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IAA 2021: Wie funktioniert eine Automesse ohne (Verbrenner-)Autos?

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IAA Mobility
geschrieben von Marinela Potor

Heute öffnet die IAA 2021 offiziell ihre Pforten. Die Internationale Automobilausstellung findet erstmalig in München statt und möchte sich mit dem neuen Namen „IAA Mobility“ als Mobilitätsmesse neu positionieren. Doch wie funktioniert eine Automesse ohne (Verbrenner-)Autos? 

In diesem Jahr soll alles anders sein auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA). Die IAA 2021 wartet dafür nicht nur mit einem abgeänderten Namen auf und nennt sich jetzt IAA Mobility. Darüber hinaus sollen erstmals nicht mehr nur Autos im Fokus stehen, sondern Mobilitätskonzepte.

Der Verbund Deutscher Automobilhersteller (VDA), der die Messe erstmals in München anstatt, wie bisher, in Frankfurt, ausrichtet, möchte sich und die Automobilindustrie damit neu positionieren. Anstatt der „Feindbilder“ Verbrennerauto und Individualverkehr, soll es diesmal um zukunftsorientierte und nachhaltigere Mobilitätskonzepte gehen.

Nur, wie funktioniert eine Automesse ohne ihr traditionelles Herzstück, das Verbrennerauto? Eigentlich ganz gut, wenn man auf das Programm und die Aussteller schaut.

IAA 2021: Das können Besuchende erwarten

So versammeln sich auf der IAA 2021 sowohl Pedelec-Anbieter, Hyperloop-Entwickler als auch Roboterauto-Hersteller und Sharing-Anbieter. Darüber hinaus gibt es Diskussionen zu Elektromobilität, smarter Mobilität und Frauen in der Mobilität.

Natürlich sind weiterhin auch Automobilhersteller von Volkswagen über Daimler bis BMW vertreten. Doch auch hier fällt auf: Im Fokus stehen die neuesten Elektroautos oder smarte Mobility-Konzepte. Verbrennerautos werden zwar hier und dort weiterhin zu finden sein, doch – so wirkt es beinahe – eher versteckt.

Jeder Aussteller stellt ganz bewusst grüne Technologien in den Vordergrund. Das reicht von den „grünen Autoreifen“ des Autoreifenherstellers Continental bis hin zu den Elektroautomodellen von Renault, BMW und Co.

Das Konzept musste viel Spott einstecken. Einige kaufen der Automobilbranche den grünen Wandel nicht so ganz ab. Und da in diesem Jahr mehr Zweiradaussteller als Autohersteller auf der Messe vertreten sind, haben einige die IAA 2021 schon als Eurobike mit Autoausstellung im Anhang bezeichnet.

Tatsächlich ärgert sich in Deutschland insbesondere die Fahrrad-Lobby, dass ausgerechnet die IAA ihnen nun auch noch ihren Markt streitig machen möchte.

Auch gibt es weiterhin Proteste gegen die IAA 2021. Denn Kritiker:innen geht die Neuausrichtung der Messe nicht weit genug. Sie fordern eine radikale Abwendung vom Individualverkehr, egal, ob der eigene PKW dabei elektrisch oder mit Verbrennungsmotor angetrieben wird.

Brauchen wir überhaupt noch eine Automobilausstellung?

Wenn es also bei der IAA 2021 eher darum geht, das eigene Auto zu vermeiden als es zu kaufen, bleibt ein wenig die Frage nach der Daseinsberechtigung der IAA.

Sowohl der VDA als auch die deutsche Automobilindustrie müssen sich also innovative Konzepte überlegen. Denn andernfalls werden der Messe künftig nicht nur Besuchende, sondern, wie schon in den Vorjahren, vor allem die Aussteller abwandern.

Diese fühlen sich vom angestaubten Image der Automesse nicht mehr angesprochen und wollen ihre Marken in einem moderneren Licht präsentieren, etwa beim Berliner Greentech-Festival.

Doch genau darum ist die Neuausrichtung der IAA 2021 keine schlechte Idee für die Automobilbranche. Sie kann erstens zeigen, dass sie weiterhin zukunftsorientierte Mobilitätskonzepte „made in Germany“ auf den Markt bringen kann und somit, zweitens, weiterhin ein wichtiges Element der deutschen Wirtschaft sein kann, mit dem Klimaschutz im Blick.

Denn andernfalls, und das weiß auch die Branche, werden reine Verbrenner-Konzepte schon in wenigen Jahren nicht mal einen Messestand füllen können, geschweige denn Arbeitsplätze schaffen oder Fahrzeuge verkaufen.

IAA 2021 steckt irgendwo im Nirgendwo

Damit befindet sich die IAA 2021 genau dort, wo die deutsche Mobilitätswende steckt: irgendwo im Übergang zwischen Individualverkehr und Verbrennerantrieben und einer klimaorientierten Neuausrichtung im Verkehr.

Das stimmt weder die Befürworter:innen der alten Konzepte glücklich noch diejenigen, die sich eine radikalere Verkehrswende wünschen. Genau darum hagelt es auch momentan Kritik von allen Seiten.

Den einen geht der Wandel zu schnell, den anderen zu langsam und irgendwo dazwischen versucht die IAA 2021 sich zu positionieren. Ob das im Endeffekt erfolgreich gelingt, wird sich zeigen. Wenn die neuen Konzepte sowohl die Industrie als auch die Verbraucher:innen überzeugen, vermutlich.

Dann wird es auch in kommenden Jahren sicherlich Interesse an einer IAA Mobility geben. Andernfalls muss man sich eventuell endgültig von dieser Art von Messe verabschieden. Klar ist: Die IAA 2021 steht damit vor einer großen Bewährungsprobe.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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