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Die (unsichtbaren) Verbindungen der deutschen Querdenker-Szene

Querdenker-Szene, #allesdichtmachen, Corona
#allesdichtmachen hat Verbindungen zur Querdenker-Szene in Deutschland. (Foto: Screenshots / YouTube – Montage: BASIC thinking).
geschrieben von Fabian Peters

Die Video-Aktion #allesdichtmachen hat enorme Wellen geschlagen. Einen radikalen Hintergrund haben zahlreiche beteiligte Schauspieler:innen vehement von sich gewiesen. Doch Recherchen belegen, dass allen voran die Strippenzieher der Aktion Verbindungen zur Querdenker-Szene pflegen.

Mit äußerst umstrittenen Videobeiträgen haben über 50 deutsche Schauspieler:innen die Corona-Politik und die Medien mitunter scharf kritisiert. Kritiker:innen haben ihnen vorgeworfen, dass sie sich aufgrund ihrer verharmlosenden und reißerischen Polemik Querdenker-Narrativen bedienen.

Und das scheint offenbar kein Zufall gewesen zu sein. Denn wie sich nun herausstellt pflegen die Initiatoren der Kampagne, allen voran Tatort-Regisseur Dietrich Brüggemann und Babylon-Berlin-Schauspieler Volker Bruch, enge Kontakte zur Querdenker-Szene.


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Wer steckt hinter #allesdichtmachen?

Wer steckt hinter der Aktion #allesdichtmachen? Mit dieser Frage beschäftigen sich seit einigen Tagen zahlreiche Medien. Etliche Schauspieler:innen haben sich unlängst von der Kampagne distanziert und ihre Videos gelöscht. Der Rest hüllt sich in Schweigen. Doch nach und nach kommen immer weitere Details ans Licht.

So äußerte sich Paul Brandenburg, Notfallmediziner und Mitbegründer der umstrittenen Querdenker-Initiative „1bis19“ –  zu deren Unterstützern auch Dietrich Brüggemann und Volker Bruch zählen – laut zahlreichen Berichten bereits im März 2021 folgendermaßen:

Wir haben aus dem Medien- und Kunstbereich Namen, die im Vorabend- und Hauptabendprogramm bekannt sind in den großen Sendern. […] Wir stehen kurz davor, dass sich sehr viele outen werden. Und ich freue mich auf diesen Tag.

Brandenburg sollte Recht behalten. Denn rund einen Monat später erblickte #allesdichtmachen das Licht der Welt.

#allesdichtmachen mit Verbindungen zur Querdenker-Szene

Das mediale Interesse an der Kampagne galt in den vergangenen Tagen jedoch ausschließlich den prominenteren Akteuren wie Dietrich Brüggemann, Jan Josef Liefers und Volker Bruch. Allerdings scheint auch Paul Brandenburg eine entscheidende Rolle gespielt zu haben.

So ist Brandenburg in den vergangenen Monaten immer wieder durch zwielichtige Äußerungen sowie zahlreiche Auftritte bei sogenannten „alternativen Medien“ in Erscheinung getreten. Zudem war er Gast beim Radiosender Sputnik News Agency (SNA), dem wiederum russische Staatspropaganda vorgeworfen wird.

Die Ursachen der Krise sieht Paul Brandenburg dabei nicht im Coronavirus selbst, sondern in den politischen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Das Virus wiederum verharmlost er und streut regelmäßig Desinformation.

Brüggemann und Brandenburg teilen sich ein Postfach

Für seinen YouTube-Kanal hat Paul Brandenburg im Februar 2021 wiederum Regisseur Dietrich Brüggemann empfangen. Thema der Sendung: „Tod der Kultur – Einsames Sterben unter aller Augen“. Doch Brüggemann ist mehr als nur ein Unterstützer. So teilt er sich mit Paul Brandenburg beispielsweise sogar ein gemeinsames Postfach.

Auffällig dabei ist, dass zahlreiche Querdenker-Narrative sowie Positionen von Paul Brandenburg auch in den #allesdichtmachen-Videos auftauchen. Das wiederum ruft erneut die Frage nach der Urheberschaft auf den Plan.

Ob Paul Brandenburg tatsächlich direkt an der Aktion beteiligt war, ist fraglich. Jedoch liegt der Verdacht nahe, dass er zumindest davon wusste und indirekt Einfluss nehmen konnte.

Das falsche Spiel der Initiatoren der Querdenker-Szene

Auffällig ist auch, dass sich vor allem Dietrich Brüggemann und Volker Bruch in den vergangenen Monaten zunehmend radikalisiert haben und typische Querdenker-Narrative bedienen. Via Social Media teilen sie beispielsweise Inhalte von einschlägigen Desinformation-Portalen wie Tichys Einblick oder Reitschuster.de.

Im März 2021 hat auch Volker Bruch der Initiative „1bis19“ von Paul Brandenburg ein Interview gegeben. Bruch soll, wie erst kürzlich herauskam, ebenso einen Mitgliedsantrag bei der Querdenker-Partei Die Basis gestellt haben.

Den Rückzug von Schauspieler Moritz Bleibtreu, der zunächst ebenso an #allesdichtmachen beteiligt gewesen sein soll, soll er den übrigen Beteiligten aus Angst vor weiteren Absprüngen zudem verschwiegen haben.

Ob und wer letztlich federführend agiert hat, bleibt jedoch nach wie vor unklar. Vor allem Dietrich Brüggemann und Volker Bruch scheinen jedoch eine tragende Rolle gespielt zu haben.

Ihr falsches Spiel hat dabei für viel Frust und Irritationen in der gesamten Schauspielbranche gesorgt. Zudem wurden einige Beteiligte offenbar bewusst hinters Licht geführt und für die Aktion instrumentalisiert. Darauf lässt nicht zuletzt deren unmittelbarer Rückzug sowie die Löschung zahlreicher Videos schließen.

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Über den Autor

Fabian Peters

Schreibt seit Januar 2021 für BASIC thinking. Studierte Germanistik & Politikwissenschaft and der Universität Kassel (Bachelor), Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master). Hat bereits für die Frankfurter Rundschau sowie die Magazine Pressesprecher und Politik&Kommunikation geschrieben.

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