Cannabis, Joint, Marihuana

Mein erstes Mal in einer Cannabis-Verkaufsstelle in den USA

Marinela Potor
Unsplash / Jeff W

Die USA sind eine der größten Tech-Nationen der Welt. Doch welche Trends begeistern die Amerikaner und welche gehen völlig an ihnen vorbei? Genau darüber berichtet Marinela Potor – direkt aus den USA – im BASIC thinking US-Update. Diesmal geht es in eine Cannabis-Verkaufsstelle. Eine Erfahrung, die viel steriler und digitaler ist, als viele denken.

Ich war über die Feiertage in einem klassischen US-Roadtrip unterwegs, von Ohio nach Kalifornien. Stopps auf diesem Weg waren unter anderem der Grand Canyon, Los Angeles und eine Cannabis-Verkaufsstelle.

Letzteres mag etwas seltsam klingen. Doch in einigen Staaten in den USA ist der rekreative Cannabis-Konsum mittlerweile für alle, auch Besuchende, legal. Und ich war sehr neugierig, wie das in der Praxis gehandhabt wird. Es war im Endeffekt komplett anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

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Am Eingang wartet der Bodyguard

Das fing bereits mit der Cannabis-Verkaufsstelle selbst an. Wer mal in einem Coffeeshop in Amsterdam war: Die Cannabis-Verkaufsstellen in den USA sind das komplette Gegenteil. Wo es in den Niederlanden gemütliche Café-Atmosphäre, entspannte Musik und ein lockere Stimmung gibt, findet man in den USA eine sterile Laborumgebung.

Die Verkaufsstellen sind zudem extrem unscheinbar. Auf den ersten Blick wirken sie mit der häufig langweilig neutralen grünen Aufschrift eher wie ein Versicherungsbüro.

Bis man vor der Tür einem Bodyguard begegnet, der die Kund:innen skeptisch von oben bis unten abmisst und dann entscheidet, ob man eintreten darf. Doch das ist nur die erste Hürde.

Einlass nur mit Ausweis ab 21 Jahren

Danach tritt man häufig in eine Art Vorraum, an dessen Ende man eine verstärkte Tür wie zu einem Bank-Safe sieht. Doch bevor man eintreten darf, muss man an der Rezeption seinen Ausweis scannen lassen. Das Mindestalter für den Einlass ist 21 Jahre.

Ich habe keine Ahnung, wo diese Daten gespeichert werden, wer Zugriff dazu hat und ob das FBI jetzt weiß, dass ich in einem Cannabis-Shop war. Die Atmosphäre war so einschüchternd, dass ich lieber nicht gefragt habe.

Doch anscheinend habe ich den Test bestanden. Auch mit meinem deutschen Ausweis hatte ich keine Probleme. Wer aber jetzt denkt, dass nach der verstärkten Tür ein kuscheliges Cannabis-Land wartet, der irrt sich gewaltig.

Steril wie ein Labor

Die Dekoration war steriler als in einem Chemie-Labor. Es gab keinen Schnickschnack, keine Verkaufsregale und nicht einmal Stühle. Vermutlich möchte man nicht, dass Kund:innen dort zu lange verweilen. Stattdessen hingen überall grelle Computerbildschirme.

An diesen konnte man sich per Touchscreen die verschiedenen Produkte, Stränge und THC-Anteile anzeigen lassen. Wer wollte, konnte die Bestellung entweder direkt am Touchscreen abgeben und am Tresen abholen. Wiederkehrende Kund:innen wiederum können in der Regel eine App herunterladen und ihre Joints und Gummibärchen online bestellen. Das erspart einem das Warten in der Schlange.

Denn, das muss man sagen, die Verkaufsstellen sind sehr gut besucht und haben entsprechend lange Schlangen.

Wer schließlich etwas kauft, wird dann nochmals ausführlich vom Personal über Risiken, Zusammensetzungen und Treuepunkte informiert. Wer will, kann noch seine E-Mail-Adresse hinterlassen, um über besondere Aktionen informiert zu werden.

Cannabis-Verkaufsstellen akzeptieren nur Bargeld

Das einzige, was beim Cannabis-Kauf in den USA nicht digital ist, ist die Bezahlung. Da Marihuana in den USA nicht auf Bundesebene erlaubt ist, sondern nur in einigen Staaten, darf die Bezahlung nicht durch Bundesbanken gehen. Man kann also nur mit Bargeld zahlen. Daher steht auch immer ein Kartenautomat in den Verkaufsstellen.

Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum eine Cannabis-Verkaufsstelle einen bewaffneten Türsteher anheuert. Wenn so viel Bargeld in einem Laden herumliegt, sind Kriminelle oft nicht weit.

Sobald man zahlt, geht es dann auch schon wieder durch die schwere Tür wieder in den Vorraum, am Bodyguard vorbei nach draußen.

Ich gebe zu, die Erfahrung war so ziemlich das Gegenteil von einem einladenden Einkaufserlebnis, was zu einem gewissen Grad natürlich auch Absicht ist. Dennoch: Die Verkaufsstelle hat es nach der Reise definitiv nicht in meine Liste der Top-Sehenswürdigkeiten geschafft.

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Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt.