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Twitch unter der Lupe: Spielst du noch oder streamst du schon?

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Lars Stark hat sich mit Twitch beschäftigt. (Foto: Pixabay.com / raphaelsilva)
geschrieben von Lars Stark

Twitch ist der aufstrebende Star unter den digitalen Plattformen und sozialen Netzwerken. Die Streamer verdienen bereits Millionen und auch für Werbungtreibende ist der Kanal sehr spannend. Eine ausführliche Analyse.

Was ist Twitch eigentlich?

Live-Events schweißen zusammen. Egal ob Fußball, Olympia oder ein Online-Game: Es ist spannend, dem Sieg eines bestimmten Athleten oder eines Teams entgegen zu fiebern.

Die Faszination für Live-Events liegt in unserer DNA. Denn neben einer gesunden Portion Voyeurismus lieben wir den Austausch mit anderen, die die gleiche Begeisterung teilen. Wer liebt es nicht, die Euphorie mit Gleichgesinnten auszutauschen oder sich gemeinsam nach einer Niederlage aufzuheitern?

Genau diesem Phänomen widmet sich Twitch und stellt nunmehr die größte Plattform für Live-Streaming im Gaming-Sektor zur Verfügung.

Die Plattform – 2011 gegründet – wuchs dank des technischen Know-hows und durch den Aufkauf durch Amazon rasant. Aktuell zählt die Streaming-Plattform 15 Millionen aktive Nutzer täglich und über zwei Millionen Creator insgesamt.

Warum ist die Plattform so erfolgreich?

Twitch ist also die beliebteste Streaming-Plattform für Gaming weltweit und schafft es ohne Hochglanz ein besonders starkes Community-Gefühl für Millennials aufzubauen.

Das gelingt dem Unternehmen nicht zuletzt durch die authentischen, ungefilterten Streams, in denen Spielfehler oder ehrliche Emotionen sofort spürbar werden. Zudem veranstaltet Twitch Events abseits der heimischen Bildschirme.

Die Kommunikation und Bindung zwischen Streamer und Viewer ist dort sehr direkt, da der Zuschauer den Streamer sehen, hören und sogar mit ihm via Chat kommunizieren kann.

Twitch oder YouTube Gaming: Wer hat die Nase vorn?

Twitch und YouTube Gaming, das bereits 2015 gelauncht wurde, bieten Streamern und Viewern das gleiche Erlebnis. Trotzdem gibt es diverse Unterschiede. Hier ein paar wesentliche zusammengefasst:

  • Twitch bietet höhere Zuschauerzahlen.
  • Für Nutzer bietet die Plattform mehr gestreamten Content.
  • Außerdem verfügt Twitch über eine detaillierte Suchfunktion.
  • Twitch kann über mehrere Plattformen gestreamt werden – zum Beispiel via Fire TV und Kindle.
  • Twitch bietet unkompliziertes Teilen kurzer Videoschnipsel.
  • Für Streamer findet sich auf Twitch mehr Konkurrenz.
  • Das Zurückspulen auf Twitch ist im laufenden Stream nicht möglich.

Beide Plattformen arbeiten an stetigen Neuerungen. So wollen sie noch mehr Fans generieren und vor allem die durchschnittlichen Gesamt-Streams steigern.

Ein Beispiel dafür ist die neue „Featured Section“ auf der Twitch Homepage, in der eine Reihe von neuen Themenbereichen ausgerollt werden. Dazu gehören beispielsweise aufstrebende Streamer, neue Partner und Affiliates oder lokale Streamer für den Zuschauer.

Beide Plattformen machen vieles richtig. Aber YouTube Gaming kann dem Konkurrenten aktuell nicht das Wasser oder besser gesagt den Controller reichen. Mit derzeit mehr als einer Million Zuschauern zum selben Zeitpunkt verzeichnet Twitch mehr als dreimal so viel, wie YouTube Gaming.

Die Monetarisierung von Content auf Twitch

Für Streamer kann aus dem Hobby auch sehr schnell ein Vollzeit-Job werden. Wie können sie daraus Kapital schlagen? Zum Beispiel indem sie durch Spenden, Werbung, Abos, Sponsoren-Verträge und den Verkauf von Merchandise-Artikeln Geld verdienen.

Disguised Toast, einer der Top-Streamer mit durchschnittlich 10.000 Zuschauern auf Twitch, verdient mehrere Zehntausend US-Dollar pro Monat. Laut eigenen Angaben gelingt ihm das so:

  • Im Schnitt verdient er 2.500 US-Dollar pro Monat durch Spenden. Diese kommen zum Beispiel durch Kreditkartentransaktionen oder Cheering Bits. Das sind Emoticons, die via Chat direkt an den Streamer gehen.
  • Über selbstgewählte Pre-Roll-Ads verdient er zirka 4.000 US-Dollar monatlich. Während seiner Streams hat er keine Werbung aktiviert.
  • Durch seine Abonnenten nimmt er im Monat ungefähr 14.000 US-Dollar ein. Die fünf US-Dollar oder Euro pro Abo werden zwischen Twitch und dem Streamer halbiert. Von dieser Regel ausgenommen sind Top-Streamer. Diese erhalten 70 Prozent der Abonnenten-Einnahmen.
  • In einem Sponsored Stream spielt Disguised Toast ein mit einem Sponsor vereinbartes Spiel und verdient so pro Stunde zwischen 1.000 und 10.000 US-Dollar. Der Stundenlohn variiert pro Zuschauer und beträgt zwischen einem Cent und einem US-Dollar.
  • Bei Live-Events wird sein Erscheinen mit 5.000 bis 10.000 US-Dollar vergütet. Tweets und Instagram-Posts sind in der Regel in den Sponsoren-Deals enthalten.
  • Zum Verkauf von Merchandise-Artikeln liegen keine Angaben vor.

Doch auch der einzelne Zuschauer oder gar eine ganze Community können belohnt werden. Das geht etwa, indem Streamer besonders loyale Zuschauer mit einem kostenlosen Abo versehen oder hohe Geldgeschenke an einzelne Nutzer oder gar eine ganze Community auszahlen.

Durch den Austausch untereinander und die finanzielle Unterstützung findet ein Community-Bonding sondergleichen statt.

Drake und Co. brechen Zuschauerrekord 2018

Fortnite, eines der wohl aktuell beliebtesten Games, spielen derzeit 45 Millionen Fans weltweit. Der Rapper, R&B-Sänger und Schauspieler Drake ist einer von ihnen. Er und drei seiner Freunde brachen letztes Jahr den Twitch-Streaming-Rekord.

Drake, Travis Scott, NFL-Nachwuchstalent Juju Smith-Schuster und Livestreaming-Superstar Ninja streamten als Super Squad eine Stunde lang Fortnite und stellten gemeinsam ihr Können unter Beweis.

Alle vier Gamer kommen zusammen auf über 82 Millionen Instagram-Follower. So ist es nicht verwunderlich, dass 600.000 Fans das Spektakel auf Twitch verfolgten und sich freuten, Drake neben der Bühne als einen von ihnen wahrzunehmen – authentisch, Gaming-verliebt und eben auch mit Fehlern beim Spielen.

Drake erzählte während der Fortnite-Session, dass er immer ein Auge auf die Gaming-Szene hat. Auch er selbst folge einigen Streamern auf Instagram. So kam auch der Kontakt zu Ninja zustande.

Das erwartet uns in Zukunft

Twitch liefert Einschaltquoten, von denen kleine TV-Sender oft nur zu träumen wagen. Daher ist die Prognose für den Streaming-Giganten rosig. Die Community wächst stetig und die Zuschauer und vor allem die Verweildauer sind in den letzten Jahren immer weiter angestiegen – und es ist bei Weitem kein Ende in Sicht.

Für das von Amazon 2013 gekaufte Unternehmen wird noch vieles möglich sein. Und mit dem baldigen Release von „Twitch Sings“ wird eine neue Welt erschlossen. Karaoke ist nicht nur in Fernost sehr beliebt, sondern erfreut sich nicht zuletzt seit Singstar und Co. in unseren Gefilden großer Beliebtheit.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass Twitch für Werbungtreibende ein riesiges Medium ist, um Gaming-verliebte Millennials zu erreichen. Und das nicht nur vor dem heimischen Bildschirmen. Denn gestreamt wird immer mehr mobil.

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Über den Autor

Lars Stark

Lars Stark ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Buddybrand GmbH. Der 35-Jährige verantwortet dort die Bereiche Content und Campaigning. Buddybrand ist eine digitale Kreativagentur und begleitet internationale Markenunternehmen wie STABILO, Microsoft oder Disney durch den digitalen Wandel.

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