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Rettet Corona unserem Klima den Arsch?

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Hat Corona unser Klima gerettet? (Foto: Pixabay.com / clfoto)
geschrieben von Marinela Potor

Deutschland hat 2020 seine Klimaziele erreicht. Doch ohne Lockdowns und Co. wäre das wohl nicht passiert. Hat Corona tatsächlich unser Klima gerettet?

Es sieht fast so aus. Denn Deutschland hat 2020 nicht nur seine Klimaziele erreicht, sondern sogar noch unterboten. Und ob dies ohne Corona so möglich gewesen wäre, ist fraglich.

Größter Emissionsrückgang seit 1990

Das Umweltbundesamt (UBA) meldet, dass Deutschland im Jahr 2020 739 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert hat. Das sind 70 Millionen Tonnen weniger als 2019, und somit ein Rückgang um 8,7 Prozent.

Damit ist dies der größte Emissionsrückgang seit der Wiedervereinigung 1990! Nur: Möglich machte dies vor allem Corona. Beziehungsweise die Effekte, die Corona-Maßnahmen wie Lockdowns, Produktionskürzungen, Reisesperren und Home Office hatten.

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Das Emissionsziel wurde 2020 sogar unterschritten. (Foto: Statista)

Doch liegt das Erreichen der Klimaziele allein an Corona? Nicht nur, aber auch, sagt UBA-Präsident Dirk Messner:

Wir sehen, klimapolitische Instrumente beginnen zu wirken, insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien und die CO2-Bepreisung. Doch ohne die Corona-Lockdowns mit den Einschränkungen bei Produktion und Mobilität hätte Deutschland sein Klimaziel für 2020 verfehlt.

Corona, Klima und Elektroautos

Der Corona-Effekt aufs Klima lässt sich leicht erklären. Eltern fuhren ihre Kinder nicht mehr zur Schule. Pendler blieben im Home Office. Urlaubsreisen im Auto oder Flugzeug fielen aus.

Das senkte die Emissionen im Verkehrsbereich deutlich. Interessanter Nebeneffekt: Die Beliebtheit der Elektroautos, die im Corona-Jahr zugenommen hat, hat auch etwas zum Klimaschutz beigetragen. Dadurch wurden in Deutschland 2020 immerhin zwei Millionen Tonnen CO2 eingespart, sagt das UBA.

Auch die Produktion ruhte teilweise, was industrielle Emissionen gesenkt hat.

Was zwar gut fürs Klima sein mag, hatte natürlich keine sonderlich positiven Effekte für die Wirtschaft. Auch warnt Messner davor, sich auf diesen Zahlen auszuruhen. Denn wenn sich die Wirtschaft wieder erhole, könne man nicht mehr von diesen Zahlen ausgehen.

Emissionshandel zeigt positiven Effekt

Doch nicht nur Corona bescherte gute Werte.

Die Treibhausgaswerte wurden sogar in erster Linie durch weniger Emissionen im Bereich „Energie“ gedrückt. Dies begründet das UBA vor allem damit, dass es einen deutlichen Rückgang bei der Stromproduktion aus Braunkohle gegeben habe – niedrige Gaspreise und vor allem Emissionshandel sei Dank.

Denn durch den Emissionshandel war es 2020 teurer ein Braunkohlekraftwerk als ein emissionsärmeres Gaskraftwerk zu betreiben.

Corona: Auch negative Auswirkungen aufs Klima

Auch zeigt sich, dass Corona nicht nur positive Klima-Auswirkungen hatte. Denn im Gebäudesektor sind die Emissionen gestiegen. Sie lagen mit 120 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten sogar über dem gesetzten Ziel von 118 Millionen Tonnen.

Auslöser dafür? Die privaten Haushalte, die natürlich durch Home Office und Co. im vergangenen Jahr mehr Emissionen verursacht haben.

Hat Corona also das Klima gerettet? Jein. Einerseits zeigen sich schon jetzt die ersten Effekte der Klimapolitik, die zum Beispiel im Energiesektor greifen. Andererseits hätten wir ohne die Corona-bedingten Einsparungen das gesetzte Ziel nicht erreicht.

Für die Zukunft heißt dies also, dass Regierung, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger ihre Anstrengungen weiter fortsetzen müssen, um die Klimaziele auch weiterhin zu erreichen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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