Wirtschaft

Biden oder Trump: Wer wäre besser für die US-Wirtschaft?

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Biden oder Trump: Wer ist besser für die US-Wirtschaft? (Foto: Pixabay.com / Gerd Altmann)
geschrieben von Marinela Potor

Joe Biden und Donald Trump stehen sich derzeit im US-Präsidentschaftswahlkampf gegenüber. Ihre Visionen für das Land sind dabei sehr unterschiedlich – auch für die Wirtschaft. Wir schauen uns genauer an, was ein jeweiliger Wahlsieg für die US-Wirtschaft bedeuten könnte. 

Am 3. November 2020 wählen die US-Amerikaner ihren Präsidenten. Sowohl der amtierende Präsident Donald Trump (Republikaner) als auch Herausforderer Joe Biden (Demokrat) haben im Laufe des Wahlkampfs ihre verschiedenen Wirtschaftspläne vorgelegt.

Sie lesen sich sehr unterschiedlich. Wie würden sie sich aber jeweils auf die US-Wirtschaft auswirken?


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Das Wirtschaftsprogramm von Donald Trump

Donald Trump hat im Wahlkampf deutlich gemacht, dass er seine letzten vier Jahre als US-Präsident auch als wirtschaftlichen Erfolg für das Land sieht, womit er aber nur teilweise recht hat. Dennoch ist davon auszugehen, dass er an seiner aktuellen Wirtschaftspolitik nicht viel ändern wird.

Steuern

Trump hat in seiner Amtszeit Steuern gesenkt, vor allem für große Konzerne, aber auch für den Mittelstand. Einige dieser Steuererleichterungen für die Mittelschicht sind aber nur temporär angesetzt, sodass sie spätestens im kommenden Jahr die Haushalte wieder belasten.

Große Konzerne haben wiederum finanziell auch davon profitiert, dass Trump viele Regulierungen (zum Beispiel zu Feuer- oder Umweltschutz) aufgehoben hat.

Künftig will Trump es Unternehmen ermöglichen, mehr Ausgaben steuerlich absetzen zu können. Zudem es soll auch Steuererleichterungen für Produkte „Made in America“ geben. Unternehmen, die ihre Produktion in die USA zurückführen sollen ebenfalls von finanziellen Vorteilen profitieren können.

Trump möchte darüber hinaus Regierungsausgaben oder -unterstützungen kürzen, insbesondere im Gesundheitswesen – aber auch im sozialen Bereich, etwa bei der Arbeitslosenhilfe oder bei der Studienfinanzierung.

Industrie

Trump wollte in seiner Amtszeit ganz bewusst traditionelle US-Industrien wie Kohle, Stahl und Öl stärken. Das ist ihm teilweise durch den Ausstieg aus verschiedenen Handelsabkommen gelungen.

Hier gibt es aber auch gegensätzliche internationale Bewegungen, vor allem durch den Klimawandel bedingt, gegen die auch Trump nicht viel ausrichten kann – und die natürlich auch die US-Wirtschaft betreffen.

Das Wirtschaftsprogramm von Joe Biden

Joe Biden wiederum verspricht die Mittelschicht zu stärken und durch verstärkte Staatsausgaben, die Wirtschaft anzustoßen.

Steuern

Biden hat sich klar für Steuererhöhungen ausgesprochen – allerdings vorwiegend für Konzerne mit Millionenumsätzen sowie für Großverdiener. Generell würde der maximale Steuersatz von derzeit 37 Prozent auf 39,6 Prozent erhöht werden und die Körperschaftssteuer von derzeit 21 Prozent auf 28 Prozent.

Jeder, der mehr als 400.000 US-Dollar im Jahr verdient, soll zudem höhere Sozialabgaben zahlen. Auch ausländische Tochtergesellschaften von US-Unternehmen sollen künftig eine doppelt so hohe Gewinnsteuer bezahlen.

Die Regulierungen, die Trump aufgehoben hat, würde eine Biden-Administration höchstwahrscheinlich wieder einführen. Der Fokus liegt also vor allem darauf, umsatzstarke Unternehmen und Großverdiener stärker zu besteuern.

Mit diesem Geld möchte Biden wiederum verschiedene staatliche Dienste fördern, wie etwa staatliche Bildungsinstitute, Sozialwohnungen, Gesundheitsdienste oder auch in den Ausbau erneuerbarer Energien sowie in wissenschaftliche Forschung und Entwicklung investieren.

Auch will er dafür sorgen, dass die Regierung verstärkt wieder Produkte und Dienstleistungen „Made in America“ bezieht.

Internationaler Handel

Unter der Obama-Administration waren die Demokraten starke Vertreter freier Handelsabkommen. Davon ist die Partei mittlerweile etwas abgekommen, sodass man hier auch nicht davon ausgehen kann, dass Joe Biden sämtliche Handelsabkommen wieder so herstellt, wie sie vor Trump existierten.

Vermutlich würde sich das Land wieder stärker in die Weltwirtschaftsorganisation eingliedern und auch zurück in das Pariser Abkommen kehren. Doch mit China würde Joe Biden wahrscheinlich versuchen ein neues – etwas multilaterales – Abkommen zu verhandeln, aber sicherlich auch hier strikter sein als Obama es war.

Bildung

Die Pläne in der Bildungspolitik von Biden sind deshalb interessant, weil sie sich langfristig auf den Arbeitsmarkt auswirken könnten. Biden möchte hier die Community Colleges sowie die staatlichen Universitäten stärken.

Community Colleges bieten jungen Menschen eine kostengünstige Möglichkeit, um ins qualifizierte Berufsleben, aber auch ins Universitätssystem einzusteigen. Die Community Colleges erreichen vor allem sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen.

Wären beide Optionen günstiger oder sogar gratis, würden damit noch mehr junge Schulabsolventen die Chance auf einen höheren Bildungsabschluss haben und somit besseren Zugang zum Arbeitsmarkt sowie zu besser bezahlten Jobs.

Biden oder Trump: Wie würde die US-Wirtschaft reagieren?

Was genau würde es also langfristig für die US-Wirtschaft bedeuten, wenn Biden Präsident wird – und was, wenn Trump wiedergewählt wird?

Dazu muss man zunächst einschränkend sagen, dass kein US-Präsident allein Gesetzte macht. Diese werden im US-Kongress abgesegnet, der aus zwei Kammern besteht: dem Repräsentantenhaus sowie dem Senat.

Wie viele wirtschaftliche Maßnahmen der jeweilige Präsident durchsetzen kann, hängt also auch davon ab, welche Partei die Mehrheit im Kongress hält. Aktuell ist es so, dass die Republikaner die Mehrheit im Senat halten und die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben.

Theoretisch gibt es vier mögliche Szenarien für eine künftige Machtverteilung. Moody’s Analytics, ein Institut für Finanzanalysen mit Sitz in New York, hat diese und die jeweiligen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft im Einzelnen verglichen.

Das erste Szenario (40 Prozent Wahrscheinlichkeit) sieht einen Wahlsieg von Joe Biden vor, wobei die Machtverhältnisse im Kongress sich nicht verändern.

Das zweite Szenario (35 Prozent Wahrscheinlichkeit) sieht einen Wahlsieg von Donald Trump vor und die Machtverteilung im Kongress bleibt gleich.

Das dritte Szenario (20 Prozent Wahrscheinlichkeit) setzt einen Wahlsieg von Joe Biden voraus und die komplette Kontrolle der Demokraten im Kongress.

Das vierte Szenario wiederum (fünf Prozent Wahrscheinlichkeit) geht von einem Wahlsieg von Trump aus und einem republikanisch dominierten Kongress aus.

Um besser vergleichen zu können, welche Auswirkungen die jeweiligen Wirtschaftspläne haben, haben wir uns einmal das rein demokratische Szenario und das rein republikanische Szenario angeschaut.

Denn hier wäre davon auszugehen, dass sowohl Biden als auch Trump ihre Pläne am ehesten in Reinform durchsetzen könnten. Moody’s Analytics rechnet dabei folgende Parameter für die Wirtschaft von 2020 bis 2030 durch.

Republikanisches Szenario mit Donald Trump

Unter den Republikaner würde sich die US-Wirtschaft folgendermaßen entwickeln.

  • Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) würde im jährlichen Durchschnitt um 2,4 Prozent wachsen.
  • Die Arbeitslosenquote läge im Schnitt bei 5,6 Prozent (derzeit: 7,9 Prozent)
  • Das verfügbare Haushaltseinkommen würde im Schnitt um 0,7 Prozent steigen.
  • Unternehmensgewinne würden bei 5,3 Milliarden US-Dollar liegen.
  • Die Schulden lägen bei über 2,1 Billionen US-Dollar.
  • Die steuerlichen Staatseinnahmen würden bei 1,8 Billionen US-Dollar liegen.

Demokratisches Szenario mit Joe Biden

Unter den Demokraten wären folgende wirtschaftliche Auswirkungen zu erwarten, sagt Moody’s Analytics:

  • Das BIP würde im jährlichen Durchschnitt um 2,9 Prozent wachsen.
  • Die Arbeitslosenquote läge im Schnitt bei 4,7 Prozent.
  • Das verfügbare Haushaltseinkommen würde im Schnitt um 0,9 Prozent steigen.
  • Unternehmensgewinne lägen bei 5,5 Milliarden US-Dollar.
  • Die Staatschulden würden 2,2 Billionen US-Dollar übersteigen.
  • Die Staatseinnahmen aus Steuern lägen bei rund vier Billionen US-Dollar.

Die Realität liegt irgendwo dazwischen

Demnach wäre also Joe Bidens Wirtschaftsprogramm langfristig besser für die US-Wirtschaft. Diese Einschätzung teilen auch andere Wirtschaftsexperten.

Wahrscheinlich wird sich die Realität irgendwo dazwischen abspielen.

Doch mit all der Hoffnung und Bedeutung, die man in die Präsidentschaftskandidaten steckt, sollte man nicht vergessen, dass es nicht der US-Präsident allein ist, der die Wirtschaft im Land lenkt.

Darüber hinaus spielen viele globale Faktoren eine große Rolle. Manchmal ist diese Rolle sogar so groß – wie wir derzeit mit dem Coronavirus sehen – dass sie einen viel größeren Einfluss auf unsere Wirtschaft haben können als ein Staatsführer oder eine Staatsführerin allein.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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