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Angst vor 5G: US-Airlines befürchten eine Branchenkrise

5G, Fluggesellschaften
pixabay.com/JESHOOTS-com
geschrieben von Beatrice Bode

Die elf größten US-amerikanischen Fluggesellschaften warnen kurz vor der Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G vor erheblichen Problemen im Luftverkehr. In einem Schreiben fordern sie sofortige Maßnahmen, um erhebliche Betriebsstörungen zu vermeiden.

Am Mittwoch, den 19. Januar 2022, soll die Versorgung der USA mit dem 5G-Netz nach zweiwöchiger Verspätung nun endlich starten. Bei den US-Fluglinien löst das jedoch große Sorgen vor einer immensen Unterbrechung des Flugverkehrs aus.

Am 17. Januar 2022 veröffentlichte der Dachverband der amerikanischer Fluggesellschaften Airlines for America ein Schreiben, das die möglichen Folgen des 5G-Netzes für die Fluggesellschaften beschreibt.


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5G-Netz stört Fluzeugtechnik

Die unterzeichnenden Fluggesellschaften und das amerikanische Speditionsunternehmen FedEx befürchten demnach erhebliche technische Interferenzen. Geräte, die im 5G-Netz genutzt werden, könnten potenziell die Sicherheits- und Navigationssysteme der Flugzeuge stören. Das betreffe vor allem die Funkhöhenmesser der Maschinen.

Ein sofortiges Eingreifen sei erforderlich, um erhebliche Betriebsunterbrechungen für Flugpassagiere, Spediteure, Lieferketten und die Lieferung benötigter medizinischer Hilfsgüter zu vermeiden, heißt es in dem Schreiben.

Zehntausende Passagiere wären von Störungen betroffen

Im Brief heißt es weiterhin, dass die Angaben der Flugzeughersteller bedeuten könnten, dass zahlreiche Betriebsflotten auf unbestimmte Zeit am Boden bleiben müssten.

An einem Sonntag würde das demnach 1.100 Flüge betreffen. Außerdem wären über 100.000 Passagiere von Annullierungen, Umleitungen und Verspätungen betroffen.

Sollten die befürchteten Störungen für den Flugverkehr tatsächlich eintreten, rechnet der Verband Airlines For America mit etwa 32 Millionen betroffenen Menschen, die auf pünktliche Warenlieferungen angewiesen sind. Berechnungen zufolge würden etwa 5.400 Frachtflüge verspätet, umgeleitet oder gestrichen werden.

Die Unterzeichner des Briefes geben zu Bedenken, dass die Auswirkungen auf den Passagier-und Frachtbetrieb, die Belegschaft und die Wirtschaft insgesamt unberechenbar seien. Der Handel in den gesamten USA könne zum Erliegen kommen.

Fluggesellschaften bitten um Aufschub

Um die erwartete Katastrophe zu vermeiden, bitten die Fluggesellschaften darum, dass Sendetürme, die zu nah an den Start-und Landebahnen der Flughafen stehen, vorerst nicht mit dem 5G-Netz versorgt werden. Die Luftfahrtbehörde FAA solle zunächst feststellen, wie diese Türme ohne Störungen in das neue 5G-Netz eingespannt werden könnten.

Der Brief richtete sich an den Direktor des amerikanischen Wirtschaftsrates Brian Deese, FAA Administrator Stephen M. Dickson, Verkehrssekretär Pete Buttigieg und den Vorstand der amerikanischen Kommunikationskommission FCC Jessica Rosenworcel.

5G-Einsatz weiterhin geplant

Bisher gibt es vonseiten der Netzbetreiber keine Hinweise, die eine Verschiebung des 5G-Einsatzes vermuten lassen.

Laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters gab der Verband Airlines for America keinen weiteren Kommentar zu diesem Schreiben ab. Auch von der Regierung gab es keine Äußerungen.

Sprecher der FAA erklärten, dass sie weiterhin sicherstellen würden, dass die reisende Bevölkerung abgesichert sei, während das 5G-Netz eingesetzt werde. Die FAA werde weiterhin mit der Flugbranche und den Netzbetreibern zusammenarbeiten, um Störungen im Zusammenhang mit dem 5G-Netz zu limitieren.

Am Sonntag erklärte die Luftbehörde außerdem, dass sie sich mit den Netzbetreibern auf eine Pufferzone von sechs Monaten für Flughäfen mit unmittelbarer Nähe zu Sendern einigen konnte.

Europäischer Flugverkehr von Störungen vermutlich nicht betroffen

Bereits im Dezember warnten auch die Flugzeughersteller Boeing und Airbus vor erheblichen Störungen im Zusammenhang mit dem Einsatz des 5G-Netzes.

Medienberichten zufolge hat die Deutsche Flugsicherung DFS darauf hingewiesen, dass das 5G Netz in Deutschland nur in Frequenzbereichen unterhalb von 3,7 Gigahertz genutzt werden könne.

Höhenmesser von Flugzeugen nutzen einen Frequenzbereich zwischen 4,2 und 4,4 Gigahertz. Der Abstand ist also groß genug, um die Geräte nicht zu stören. In den USA wird das 5G-Netz allerdings im Bereich bis zu 3,98 Gigahertz eingesetzt. Der Bereich kommt also deutlich näher an die Frequenz der Höhenmessgeräte heran.

+++ UPDATE: Einsatz des 5G-Netzes wird verschoben

Laut Medienberichten haben die US-Telekommunikationskonzerne AT&T und Verizon zugestimmt, den Einsatz des 5G-Netzes in den USA zu verschieben. Die Entscheidung betrifft ausgewählte Flughäfen, auf denen die Sendemasten zu nah an den Landebahnen stehen.

Die Stimmung bei AT&T ist dementsprechend schlecht. Die britische BBC berichtet, dass das Unternehmen frustriert sei über die Unfähigkeit der Federal Aviation Administration, das zu tun, was fast 40 Länder getan hätten, nämlich die 5G-Technologie sicher einzusetzen, ohne Flugdienste zu stören. Weiterhin forderte der Konzern die FAA auf, dieses Versäumnis dringend aufzuholen.

Laut Nachrichtenagentur Reuters sind nur etwa 10% der Funkmasten von der Verzögerung betroffen. Wie lange es dauern wird, bist das 5G-Netz dann auch über diese verbleibenden Masten eingesetzt werden kann, bleibt allerdings offen.

Auch U.S.-Präsident Joe Biden gab einen Kommentar zur Verzögerung des Rollouts ab. Er dankte AT&T und Verizon dafür, dass sie der Verschiebung zustimmten. Seine Regierung sei bemüht das 5G-Netz schnellstmöglich auf den Weg zu bringen und Unterbrechungen des Flugverkehrs auf ein Minimum zu reduzieren.

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Über den Autor

Beatrice Bode

Beatrice ist freie Autorin und Videografin. Ihr Studium der Kommunikations - und Medienwissenschaften führte sie über Umwege zum Regionalsender Leipzig Fernsehen, wo sie als CvD, Moderatorin und VJ ihre TV-Karriere begann. Nach einem Zwischenstopp als Content Creator und Reporterin bei Antenne Thüringen landete sie vor einigen Jahren als Cutterin bei der 99pro media GmbH. Vor einiger Zeit hat sie allerdings ihre Sachen gepackt und ist in die Dominikanische Republik gezogen, um dort als Taucherin die Rettung der Korallenriffe zu unterstützen. Von dort aus schreibt sie nun als freie Autorin für BASIC Thinking.

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