Wirtschaft

Nein, es wird keine Amazon-Gewerkschaft geben

Amazon
Das Ergebnis steht fest. Es wird immer noch keine Amazon-Gewerkschaft in den USA geben. (Foto: Unsplash.com / Bryan Angelo)
geschrieben von Marinela Potor

In der historischen Abstimmung in Alabama zur möglicherweise ersten Amazon-Gewerkschaft in den USA ist jetzt das Ergebnis verkündet worden. Nach der Auszählung aller Stimmen ist klar: Es wird keine Amazon-Gewerkschaft geben. 

Das Ergebnis fällt dabei sehr deutlich aus. 1.798 Amazon-Mitarbeiter:innen stimmten gegen eine Gewerkschaftsgründung, 738 dafür, berichtet der Radiosender NPR. Damit hat sich die Mehrheit gegen eine Amazon-Gewerkschaft im Lagerhaus Bessemer im US-Bundesstaat Alabama.

Die Auszählung der Stimmen hatte am 30. März begonnen. Insgesamt stimmten 3.215 Mitarbeiter:innen ab. In dem Lagerhaus in Bessmer arbeiten insgesamt rund 5.800 Menschen.

Die Gewerkschaft RWDSU hat bereits angekündigt, die Ergebnisse rechtlich vor dem National Labor Relations Board anzweifeln zu wollen.

Gewerkschaft wirft Amazon unlautere Stimmungsmache vor

Die Gewerkschaft bemängelt, dass Amazon im Vorfeld eine Anti-Gewerkschafts-Stimmung geschaffen habe, und die Belegschaft bewusst verwirrt oder verängstigt habe und so die Entscheidungsfreiheit der Angestellten beeinträchtigt habe.

Bereits im Vorfeld der Abstimmung gab es Beschwerden aus der Belegschaft in Bessemer, dass die Geschäftsführung mit verschiedenen Methoden die Wahl beeinflussen wollte.

So brachte Amazon überall Anti-Gewerkschafts-Plakate an, auch auf den Toiletten. Es tauchte auch ein sehr verdächtiger Stimmkasten innerhalb des Amazon-Werkes auf.

Außerdem wurden Mitarbeiter:innen regelmäßig dazu befragt, ob sie schon abgestimmt hätten. Es habe sogar eine geheime Twitter-Armee gegeben.

Während die Gewerkschaft behauptete, Amazon biete seinen Angestellten keine ausreichend guten Arbeitsbedingungen, wenn es um Arbeitszeiten oder Kündigungen gehe, sagte Amazon wiederum, dass die Gewerkschaft der Belegschaft das Geld aus der Tasche ziehen wolle, obwohl Amazon seine Mitarbeiter:innen besser bezahle als andere Arbeitgeber in der Region.

Die umkämpften Gewerkschaftswahlen in Alabama hatten ebenfalls für einen massiven Anstieg von Beschwerden gegen Amazon an anderen Standorten gesorgt.

Erste Amazon-Gewerkschaft hätte Signalwirkung gehabt

Das Wahlergebnis wurde aber nicht nur wegen der internen Streitigkeiten mit Spannung erwartet, sondern weil es seit 2014 das erste Mal war, dass in einem Amazon-Werk über eine Gewerkschaft abgestimmt wurde. Auch damals war das Ergebnis „nein“.

Als zweitgrößter privater Arbeitgeber in den USA hätte eine Amazon-Gewerkschaft außerdem eine große Signalwirkung gehabt, insbesondere im Süden der USA, der als nicht besonders gewerkschaftsfreundlich gilt.

Viele prominente Politiker, darunter auch US-Präsident Joe Biden hatten die Gewerkschaftsbildung in Alabama unterstützt.

Experten vermuten, dass die Abstimmung in Alabama nun möglicherweise dazu führen könnte, dass Politiker die häufig sehr arbeitgeberfreundlichen Arbeitsgesetze, überdenken könnten.

Auch interessant: 

Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

2 Kommentare

  • Vielleicht hätten sie die Mitarbeiter auch mit abstimmen lassen sollen. Nur die Mitarbeiterinnen abstimmen zu lassen erscheint mir schon aufgrund der Menge nicht zielführend.

Kommentieren