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So will Facebook sein Rassismus-Problem lösen

Rassismus, Stop Racism
Pixabay.com / GDJ
geschrieben von Maria Gramsch

Rassismusvorwürfe gegen Facebook sind fast so alt wie das Netzwerk selbst. Seit Jahren wird der Konzern beschuldigt, bestimmte Ethnien auf seiner Plattform zu diskriminieren. Nun will Facebook die Lage prüfen und gegen Rassismus vorgehen. Wieder einmal.

Erst im September 2021 geriet Facebook wegen eines Rassismusvorwurfs in die Schlagzeilen. Im Mittelpunkt stand dabei die Gesichtserkennungs-KI des Netzwerks. Denn der Facebook-Algorithmus hatte schwarze Menschen mit Affen verwechselt.

Beim Training und Einsatz von Künstlicher Intelligenz kommt es immer wieder zur Bildung von Vorurteilen. In diesem speziellen Fall fragte die Facebook-KI nach dem Abspielen des Videos mit dem Titel „Weißer Mann ruft Polizei wegen schwarzen Männern am Hafen“, ob Nutzer:innen „weiterhin Videos über Primaten sehen möchten“.

Wie äußert sich Rassismus auf Facebook? Daten sollen helfen

Nun will Facebook sich diesem Problem stellen und dafür – natürlich – Daten erheben. Facebooks Mutter-Konzern Meta werde für die Analyse des Problems künftig die Ethnie seiner Nutzer:innen analysieren, wie NPR berichtet.

Roy Austin Jr., Metas Vice President für Bürgerrechte, begründet diesen Schritt wie folgt: „Solange wir diese Art der Datenerhebung nicht durchführen, können wir diese Frage nicht wirklich beantworten.“

Es gibt viele Mitglieder systemisch und historisch marginalisierter Gemeinschaften, die das Gefühl haben, dass ihre Erfahrungen auf unseren Plattformen anders sind.

Der Konzern wolle verstehen, wie unterschiedlich Menschen verschiedener Herkunft die Plattform Facebook erleben. Das sei „ein großer Schritt auf dem Weg von der anekdotischen zur datengesteuerten Betrachtung.“

Die Problematik Datenschutz will Facebook mit einer Kombination aus Umfragen und Schätzungen auf der Grundlage von Postleitzahlen und Nachnamen angehen. Das zitiert NPR aus einem von Meta veröffentlichten Beitrag zu diesem Thema.

Kritikern geht Facebook-Engagement nicht weit genug

Für viele Kritiker:innen gehen Facebooks Maßnahmen gegen Rassismus und Diskriminierung auf der eigenen Plattform noch nicht weit genug. Die Anti-Defamation League (ADL) schrieb auf Twitter, sie würden die Arbeit von Roy Austin schätzen, jedoch sei der Fortschrittsbericht „einfach nicht genug“.

In einem weiteren Tweet fordert die ADL, in jedem Team Bürgerrechtsexperten einzusetzen – auch in dem, das das Metaverse aufbaut. Denn bisher seien von den „60.000 Mitarbeitern von Facebook weniger als zehn im Team für Bürgerrechte“.

Wenn Facebook versucht, sich Glaubwürdigkeit zu verschaffen, ist das eindeutig daneben gegangen.

US-Bundesstaaten leiten Untersuchung gegen Instagram ein

Doch nicht nur Facebook dürfte den Verantwortlichen bei Meta aktuell Sorgen bereiten. Die Nachwehen der Veröffentlichungen durch Whistleblowerin Frances Haugen ziehen weiterhin ihre Kreise.

Die durch die Ex-Facebook-Mitarbeiterin geleckten Dokumente zeigten unter anderem den negativen Einfluss, den Meta-Tochter Instagram auf besonders junge Nutzer:innen hat. Besonders pikant dabei war, dass sich der Konzern dieser Wirkung offenbar deutlich bewusst war.

Nun haben mehrere US-Bundesstaaten eine Untersuchung gegen die Plattform eingeleitet. Sie wollen überprüfen, ob Meta den Schaden bei Kindern und Jugendlichen zum eigenen Wohl in Kauf nimmt. Dazu gehören die US-Bundesstaaten Massachusetts, Florida, Tennessee, Kalifornien, Vermont, Kentucky, Nebraska und New Jersey.

Junge Menschen bewusst in Gefahr gebracht

„Facebook, jetzt Meta, hat junge Menschen auf seinen Plattformen nicht geschützt, sondern stattdessen bekannte Manipulationen, die eine echte Bedrohung für die physische und geistige Gesundheit darstellen, ignoriert oder in manchen Fällen verstärkt“, begründet Maura Healey, Generalstaatsanwältin des US-Bundesstaates Massachusetts, die Untersuchung.

Der Konzern habe seine jüngsten Nutzer:innen wissentlich den möglichen Gefahren für die geistige Gesundheit ausgesetzt, um den eigenen Profit zu steigern.

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und seit 2021 freie Autorin bei BASIC thinking. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ bei dem Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet unter anderem für turi2.de und die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm.

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