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Wie die Copyright-Probleme von Twitch die Streaming-Plattform verändern

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Twitch muss dringend Lösungen für seine Copyright-Probleme finden. (Foto: Unsplash.com / Caspar Camille Rubin)
geschrieben von Vivien Stellmach

Die Musikbranche hat die Streaming-Plattform Twitch aufgrund von Copyright-Problemen gezwungen, wöchentlich Tausende Beiträge zu löschen – und das seit Mai 2020. Doch was ist überhaupt passiert? Wir sehen uns an, wie es um das Copyright bei Twitch bestellt ist.

Bei der Streaming-Plattform Twitch sind in den vergangenen Monaten Tausende Urheberrechtsbeschwerden aus der Musikbranche eingegangen. Viele Streamer lassen während ihrer Aufnahmen im Hintergrund geschützte Musik laufen, ohne die entsprechende Lizenz oder Erlaubnis zu besitzen.

Bis Mai 2020 waren es weniger als 50 Copyright-Beschwerden pro Jahr. Doch seitdem soll die Anzahl an Verstößen laut eigenen Informationen auf Tausende pro Woche angestiegen sein.


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Twitch musste deshalb durchgreifen und Tausende Inhalte von der Streaming-Plattform löschen und Accounts deaktivieren. Auf Twitter sprachen Streamer von einem regelrechten „Blutbad“.

Copyright bei Twitch: Streaming-Plattform sendet E-Mail an Streamer

Am 20. Oktober 2020 verschickte die Streaming-Plattform eine E-Mail, in der sie betroffene Streamer darüber informierte, dass einige Videos und sonstige Inhalte von ihnen gelöscht wurden.

Twitch wies die Nutzer darauf hin, dass sie bis zum 23. Oktober 2020 auch alle Videos löschen müssen, die nicht automatisch erfasst wurden. Ansonsten winken sogenannte Strikes für jede Beschwerde – bei drei Strikes wird dann der ganze Kanal gesperrt.

Laut Ars Technica warfen Kritiker Twitch dabei vor, weder eine Stellungnahme abgegeben noch angegeben zu haben, welche Inhalte konkret betroffen waren. Somit konnten Streamer nicht nachvollziehen, in welchen Videos genau sie aus welchen Gründen gegen das Urheberrecht verstoßen hatten.

Einige Nutzer beschwerten sich sogar, dass auch Inhalte gelöscht worden seien, in denen lizenzfreie Musik, Soundtracks oder sogar Geräusche aus dem Spiel im Hintergrund liefen.

Viele Streamer sind deshalb empört darüber, dass die harten Copyright-Regeln gerade auf der Streaming-Plattform durchgesetzt werden.

Streamer protestieren unter dem Hashtag #DMCAsoundoff

Twitch selbst empfiehlt Streamern aktuell nur, den Sound während einer Aufnahme stumm zu schalten – so würden sie kein Risiko eingehen, das Urheberrecht zu verletzen.

Das ist natürlich keine befriedigende Lösung. So protestieren zahlreiche Nutzer unter dem Hashtag #DMCAsoundoff auch gegen die Maßnahmen.

Es handelt sich dabei um eine Art stummen Protest. Die Streamer teilen nämlich Videos, in denen sie wirklich komplett ohne Ton Videospiele spielen – und das wird zum Nachteil für Twitch. Das Virtual-Reality-Musikspiel „Beat Saber“ wirkt ohne Sound zum Beispiel um einiges langweiliger, wie ein Nutzer auf Twitter zeigt.

Und da wie erwähnt auch Soundtracks zum Problem werden können, präsentiert ein weiterer Streamer das Horror-Videospiel „Resident Evil 2“ ganz ohne Ton. „Hier ist die Zukunft von Twitch“, schreibt er ebenfalls auf Twitter.

Copyright bei Twitch: Verdirbt DMCA die Plattform?

DMCA ist die Abkürzung für „Digital Millennium Copyright Act“, das US-amerikanische Copyright-Gesetz, welches die Urheberrechte von Musikern und Co. regelt.

In seinem jüngsten Blog-Post vom 11. November 2020 hat Twitch selbst erklärt, dass das plötzliche „Blutbad“ unfair gegenüber seinen Streamern sei.

„Creators, wir hören euch“, schreiben die Betreiber der Plattform. „Eure Frustration und Verwirrung über die jüngsten Copyright-Probleme mit der Musik sind vollkommen gerechtfertigt. Die Dinge könnten – und sollten – für Creators besser sein, als sie in letzter Zeit waren.“

Die Plattform sei von den zahlreichen Beschwerden selbst überrascht worden. Im Moment gebe es für Streamer auch keine andere Möglichkeit, als geschützte Musik und Töne aus den eigenen Videos zu verbannen.

Gerade das Twitter-Video von „Resident Evil 2“ zeigt, dass das Copyright bei Twitch so, wie es aktuell ist, die Plattform verderben könnte – wenn Twitch nicht etwas dagegen unternimmt.

Laut eigenen Angaben verhandelt das Unternehmen immerhin bereits mit großen Musiklabels über mögliche Lizenz-Regelungen. Wie es wirklich weitergeht, können wir aber nur abwarten.

Streamer müssen Archive durchwühlen und alte Clips löschen

Streamer müssen laut DMCA nicht nur auf neue Inhalte achten. Die meisten Beschwerden sind nämlich für alte Clips eingegangen.

Der US-amerikanische Fernsehsender CNN hatte auch schon vor einigen Monaten berichtet, dass der Lobbyverband der US-amerikanischen Musikindustrie RIAA im Juni 2020 mehr als 1.800 DMCA-Anzeigen an Twitch geschickt habe.

Das bedeutet, Kanal-Betreiber müssen ihre Archive durchwühlen und alte Clips löschen, wenn sie nicht in Gefahr geraten wollen, ihren Kanal zu verlieren. Twitch will seinen Streamern deshalb neue Tools zur Verfügung stellen, um ihre Inhalte leichter zu kontrollieren und zu löschen.

Inzwischen können Nutzer zum Beispiel mehrere Videos auf einmal löschen. Das war früher nicht so einfach möglich. Außerdem können Streamer mit dem Tool „Audible Magic“ erstellte Clips scannen und Stellen mit geschützter Musik erkennen, um diese gleich zu löschen.

Twitch merkt allerdings an, dass das Tool nicht hundertprozentig jeden Clip mit geschützter Musik erkennt. Nutzer stehen deshalb unabhängig von „Audible Magic“ selbst in der Verantwortung, nur zugelassene Musik zu verwenden.

Das Tool „Soundtrack by Twitch“ bietet ihnen beispielsweise die Möglichkeit, auf eine Bibliothek aus für Streams zugelassenen Sounds zuzugreifen.

Copyright bei Twitch: Wie sieht die Zukunft aus?

Aktuell sieht die Zukunft bei Twitch ungewiss aus. Für viele Menschen ist es zwar eine angenehme Freizeitbeschäftigung geworden, anderen Streamern beim Spielen zuzusehen.

Doch ohne entsprechende Soundeffekte dürften viele den Spaß daran verlieren – immerhin erscheinen viele Spiele stumm nicht nur viel langweiliger. Manche Games – beispielsweise aus der Kategorie „Musikspiele“ – funktionieren ohne Sound schlichtweg überhaupt nicht.

Demnach dürften Nutzer weniger Zeit damit verbringen, Twitch-Inhalte zu konsumieren – und das hat natürlich sowohl für die Streamer als auch für Twitch selbst negative Konsequenzen. Die Plattform macht sich uninteressant, wenn sich nichts ändert.

Wir können deshalb nur abwarten, ob Twitch in naher Zukunft Lizenzen kauft oder andere Regelungen trifft. Fest steht, dass die Plattform so schnell wie möglich eine Lösung finden muss – sonst droht ihr ein freier Fall.

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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin bei BASIC thinking. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

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