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Rezo zerstört die deutsche Corona-Politik in nur 13 Minuten

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Rezo zerstört mal wieder. Dieses Mal: die deutsche Corona-Politik. (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Christian Erxleben

Weder die Bundesregierung noch die einzelnen Ministerpräsidenten haben in den vergangenen Wochen und Monaten immer richtig und plausibel gehandelt. Deshalb „zerstört“ der YouTuber-Rezo in seinem neusten Video die deutsche Corona-Politik. Dabei begeht er einen Fehler. Ein Kommentar.

Rezo zerstört Corona-Politik

Er hat es wieder getan: Der blauhaarige YouTuber Rezo hat ein neues „Zerstörungsvideo“ auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht.

In „Rezo zerstört Corona-Politik“ geht der digitale Meinungsmacher in knapp 13 Minuten auf die aktuelle Corona-Politik der Bundesregierung und der einzelnen Ministerpräsidenten ein. Nach nicht einmal einem Tag verzeichnet das Video schon mehr als 153.000 Abrufe.


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Korruption, Maskenaffäre, Astra Zeneca und Co.: Rezo holt zum Rundumschlag aus

Dabei eröffnet Rezo sein Video mit der jüngsten Aktion von Joko und Klaas. Die beiden Entertainer hatten in ihrer von Prosieben gewonnenen Sendezeit eine Pflegerin sieben Stunden lang ungeschnitten in ihrem Alltag begleitet. Seitdem trendet der Hashtag #NichtSelbstverständlich, den auch Rezo verwendet.

In den folgenden Minuten redet sich der YouTuber in Rage. Er nimmt die Ministerpräsidenten von Sachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen aufs Korn und bezeichnet sie als „Haufen inkompetenter Dullis.“

Er geht auf die Korruptionsfälle innerhalb der CDU- und CSU-Fraktion ein und kritisiert Politiker wie Alfred Sauter, die mit Lobbyismus und Korruption durch ihre beruflichen Ämter private Einkünfte in sechsstelliger Höhe eingenommen haben.

„Wenn du einfach deine Arbeit nicht verweigerst, wenn du nicht korrupt bist und wenn du nicht so eine Kinderscheiße abziehst, bist du schon ein überdurchschnittlicher Unionspolitiker“, summiert Rezo.

Rezo hat mit seinen Aussagen recht

Und die oben genannten Fälle und Themen decken noch nicht die gesamte Bandbreite ab, mit der sich Rezo auseinandersetzt. Ebenso geht es beispielsweise um Horst Seehofer und seine Aussagen zum Impfstoff von Astra Zeneca und die Wissenschaftsfeindlichkeit der deutschen Politik.

Mit (fast) allen Aussagen hat Rezo recht. Ich finde es richtig, dass er die Themen in einem Video angesprochen hat. Doch obwohl er die Wahrheit sagt, begeht Rezo mit seinem Video einen Fehler, denn er spielt durch seinen Rant vor allem den Kritikern in die Hände.

Dass einer der bekanntesten YouTuber der Bundesrepublik die Maßnahmen von Bund und Ländern kritisiert, dürften radikale Parteien und Querdenker schnell für sich nutzen – obwohl Rezo dieses Ziel selbstverständlich nicht verfolgt.

Kritik an Corona-Politik hätte mehr Tiefe, Zeit und wissenschaftliche Quellen benötigt

Letztendlich muss sich Rezo für seine Wortwahl und den Aufbau seines Videos kritisieren lassen.

Ist es wirklich richtig, in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft auseinanderbricht, die Corona-Politik – und somit auch die regierenden Parteien – zu „zerstören“? Hätte ein weniger aufmerksamkeitserregender Titel nicht auch die Aufmerksamkeit erzielt? Diese Frage muss sich Rezo gefallen lassen.

Ebenso kritisch ist die verkürzte Darstellung der Zusammenhänge. Während sich Rezo für die „Zerstörung der CDU“ noch fast eine Stunde Zeit genommen hat und seine Aussagen durch wissenschaftliche Quellen belegt hat, reichen nun 13 Minuten und 20 Sekunden.

Rezo kritisiert Dividenden-Ausschüttung bei Daimler

Das führt dazu, dass Inhalte und Geschehnisse zum Teil aus dem Kontext gerissen werden – und das ist gefährlich.

So kritisiert Rezo beispielsweise, dass Daimler im Jahr 2021 eine Dividende von 1,35 Euro pro Aktie an alle Aktionäre ausschüttet. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 0,90 Euro. Das Problem dabei: Daimler hat aufgrund der Corona-Krise staatliche Hilfen in Anspruch genommen, die alle Steuerzahler finanzieren.

Die Schlussfolgerung „Die Superreichen werden noch reicher.“ ist in diesem Kontext allerdings nicht richtig und zu kurz gedacht. Es sind nicht „die bei Daimler“, die sich das Geld in die Tasche stecken, sondern die Bürgerinnen und Bürger, die ihr Geld in dieses Unternehmen investiert haben.

Selbstverständlich ist die Ausschüttung und Erhöhung der Dividende trotzdem nicht richtig. Allerdings zeigt dieses Beispiel, dass Rezo in diesem Fall zu viel Wut und zu wenig Informationen in sein Video hat einfließen lassen.

Fazit: Richtige Botschaft, mangelhafte Umsetzung

Letztendlich lässt sich also sagen, dass Rezo (wieder einmal) mit seinem Video den Finger in die Wunde gelegt hat. Es war und ist richtig, die Probleme im Umgang mit der Corona-Pandemie in Deutschland anzusprechen.

Allerdings braucht es dafür keine Zerstörung und kein Wutvideo, sondern eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung, die nicht auf maximale Aufmerksamkeit ausgerichtet ist.

Vielleicht überarbeitet Rezo zumindest den Titel seines Videos oder schiebt eine Erklärung hinterher. Denn sein Fazit ist absolut richtig: „Nicht-Handeln ist das Schlimmste in jeder Krise.“

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

4 Kommentare

  • Mit Verlaub, aber private Anleger („Bürgerinnen und Bürger“) machen bei Daimler gerade mal einen Anteil von 21 % aus. Der Rest sind Riesenkonzerne, die sich auf Steuerzahlerkosten die Taschen füllen. Die Kritik von Rezo trifft also auch hier voll ins Schwarze. Was Rezo gemacht hat, war nötig. Ändern wird sich nichts, da die „Dullies“ (Zitat Rezo) ja völlig Beratungsresistent sind.

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