Technologie

„Die Kunst des digitalen Lebens“: Wie du die digitale Informationsflut meisterst

Die Kunst des digitalen Lebens, Rolf Dobelli
Carsten Lexa hat "Die Kunst des digitalen Lebens" von Rolf Dobelli gelesen.
geschrieben von Carsten Lexa

Täglich prasseln Tausende Nachrichten auf uns ein – und es werden immer mehr. Wie geht man am besten damit um? Wie unterscheidet man wichtige von unwichtigen Nachrichten? Rolf Dobelli bietet in seinem Buch „Die Kunst des digitalen Lebens“ eine radikale Antwort. Eine Rezension.

Zu viele Nachrichten

Jeder kennt dieses Problem: Jeden Tag passiert unheimlich viel. Nachrichten über Nachrichten gehen um die Welt und verlangen vermeintlich unsere Aufmerksamkeit. Und wenn es besonders wichtig ist, sind diese Nachrichten sogar noch „Breaking News“.

Dennoch fühlen sich immer mehr Menschen nicht ausreichend informiert. Und das ist im Grunde eine komische Situation. Einerseits ist es uns möglich, uns sofort über alles zu informieren. Andererseits fühlt man sich uninformiert.


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Rolf Dobelli, Autor der Bücher „Die Kunst des klaren Denkens“ und „Die Kunst des klaren Handelns“ sowie „Die Kunst des guten Lebens“, geht in dem im September des letzten Jahres erschienen Buch* „Die Kunst des digitalen Lebens“ der Frage nach, warum wir bestens informiert sind und doch so wenig wissen.

Nachrichten als Häppchen

Seine Antwort ist dabei klar: Wir betrügen uns selbst. Denn die Informationen, die wir aufnehmen, sind lediglich Häppchen. Also Brocken an Nachrichten, denen die Hintergründe und Zusammenhänge fehlen. Darüber hinaus sind die meisten Informationen für uns und unser Leben irrelevant.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wie man mit dieser Situation umgehen sollte. Die Antwort von Dobelli ist einfach und radikal: Wir müssen auf News verzichten! Ich weiß jetzt natürlich, was du jetzt denkst: „Das geht doch gar nicht. Dann weiß ich ja gar nicht mehr, was überall los ist!“

Und genau hier setzt Dobelli an. In rund zwei Dutzend Kapiteln bringt er Argumente, die für seine These sprechen – nämlich dass wir News nicht brauchen. Viele dieser Argumente hängen dabei damit zusammen, was News mit uns machen und wie sich News auf uns und unsere Psyche auswirken.

An dieser Stelle noch ein Hinweis: Mit News meint Dobelli nicht die gut recherchierten Hintergrundberichte, die die Probleme der Welt erklären. Sondern er meint die schnellen Nachrichtenbrocken, die Situationen und Ereignisse verkürzt und singulär darstellen und vermeintlich einfache Lösungen aufzeigen.

Nachrichten haben negative Auswirkungen

Besonders fasziniert haben mich dabei die Kapitel, in denen es um unsere gedanklichen Irrtümer geht – zum Beispiel die Verstärkungen des „Hindsight Bias“ (der sogenannte Rückschaufehler) oder des „Availabilitiy Bias“ (Verfügbarkeitsfehler).

Denn Nachrichten werden von uns interpretiert – und innerhalb dieser Interpretationen unterliegen wir eben vielen Irrtümern, die uns aber gar nicht bewusst sind.

Aber auch die Kapitel, in denen Dobelli über die Auswirkungen von Nachrichten auf unser Denken schreibt, bleiben im Gedächtnis.

Ich glaube das liegt insbesondere daran, dass wir oftmals selbst das unbestimmte Gefühl haben, dass die permanente Nachrichtenflut, die selbst oft Gegenstand von Nachrichten ist, negative Auswirkungen auf uns haben. In Dobellis Buch bekommt dieses Gefühl die argumentative Unterfütterung.

Und dann gibt es noch das Kapitel „News lassen den Meinungsvulkan brodeln“. Vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie bekommt dieses Kapitel eine gewaltige Aktualität.

Wir glauben, wir wüssten einerseits, worüber wir reden. Andererseits meinen wir, zu allem auch etwas sagen zu müssen. Dobelli räumt mit diesen Ansichten auf: Wir haben oftmals keine Ahnung und unsere Meinungen sind deshalb regelmäßig überhaupt nicht wichtig. Wir können dies jedoch nur sehr schwer akzeptieren.

Mehr Tiefe

Dobellis Buch liest sich sehr angenehm und schnell. Die einzelnen Kapitel sind übersichtlich. Und für das wiederholte Lesen, wozu Dobelli rät, gibt es am Ende sogenannte „Take-aways“ mit einer Zusammenfassung des Inhalts.

Wer sich noch tiefer mit den Argumenten beschäftigen möchte, für den gibt es am Ende des Buches rund 30 Seiten mit weitergehenden Ausführungen.

Ist das Buch nun eine klare Empfehlung? Meine Antwort lautet: Ja, ich empfehle das Buch als Lektüre. Allerdings ist gerade die Übersichtlichkeit in meinen Augen der Kritikpunkt.

Denn zum einen ist die Lösung der Problems mit dem „News Overload“ für Dobelli klar: Keine Nachrichten mehr konsumieren. Er selbst liest diese angeblich schon seit Jahren nicht mehr.

Ob diese Antwort aber für ein Buch ausreicht, das muss jeder selbst für sich beantworten. Ich finde, dass sich das Buch an einigen Stellen wiederholt, ohne wirklich Neues zu bringen.

Zum anderen führt die Übersichtlichkeit der einzelnen Kapitel zumindest bei mir dazu, dass ich an einigen Stellen gerne mehr Informationen gehabt hätte. Auch der Blick in den Anhang am Ende des Buches hilft dabei nicht immer weiter, weil Dobelli zwar dann die Quellen für seine Argumente angibt, diese aber nicht ausführt.

Das Fazit zu „Die Kunst des digitalen Lebens“

Mein Fazit ist deshalb klar: Das Buch ist ein guter Ausgangspunkt zum Nachdenken über Nachrichten und welche Wirkung diese auf uns haben. Vieles, worüber Dobelli schreibt, bestätigt unser diffuses Gefühl im Hinblick auf die Probleme mit der täglichen Nachrichtenflut.

Jedoch hätte man aus dem Thema mehr machen können. Teilweise bleibt man als Leser unbefriedigt zurück.

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

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