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Tik Tok spioniert Nutzer über Zwischenablage millionenfach aus

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Tik Tok hat über Monate hinweg verfolgt, was sich in deiner Zwischenablage befindet. (Foto: Unsplash.com / Kon Karampelas)
geschrieben von Christian Erxleben

Tik Tok hat seine Nutzer im großen Stil ausspioniert. Das hat ein neues Feature in der Beta-Version von iOS 14 offenbart. Angeblich hatte die Firma den Fehler schon im April 2020 behoben. Jetzt zeigt sich: Dem war nicht so. Was können wir noch glauben? Eine Einordnung.

Es ist keine Seltenheit, dass Apps und Dienstleistungen kleine Schwachstellen oder Lücken in Betriebssystemen nutzen, um unbemerkt und unerkannt an persönliche Daten zu gelangen.

Wenn dann jedoch ein Entwickler auf den Missbrauch aufmerksam macht und zugleich mehrere Medien darüber berichten, versucht das betroffene Unternehmen schnell zu beschwichtigen.

Dann wird mit dem neusten Update des Betriebssystems oder einer neuen Version der eigenen App der Fehler öffentlichkeitswirksam entfernt. Für die Nutzer bedeutet das: Die Gefahr ist behoben. Meine Daten sind sicher, auch wenn ich den Dienst weiterhin nutze.

Tik Tok speichert Zwischenablage – trotz gegenteiliger Aussage

Einen solchen Fall hat jetzt der Cybersecurity-Experte Zak Doffman enthüllt. Dabei geht es um Folgendes: Doffman hatte im April 2020 entdeckt, dass Tik Tok – und vermutlich auch andere Anwendungen – unbemerkt die Zwischenablage auf Smartphones ausspionieren.

Das heißt: Wenn sich etwas in deinem Zwischenspeicher befindet – das kann zum Beispiel ein Passwort sein – wird Tik Tok darüber informiert. Wie das konkret aussieht, zeigt beispielsweise Jeremy Burge auf seinem Twitter-Account.

Diese Problematik ist eigentlich bereits seit eigenen Monaten bekannt. Als Grund für die millionenfache Spionage hatte die chinesische Social-Media-App ursprünglich einen Fehler in einem Software Development Kit (SDK) von Google genannt.

Angeblich ist der Fehler dann auch im April 2020 behoben worden. Die Screenshots auf Twitter aus der neuen Beta-Version von iOS 14 zeigen jedoch: Die Aussagen entsprechen wohl nicht der Wahrheit.

Neues Sicherheits-Feature von Apple enthüllt Spionage

Doch wie ist die Spionage überhaupt ans Licht gekommen? Mitte Juni 2020 hatte Apple die Beta-Version seines neuen Betriebssystems iOS 14 vorgestellt. Dabei hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino erneut auch einige neue Sicherheits-Features eingebaut.

Eine dieser Funktionen besteht beispielsweise darin, dass alle Nutzer eine Push-Benachrichtigung auf dem Bildschirm erhalten, sobald eine Anwendung auf die Zwischenablage des iPhones zugreift.

Tik Tok äußert sich gegenüber dem Magazin Forbes dahingehend, dass die Funktion nicht der Spionage dient, sondern um Bots und Spam-artiges Verhalten frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden.

Was können wir Technologie-Konzernen noch glauben?

Jetzt ist es tatsächlich möglich, dass Tik Tok – und auch andere Anwendungen – tatsächlich aufgrund dieser Intention das Verhalten der eigenen Nutzer ausspioniert hat. Dabei stellen sich trotzdem zwei Fragen:

  1. Warum sichert sich Tik Tok den Zugriff auf die Zwischenablage in allen Apps und nicht nur in der eigenen Anwendung?
  2. Wie glaubhaft sind die Aussagen von Technologie-Unternehmen noch, wenn sich einige Monate nach einer Ankündigung herausstellt, dass das alte Verfahren weiterhin praktiziert wird?

Durch die Synchronisierung von mehreren Apple-Geräten war Tik Tok beispielsweise ebenfalls in der Lage, auch deine Zwischenablage auf deinem Macbook einzusehen. Mit dem Update auf iOS 14 ist das soziale Netzwerk jetzt dazu verpflichtet, den Fehler endgültig zu beheben.

Ob und inwieweit das jedoch auch für Android-Nutzer und deren Geräte gilt, ist noch offen. Mit Blick auf den Datenschutz und die Transparenz bleibt nur zu hoffen, dass Tik Tok seinen Nutzern auch hier endlich die Wahrheit sagt.


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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

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