BT

Vivo kommt nach Europa: Brauchen wir noch mehr China-Smartphones?

geschrieben von Nicole Scott

Im Jahr 2020 haben die chinesischen Smartphone-Hersteller den europäischen Markt im Sturm erobert – ganz vorne mit dabei war natürlich Oppo. Aber auch bekannte Marken wie Huawei, Xiaomi und OnePlus haben seit neuestem Ambitionen hinsichtlich des Mainstream-Segments.

Braucht der europäische Markt noch einen chinesischen Smartphone-Hersteller?

Das glaubt zumindest Vivo.

Vivo verkauft seine Produkte schon seit dem Jahr 2009 und ist in Asien sehr bekannt – nicht zuletzt wegen seinen innovativen Smartphones. Vivo war der erste Hersteller mit einem im Display verbauten Fingerabdrucksensor. Auch bei anderen neuartigen Features ist Vivo oft einer der Vorreiter – so auch bei Selfiekameras, die in das Display integriert sind.

In Asien ist Vivo ein Schwergewicht – in Thailand überholte das Unternehmen vor Kurzem sogar Samsung und liegt nun auf dem ersten Platz. Bis zum vergangenen Quartal belegte VivoPlatz fünf, was die weltweiten Umsätze auf dem Smartphone-Markt angeht. Dieser Platz gehört nun jedoch Oppo. Nicht schlecht für einen Hersteller, der sich bisher kaum auf den westlichen Markt konzentriert hat.

Warum der Weg nach Europa?

Es gibt einige Gründe, weshalb sich chinesische Hersteller nach neuen Märkten umsehen. Im Rahmen des Wechsels zu 5G können sie beispielsweise von ihren Erfahrungen profitieren, diesie bisher auf dem heimischen Markt gesammelt haben. Außerdem ist Huawei auf dem chinesischen Markt ein größerer Konkurrent als je zuvor, seitdem der Hersteller keine Google-Dienste mehr anbieten kann – in China liegt der Marktanteil von Huawei mittlerweile bei 44 %.

Mit der Veröffentlichung des Vivo X51 möchte sich der Hersteller auf langfristiges Wachstum konzentrieren – es geht also nicht um Markttrends, sondern um eine gut durchdachte Expansion. Leider machte die Coronakrise Vivo einen kleinen Strich durch die Rechnung, so wurde das Vivo Apex 2020 nicht wie geplant für den europäischen Markt veröffentlicht.

Im Gegensatz zu Oppo hat es Vivo nicht eilig, in den europäischen Markt vorzudringen. Als auf der MWC das Apex vorgestellt wurde, veröffentlichte Oppo das Find X2 Pro – ein meinerMeinung nach tolles Smartphone, das anfangs aber sehr überteuert war. Vivo hat es bisher geschafft, die Fehler der Konkurrenz zu vermeiden.

Vivo möchte einen guten ersten Eindruck hinterlassen.

Im Zuge der Coronakrise hat sich einiges verändert. Produktveröffentlichungen laufen nun anders ab und neben der wirtschaftlichen Lage hat sich auch das Konsumverhalten der Menschen geändert.

Smartphone-Hersteller werden in naher Zukunft große Rückgänge verzeichnen. Laut der International Data Cooperation wird der Smartphone-Markt 2020 insgesamt um 2,3 % schrumpfen. Im ersten Quartal schrumpfte der Markt sogar um ganze 13,3 % – und jetzt, da die zweite Welle auf uns zurollt könnte auch das vierte Quartal eine Herausforderung darstellen.

Viele Menschen in Europa sind durch die Coronakrise arbeitslos geworden oder verdienen nun weniger als zuvor. Auch das wird sich auf dem Smartphone-Markt widerspiegeln. Natürlich wird der Markt nicht komplett einbrechen, doch viele Verbraucher werden ihre alten Geräte länger verwenden als sonst.

Der europäische Smartphone-Markt wuchs im vergangenen Jahr zwar schneller als jeder andere Markt, doch Europa ist weniger dynamisch als China oder Indien – das wird vor allem weniger etablierte Hersteller wie Vivo vor eine Herausforderung stellen.

Wie sieht die Strategie von Vivo aus?

Vivo ist dafür bekannt, in Sachen neuester Features an vorderster Front zu stehen. Der Hersteller möchte auch weiterhin innovative Produkte auf den Markt bringen, die Nutzern einen echten Mehrwert bieten. Das wird vor allem jetzt anhand des Vivo X51 deutlich – das X51 basiert auf sinnvollen Iterationen und nützlichen Innovationen.

Was bedeutet das?
Sehen wir uns das Vivo X51 einmal genauer an.

Das Gerät hat einiges zu bieten. Zwar wurde mir das Testgerät erst vor einigen Tagen zugeschickt, doch schon jetzt ist klar, dass sich das X51 nicht vor der Konkurrenz verstecken muss.

  • Im Display steckt ein großartiges 90-Hz-Panel von Samsung, das sich problemlos mit den Displays aktueller Flagship-Modelle messen kann
  • Die Kamera steckt voller Features – einige mehr und andere weniger nützlich – wie beispielsweise einem Assistenten, der euch bei der Bildkomposition hilft.
  • Die Gimbal-Stabilisierung ist alles andere als ein Gimmick. Das Feature bietet tatsächlich einige Vorteile.
    • Stabile Aufnahmen in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde (bei diesen Einstellungen ist die Stabilisierung bei vielen anderen Smartphones deaktiviert). Die Videos sehen großartig aus und das Aufnehmen macht Spaß.

  • Im Nachtmodus sind weniger Software-Anpassungen notwendig, da kleinere Ruckler ausgeglichen werden und so keinen Einfluss auf die Bildqualität haben.
  • Ihr könnt auswählen, ob der Autofokus automatisch auf das linke oder rechte Auge fokussieren soll – aber auch der Körper sowie automatisches Tracking zählen zu den Optionen.
  • 60-facher Zoom und Weitwinkel – warum nicht beides?
  • Der „Night Backlight”-Porträtmodus macht auch bei wenig Licht gute Fotos

Audio

  • Bei Audioaufnahmen oder Anrufen erkennt das Smartphone, aus welcher Richtung eure Stimme kommt und verstärkt sie. Mikrofonqualität und Lautstärke sind sehr gut. Im Gegensatz dazu sind Audioaufnahmen beim Samsung Galaxy Note 20 Ultra nicht nur deutlicher leiser sondern auch stärker verrauscht – mit dem Vivo aufgenommenes Audio lässt sich problemlos unbearbeitet hochladen.
  • Sehr guter HiFi-Chip – ideal für alle, die ihre Kopfhörer nicht über USB-C anschließen möchten.

Design

  • Die Rückseite ist kein Fingerabdruckmagnet; das Gerät ist sehr dünn und trotz des Teleobjektivs ist das Kameramodul äußerst flach
  • Großartiges 90-Hz-Panel von Samsung – genauso gut wie bei aktuellen Flagship-Modellen
  • Funtouch OS: Das Betriebssystem läuft super flüssig und fühlt sich angenehm wie Stock-Android an – es bietet jedoch viele tolle Features, die beispielsweise beim Pixel fehlen. Überraschend gut!

Performance – hier konnte ich bisher noch keine Probleme fesPerformance – hier konnte ich bisher noch keine Probleme feststellen. Das Bearbeiten von 4K@60FPS-Videos könnte sich als schwierig gestalten, alles andere funktioniert aber problemlos – auch aktuelle Games. Die Liquid-Cooling-Technologie sorgt außerdem dafür, dass das Gerät gut gekühlt bleibt.tstellen. Das Bearbeiten von 4K@60FPS-Videos könnte sich als schwierig gestalten, alles andere funktioniert aber problemlos – auch aktuelle Games. Die Liquid-Cooling-Technologie sorgt außerdem dafür, dass das Gerät gut gekühlt bleibt.

Die Frage ist aber: Kann Innovation allein den europäischen Markt erobern?

Es besteht kein Zweifel, dass das Vivo X51 ein tolles Gesamtpaket darstellt – unter anderem bietet es eine gute Kamera, ein großartiges Display und ein schönes Design, das gut in der Hand liegt. Doch 2020 hat sich als äußerst schwieriges Jahr entpuppt – das X51 zu Beginn derCoronakrise auf den Markt zu bringen wäre definitiv ein Fehler gewesen. Doch nun sieht sich Vivo einer anderen Herausforderung gegenüber: Viele Smartphone-Hersteller versuchen mittlerweile, sich beim Preis gegenseitig zu unterbieten.

Vivo hat sich jedoch dafür entschieden, diesen Trend zu ignorieren – denn die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das auf lange Sicht keine gute Strategie ist. Wir sind gespannt, was Vivo mit der Y-Serie als Nächstes auf den Markt bringen wird.

Innovative High-End-Smartphones auf den Markt zu bringen und innovative Features Stück für Stück in das Mittelklasse-Segment zu übertragen ist erwiesenermaßen ein guter Weg, um sich Marktanteile zu sichern. Innovation schafft Vertrauen, vor allem was den Verkauf von Mittelklasse-Smartphones angeht.

Wir hoffen, dass auch die Mittelklasse-Smartphones von Vivo in einem konkurrenzfähigen Preisbereich liegen – vielleicht sogar noch mehr als das Vivo X51.

Werbung


Über den Autor

Nicole Scott