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Finger weg vom Prime Day: Das ist Amazons Plan für die Weltherrschaft

geschrieben von Nicole Scott
Der Prime Day fand dieses Jahr vom 21. bis zum 22. Juni in zwanzig Ländern statt. Als ich
sah, wie viele Artikel durch das Netz wanderten, die Werbung für den Prime Day machten,
wurde mir ehrlichgesagt ein wenig übel. Scheinbar sind magere Rabatte eine größere
Sensation als die Nachrichten über die schockierenden Arbeitsbedingungen bei Amazon.
Wie könnte eine Veranstaltung, die in Grunde der schlechteste Flohmarkt der Welt ist,
den Grundstein für die Weltherrschaft von Amazon bilden?
In den USA steht Amazon laut eMarketer kurz vor dem Sättigungspunkt, was das Prime-Abo
angeht. In den anderen 19 Ländern hat Amazon wohl noch mehr Wachstumsspielraum.
Der Prime Day ist für Amazon von entscheidender Bedeutung – und das nicht nur während
des Eventzeitraums. Der Prime Day ist ein wichtiges Mittel, um neue Prime-Abonnenten zu
gewinnen und sie an die Plattform zu binden, wo sie dann das ganze Jahr über einkaufen.
2019 verzeichnete Amazon am Prime Day mehr Neuanmeldungen als je zuvor. Diese
Anmeldungen stammen vor allem von außerhalb der USA und tragen zum schnellen
internationalen Wachstum von Amazon bei.
Wie bereits eingangs erwähnt, finde ich es schockierend, wie viele Tech-Websites am Prime
Day kostenlose Werbung für Amazon machen, um sich ein paar Dollar mit Affiliate-
Verkäufen zu verdienen. Jeder, der am Prime Day Produkte bewirbt, möchte euch nur etwas
verkaufen, um sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden. Ich gebe zu, auch Mobile Geeks
hat das in der Vergangenheit getan. Letztes Jahr habe ich euch am Prime Day erklärt, wie ihr
herausfinden könnt, ob ihr tatsächlich einen guten Deal bekommt.
Die Vorteile, die Amazon mit Prime bietet, fallen von Land zu Land unterschiedlich aus. In
Großbritannien und Teilen Europas steht vor allem das Angebot an Lebensmitteln an erster
Stelle. Prime Video ist ein weiteres Feature, das neue Kunden anlocken soll, denn auf den
internationalen Märkten gibt es weniger Streaminganbieter als in den USA. Der fehlende
Wettbewerb verschafft Amazon hierbei einen großen Vorteil.
Dave Fildes, Director of Investor Relations bei Amazon, bezeichnete Prime während einer
Konferenz im April als eine Möglichkeit, neue Kunden an Amazon heranzuführen. In
Brasilien gibt es ein Abo nur für Prime Video, als Amazon dann das breitgefächerte Prime-
Programm auf den Markt brachte, war „dies ein toller Weg, um unter den Leuten für Interesse
am Programm zu sorgen“.
Er erwähnte außerdem, dass Kunden nach dem 30-tägigen Probeabo eher ein Prime-Abo
abschließen, wenn sie Videos streamen. Und wer sich einmal dafür angemeldet hat, wird
wahrscheinlich auch das ganze Jahr über bei Amazon einkaufen. Warum Amazon vor kurzem
8,5 Milliarden US-Dollar in die Übernahme des Filmstudios MGM investiert hat, sollte euch
spätestens jetzt klar sein.
All das ist auch der Grund, warum es jetzt eine Prime Day Show gibt – dieses Jahr mit Musik-
Performances von Billie Eilish, H.E.R. und Kid Cudi. Das Ganze ist natürlich exklusiv für
Prime-Mitglieder.

Was können wir tun?

Ein Amazon-Boykott würde Leute davon abhalten, sich für Prime anzumelden. Auch das
Kündigen des eigenen Prime-Abos kann ein Schritt in diese Richtung sein.
It’s hard to stand up against the convenience of having something to your door at a good
price. But we have to ask ourselves, as Amazon uses Prime Day to expand its empire into
other countries, is this how we want to employ the vulnerable in our society?
Es ist schwer, sich gegen die Bequemlichkeit der günstigen Produkte und schnellen
Lieferzeiten zu wehren. Doch wir müssen uns die Frage stellen, ob wir wirklich die
Unternehmenspraktiken von Amazon gutheißen können.
Letzte Woche zeigte ein Bericht, dass Führungskräfte bei Amazon besorgt sind, dass das
Unternehmen seine Mitarbeiter zu schnell „aufbraucht“ und es bald keine neuen Bewerber
mehr geben wird. Viele der 350.000 Mitarbeiter arbeiteten zwischen Juli und Oktober 2020
insgesamt nur wenige Tage oder Wochen. Der Grund: die unsicheren und belastenden
Arbeitsbedingungen. Das ist alles nichts Neues. 2018 demonstrierten Amazon-Mitarbeiter in
Spanien, Deutschland und Polen während des Prime Day drei Tage lang gegen die miserablen
Bedingungen.
Amazon erreicht in den USA den Sättigungspunkt und nutzt nun den Prime Day, um neue
Märkte zu erreichen – wer mitmacht, der unterstützt indirekt die fragwürdigen
Geschäftspraktiken des Onlinehändlers.

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Über den Autor

Nicole Scott