Technologie Wirtschaft

Keine Werbung! Warum AI as a Service das Geschäftsmodell der Zukunft ist

AI as a Service, Künstliche Intelligenz verkaufen, Artificial Intelligence, Algorithmen kaufen
Pixabay.com / mohamed_hassan
geschrieben von Christian Erxleben

Facebook, Google, Twitter und Co. verfolgen ein gemeinsames Geschäftsmodell. Sie verkaufen vereinfacht ausgedrückt die Daten ihrer User für Werbung. Das wird sich bald ändern. In einigen Jahren werden die Tech-Konzerne mit AI as a Service ihre Milliarden scheffeln. 

Daten sammeln und an Advertiser verkaufen

Ob nun Facebook, Google oder auch Amazon, Snapchat, Pinterest und Co.: Fast alle sozialen Netzwerke und ein Großteil der digitalen Plattformen setzt auf das gleiche Geschäftsmodell. In manchen Fällen ist die Abhängigkeit größer. Dazu zählt beispielsweise Facebook. In anderen Fällen – bei Amazon – ist sie kleiner.

Doch vom Prinzip her, ist das Modell vergleichbar. Alle Technologie-Konzerne sammeln eifrig Daten ihrer User. Diese aggregieren sie in Segmenten. Dadurch erschaffen sie Zielgruppen, die für Werbungtreibende interessant sind.


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Wer also beispielsweise Menschen zwischen 24 und 35 Jahren erreichen will, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, kann das in den Anzeigen-Einstellungen bei Facebook, Instagram und Co. genau so hinterlegen.

Werbung im Internet: ein lukratives Geschäftsmodell

Dass sich mit diesem simplen Geschäftsmodell wahnsinnig viel Geld verdienen lässt, zeigt ein Blick auf die Geschäftszahlen von Facebook. Sie sind besonders aussagekräftig, weil das soziale Netzwerk seinen Umsatz zu 98 (!) Prozent mit Werbung generiert. Mehr Abhängigkeit geht eigentlich nicht.

Lag im Jahr 2010 der Umsatz von Facebook noch bei 1,8 Milliarden US-Dollar, hat der Konzern im Jahr 2015 schon 17 Milliarden US-Dollar mit personalisierter Werbung umgesetzt. Für das Geschäftsjahr 2020 stehen sogar 84,1 Milliarden US-Dollar im Jahresbericht.

Politik und Gesellschaft verbieten Tracking: Geschäftsmodell in Gefahr

Doch dass diese Entwicklung sich im gleichen Maß fortsetzt, ist durchaus fraglich. Selbstverständlich werden die digitalen Plattformen auch in den kommenden Monaten und Jahren mit Werbung viel Geld verdienen.

Allerdings zeichnet sich seit einiger Zeit ein Wandel ab. Dieser betrifft sowohl die Politik und die staatlichen Organisationen als auch die Gesellschaft in Form der User. Das Stichwort dazu lautet: Datenschutz. Immer größere Teile unserer Welt legen mehr Wert auf Privatsphäre.

Darauf regieren auch die Technologie-Konzerne. Das zeigt beispielsweise das Cookie-Aus bei Google im Jahr 2023 und das Tracking-Verbot auf Apple-Geräten ab iOS 14.

Vereinfacht dargestellt, wird es für Unternehmen immer schwieriger, Daten für werbliche Zwecke zu sammeln und zu verwerten. Ohne eben jene Daten jedoch funktioniert das Geschäftsmodell der personalisierten Werbung allerdings nicht mehr. Ein Umdenken ist also erforderlich.

Algorithmen als Gamechanger

Glücklicherweise sind die für Facebook, Tik Tok, Google und Co. entstehenden Probleme geringer als das gesellschaftlich erwartet wird. Schließlich haben alle Technologie-Konzerne schon das nächste Geschäftsmodell, das Milliarden abwirft, in der Schublade.

Sobald sich mit personalisierter Werbung kein Geld mehr verdienen lässt, werden sie es aus der Schublade holen. Die Rede ist von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz (KI) beziehungsweise Artificial Intelligence (AI).

Eben jene intelligenten Technologien bestimmen schon heute das Leben vieler Menschen. Sie bestimmen, welche Posts User in ihrem Feed sehen und wann welche Anzeige erscheint. Sie empfehlen uns neue Serien, schlagen uns Musik vor, die uns gefallen könnte, und verraten uns, was wir womöglich kaufen wollen.

Oder anders ausgedrückt: Die großen Technologie-Konzerne verfügen über etwas, von dem Milliarden von Menschen abhängig sind – wissend oder unwissend. Genau diese Abhängigkeit lässt sich durch AI as a Service in Geld umwandeln.

AI as a Service: Ein Milliarden-Modell

Schon im Jahr 2017 hat eine Studie prognostiziert, dass sich mit dem Bereitstellen von Algorithmen und anderen AI-basierten Technologien sehr viel Geld verdienen lässt. Lag der Wert vor vier Jahren noch bei 1,13 Milliarden US-Dollar soll der Wert bis 2023 auf 10,88 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Doch diese Prognose greift vermutlich viel zu kurz. Die realisierbaren Umsätze dürften in Wirklichkeit bedeutend höher ausfallen.

So ist es nicht verwunderlich, dass der chinesische Konzern Bytedance mit „Byteplus“ den Empfehlungs-Algorithmus von Tik Tok seit dem Jahr 2021 als White-Label-Version zum Verkauf anbietet.

Dadurch erhalten alle Unternehmen die Möglichkeit, ihre Apps zu personalisieren. Neben Video-Effekten umfasst das Angebot von Tik Tok auch Tools zur Datenanalyse, zur Echtzeit-Übersetzung und natürlich den sagenumwobenen Algorithmus für personalisierte Empfehlungen.

AI as a Service löst die Probleme von kleinen und mittleren Unternehmen

Zeit und Geld als Faktoren

Je mehr Technologie-Konzerne ihre AI as a Service anbieten, desto mehr Firmen werden davon Gebrauch machen. Schließlich besteht eines des größten Probleme von kleinen und mittlernen Unternehmen darin, dass sie nicht über das notwendige Geld verfügen, um sich derartige Algorithmen programmieren zu lassen.

Wenn schon die Algorithmen von Instagram und Co. nicht perfekt funktionieren, braucht es nicht viel Vorstellungskraft, wie schwierig es für Start-ups und mittelständische Unternehmen sein muss, eine halbwegs funktionierende Technologie auf die Beine zu stellen.

Kein Inhouse-Know-how erforderlich

Doch nicht nur das Geld und die Zeit stellen für Firmen ein Problem dar. Es mangelt schlichtweg schon eine Ebene davor: am Fachpersonal. Wenn bereits Konzerne wie Volkswagen und Tesla Probleme damit haben, qualifiziertes Personal in Deutschland zu finden, sieht die Lage bei KMU und Start-ups noch schlechter aus.

Schließlich ist es bei der Programmierung eines Algorithmus auch nicht mit einem Data Engineer getan. Die fortlaufende Anpassung und Kontrolle der Technologie erfordert ein ganzes Team an Spezialisten.

Wenn jedoch Tech-Konzerne wie Bytedance – oder in Zukunft auch Facebook und Google – ihre AI as a Service zur Verfügung stellen, sinkt die Hürde für die Anwendenden in der Praxis deutlich. Dann genügt womöglich tatsächlich eine Fachkraft, die sich um die Implementierung der Software kümmert.

AI as a Service löst Transparenz-Problem von Big Tech

Doch zurück zu den Technologie-Konzernen. Neben dem Vorwurf, dass sie die Privatsphäre der User nicht oder nur kaum beachten, kommt ebenfalls oft das Argument, dass die dahinterliegenden Algorithmen nicht transparent sind.

Deshalb fordern Politiker und Verbraucherschutz-Organisationen, dass Facebook, Google und Co. ihre Algorithmen für die gesamte Welt offen legen. Dadurch ließe sich ein Missbrauch verhindern. Indem die Technologie-Konzerne ihre AI as a Service anbieten, schlagen sie sprichwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Schließlich stellen sie die begehrte Technologie durch einen Abo-Service jedem Interessierten zur Verfügung. Sie geben somit freiwillig ihre Monopolstruktur auf. Zugleich bleiben sie der Wahrer der Algorithmen, weil sie durch AI as a Service nicht alle Details weitergeben, sondern nur die Funktionen verfügbar machen. Eine Win-Win-Situation.

AI as a Service kennt keine Grenzen

Abschließend lässt sich sagen, dass AI as a Service vermutlich das Geschäftsmodell der nächsten Jahre sein wird. Schließlich sind der Technologie in der Praxis de facto keine Grenzen gesetzt.

Schon heute spricht ein Whitepaper der „Lufthansa Industry Solutions“ davon, dass sich AI as a Service beispielsweise dafür einsetzen lässt, um das Feedback von Kunden vollautomatisch auszuwerten und zu verarbeiten. Ebenso lassen sich wiederkehrende Kundenfragen via „Email Reply AI“ „ganz von alleine beantworten.“

Alleine die Beispiele, die die Lufthansa aufführt, offenbaren, dass AI as a Service fast alle Dienstleistungen umfassen kann. Das beginnt bei Chatbots und Newsfeeds, geht über die Analyse von Streaming- und Klickverhalten und endet eben bei Empfehlungs-Algorithmen und Vorhersage-Modellen.

Eines steht dabei allerdings fest: Wer die Macht über die besten Algorithmen verfügt, wird in Zukunft wahnsinnig viel Geld verdienen – vermutlich noch mehr als durch personalisierte Werbung.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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