Technologie Wirtschaft

Huawei-Ban: Was ist eigentlich mit dem Verbot von Huawei passiert?

Huawei, Smartphone
Was ist mit dem Huawei-Ban passiert? (Foto: Pixabay.com / farukgarib14)
geschrieben von Marinela Potor

Lange Zeit gab es nahezu stündlich neue Nachrichten um den Huawei-Ban in den USA. Doch dann wurde es seit Mitte 2020 plötzlich still um den chinesischen Smartphone-Hersteller. Was ist seitdem passiert? Kann Huawei nun mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden auf bessere Zeiten hoffen? Ein Update. 

Das chinesische Technologie-Unternehmen steht seit Mitte 2019 unter Dauerbeschuss der US-Regierung. Es gab Anschuldigungen, Drohungen, Einschränkungen und eine Verfügung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump, die schließlich als Huawei-Ban (Huawei-Verbot) bekannt wurde.

Seitdem ist viel passiert. Eine Zeitlang gab es gefühlt jede Stunde eine neue Entwicklung der Situation. Doch dann wurde es plötzlich still um Huawei. Gut, es gab zwischendurch auch eine Pandemie, Chaos an den Börsen und eine hochdramatische Präsidentschaftswahl in den USA.


Neue Stellenangebote

Praktikum Social Media & Veranstaltungsmanagement in der DB Akademie (w/m/d)
Deutsche Bahn AG in Berlin
Social Media Sales Advisor/Customer Agent (f/m/d) – HEBREW
Concentrix Management Holding GmbH & Co. KG in Berlin
Werkstudent w|m|d Events/Social Media/Marketing
Actemium Controlmatic GmbH in Berlin, Frankfurt am Main

Alle Stellenanzeigen


Doch was ist mit dem Huawei-Ban passiert? Ist er überhaupt noch in Kraft? Könnte sich dies mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden ändern? Wir werfen einen Blick auf den aktuellen Stand und rekapitulieren nochmals, was eigentlich passiert ist.

Huawei-Ban: Spionage-Gerüchte und ein Handelsverbot

Vor dem Huawei-Ban war Huawei eins der größten Telekommunikationsunternehmen der Welt. Es hatte sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 der größte Smartphone-Hersteller der Welt zu werden. Anfang 2019 war Huawei seinem Ziel zum Greifen nahe.

Denn mehr Smartphones verkaufte zu dem Zeitpunkt nur Samsung und es sah klar danach aus, dass Huawei dem Konkurrenten den Rang bis Ende des Jahres streitig machen würde.

Doch Huawei hatte die Rechnung ohne den damaligen US-Präsidenten Trump gemacht. Denn obwohl Huawei so erfolgreich war, hatte das Unternehmen auch mit verschiedenen Vorwürfen zu kämpfen. Besonders gravierend war dabei das Gerücht, dass Huawei angeblich seine Geräte nutzte, um andere Nationen auszuspionieren.

Bislang gibt es dafür keine Beweise. Doch weil Huawei ein Unternehmen ist, das der chinesischen Regierung sehr nahe steht, sind die Gerüchte natürlich beunruhigend.

Trump reagierte schließlich und setzte Huawei und einige weitere chinesische Unternehmen im Mai 2019 auf die Entity List, eine schwarze Liste der USA für gesperrte Handelspartner.

Dies bedeutet: Unternehmen auf der Entity List dürfen keine Geschäfte mit Unternehmen betreiben, die in den USA operieren. Im Fall von Huawei schloss das wichtige Handelspartner wie Google, Qualcomm, Intel und Microsoft ein.

Dieser Eintrag auf die Entity List markierte den Anfang des Huawei-Bans.

Ein Jahr lang Gnadenfrist

Nun mag ein solcher Handelsstopp mit US-Unternehmen für ein chinesisches Unternehmen zunächst nicht so dramatisch erscheinen. Schließlich durften und dürfen Kunden auch in den USA weiterhin Huawei-Smartphones kaufen und verkaufen.

Doch Huawei-Geräte nutzen Android als Betriebssystem. Android ist zwar ein Open-Source-System und steht daher allen jederzeit zur Verfügung, auch Unternehmen auf der Entity List. Nur: Viele wichtige Features für App-Entwickler und Smartphone-Hersteller hat Google zum Android-System beigetragen.

Dazu gehören natürlich die Google-eigenen Apps wie YouTube, Gmail, aber auch der Play Store, auf dem Android-Nutzer Apps von Drittbetreibern herunterladen.

Und all diese Features gehören rechtlich gesehen Google. Wer diese auf seinen Geräten nutzen will, muss sich dies von Google genehmigen lassen, und genau das durfte mit dem Huawei-Ban nicht mehr erfolgen.

Zwar können Huawei-Handys natürlich theoretisch alleine mit dem Android-System betrieben werden. Dies ist aber nicht sehr ausgefeilt im Vergleich zu Google. Auch finden Nutzer darauf nicht alle Apps.

Damit werden die Huawei-Geräte sehr beschränkt und unattraktiv in ihrer Nutzung.

Nun war es zunächst aber so, dass das Huawei-Verbot mehrmals verschoben wurde. Bis zum Februar 2020 hatte der Huawei-Ban also gar keinen spürbaren Effekt. In dieser Zeit hatte Huawei mehrere Klagen eingereicht, die allerdings keinen Erfolg brachten.

Im Februar dann sprach die Regierung die letzte Gnadenfrist von 45 Tagen aus. Am 1. April 2020 trat damit dann offiziell der volle Huawei-Ban in Kraft.

Huawei hatte noch gehofft, dass Partnerunternehmen wie Google sich dem widersetzen würden. Doch Google kündigte an, dass man dem Verbot folgen würde. Sowohl Google als auch andere Technologie-Unternehmen haben zwar seitdem betont, dass sie ohne das Verbot sofort wieder mit Huawei zusammenarbeiten würden.

Doch nachdem Google voranpreschte, schlossen sich dem auch andere Technologie-Unternehmen wie Microsoft und Intel an.

Huawei muss kreativ werden

Nun kann man Huawei nicht vorwerfen, dass das Unternehmen seit April 2020 die Flinte ins Korn geworfen hätte. Tatsächlich hat der Konzern sehr viel Kreativität in seinen Geschäftspraktiken bewiesen.

Eigene Huawei-Welt

Zum einen entwickelte Huawei ein eigenes Betriebssystem, Harmony OS, das zunächst allerdings nur für IoT-Geräte (Internet of Things) gedacht sein sollte. Harmony OS basiert auf der Open-Source-Software Linux, war aber nach ersten Testberichten nicht viel ausgereifter als Android 10.

Es wäre natürlich denkbar, dass Huawei das System in der Zukunft ausbaut und verbessert und daraus Huawei OS macht, was dann eine weitere Plattform für App-Hersteller sein könnte.

Das klingt sehr theoretisch. Schließlich ist es alles andere als einfach, ein reibungsloses Smartphone-Betriebssystem zu entwickeln, das mit Google und Apple mithalten kann. Doch Huawei hätte definitiv die finanziellen Ressourcen dafür.

Huawei hat sich auch darum bemüht, einen eigenen App-Store herauszubringen, die App Gallery. Um App-Entwickler dazu zu bringen, ihre Apps in die Gallery zu migrieren, hat Huawei Millionenbeträge investiert, allerdings bislang nur mit mäßigem Erfolg.

Neue Smartphones

Neben dem neuen Betriebssystem und der App Gallery hat Huawei nach dem Ban sogar weitere neue Smartphone-Modelle auf den Markt gebracht, komplett Google-frei. Darunter fallen die Mate-30-Geräte und schließlich auch die Huawei P40 P40 Pro und P40 Pro Plus, die schon am 26. März 2020 gelauncht wurden.

Am 22. Oktober 2020 – Huawei bringt traditionell zwei Geräteserien pro Jahr heraus – kamen dann Mate 40, Mate 40 Pro und Mate 40 Pro Plus hinzu.

Die Geräte begeisterten durch die Bank weg durch ihre Hardware. Doch in den USA rieten Experten dennoch Kunden vom Kauf ab, aufgrund der mangelhaften Software.

Trick 17

Und dann entdeckte Huawei schließlich noch Trick 17. Es stellte sich heraus, dass Google neue Android-Geräte nicht aufgrund ihres Designs oder der Herstellernamen zulässt. Entscheidend sind dafür lediglich einige Schlüsselkomponenten, vor allem der Prozessor.

Huawei-Prozessoren, die vor dem Stichtag vom Mai 2019 entwickelt wurden, konnte Google demnach problemlos weiter für die Google-Features zulassen.

Huawei verpackte also alte Prozessoren der Geräte vom Typ P30 Pro einfach in neue Hüllen und launchte so zwei „neue“ Smartphones mit Google-Android-System.

Diese Smartphones kamen unter dem Namen „Huawei P30 Pro New Edition“ 2020 legal auf den US-Markt.

Mit all diesen Bemühungen konnte Huawei in den USA aber weiterhin nicht wirklich erfolgreich sein. Dennoch schaffte es das Unternehmen aber, kurzzeitig Samsung zu überholen. Grund dafür sind die chinesischen Kunden, die Huawei lieben und für enorm starke Verkaufszahlen sorgten.

Mittlerweile ist Samsung wieder auf Platz eins der Smartphone-Hersteller aufgestiegen. Doch Huawei ist alles andere als am Boden.

Dennoch wird die Situation in den USA für Huawei so langsam zum Problem.

Huawei-Ban: Kein Ende in Sicht

Denn selbst mit einem neuen US-Präsidenten scheint kein Ende für den Huawei-Ban in Sicht. Schließlich wurde das Verbot damals nicht einseitig ausgesprochen. Tatsächlich war es eine einheitliche Entscheidung der Republikaner und Demokraten.

Seit den Wahlen hat Huawei Biden bereits um ein Gespräch gebeten. Doch bislang scheint es zu keinem Treffen gekommen zu sein. Auch scheint Bidens Wirtschaftsprogramm für die USA weiterhin auf „America First“ zu setzen, um die durch Corona angeschlagene Wirtschaft des Landes wieder aufzubauen.

Chinesische Smartphone-Hersteller stehen also sicherlich nicht sehr weit oben auf seiner To-Do-Liste. Allerdings: Für viele Zulieferer und Technologie-Konzerne ist der chinesische Konzern ein wichtiger Handelspartner. Es könnte also in Zukunft möglicherweise Bewegung geben.

Doch bislang scheinen alle Zeichen auf Stillstand zu stehen. Huawei muss also langsam erste Konsequenzen ziehen.

So beschloss Huawei bereits im November 2020, sich von seinem Tochterunternehmen Honor zu trennen. Honor ist selbst ein durchaus erfolgreicher chinesischer Smartphone-Hersteller, der aber durch die Verbindung zum Mutterkonzern ebenfalls vom Huawei-Ban betroffen war.

Nach dem Verkauf fiel diese Assoziation weg und Honor hat nun sogar im Januar 2021 sein erstes Smartphone nach der Trennung gelauncht, das Honor V40, das es allerdings bislang nur auf dem chinesischen Markt gibt.

Huawei wird sich so mit weniger „Ballast“ stärker auf die eigenen Produkte konzentrieren können. Wenn der Konzern es wirklich möchte, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Huawei, ähnlich wie Apple, mit einem eigenen Technologie-Universum herauskommt. Und dann wäre der Huawei-Ban egal.

Umsetzen kann Huawei dies ohne Frage. Doch wird es schnell genug passieren, um die drohenden Verluste und den hohen Imageschaden noch aufzuhalten?

Es bleibt weiterhin spannend.

Auch interessant:

Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

Kommentieren