Unterhaltung Wirtschaft

Ralf Dümmel: „Ich bereue keinen einzigen Deal“

Ralf Dümmel, DS Produkte, DS Gruppe
Stefan Groenveld
geschrieben von Christian Erxleben

Seit dem Jahr 2016 sitzt Ralf Dümmel als Investor in „Die Höhle der Löwen“. Zum Staffelfinale der zehnten Staffel und zur 100. Episode von „DHDL“ haben wir mit „Mr. Regal“ über seine Vergangenheit, seine emotionalsten Momente und über die Zukunft gesprochen.

Die Gründershow „Die Höhle der Löwen“ gehört zu den beliebtesten und erfolgreichsten deutschen TV-Sendungen – und das schon seit mehreren Jahren. Besonders beliebt ist dabei auch Ralf Dümmel, der als Investor mit Herzlichkeit, Nahbarkeit und Humor überzeugt.

Zum Staffelfinale der zehnten DHDL-Staffel und zur 100. Episode von „Die Höhle der Löwen“ haben wir den Investor zum Interview getroffen. Wir haben mit ihm über die Nervosität bei seinem TV-Debüt gesprochen, über Trauer und Hass nach der Sendung und über seine Zukunft im Löwen-Käfig.


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Ralf Dümmel sitzt seit 2016 in der Löwen-Jury

BASIC thinking: Herr Dümmel, vor fast genau fünf Jahren haben Sie mit uns über Ihren Start als Investor bei „Die Höhle der Löwen“ gesprochen. Damals war Ihnen die TV-Welt und die Aufmerksamkeit noch (relativ) unbekannt. Was hat sich in den vergangenen fünf Jahren verändert?

Ralf Dümmel: Wow, die Zeit rennt einfach. Ist das wirklich schon fünf Jahre her? Ich habe in den letzten Jahren von meinen Gründer:innen sehr viel gelernt.

Inzwischen haben wir über 122 Investments mit den verschiedensten Start-ups – von ganz jung bis alt, vom Einzelkämpfer und der One-Woman-Show bis hin zu Teams, von Erfinder:innen und echten Unternehmerpersönlichkeiten. Ein Investment ist keine Einbahnstraße – beide Seiten lernen ganz viel dazu.

Mich beeindruckt besonders, dass „Die Höhle der Löwen“ alle Zuschauergruppen anspricht und alle Altersgruppen abdeckt. Die Vox-Gründershow hat eine Menge für die deutsche Gründerszene getan und das Thema „Gründen“ einer sehr breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wir brauchen noch deutlich mehr Investoren und mehr Gründer:innen. Unternehmertum und ein positiver Umgang mit dem Scheitern sollte in Schulen und an Universitäten noch viel mehr Thema werden. Es ist in den letzten Jahren einiges passiert, aber es gibt immer noch Luft nach oben. Ich bin trotzdem sehr positiv gestimmt.

Doch es sind nicht nur fünf Jahre vergangenen. Sie sitzen mittlerweile seit 80 Folgen in der Löwen-Jury. Heute wird die 100. Episode der Sendung ausgestrahlt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Ich glaube, dass ich mich nicht beschweren kann. (lacht) Ich bin immer wieder begeistert von den mega Start-ups, sensationellen Produkten und großartigen Gründer:innen.

Die Nervosität vor dem ersten Besuch in der Löwenhöhle

Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie das erste Mal auf einem der Sessel Platz genommen haben und der erste Gründer die Höhle betreten hat? Wie hat sich das angefühlt?

Einen Tag vor meinem ersten Drehtag war ich so aufgeregt, dass ich die Produktionschefin angerufen habe und nach Unterlagen von den Start-ups gefragt habe. Die hat nur laut gelacht und mir dann noch einmal erklärt, dass ich alle Informationen erst in der Löwenhöhle direkt von den Start-ups bekomme.

Ich war so nervös, dass ich nicht schlafen konnte. Ich stand vorher noch nie vor der Kamera und hatte auch kein Coaching, deshalb war das alles neu für mich. Meinen aller ersten Drehtag werde ich niemals vergessen. Trotz meiner Nervosität habe ich die Kameras schnell vergessen und konnte mich voll und ganz auf die Gründer:innen konzentrieren.

In der Zwischenzeit haben Sie Hunderte Pitches gesehen. Welcher Gründer ist Ihnen dabei nachhaltig im Gedächtnis geblieben? Und: Warum?

Ich bin auf alle meine Löwenkinder unheimlich stolz, habe alle in mein Herz geschlossen und vergesse deshalb keinen einzigen Pitch. Den Pitch Move Aid werde ich ebenfalls niemals vergessen, weil ich von der starken Gründerin, Erfinderin und Mutter Anna einfach den allergrößten Respekt habe.

Enttäuschung und Hass bei DHDL

Gibt es einen Deal, den Sie im Nachhinein bereut haben, weil Sie sich vom ersten Eindruck haben verleiten lassen?

Ich bereue keinen einzigen Deal, denn ich investiere nur, wenn ich von Produkt und Gründer:innen überzeugt bin. Ich weiß nach fünf Minuten, ob das Produkt was für mich ist oder nicht. Das ist eine Bauchentscheidung. Dann kommt der Kopf hinzu und die Entscheidung steht.

Ich trauere um jeden Deal, den ich verloren habe und es tut mir jedes Mal weh, wenn die Gründer:innen sich für andere Löw:innen entscheiden

Wir alle erinnern uns noch gut an den Deal mit den Pinky Gloves in der letzten Staffel. Hätten Sie damit gerechnet, dass die (digitale) Öffentlichkeit mit einer solchen Macht gegen ein Produkt, die Gründer, ihre Familien und auch Sie selbst vorgehen würde? Was sagt das über unsere Debattenkultur aus?

Ein sehr emotionales Thema. Ich hätte niemals gedacht, dass ein Pitch sich in so viel Hass umwandeln kann und bin darüber auch immer noch sehr erschrocken.

Weg von meiner Person – am meisten zu kämpfen, hatte ich mit dem Hass, der im Netz verbreitet worden ist und sich an die beiden Gründer richtete. Denn beide mussten viel einstecken und haben Beleidigungen und Morddrohungen bekommen. Das Thema ging nicht an mir vorbei und hat mich sehr beschäftigt.

Ein Tipp für alle Gründer

Ob im Fernsehen oder auch auf Instagram: Ralf Dümmel ist ein offener, herzlicher und humorvoller Mensch. Wie hat sich der Mensch Ralf Dümmel durch „Die Höhle der Löwen“ verändert?

Außer, dass mich nun vielleicht zwei, drei Personen auf der Straße ansprechen und erkennen, hat sich nicht viel verändert. Ich bin genau der Ralf, der ich auch vor meinem Löwendasein war. Ich habe nun einen noch volleren Kalender und ein wenig mehr zu tun. Dennoch liebe ich meinen Job einfach.

Im Interview 2016 sprachen Sie davon, dass mit dem richtigen Willen alles möglich ist. Welchen Tipp würden sie Gründern und Gründerinnen in Deutschland mitgeben?

Start-ups müssen sich anfangs auf den Grundsatz „weniger ist mehr“ beschränken. So manche Gründer:innen haben sich schon ganz schön verzettelt. So einen Apparat muss man erst mal stemmen können. Daher empfehle ich Start-ups, sich anfangs zu fokussieren und die Prozesse erst richtig zu etablieren.

Ansonsten kann man viel Lehrgeld zahlen – besonders bei Produkten, die viel Working Capital schlucken, das man vorstrecken können muss. Die Gründer:innen können bei einem Investment mit mir profitieren, denn ich habe schon sehr viel Lehrgeld bezahlt und kann meine Erfahrungen teilen.

Ralf Dümmel bleibt DHDL-Löwe 2022

Lassen Sie uns zum Abschluss noch einen Blick in die Zukunft werfen: Vor der dritten Staffel waren Sie sich nicht sicher, ob es eine vierte Staffel gibt. In der Zwischenzeit befinden wir uns in der zehnten Runde und „Mr. Regal“ ist beliebter denn je. Wie geht es mit Ihnen und der Höhle der Löwen weiter?

Ich habe schon immer an die Zukunft der Sendung geglaubt, denn ich liebe einfach die Ehrlichkeit der Sendung. „Die Höhle der Löwen“ war schon immer eine beliebte Sendung im deutschen Fernsehen, die in den letzten Jahren nicht abgebaut, sondern eher zugenommen hat.

In der Frühjahrsstaffel bin ich auf jeden Fall zu sehen. Wie es danach weitergeht, entscheide nicht ich allein, sondern die Produktionsfirma. Ich möchte noch nicht als Löwe aufhören, so viel kann ich verraten.

Vielen Dank für das Interview!

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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