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Zillow bietet dir die Idylle, die du im Corona-Jahr gesucht hast

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In ihrer Kolumne beschäftigt sich Marinela mit Entwicklungen in den USA.
geschrieben von Marinela Potor

Die USA sind eine der größten Tech-Nationen dieser Welt. Doch wie stehen eigentlich die Amerikaner selbst zu all dem? Welche Trends begeistern sie, welche gehen völlig an ihnen vorbei? Genau darüber berichtet Marinela Potor – direkt aus den USA im BASIC thinking US-Update. Diesmal träumt sie sich mit der Immobilien-Plattform Zillow in die Idylle. 

Es fing ganz unschuldig in diesem Frühjahr an, mit einem Zeichen mit der Aufschrift „18th Century Estate For Sale“. Gemeint war ein Anwesen aus dem 18. Jahrhundert, das zum Verkauf stand. Zunächst war ich nur leicht verwundert.

Nämlich darüber, dass von dieser unscheinbar aussehenden Einfahrt aus offenbar ein Weg zu einem großen Grundstück mit stattlichem Haus führen sollte. Das war der Anfang. Dann kam Corona. Und neun Monate später habe ich ein leichtes Sucht-Verhalten entwickelt.


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Suchtfaktor: hoch

Schuld daran sind das eingangs beschriebene Schild – und Zillow. Zillow ist eine US-amerikanische Online-Plattform für Immobilien. Mieter oder Hausbesitzer stellen hier ihre Immobilien ein und diese können dann entweder gekauft oder gemietet werden. Im Prinzip ist es also eine Online-Börse für Immobilien.

Auf Zillow entdeckte ich schließlich in einem Moment der Langeweile im Lockdown besagtes Anwesen aus dem 18. Jahrhundert. Es gab Fotos und sogar Videos vom Wohnzimmer mit Kamin, vom Wintergarten, von der Bücherei, vom großen Garten und sogar vom Pool-Häuschen.

Natürlich war ich nicht wirklich daran interessiert, dieses millionenschwere Anwesen zu erwerben. Doch ich konnte mir durch die Bilder vorstellen, darin zu wohnen, in der Küche zu kochen oder im Garten Tomaten zu pflanzen.

Es war ein wenig wie in meiner Kindheit, in der ich mir oft vorstellte an anderen Orten zu wohnen – sei es in einem Schloss in England, in einem Nomadenzelt in der Sahara oder in einem Haus am Meer. So blieb es natürlich nicht bei dem einen Anwesen aus dem 18. Jahrhundert.

Mal landete ich auf einer Ranch in Texas, mal in einem abgelegenen Landhaus in Montana, mal in einem Loft in San Francisco. Es war seltsam.

Doch in Zeiten, in denen ich nicht reisen konnte und einen kleinen Bewegungsradius hatte, verschaffte mir Zillow Zugang zu einer Fantasiewelt, zu einem schillernden, perfekt illustrierten Fluchtraum, in dem ich der tristen Corona-Realität entfliehen konnte. Auf Zillow war die Welt noch in Ordnung.

Montana, Haus, Ranch, USA

Wer will sich nicht an so tolle Orte träumen? (Foto: Screenshot / Zillow)

Lange habe ich gar nicht viel über mein Ausweichverhalten nachgedacht, bis ich merkte: Das geht nicht nur mir so.

Auf Zillow kommt nie Langeweile auf

Die New York Times berichtet, dass Zillow in diesem Jahr einen starken Traffic-Anstieg auf seiner Seite bemerkte. Insbesondere im Frühjahr lagen die Seiten-Aufrufe für Verkaufsangebote teilweise 50 Prozent höher als im Vorjahr.

Auf Instagram tauschen sich Nutzer darüber aus, wie sie, anstatt nachts zu schlafen, auf Zillow surfen. Das Magazin Curbed, das eigentlich über urbane Trends berichtet, hat mittlerweile eine eigene Serie zu Zillow.

Und einige besonders lustige oder skurrile Immobilien schaffen es in die Schlagzeilen oder gehen viral. Viele Nutzer in den sozialen Netzwerken posten mittlerweile darüber, welches neue Schmuckstück sie mal wieder auf der Plattform entdeckt haben.

Mit einer schier unendlichen Auswahl von perfekt erscheinenden Häusern kommt auf Zillow wirklich keine Langeweile auf. Es hilft auch, dass die USA so viele unterschiedliche Regionen und Landschaften hat.

So kann man vom schicken Apartment in Manhattan zum schneebedeckten Berghaus in Colorado und dann wieder ins tropische Hawaii hüpfen.

Wohnzimmer, Wohnung, New York City, USA

Selbst luxuriöse Wohnungen in New York liegen in unmittelbarer Reichweite. (Foto: Screenshot / Zillow)

Und sollte ein Objekt mal nicht mehr auf dem Markt sein, kommen dafür zehn neue auf die Seite. Es fühlt sich fast an, als würde man eine unendliche Serie bingen.

Die Technologie-Journalistin Taylor Lorenz, die sich sowohl für die New York Times als auch für Curbed mit dem Thema beschäftigt hat, findet bei Internet-Nutzern häufig den gleichen Grund für den Zillow-Trend: Eskapismus.

Zillow: Perfekte Idylle im Corona-Jahr

Denn wenn wir ehrlich sind, war 2020 im besten Fall ein seltsames Jahr. Für viele kamen Jobängste, Geldprobleme, Sorgen um die eigene Gesundheit oder die von Freunden und Familie, ständige Unsicherheit, Stress und Anspannung dazu. Die meisten von uns werden also in irgendeiner Form ein emotionales Karussell erlebt haben.

Auf Zillow gibt es all das nicht. Nur dich und das Haus. So kann man einfach ungestört seiner Fantasie freien Lauf lassen und von Einrichtungen oder Pool-Partys träumen. Das hat auch etwas Meditatives.

Los Angeles, Kalifornien, Pool, USA, Haus

Fremde Häuser anschauen beruhigt auch das Gemüt. (Foto: Screenshot / Zillow)

Insbesondere in Zeiten, in denen wir auch nur sehr eingeschränkt reisen können oder wollen, bieten die Zillow-Häuser einen virtuellen Reiseersatz. Wenn man schon nicht an einen tollen Ort reisen kann, dann träumt man sich eben dahin.

Und Zillow hat noch einen weiteren Vorteil: Hier gibt es keine anderen Menschen. Im Gegensatz zu anderen sozialen Medien, in denen ständig Lärm herrscht und Nutzer sich gefühlt dauernd anschreien, herrscht auf Zillow perfekte Stille.

Weil genau diese Ruhe in diesem Jahr fehlt, ist Zillow für so viele Menschen – so wie auch für mich – für ein paar Momente am Tag die perfekte Idylle.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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