Wirtschaft

Kritisches Denken: Woher kommt es? Was ist es?

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Kritisches Denken ist eine essenzielle Fähigkeit eines jeden Arbeitnehmers. (Foto: Pixabay.com / geralt)
geschrieben von Dennis Fischer

Kritisches Denken gehört zu den wichtigsten Eigenschaften eines jeden Arbeitnehmers, um auch in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. Doch: Woher kommt es? Was verbirgt sich dahinter und wie kannst du kritisches Denken lernen?

Kennst du den sogenannten Confirmation Bias? Er sorgt dafür, dass wir versuchen unsere eigene Meinung zu bestätigen, anstatt aktiv nach möglichen Widersprüchen zu suchen. So bewegen wir uns in unserer Filterblase und konsumieren vor allem die Inhalte, die unsere Weltsicht unterstützen.

Die Gründe dahinter können vielfältig sein. Entweder wir schenken gewissen Informationen Glauben, weil wir es schon immer so kannten. Oder weil es die Meinung einer Gruppe ist, der wir angehören wollen. Oder ganz einfach, weil es uns nützt!


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Aus dieser egozentrischen Perspektive heraus, fällt es uns leichter komplexe Themen in einfache Strukturen zu sortieren und wir fühlen uns sicherer.

Demgegenüber steht „kritisches Denken“, eine der wichtigsten Soft-Skills der Zukunft. Laut der Stiftung Criticalthinking.org heißt kritisches Denken: „selbstgesteuertes, selbstdiszipliniertes, selbstüberwachtes und selbstkorrigierendes Denken.“

Oder einfacher formuliert: „Kritische Denker hinterfragen ihre eigenen Ansichten und die der anderen. Sie akzeptieren andere Meinungen und sind bereit sich durch bessere Argumente überzeugen zu lassen.“

Um es mit Artistoteles zu sagen:

„Es ist das Kennzeichen eines gebildeten Geistes, einen Gedanken unterhalten zu können, ohne ihn zu akzeptieren.“

Hierfür ist ein anderer Future Work Skill entscheidend: Empathie. Wir können uns in eine andere Person hineinversetzen und ihre Meinung nachvollziehen, ohne sie zu akzeptieren oder zu teilen.

Die drei Kategorien des kritischen Denkens

Kritisches Denken beginnt vor allem mit dem Hinterfragen von Aussagen und ihren Begründungen. Dabei gibt es immer drei mögliche Schlussfolgerungen. Nehmen wir ein einfaches Beispiel:

Angenommen heute wäre ein Meeting meines Teams. Ich unterhalte mich mit einer Kollegin und sage ihr: „Thomas nimmt heute nicht am Teammeeting teil“. Sie schaut mich fragend an und antwortet: „Warum das denn nicht?“

Jetzt gibt es drei verschiedene Richtungen, in die meine Antwort gehen könnte:

  1. „Weil ich keine Lust habe, dass er teilnimmt!“
  2. „Weil seine Kinder krank zu Hause sind und er vermutlich auf sie aufpassen muss.“
  3. „Weil er zu der Zeit einen wichtigen Kundentermin hat, den er nicht verschieben konnte.“

Die erste Aussage ist völlig subjektiv und eher auf dem argumentatorischen Niveau Donald Trumps anzusiedeln. Auch wenn ich Thomas nicht leiden kann und froh wäre, wenn er nicht am Meeting teilnimmt, habe ich keinen Einfluss darauf. Auf dieser Basis kann man nur schwer diskutieren.

Die zweite Aussage ist schon wahrscheinlicher. Diese Schlussfolgerung nennt man „induktiv“. Sie kann also aus den Umständen abgeleitet werden, muss es aber nicht.

Es kann ja auch sein, dass er für den Zeitraum des Teammeetings die Kinder bei seinen Eltern abgeben kann und sich remote dazu schaltet. Auf dieser Basis kann man unterschiedliche Meinungen und Hypothesen austauschen, da Interpretationsspielraum besteht.

Die dritte Aussage schließlich ist „deduktiv“, also eine logische Konsequenz. Wenn sich die Umstände nicht ändern und der Termin platzt, wird Thomas zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar sein und damit auch nicht am Teammeeting teilnehmen können.

Wenn wir Dinge kritisch hinterfragen, sollten wir uns also immer überlegen, mit welcher der drei Kategorien wir es gerade zu tun haben.

  • Stellt vitale Fragen zur Diskussion und formuliert sie klar und exakt.
  • Sammelt und sichtet relevante Informationen und interpretiert sie wirkungsvoll mit Hilfe abstrakter Ideen.
  • Kommt zu durchdachten Schlussfolgerungen und Lösungen und messt diese an objektiven Kriterien und Normen.
  • Tritt abweichenden Denkweisen mit offenem Geist gegenüber und behandele und beurteile deren Annahmen, Folgen und Konsequenzen sachgerecht.
  • Kommuniziert gut, um Lösungen für komplexe Probleme zu ermöglichen.

Warum ist es wichtig für die Zukunft?

Ich sehe vor allem drei Gründe, warum Kritisches Denken in den nächsten Jahren immer wichtiger wird. Zum ersten wird die Informationsflut immer größer. Das Wissen der Menschheit ist nur einen Mausklick entfernt und auf den sozialen Medien werden wir 24 Stunden mit neuen Informationen versorgt.

Wir sollten aufhören von einer Wissensgesellschaft zu sprechen und besser von einer Interpretationsgesellschaft sprechen.

In den 70er, 80er und 90er Jahren ging es darum möglichst viel Wissen anzuhäufen und damit zu glänzen. Heute kommt es viel mehr darauf an das Wissen richtig zu interpretieren und anzuwenden.

Es gewinnt also nicht derjenige mit der schnellsten Auffassungsgabe, sondern die Person, die das gesammelte Wissen schnell überblicken, kritisch analysieren und richtig einordnen kann.

Social Media und Online-Foren: Keine wirkliche Diskussion, sondern nur Teilen der eigenen Meinung

Der zweite Aspekt ist die stetig wachsende Abhängigkeit von Algorithmen und Künstlichen Intelligenzen. Im Buch „Zero“ von Marc Elsberg ist sehr schön beschrieben, wie Algorithmen uns Menschen mit fatalen Folgen manipulieren können.

Genau hier braucht es kritische Denker, die die Vorschläge von Künstlichen Intelligenzen, Robotern und anderen Algorithmen hinterfragen. Wenn mein Roboter-Staubsauger zum dritten Mal am Tag das gleiche Zimmer saugt und alle anderen auslässt, hinterfrage ich ihn ja auch. Warum also nicht schon vorher?

Der dritte Grund, warum Kritisches Denken immer wichtiger wird, ist die gestiegene Komplexität in unseren Jobs.

Was ist der Unterschied zwischen „kompliziert“ und „komplex“?

Etwas Kompliziertes ist zwar schwierig, aber man kann es mit viel Mühe lernen.

Etwas Komplexes beinhaltet so viele verschiedene Einflussfaktoren, dass wir es nie gesamthaft überblicken können. Es gibt nicht die eine beste Lösung, sondern immer „viele Wege, die nach Rom führen.“

Was ist ein Beispiel? Ein Flugzeug zu bauen, ist kompliziert. Ja, auch hier gibt es zahlreiche Einflussfaktoren, aber dennoch kann man den Prozess erlernen. Es ist keine „Rocket Science“ und die meisten Flugzeuge werden immer wieder nach dem gleichen Prinzip gebaut.

Wenn ich dir jetzt aber sage „Erfinde den Öffentlichen Nahverkehr in Berlin neu“, dann ist das eine komplexe Aufgabe. Hier gibt es nicht den einen goldenen Weg, den du von Barcelona oder anderen Städten kopieren kannst. Es gibt tausende Einflussfaktoren und unzählige mögliche Lösungen – Scooter, Fahrräder, Taxis, U-Bahnen, Drohnen etc.

Im beruflichen Alltag gibt es mehr und mehr komplexe Fragestellungen: Wie entwickeln wir die App weiter? Welche Features sollen als nächstes getestet werden? In welchem Stadium des Prototypens beziehen wir den Kunden mit ins Testing ein?

Wenn eine Organisation alle diese Entscheidungen an der Spitze entscheiden möchte, kommt sie schnell zum Erliegen. Genau aus diesem Grund gibt es immer mehr Unternehmen, die flache Hierarchien einführen und den Mitarbeitern mehr Verantwortung delegieren.

Das geht aber natürlich nur, wenn diese in der Lage sind kritisch zu denken und auf dieser Basis eigene Entscheidungen zu treffen. Dabei spielt die Organisation eine wichtige Rolle. Wie sieht sie kritisch denkende Mitarbeiter? Steht sie ihren Vorschlägen im Weg oder wird respektvolle Kritik belohnt?

Wie kannst du kritisches Denken lernen?

Kommen wir nun zu konkreten Tipps und Tricks. Wie aus meinen anderen Artikeln zu „Future Work Skills“, möchte ich dir auch hier keine trockene 10-Schritte-Anleitung präsentieren, die du doch nicht umsetzen wirst.

Deshalb habe ich dir drei Impulse mitgebracht, von denen du dir am besten einen aussuchst und direkt ausprobierst. Let’s go!

5 Mal „Warum“ fragen

Vielleicht kennst du diese Technik aus dem Qualitätsmanagement. Es geht darum eine Aussage fünf Mal mit „Warum“ zu hinterfragen. Natürlich darfst du das Wort „Warum“ auch durch „Wozu“ oder „Das würde ich nochmal genauer verstehen“ ersetzen.

Aber probiere es mal aus. Du wirst sehen, wie du von oberflächlichen Gesprächen zum wahren Kern der Aussage gelangst

Verschiedene Quellen verwenden

Ein großes Hindernis beim kritischen Denken ist, dass wir uns immer in unserer Filterblase bewegen. Vor allem in den sozialen Medien, aber auch in den News und im Freundeskreis. Wir umgeben uns am liebsten mit „Gleichgesinnten“. Probiere zum Beispiel einmal die App Buzzard aus.

Hier bekommst du neue Perspektiven auf aktuelle Themen. So verändern wir temporär unseren Blickwinkel und finden häufig gute Argumente gegen unsere Sichtweise. Gleichzeitig hilft uns diese Auseinandersetzung aber auch dabei, neue Begründungen zu erarbeiten, die unsere Meinung unterstützen.

Nicht nur denken, sondern auch handeln

Gute kritische Denker sind häufig Menschen, die vor lauter Denken nicht ins Handeln kommen. Bitte mache nicht den gleichen Fehler und lege los. Bei der heutigen Informationsflut müssen wir akzeptieren, dass wir niemals alle Quellen lesen oder jedes Argument beleuchten können.

Wir sollten uns unsere eigene Meinung bilden, dann aber auch in die Umsetzung kommen. Am Ende können wir die Arbeit der Zukunft nur gestalten, in dem wir handeln!

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Über den Autor

Dennis Fischer

Dennis Fischer ist Speaker zum Thema „Future Work Skills", also den wichtigsten Soft Skills der Zukunft. Sein Motto ist "Skill up" und er ist davon überzeugt, dass unsere Soft Skills in den nächsten Jahren deutlich wichtiger werden als unsere Hard Skills.

Er hat im letzten Jahr das Buch „52 Wege zum Erfolg" veröffentlicht. Darin fasst er seine Learnings aus über 500 gelesenen Business-Ratgebern zusammen. Das Buch wurde vom Hamburg Abendblatt als eines der TOP10 Wirtschaftsbücher 2019 ausgezeichnet.

Dennis lebt in München und wenn er nicht auf der Bühne steht oder Trainings gibt, läuft er als Trailrunner über die Berge.

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