Marketing Wirtschaft

Fake Promises: Eine schonungslose Abrechnung mit dem Network Marketing

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Johannes Strauss nimmt den Leser in "Fake Promises" hinter die Kulissen des Network Marketing. (Foto: Pixabay.com / Buffik)
geschrieben von Carsten Lexa

Network Marketing fällt oft im Zusammenhang mit zwielichtigen Schneeballsystemen. Die Vertreter:innen beteuern ihre Unschuld. Doch wie sieht die Realität aus? Das will Johannes Stauss in seinem Buch „Fake Promises“ zeigen. Eine Rezension.

Network Marketing hat nicht den besten Ruf. Wenn einem dann ein Buch in die Hände fällt, das den Titel „Fake Promises. Meine Geschichte und die schonungslose Abrechnung mit Network Marketing“ trägt, weckt das meine Aufmerksamkeit. Ich habe das Buch gelesen und werde euch sagen, ob der Titel hält, was er verspricht.

Network Marketing als Vertriebsform

Network Marketing ist eine besondere Form des Vertriebs – genauer des Direktvertriebs. Bei dieser Vertriebsform werden einem Kunden über den direkten Kontakt Produkte verkauft. Es entfällt also beispielsweise der Gang in ein Ladengeschäft.


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Dieser Kontakt kommt aber durch selbständig handelnde Personen zustande. Sie erhalten für die Verkäufe eine Provision. Beim klassischen Direktvertrieb werden dagegen Außendienstmitarbeiter eingesetzt. Sie sind in der Regel für diese Verkaufsart und im Hinblick auf die zu verkaufenden Produkte geschult.

Network Marketing vs. Empfehlungsmarketing

Darüber hinaus ist noch eine Abgrenzung zum Empfehlungsmarketing wichtig. Denn natürlich basiert Network Marketing auch auf Empfehlungen zu den Produkten.

Allerdings ist das Ziel von Empfehlungsmarketing eher das Aufbauen eines positiven Images. Das geschieht beispielsweise durch eine hohe Kundenzufriedenheit. Darüber hinaus gibt es im Empfehlungsmarketing oftmals mehrere Geschäftsmodelle.

Man sollte bei der vorstehenden Beschreibung übrigens noch im Hinterkopf haben, dass die Grenzen zwischen diesen Vertriebsformen immer wieder verschwimmen. Die Abgrenzung ist oftmals schwierig. Die einzelnen Elemente der Vertriebsformen vermischen sich.

Das ist auch erst einmal nicht problematisch, solange man sich überhaupt damit beschäftigt, wie das System funktioniert.

Gründer:innen bleiben immer wieder bei dieser Art des Vertriebs hängen. Sie testen sie, weil sie auf den ersten Blick ein einfaches System vermuten. Aber wie so oft liegt der Teufel dann im Detail.

Der Inhalt von Fake Promises

In „Fake Promises“ von Johannes Strauss geht es um Network Marketing. Daraus macht der Autor auch keinen Hehl. Und genau das ist es, was mir sofort an diesem Buch auffällt und was mir auch gefällt. Der Autor ist ehrlich.

Ehrlichkeit und eine positive Grundhaltung gegenüber dem Network Marketing

Er beschönigt nichts, sondern beschreibt die Umstände des Network Marketing, die er erlebt, genauso wie sie ihm eben auffallen. Dabei legt er eine positive Grundhaltung an den Tag. Das heißt: Er ist dieser Vertriebsform grundsätzlich gegenüber positiv eingestellt.

Und er sagt auch warum. Denn seiner Ansicht nach ist es nichts Schlimmes, anderen von einem Produkt zu erzählen und dieses dann zu verkaufen, wenn man selbst von diesem Produkt überzeugt ist. Im Falle des Autors sind dies Parfüms. Sie kommen aus Deutschland und sind vergleichbar mit Markendüften.

Und Johannes Strauss ist darüber hinaus noch immer in diesem Bereich tätig. Er begründet auch, warum er zum jetzigen Zeitpunkt, an dem er immer noch im Rahmen dieses Vertriebs aktiv ist, das Buch schreibt.

Persönliche Eindrücke und konkrete Zahlen

Er sagt, dass sonst solche Bücher von Menschen geschrieben werden, die erfolgreich im Bereich Network Marketing waren. Dagegen steht er am Anfang und möchte mit diesem Blickwinkel seine Eindrücke schildern.

Und das macht er auch. So schreibt er von der Reaktion seiner Familie auf seine Entscheidung, in dieser Vertriebsform tätig zu werden. Am Ende des Buches legt er sogar offen, wie derzeit seine Einnahmensituation aussieht.

Das finde ich spannend und mutig, denn solche Informationen zu erhalten, ist oftmals nicht einfach und wenn dann sind diese vielfach nicht vollständig oder nicht genau nachvollziehbar.

Schließlich hat mir noch gefallen, dass das Buch gut lesbar war. Der Autor hat einen angenehmen Schreibstil, was auch daran liegt, dass er eine positive Grundeinstellung zum Erfolg, zum Verkaufen von Produkten und zum Leben insgesamt hat.

Obwohl er in „Fake Promises“ immer wieder über negative Erfahrungen berichtet, hat man nie den Eindruck, dass er verbittert ist oder dass er mit etwas oder jemandem abrechnet.

Was bietet das Buch nicht?

Das führt mich nun zu den beiden Punkten, die in meinen Augen zu kritisieren wären. Denn der Titel des Buches deutet auf eine „Abrechnung“ hin – also auf eine zumindest kritische Auseinandersetzung, vielleicht sogar auf eine Verteufelung. Das ist aber nicht der Fall.

Letztendlich wird dieses System des Vertriebs gelobt. Das primäre Argument ist, dass es nicht verkehrt sei, Produkte, die man selbst gut findet, anderen zu empfehlen und zu verkaufen. An einer Stelle heißt es, dass das die Menschen schon immer machen würden.

Die Preisspirale im Network Marketing

Das ist natürlich richtig. Jedoch hätte ich mir gewünscht, dass auch die Seiten beleuchtet werden, die bei Network Marketing immer wieder in der Kritik stehen.

Beispielsweise gibt es bei dieser Vertriebsform oftmals mehrere Level an Personen, die beim Verkauf eines Produktes mitverdienen. Diese mehrstufigen Provisionen erhöhen dann den Preis. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass der Preis niedriger wäre, wenn nicht so viele Menschen an einem Verkauf mitverdienen würden.

Das Produkt könnte also billiger werden, wenn es anders – also über ein anderes Vertriebssystem – verkauft wird. Dazu hätte ich gerne etwas gelesen. Einfach nur zu sagen, dass ein Produkt gut ist und deshalb so vertrieben werden kann, ist in meinen Augen zu einfach.

Aber mir ist natürlich klar, dass eine Preis-Wert-Diskussion immer problematisch und subjektiv ist.

Der professionelle Verlag fehlt

Der andere Punkt, der in meinen Augen nicht gelungen ist, ist die Aufmachung des Buches. Es handelt sich um eine Produkt im Self-Publishing. Es steht also kein Verlag hinter dem Buch. Das merkt man leider.

Die Sprache, obwohl sehr gefällig, hätte in meinen Augen an manchen Stellen verbessert werden können. Und die Verwendung von Zitaten mit dem Hinweis „Verfasser unbekannt“ halte ich für echt problematisch – ein gelungenes Zitat sieht anders aus.

Fazit zu Fake Promises

Ich empfehle trotz meiner kritischen Punkte dieses Buch als Lektüre. Denn für mich war spannend, in die Gedankenwelt des Autors einzutauchen und seinen Blick auf Network Marketing als Vertriebsform zu erleben.

Darüber hinaus gefällt mir die Ehrlichkeit. Eine „Abrechnung“ ist das Buch nicht. Aber wer Abrechnung als Beschreibung deutet, die subjektiv eingefärbt ist, der bekommt dann genau das. Und das ist in meinen Augen in Ordnung, denn man darf ruhig darüber schreiben, wenn einem Network Marketing gefällt.

Mein Wunsch wäre, dass der Autor in drei oder vier Jahren ein weiteres Buch schreibt und dann seine ergänzenden Eindrücke schildert. Insbesondere fände ich es gut zu erfahren, wie er Network Marketing mit tieferen Eindrücken erlebt hat, wenn vielleicht die anfängliche Euphorie etwas verflogen ist.

Dieses Buch würde ich sofort lesen, um zu erfahren, ob der Autor immer noch so angetan ist oder ob sich sein Blickwinkel verändert hat.

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

2 Kommentare

  • Ich habe das Buch zwar nicht gelesen, aber mir scheint, dass die Rezension noch sehr gefällig ist. Es ist ja kein Geheimnis, dass Network-Marketing immer an der Grenze des Legalität agiert, meistens noch knapp drin, manchmal aber auch nicht. Das eigentliche Problem ist ja, dass man nicht primär am Verkauf des Produkts verdient, sondern mit der Aquise von immer weiteren Verkäufern. Es ist bekannt, dass Leute im Network-Marketing verzweifelt alles tun, um neue Kunden zu generieren. So wie es ausschaut, gehört dazu neu auch, ein Buch im Selbstverlag herauszugeben. Interessant auch, dass offenbar absichtlich ein irreführender Titel gewählt wurde, der wohl das Ziel hat, allfällige Kritiker zu übertönen.

    • Hi Swen, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich bin mir nicht ganz klar, was du mit „gefällig“ meinst. Wenn du darunter eine Gefälligkeitsrezension verstehst, dann kann ich dich beruhigen: ich habe nicht nur das Buch tatsächlich gelesen, sondern auch kein Geld für die Rezension bekommen und unterhalte keine Geschäftsbeziehung zum Autor.
      Ein paar der Punkte, die du ansprichst, kann ich nachvollziehen. Auch ich finde beispielsweise den Titel nur bedingt passend zum Inhalt. Allerdings finde ich es im Gegensatz zu dir nicht problematisch, ein Buch zu schreiben, wenn man (noch) in der Network Marketing-Branche tätig ist. Denn wie man dem Buch entnehmen kann, findet der Autor diese Branche wohl wirklich gut. Ob er diese Meinung auch noch in ein paar Jahren vertritt, wird man sehen – vielleicht kam das Buch zu früh, um einen tiefgehenden Einblick in das Thema Network Marketing zu haben, aber das entscheidet natürlich immer jeder Autor. Ich fand dies vorliegend nicht problematisch, allerdings betrachte ich ein solches Buch auch nicht völlig naiv, sondern mit dem entsprechenden Abstand zum Inhalt.
      Und deine Anmerkungen zu der gesamten Network Marketing-Branche halte ich so pauschal für etwas zu einfach. Denn jede Branche hat ihre Vor- und Nachteile. Niemand muss in dieser speziellen Branche arbeiten und niemand muss die angebotenen Produkte kaufen. Für den Autor passt es insoweit und diese Meinung sollte man ihm auch lassen.
      Insgesamt war das Lesen dieses Buches für mich keine Zeitverschwendung, sondern brachte einen interessanten Einblick in das „mind set“ des Autors. Ob der Inhalt dann interessant ist, das muss letztendlich jeder selbst entscheiden.

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