt funktioniert.

Vielmehr läuft der Prozess nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip. Du schreibst Code. Du probierst ihn aus. Es gibt Fehler. Du versuchst sie auszubügeln. Du probierst erneut. So beschreibt es Morgan.

Um so am Ende ein schönes und gut funktionierendes Programm zu erhalten, sei also nicht die Programmiersprache das wichtigste, sondern eher das tiefere Verständnis für komplexe Probleme und sowohl der Wille als auch die Geduld und der Einfallsreichtum diese zu lösen.

Genau das bringe man Kindern aber nicht über Java oder Python bei, sondern über lösungsorientiertes Denken: Aufgabe, Lösungsversuch, Analyse, Verbesserung.

Dieses Vorgehen können alle Eltern ihren Kindern beibringen – unabhängig von Programmiersprachen und egal, ob sie etwas von Software-Entwicklung verstehen oder nicht, etwa beim Fahrrad reparieren oder beim Kuchenbacken.

Wie hilfreich sind solche Ratschläge?

Morgans Ratschlag ist teilweise nachvollziehbar, zugleich aber auch etwas banal.

Es ist einerseits verständlich, wenn er sagt, dass zum Programmieren mehr gehöre als Programmiersprachen lernen. Das gilt aber auch für Mathematik, Literatur oder Sport.

Du verstehst keine mathematischen Prinzipien, wenn du auswendig lernst, dass zwei Mal zwei vier ist. Auch wirst du kein Buchautor, weil du Wörter korrekt schreiben kannst. Und aus dir wird auch kein Leistungssportler, nur weil du beim 100-Meter-Lauf mitmachst.

Andererseits: Ohne diese Grundlagen geht es auch nicht. Wer in die Tiefe gehen will, muss aber natürlich darüber hinausgehen und Zusammenhänge verstehen. Andernfalls kann man nie Lösungen finden, egal ob bei einem Software-Problem oder bei einem Rohrbruch.

In diesem Sinne wirkt Morgans Ansatz auch ein wenig banal. Denn was er vorschlägt, gilt sicherlich fürs Programmieren, genauso aber eigentlich für alles im Leben. Man kann es aber vielleicht als Anregung dazu nehmen, Programmieren stärker ins Schulsystem sowie ins alltägliche Lernen einzubinden.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

15 Kommentare

  • Abgesehen vom Hauptthema des Artikels, welcher die eigene Meinung von Mr. Morgen und Ihnen wiedergibt, empfinde ich den Kopfteil als doch etwas sehr plump.

    > Java, Python, C++: Wer programmieren kann, spricht diese Sprachen.

    Ist das so? Gibt es nicht noch andere Sprachen? Das klingt als müsse man genau diese drei Sprachen oder zumindest eine davon „sprechen“ können.

    >Während Programmiersprachen lange als seltsame Beschäftigung für Computerfreaks galten, haben viele im „Zeitalter der Geeks“ erkannt….

    Woher kommt diese Aussage bitte?
    Der Job des Programmierers war lange eine Nische, ja, aber seltsame Beschäftigung für „geeks“ stimmt einfach nicht. Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen, denn ich weiß was Sie sagen wollen, aber zum einen ist der Begriff Geek falsch (passender wäre „Nerd“), zum anderen müsste man das gleiche dann zu Mathematiker sagen, ein Themenfeld aus dem heraus das programmieren entstanden ist. Die Aussage suggeriert dass programmieren als Hobby von Enthusiasten entstanden ist. Das stimmt einfach nicht. Es hatte stets seinen durchaus beruflichen Zweck.

    PS: Anstatt zur Meinung von Herr Morgen noch die eigene Meinung dazu zu klatschen, hätte man doch alternative Lernmethoden zur Thematik Programmieren aufzeigen können. Einfache Programmiersprachen für Kinder, Bausätze, Mindstorms, Raspberry…das ist ja alles kein Geheimnis, wäre aber interessanter und weniger flach.

    Grüße

    • Hallo Steve,
      du sprichst viele interessante Punkte an. Es wäre sicher mal spannend, das Thema weiterzuspinnen und, wie du vorschlägst, auch mal über alternative Lernmethoden zu sprechen.

      Im Teil mit dem „Geek“ (da überlappen die Definitionen mit Nerd auch stark, dazu vielleicht auch: https://www.urbandictionary.com/define.php?term=geek): Das war sehr plakatierend formuliert, ist aber natürlich gemeinhin, was viele sich darunter vorstellen – ob das jetzt der Wirklichkeit entspricht oder nicht. Es sollte darum auch lediglich eine Beschreibung des Steretypen sein, nicht eines echten Programmiererers 😉

  • Also ich finde Joe Morgan klingt hier wie jemand, der einfach aus Prinzip eine andere Meinung haben will.

    Wenn Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen sollen, sowohl beim Programmieren als auch bei anderen Hobbys.

    So muss man den Kindern doch erst die Grundlagen beibringen?

    Das tolle an Kindern ist nämlich ihre Fantasie. Und wenn sie mal ein bisschen im Thema Programmieren angekommen sind, werden sie von ganz alleine auf Ideen kommen, was sie programmieren wollen. Also wird ein Kind, das Interesse und Spaß am Programmieren hat früher oder später von alleine experimentieren und wirklich lernen.

    Ich verstehe den Punkt, dass Joe meint, alleine die Syntax beizubringen wäre verschwendet. Dem ist ja auch so, aber weglassen kann man diesen Teil nun leider nicht.

    Deswegen ist Joes Meinung für mich mehr dummes Geschwätz und Wichtigtuerei als wirklich ein sinnvoller Ratschlag für Eltern oder Informatiker, die es werden wollen.

    • Lieber Jonas,

      an dich als Stellvertreter die Frage, wie vielen Kindern hast du schon erfolgreich das Programmieren beigebracht?

      Und wie viele davon saßen – obwohl sie freiwillig zu einem Kurs gekommen waren – ratlos vor dem PC und hatten keine Idee, was sie nun tun sollten?

      Letzteres ist meine Erfahrung: Es fehlt viel mehr an der Fähigkeit, kreativ Probleme zu lösen als an Kenntnis von Programmiersprache. Diesen Punkt finde ich in den zitierten Aussagen wichtig.

    • Da muss ich leider meinem Vorkommentator rechtgeben. Erstens kann man mit Programmiersprachen ohne eine interessante Aufgabenstellung sehr wenig anfangen. Zweitens ist es auch ein weit verbreiteter Irrtum, Programmiersprachen seien wirklich die Grundlagen. Der berühmte Informatiker Edsger Dijkstra hat dazu einmal gesagt, dass der Begriff „computer science“ für Informatik etwa so zutreffend sei, als würde man Chirurgie als „knife science“ bezeichnen. Wichtig ist es eher die richtigen Denkweisen zu lernen, um Probleme systematisch und exakt formulieren zu können. Und eben das ist erst dadurch möglich, dass man logisches Denken fördert und Interesse an Problemen weckt, bei welchen Informatik überhaupt sinnvoll einsetzbar ist. Das lernt man in jeder passablen Einführungsveranstaltung im Fach Informatik. Wenn man Programmiersprachen einfach ohne Kontext in den Raum wirft, werden weiterhin nur die Kinder Interesse am vertiefenden Lernen haben, die es sowieso schon gehabt hätten. Alle anderen würden durch dieses Vorgehen eher abgeschreckt als dafür begeistert.

  • Sicher spiegelt das die Meinung von Mr Morgan und/oder der Autorin wieder. Aber er hat recht: es ist nur eine ComputerSPRACHE.

    Besser ist es, ihnen das Erstellen von Programmablaufplänen und das strukturierte Denken beizubringen. Das lässt sich auch abseits im Alltag verwenden…

  • Also ich habe in der 3. oder 4. Klasse meinen C64 bekommen. Da war ein wunderbares Buch dabei, in dem sehr verständlich BASIC erklärt wurde. Meinen ersten BASIC Kurs habe ich dann in den Sommerferien nach der 4. Klasse gemacht. Ich finde, das Problem bei den heutigen Windows Rechnern ist, dass nichts mehr dabei ist. Oder dass man sofort im Internet ist und überhaupt nicht weiß, nach was man da suchen kann/soll.
    Ich habe gerade eben für mich persönlich das Konzept der britischen Regierung und der BBC entdeckt. Die haben in den 80er Jahren extra einen Homecomputer entwickeln lassen, zu dem sie dann ein langfristig ausgelegtes Bildungsprogramm gezeigt haben, weil sie gemerkt haben, dass die USA technologisch davon zog.
    Auch waren viele Schulen mit diesen Geräten ausgestattet. Das erklärt, warum in den 80er und 90er Jahren so viel tolle Software aus England kam während man bei uns noch nicht mal Maschinenschreiben im normalen Lehrplan hatte.
    Und wenn ich mir jetzt dieses BASIC für den BBC Micro ansehe, denke ich mir: das war damals im Prinzip schon fast genauso wie Java oder C (inkl ++ und #) heute. Da stinkt das Microsoft BASIC, mit dem viele Rechner hierzulande ausgestattet waren extrem ab.

    https://clp.bbcrewind.co.uk/

  • Was Steve sagt.
    Die Syntax einer Sprache ist zweitrangig und schnell gelernt, wenn man/Kind eine gute Auffassungsgabe hat. Die Im Ps erwähnten Herangehensweisen sind der Schlüssel.
    Die Autorin selbst scheint sich nicht besonders mit der Materie auseinandergesetzt zu haben.

    • Für mich ist Joe Morgans Aussage sehr einseitig. Es ist wahrscheinlich gewollt, weil er vor allem betonen wollte, dass die Kreativität wichtiger sei als die Syntax. Ich sage: Okay, danke für die Meinung, das gilt aber für alle Fächer – und was dann? Also können wir dann dort weitermachen, wo Steve vorschlägt: Wie regen wir die Kreativität an?

  • Was doch Joe Morgan damit sagen will ist, dass Kinder nicht lernen sollten die Frage zu stellen „Was soll ich tippen?“ sondern sihh vielmehr fragen „Wie löse ich ein Problem?“. Ersteres ist oft eine Folge davon, wenn man Stumpf die Syntax lernen will, letzteres führt aber wirklich zum Ziel. Das sehe ich oft bei meinen Erstsemester Studenten, die wirklich ständig fragen, was sie denn eingeben müssen ohne den Anspruch zu haben tieferes Verständnis für ein gegebene Problem zu erlangen. Und wer tieferes Verständnis und die logische Abfolge der Lösungen von Problemen erarbeiten kann, für den ist schlussendlich das Erlernen einer beliebigen Syntax ein Kinderspiel.

    • Ist das denn so viel anders in anderen Fächern? Oder, anders herum gefragt: Bei anderen Thematiken (Mathematik oder Chemie) ist uns doch auch klar, dass Verständnis nicht bei der Gleichung anfängt, sondern erstmal Problemlösung / Analyse erfordert und man dann die Gleichungen einfach findet. Ist Programmieren noch zu jung, um das gleiche Selbstverständnis zu haben – oder warum muss jemand wie Joe Morgen so einen Artikel verfassen?

  • Is programming too young to have the same self-image – or why does someone like Joe Morgen have to write an article like this?

    by the way i happy…

  • ich finde jeder kann und solte programmieren lernen egal welche bildung sie oder er hat.
    jeder hatt irgend welche dinge die er lösen kann und mi9t hilfe der programmiersprache
    es eben zu lösen gilt.und letz endlich ist das was man den prozessor mit teilt so ähnlich wie eine unterhaltung mit personen, nur eben mit einer ihm verständlichen sprache, was aus
    0 und eins besteht. die ganzen interpreter und compiler sprachen sind nur aufgesetzte sprachen meiner meinung nach. richtiges programmieren ist ganz klar ,(finde ich)

    die assemblersprache, den das ist die erste instants sich mit dem computer zu kommunizieren und auch das beste um richtig programmieren zu lernen,und man hatt den vorteil, das man alles damit machen kann, naja nicht gerade kochen oder dir denn kaffee bringen :D, aber alles programm technisch, aber wie gesagt ist nur meine meinung.

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