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Threema veröffentlicht Quellcode: Folgt nun WhatsApp?

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Threema veröffentlicht seinen Quellcode – ein Schritt mit Signalwirkung? (Foto: Pixabay.com / LoboStudioHamburg)
geschrieben von Marinela Potor

Während die Europäische Union darüber nachdenkt, „Hintertüren“ in Messenger-Apps einzubauen und die USA die Offenlegung von Daten von Facebook fordern, geht der Schweizer Messenger-Dienst Threema in die Offensive. Der Threema-Quellcode ist nun öffentlich einsehbar. Folgen andere Messenger?

Es ist ein kleiner Schritt mit möglicherweise großer Wirkung: Der Threema-Quellcode ist ab sofort in einem Open-Source-Modell für alle öffentlich einsehbar.

Open-Source bietet mehr Schutz für Messenger

Das hat der Messenger-Dienst aus der Schweiz nun angekündigt – und dies gleich mit einer 50-Prozent-Rabattaktion verbunden. Denn anders als Konkurrenzdienste wie WhatsApp oder Telegram ist Threema kostenpflichtig.


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Anstatt 3,99 Euro kostet der Dienst bis zum 28. Dezember 2020 lediglich 1,99 Euro im Playstore und im App Store. Im eigenen Webshop liegt der Preis sogar bei 1,84 Euro.

Doch der Rabatt ist lediglich ein Bonus. Das wirklich Spannende für Nutzer, Programmierer und die Messenger-Welt ist der nun offene Threema-Quellcode.

Denn tatsächlich galt Threema bislang als sehr sicherer Messenger-Dienst aus der Schweiz mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Einziger Kritikpunkt war, dass Threema keine Open-Source-Software war, auch wenn es möglich war, über die Software-Bibliothek die korrekte Umsetzung der Verschlüsselung zu prüfen.

Das ist darum hilfreich, weil dadurch Außenstehende den Code einsehen und überprüfen können – und sich somit auch Sicherheitslücken schneller finden und schließen lassen können.

Darum gilt es mittlerweile auch als höchster Standard in der Community, Quellcodes als Open-Source-Software offenzulegen. Aus Unternehmenssicht ist das aber auch problematisch – spätestens dann, wenn jemand den Code kopiert und einen eigenen Messenger entwickelt und damit Geld verdient.

Wieso ist der Threema-Quellcode nun öffentlich?

Für die Threema-Gründer war die Geheimniskrämerei um den Quellcode tatsächlich eine Frage des Geldes. Denn Threema verdiente sein Geld lediglich mit den Nutzerzahlungen für die App.

Doch mittlerweile haben die Gründer neue Einnahmequellen gefunden. Sie haben eine professionelle Version von Threema für Unternehmen und Bildungseinrichtungen entworfen und sich damit ein weiteres Standbein aufgebaut.

Somit scheint den Gründern das unternehmerische Risiko der Offenlegung tragbar. Dabei können Nutzer nicht nur den Code einsehen. Threema geht sogar einen Schritt weiter.

Gegenüber dem Spiegel sagte Threema-Mitgründer Martin Blatter: „Beim Android-Quellcode unterstützen wir sogenannte reproduzierbare Builds. Das heißt, dass sich jeder selbst eine Paketdatei erstellen kann und das Resultat mit den im Play Store verfügbaren Paketen vergleichen kann, um sicher zu sein, dass der veröffentliche Quellcode damit übereinstimmt.“

Offener Threema-Quellcode als Signalwirkung

Nun ist Threema mit einigen Millionen Nutzern sicherlich kein so mächtiger Messenger-Anbieter wie WhatsApp mit seinen aktuell mehr als zwei Milliarden Nutzern weltweit.

Der eigentliche Effekt des Open-Source-Quellcodes ist damit begrenzt. Doch tatsächlich hat der öffentliche Threema-Quellcode auch Signalwirkung.

Zum einen kommt er gerade in einer Zeit, in der die EU darüber diskutiert, technische Hintertüren für Messenger einbauen zu lassen, sodass Strafbehörden Zugang zu Nachrichten von Kriminellen hätten. Das ist etwas, das sie mit aktuellen Verschlüsselungstechnologien nicht können.

Die Offenlegung signalisiert daher: „Wir sind als Messenger-Dienst transparent“.

Gleichzeitig könnte dies auch andere Messenger-Dienste dazu inspirieren, es Threema gleichzutun. Zwar haben einige Anbieter, wie etwa Signal oder Wire bereits ein Open-Source-System.

Insbesondere Facebook steht mit WhatsApp aber für seine Intransparenz in der Kritik. Auch am Telegram-Messenger gibt es diesbezüglich Bedenken. Es wird daher spannend zu sehen, ob der Schritt von Threema die großen Messenger-Dienste dazu anregt, selbst offener mit ihren Daten zu agieren.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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