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Spotify und das schmutzige Geschäft mit den Fake-Followern

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(Foto: Unsplash.com / Heidi Fin)
geschrieben von Fabian Peters

Je mehr Streams, desto besser für Musikschaffende. Deshalb bieten sogenannte Pay-to-Play-Dienste den Playlist-Betreibern Tausende Streams für kleines Geld. Das Problem: Dahinter stecken Spotify Fake Follower. Wir werfen einen Blick auf das (schmutzige) Geschäftsmodell.

Streaming-Dienste wie Spotify haben die Musikrezeption nachhaltig verändert. Die Musikindustrie ist dadurch grundsätzlich schnelllebiger geworden. Sowohl Musik-Marketing als auch -vertrieb müssen stets neue Wege einschlagen.

Und vor allem Playlists gewinnen immer mehr an Bedeutung. Mitunter sogar so sehr, dass einige Labels ganze Abteilungen auf das Thema Playlist-Marketing ansetzen.


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Spotify Playlists: Der Reichweiten-Booster für Musiker

Über ein Drittel aller Streams haben ihren Ursprung in kuratierten Wiedergabelisten. Vor allem die Spotify-eigenen, sogenannten Editorial Playlists, verfügen mitunter über mehrere Millionen Follower. Wer es auf eine solche Playlist schafft, erhält oftmals einen entscheidenden Karriereschub.

Die Song-Auswahl liegt laut Spotify dabei stets im Ermessen der jeweiligen Kuratoren und findet entsprechend der eigenen Qualitätsstandards statt. Eine Einflussnahme von außerhalb sei ausgeschlossen.

Aufgrund der Bedeutung von Playlists im Streaming-Geschehen betreiben jedoch auch immer mehr Labels ihre eigenen Wiedergabelisten. Teilweise haben diese Hunderttausende Follower. Und auch zahlreiche Privatpersonen unterhalten mitunter Playlists mit mehreren Zehntausend Abonnenten.

Doch spätestens hier wird es undurchsichtig. Bereits vor einigen Jahren wurden Stimmen laut, die behaupteten, man könne sich auf solche Playlists einkaufen. Spotify hat daraufhin seine AGB angepasst. Laut Punkt 13 der Nutzerrichtlinien sei Folgendes keinesfalls gestattet:

[Der] Verkauf eines Benutzerkontos oder einer Playlist oder die Annahme oder das Anbieten der Annahme einer Vergütung, unabhängig davon, ob sie finanzieller oder anderer Art ist, für die Beeinflussung des Namens eines Benutzerkontos oder einer Playlist oder des Inhalts eines Kontos oder einer Playlist.

Doch Recherchen von BASIC thinking belegen, dass das Geschäft mit Playlist-Platzierungen nach wie vor stattfindet.

Was viele Musikschaffende nicht wissen oder möglicherweise auch bewusst ignorieren: Ein Großteil der Followerschaft zahlreicher Playlists wird durch Spotify Fake Follower künstlich in die Höhe getrieben. Und auch hinter den daraus resultierenden Streams stehen oftmals keine echten Menschen sondern Bots.

Musikschaffende und Labels, die sich auf solche Deals einlassen, hübschen ihre Statistik auf den ersten Blick auf. Langfristig gesehen hat ein solches Vorgehen jedoch negative Auswirkungen auf die Statistik.

Pay-to-Play-Dienstleister und Spotify Fake Follower

Sogenannte Pay-to-Play-Dienstleister stehen oftmals in einem unmittelbaren Zusammenhang mit Usern, die Playlist-Platzierungen gegen Geld anbieten. Spotify-Nutzer können dort sowohl Playlist-Streams als auch -Follower erwerben und ihre Wiedergabelisten so künstlich aufhübschen.

Entgegen der Behauptung solcher Pay-to-Play-Anbieter handelt es sich dabei in der Regel um Bots. Doch auch ein solches Vorgehen ist laut Punkt 8 der Spotify-Nutzerrichtlinien nicht gestattet:

Wiedergabezähler („Play Counts“), Follower-Zähler („Follow Counts“) künstlich zu erhöhen oder die Dienste auf andere Art durch (i) einen Bot, ein Skript oder einen anderen automatisierten Prozess, (ii) die Übergabe oder Annahme einer Form der Vergütung (finanzieller oder anderer Art) oder (iii) sonstige Mittel zu manipulieren.

Pay-to-Play-Dienstleister bieten jedoch genau diesen Service an. Ein einfaches Googeln genügt, um solche Angebote zu finden. Auf Webseiten wie Socialgeiz, Likergeiz oder Likeservice24 werden sowohl Streams als auch Follower angeboten.

Die Preisspanne reicht von wenigen Euro für einige Hundert Streams oder Follower, bis hin zu mehreren Hundert Euro für Tausende Streams und Follower.

80 Euro für eine Top-Ten-Platzierung

Auf Pay-to-Play-Webseiten können Spotify-Nutzer entweder direkt ihr Künstlerprofil aufpolieren oder die Follower und Streams ihrer Playlists erhöhen. Letzteres dient oftmals dem Zweck, Playlist-Platzierungen gegen Geld anzubieten.

Nach außen hin erscheinen solche Playlists für Musikschaffende sehr lukrativ. Die Betreiber solcher Wiedergabelisten suchen in sozialen Medien gezielt nach Interessenten. Per Direktnachricht teilen sie anschließend ihre Preisvorstellungen.

Auch BASIC thinking ist während der Recherche bei Facebook auf einen User aufmerksam geworden, der in einer Gruppe für Musikschaffende für seine Playlist warb. Dort schrieb er:

Hey guys! Looking to feature artists on Spotify playlists with 30k Followers total. Drop links or inbox me!

Auf unsere Nachricht hin erhielten wir eine Preisliste. Ob die 30.000 Follower gekauft oder echt sind, spielt dabei zunächst keine Rolle. Das Vorgehen widerspricht so oder so den Nutzerrichtlinien von Spotify und ist daher illegal!

Spotify, Playlist

Preisliste eines Playlist-Kurators. (Foto: Screenshot / Facebook Messenger)

Spotify Fake Follower: Ein lukratives Geschäftsmodell

Der Verdacht liegt nahe, dass Playlists wie diese überwiegend auf Fake-Followern basieren und Streams durch Bots generieren. Für die Betreiber ist das ein lukratives Geschäftsmodell.

Bei durchschnittlich 50 US-Dollar pro Playlist-Platzierung erhalten sie bei 50 monatlich eingereichten Songs rund 2.500 Dollar. Die Ausgaben für die Fake Follower und Fake Streams halten sich demgegenüber in Grenzen.

30.000 Playlist-Follower kosten bei Pay-to-Play-Dienstleistern wie den oben genannten durchschnittlich und umgerechnet rund 250 Euro. 50.000 Playlists Streams bewegen sich in einem ähnlichen Preissegment.

Jeder, der sich auf einen Deal mit den Playlist-Betreibern einlässt, würde im Umkehrschluss durchschnittlich rund 1.000 Streams für seinen Song auf der Playlist erhalten.

Und ein solches Vorgehen ist definitiv kein Einzelfall. Während unserer Recherche sind wir bei Spotify auf zahlreiche Playlists gestoßen, die eine ähnliche Anzahl an Followern aufweisen und in ihrer Beschreibung nach Einsendungen per E-Mail aufrufen.

Auf einige unserer Anfragen erhielten wir ähnliche Preislisten wie die obige. Warum Spotify diesem Treiben kein Ende bereitet, ist fraglich.

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Über den Autor

Fabian Peters

Schreibt seit Januar 2021 für BASIC thinking. Studierte Germanistik & Politikwissenschaft and der Universität Kassel (Bachelor), Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master). Hat bereits für die Frankfurter Rundschau sowie die Magazine Pressesprecher und Politik&Kommunikation geschrieben.

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